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Niederlande

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2012

Politische Beziehungen

Die staatlichen und nichtstaatlichen Beziehungen sind vielgestaltig, eng und freundschaftlich. Die enge, vertrauensvolle Zusammenarbeit findet ihren Ausdruck in vielfältigen, intensiven Kontakten und hochrangigen Besuchen von Regierungsmitgliedern und Parlamentariern beider Länder und die konstruktive Zusammenarbeit im Grenzgebiet. Deutschland ist für die Niederlande politisch wie wirtschaftlich einer der wichtigsten Partner, auf dessen Rat und Verständnis man vertraut und dem bei der Wahrnehmung europäischer Interessen im Bündnis und beim Voranbringen der Europäischen Union eine maßgebliche Rolle zugemessen wird.

Das alle zwei Jahre stattfindende Deutsch-Niederländische Forum (früher: Deutsch-Niederländische Konferenz) widmet sich Themen von gemeinsamen Interesse und bewirkt damit auch im gesellschaftspolitischen Bereich ein besseres gegenseitiges Verständnis. Damit soll auch ein zutreffenderes Bild vom jeweiligen Nachbarn gewonnen werden.


Grenzüberschreitende Zusammenarbeit

Unterhalb der gesamtstaatlichen Ebene spielt die grenzüberschreitende Zusammenarbeit insbesondere in den fünf so genannten Euregios eine wichtige Rolle. Die Euregios sind freiwillige Zusammenschlüsse von öffentlich–rechtlichen Organen in der deutsch-niederländischen Grenzregion, wobei insbesondere Gebietskörperschaften und teils auch Handelskammern eine wichtige Rolle spielen. Insgesamt weist die grenzüberschreitende Zusammenarbeit im kulturellen und wirtschaftlichen Bereich beachtliche Erfolge auf und hat 2009 durch eine Initiative der Niederlande neue Impulse bekommen. Im Rahmen dieser Initiative wurde unter anderem ein Internetportal zur besseren Information von Grenzpendlern initiiert (www.grenzpendler.nrw.de) sowie eine Äquivalenzliste zur gegenseitigen Anerkennung von Abschlüssen unterzeichnet.

Auch auf dem Gebiet der Sicherheit (Polizei, Katastrophenhilfe, Rettungsdienste, Feuerwehren, Gesundheitswesen, Drogenbekämpfung usw.) konnten durch verbesserte und vermehrte Zusammenarbeit zwischen deutschen und niederländischen Stellen erhebliche Fortschritte erzielt werden.


Wirtschaftsbeziehungen

Der Umsatz im deutsch-niederländischen Außenhandel belief sich lt. Statistischem Bundesamt 2011 auf rund 151,4 Milliarden Euro. Damit waren die Niederlande für uns auch 2011 wieder einer der wichtigsten Handelspartner. Der Import belief sich auf 82,1 Milliarden Euro, der deutsche Export in die Niederlande betrug dagegen 69,3 Milliarden Euro.

Der niederländische Handelsbilanzüberschuss stammt zu beinahe zwei Dritteln aus dem Handel mit Deutschland. Knapp ein Viertel der niederländischen Gesamtausfuhr beruht auf Exporten nach Deutschland. So stammen 25 Prozent unserer Agrarimporte aus den Niederlanden. Die Niederlande sind auch Deutschlands drittgrößter Energielieferant. Deutschland bleibt damit weiterhin der wichtigste Absatzmarkt für die niederländische Wirtschaft.

Besondere Bedeutung für Deutschland hat der Hafen von Rotterdam, der sich auch als "größter deutscher Hafen" vermarktet und zu den größten Überseehäfen der Welt gehört. Im Hafen von Rotterdam werden mehr Waren für Deutschland umgeschlagen als in allen deutschen Häfen zusammengenommen. Der Hafen meldete für 2011 einen Güterumschlag von 433 Mio. Tonnen. Durch Rotterdam sind die Niederlande das "Tor" Deutschlands und Europas für den Handelsverkehr mit Asien.

Die Deutsch-Niederländische Handelskammer (DNHK) in Den Haag ist die weltweit zweitälteste Außenhandelskammer (gegründet 1905) und unterhält Repräsentanzen in Berlin (im DIHK), Düsseldorf und Stuttgart. Von den rund 1.000 Mitgliedern sind rund 60 Prozent niederländische Unternehmen.


