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Paraguay

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: April 2014

Bildungspolitik

Die allgemeine Schulpflicht beträgt neun Jahre. Allerdings verlassen viele Schulpflichtige die Schule vorzeitig, da wirtschaftlich schlecht gestellte Familien auf einen finanziellen Beitrag ihrer heranwachsenden Kinder zum Lebensunterhalt angewiesen sind. Der prozentuale Anteil derjenigen, die einen höherwertigen Schulabschluss erreichen, ist vergleichsweise gering, insbesondere in den ländlichen Gebieten. Mittlerweile erkennen aber immer mehr Jugendliche selbst den Zusammenhang zwischen Bildung und ihrer beruflichen Zukunft : Abendschulen, in denen in Schnellkursen Hauptschulabschluss oder das Abitur nachgeholt werden können, verzeichnen regen Zulauf.

Hauptfremdsprache an den weiterführenden Schulen ist Englisch, wenn auch Fremdsprachen neben den zwei offiziellen Landessprachen Spanisch und Guaraní keine tragende Rolle im Curriculum spielen. Es ist theoretisch möglich, an staatlichen Sekundarschulen auch andere Sprachen zu erlernen (z.B. Deutsch); in der Praxis fehlt es den Schulen jedoch an den hierfür notwendigen Ressourcen. Das Erlernen weiterer Fremdsprachen bleibt somit v.a. denjenigen vorbehalten, die sich Privatschulen leisten können.

Die paraguayischen Sekundarschulen führen nach zwölf Schuljahren zum „Bachillerato“. Mit diesem Abschluss erwirbt der Abiturient in der Regel keine unmittelbare fachliche Berechtigung zum Studium an einer wissenschaftlichen Hochschule in Deutschland. Als Reaktion hierauf hat das Colegio Goethe in Asunción das Gemischtsprachige Internationale Baccalauréat (GIB) eingeführt.

Neben der staatlichen Universität „Universidad Nacional de Asunción“ (UNA) mit ca. 39.000 Studenten und der „Universidad católica“ gibt es eine schnell wachsende Anzahl (über 50) privater Universitäten von unterschiedlichem Ruf. Zur Qualitätssicherung im Tertiärbildungsbereich und zur Verbesserung der Vergleichbarkeit von Studienleistungen ermöglicht das paraguayische Bildungsministerium den Universitäten mittlerweile, ein Verfahren zur Akkreditierung einzelner Studiengänge zu durchlaufen. Das aufwändige Verfahren wurde aber bisher nur mäßig nachgefragt. Paraguayische Studienleistungen werden in Deutschland bislang nur fallweise (nicht automatisch) anerkannt.

Im  März 2013 hat die private Universität UPA (Universidad Paraguaya Alemana), eine Gemeinschaftsgründung der SRH Holding Heidelberg und des paraguayischen Industrieverbandes UIP (Unión Industrial Paraguaya), ihren nach dem Vorbild einer deutschen Fachhochschule organisierten Lehrbetrieb aufgenommen. Die Abschlüsse der UPA sollen sowohl in Deutschland als auch in Paraguay anerkannt werden.

Mit Hilfe deutscher Expertise und Beratung soll ein Berufsbildungswesen in Anlehnung an das „Duale System“ geschaffen werden.


Kulturpolitik

Das paraguayische Kulturleben entfaltet auf den Gebieten der bildenden Künste, des Films, der Literatur und der Musik, aber auch im Bereich Theater beachtliche Aktivitäten.

Besonders hervorzuheben sind dabei die Aktivitäten des Städtischen Sinfonieorchesters Asunción (OSCA), dessen Dirigent Luís Szarán mit seinem Projekt "Sonidos de la Tierra" junge Menschen in ganz Paraguay an die klassische Musik heranführt und mittlerweile auch im Ausland Erfolge feiert. Außerdem hat sich Asunción in den letzten Jahren zu einem wichtigen Standort für große Pop- und Rockkonzerte entwickelt und verfügt selbst über eine interessante Musikszene.

Aufgrund der schwierigen Haushaltslage sind einer zielgerichteten staatlichen Kulturpolitik jedoch enge Grenzen gesetzt. Dies gilt auch für den Erhalt von Baudenkmälern. Deshalb wird beispielsweise die deutsche Hilfe zum Kulturerhalt (u.a. Restaurierung des Glockenturms der Jesuitenreduktion in Trinidad, Friedhof in San Bernardino) besonders geschätzt.

Ansonsten sind es vorwiegend private Initiativen, die gemeinsam mit Programmen aus dem Ausland ein reges kulturelles Angebot in Asunción entstehen lassen. Die kulturelle Programmarbeit des deutsch-paraguayischen Goethe-Zentrums „Instituto cultural paraguayo-aleman“ (ICPA) in Asunción genießt dabei hohes Ansehen.

Das kulturelle Leben wird zudem durch die Immigranten aus verschiedenen Ländern (u.a. Deutschland) bereichert, die in ihren Siedlungen und Kolonien ihre alten Traditionen pflegen und damit der paraguayischen Gesellschaft ihre Herkunftsländer näher bringen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.