Kulturbeziehungen

Die deutsch-niederländischen Bildungs- und Kulturbeziehungen sind sehr eng. Sie umfassen alle Bereiche (Bildende Kunst, Musik, Theater, Tanz, Literatur, Film usw.) und bewegen sich auf hohem Niveau. Vertragliche Basis ist das Kulturabkommen vom 27. August 1961. Die 1993 unterzeichnete Gemeinsame Erklärung über Bildungszusammenarbeit wurde 2001 fortgeschrieben. Ferner gibt es bilaterale Vereinbarungen auf der Ebene der Bundesländer. Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Niedersachsen sind wichtige Partner in der kulturellen und bildungspolitischen Zusammenarbeit mit den Niederlanden. Auch bestehen Verbindungen nach Bremen – sowie aus historischen Gründen – (durch das Haus Oranien-Nassau) mit Brandenburg.

Die Zusammenarbeit im Kultur- und Bildungsbereich weist große Erfolge auf: Enge Kooperation von Hochschulen, Schulen und Berufsbildungszentren; Austausch von Wissenschaftlern, Lehrern, Schülern, Studenten und Auszubildenden; Kooperationen von Museen, Stiftungen und anderen Kultureinrichtungen. Einmal jährlich tagt der Deutsch-Niederländische Ausschuss für den Pädagogischen Austausch abwechselnd in Deutschland und den Niederlanden. Beide Länder fördern die Sprache des Nachbarlandes, insbesondere im grenznahen Bereich. Darüber hinaus werden Schulpartnerschaften, Jugend- und Studentenaustauschprogramme und die Zusammenarbeit im Berufsbildungsbereich unterstützt. Die Euregio-Gremien leisten hierbei einen wichtigen Beitrag.

Im universitären Bereich (besonders auf Instituts- und Fachbereichsebene) und außeruniversitären Forschungsbereich (Max-Planck-Institute, Helmholtz-Gesellschaften, Fraunhofer-Institut, Akademien) bestehen rund 570 Kooperationsvereinbarungen.

Die Niederlande sind in der internationalen Kulturförderung sehr aktiv. In Amsterdam sind Dachorganisationen, Netzwerke und Stiftungen ansässig, darunter die ECF – European Cultural Foundation, das EUNIC – EU European Union National Institute for Culture und die SICA - Stichting Culturele Activiteiten).

Die niederländischen Kulturfonds fördern auch Projekte und Aktivitäten im Ausland, so geht der Erfolg niederländischer Autoren im Ausland ganz wesentlich auf die Förderung durch den Literaturfonds zurück. Ähnliches gilt für Musik und Musiker, sei es im Bereich der klassischen Musik, der Rock- und Popmusik oder für Theater- und Tanzvorstellungen, die von entsprechenden Fonds gefördert werden.

1980 gründeten die Niederlande und Flandern die "Nederlandse Taalunie" (Niederländische Sprachunion). Diese Organisation, die ihren Sitz 2008 von Den Haag nach Brüssel verlegt hat, ist für die Sprachpolitik im eigenen Sprachraum und die Förderung des Niederländischen in der Welt zuständig. Niederländisch ist die Muttersprache von über 22 Mio. Niederländern und Flamen. Darüber hinaus sprechen im Nordwesten Frankreichs 60.000 Menschen einen niederländischen Dialekt. Auch auf Aruba, Bonaire, Curaçao und in Surinam wird Niederländisch gesprochen.

Zwischen den Kultureinrichtungen und Veranstaltern beider Länder besteht überwiegend Direktkontakt. Der Austausch findet auf kommerzieller, institutioneller und privater Ebene statt; öffentliche Förderung ist dabei in hohem Maße eingebunden. Drei deutsch-niederländische Kulturstiftungen (Deutsche Bibliothek Den Haag, Genootschap Nederland-Duitsland, Stichting Cultuur & Kommunikation) widmen sich, zum Teil bereits seit über 50 Jahren, der Pflege der bilateralen Kulturbeziehungen durch Autorenlesungen, Musik- und Vortragsveranstaltungen, Diskussionsabende sowie Filmpräsentationen.

Schaufenster der kulturellen Darstellung vor Ort ist das Goethe-Institut Niederlande mit Instituten in Amsterdam und Rotterdam.
www.goethe.de/rotterdam

www.goethe.de/amsterdam



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.