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USA Vereinigte Staaten

Wirtschaft

Stand: September 2016

Grundlagen

Der Status der USA als weltweit stärkste Wirtschaftsmacht, die rund ein Fünftel des jährlichen Welteinkommens erwirtschaftet, gründet sich auf ein großes, rohstoffreiches und gut erschlossenes Staatsgebiet. Es hat mit fast 10 Millionen Quadratkilometern etwa die 25-fache Größe von Deutschland; die Fläche Deutschlands entspricht etwa der Größe des US-Bundesstaates Montana. Weitere Faktoren sind der große Binnenmarkt (2015: circa 320 Millionen Einwohner, Bruttoinlandsprodukt 2015: USD 17,95 Billionen, zum Vergleich Bruttoinlandsprodukt Deutschland 2015: circa USD 3,36 Billionen) sowie das durch unternehmerische Initiative und freien Handel gekennzeichnete Wirtschafts- und Finanzsystem. Der US-Dienstleistungssektor erwirtschaftet circa 67 Prozent des Bruttoinlandsproduktes (BIP), der Industriesektor circa 20 Prozent, davon gut 1 Prozent Landwirtschaft. Die Staatsquote beträgt rund 13 Prozent (Bundes- und Staatenebene).


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) der USA wuchs im Jahr 2015 um 2,5 Prozent. Das Wirtschaftswachstum lag damit über den Werten von 2014 (2,4%) und 2013 (1,5%). Getrieben wurde dieses Wachstum nahezu vollständig vom privaten Konsum, der traditionellen Stütze der US-Wirtschaft. Der Arbeitsmarkt sendet gemischte Signale aus. Die Arbeitslosenquote lag im Juni 2016 bei 4,9% (2015: 5,3%, 2014: 6,2%, 2013: 7,4%,), die Erwerbsquote verharrt aber mit 62,8% auf niedrigem Niveau. Die Zahl der Langzeitarbeitslosen lag im Juli 2016 bei knapp über 1,2 Mio. (vor der Krise 2007: 1,3 Mio.) Die Zahl der unfreiwillig Teilzeitbeschäftigten lag im Juni 2016 mit 5.94 Mio. weiterhin deutlich über den Zahlen vor der Krise (4,2 Mio.). Außerdem konnten die Löhne trotz gesunkener Arbeitslosenquote nur gering ansteigen.

Die US-Wirtschaft hat sich nach der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 nur sehr langsam erholen können. Zunächst war der Immobilienmarkt  Motor des Aufschwungs. In den Jahren 2011 - 2013 hatte der Immobilienmarkt mit zweistelligen Zuwachsraten die US-Wirtschaft angeführt. Die Immobilienpreise haben in den Ballungsgebieten wieder das Preisniveau von 2008 erreicht. Der private Konsum hat sich seit 2014 stabilisiert und ist 2015 weiter gestiegen. Dies ist nicht zuletzt auf die verbesserte Lage auf dem Arbeitsmarkt und die niedrigen weltweiten Energiepreise zurückzuführen, die auch die Stimmung der Verbraucher deutlich haben steigen lassen.

Die Industrieproduktion, ablesbar an den Auftragseingängen der Industrie, entwickelte sich 2015 jedoch schlechter als noch in den Vorjahren. Viele Unternehmen halten sich mit Investitionen zurück, häufen ihre Gewinne und nutzen sie eher für Aktienrückkäufe, als für neue Projekte.


Geldpolitik

Die US-Zentralbank Federal Reserve (Fed) hat im Dezember 2015 - erstmals seit neun Jahren - die Leitzinsen wieder angehoben. Im Zuge der Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 hatte sie eine lockere Geldpolitik mit einem Zinssatz nahe Null  und Anleihekäufen (Quantitative Easing) begonnen. Die Anleiheankäufe sind nach schrittweiser Reduzierung mittlerweile beendet worden. Angesichts der Unsicherheiten über die Entwicklung der US-Wirtschaft ist offen, ob  die Fed in 2016 weitere Zinsschritte vornehmen wird. Bislang sind diese, v.a. wegen der eher enttäuschenden Arbeitsmarktdaten aber auch der Unsicherheit über das globale Wachstum, unterblieben.


Haushalt

Das Haushaltsjahr 2015 schloss mit einem Defizit von USD 439 Milliarden oder 2,5% des BIP. Im Vorjahr überstiegen die Ausgaben die Einnahmen noch um 4,1%des BIP. Für 2016 bis 2018 erwartet das Haushaltsbüro des Kongresses für den Fall von unveränderter Gesetzgebung ein jährliches Defizit von um die 2,9% des BIP. Danach würde das Defizit wieder deutlich steigen. Hauptverantwortlich hierfür ist das Anwachsen der gesetzlich festgelegten Sozialausgaben für das Renten- und die Gesundheitssysteme.

Im Oktober 2015 hatten sich die Parteien auf einen zweijährigen Haushaltsrahmen bis Ende 2017 geeinigt. Im Dezember 2015 waren dann die Einzelhaushaltsgesetze für das Fiskaljahr bis Ende September 2016 im Kongress verabschiedet worden. voraussichtlich wird vor den Wahlen kein neues Paket der Einzelhaushaltsgesetze verabschiedet werden. Vielmehr wird erwartet, dass sich der Kongress nur auf einen Fortsetzungshaushalt ("Continuing Resolution") bis nach der Amtseinführung des neuen Präsidenten einigen wird.

Im Dezember 2015 wurde zusätzlich die geltende Schuldenobergrenze bis zum März 2017 ausgesetzt. Nur bis dahin ist die Regierung ermächtigt, im Rahmen des Haushalts neue Schulden am Kapitalmarkt aufzunehmen.


Außenhandel

Die USA sind weltgrößter Absatzmarkt für Importgüter. Als Exporteur (nur Waren) standen sie 2014 nach China an zweiter Stelle. Das Handelsbilanzdefizit betrug 2015 USD 500,3 Mrd., eine Steigerung von 2,0% (USD 10,2 Mrd.) verglichen mit dem Vorjahr (2014: USD 490,1 Mrd.).

Das Exportvolumen für Waren und Dienstleistungen (USD 2.261,1Mrd.) hat sich 2015 im Vergleich zum Vorjahr (USD 2.376,5 Mrd.) verkleinert. Auch das Importvolumen für Waren und Dienstleistungen (USD 2.761,8 Mrd.) ist 2015 im Vergleich zum Vorjahr (USD 2.866,7Mrd.) gesunken.

Hauptabnehmerländer für US-Warenexporte 2015 waren: China, Kanada, Mexiko, Japan, und Deutschland. Dabei hat Deutschland US-Waren im Wert von 49,9 Milliarden US-Dollar eingeführt und lag damit im Jahr 2015 auf Rang 5 der US-Absatzmärkte. Bei den Warenimporten der USA liegt die Bundesrepublik Deutschland als Exporteur mit USD 124 Mrd. unverändert auf Rang 5. Die USA hatten 2015 mit Deutschland das zweithöchste Handelsbilanzdefizit; es erreichte einen Umfang von USD 74,2 Mrd.. Ein höheres Defizit verzeichnete die USA lediglich mit China (USD 365,7 Mrd.).

Die USA haben bilaterale Freihandelsabkommen mit 20 Staaten abgeschlossen (Australien, Bahrain, Chile, Costa Rica, Dominikanische Republik, El Salvador, Guatemala, Honduras, Israel, Jordanien, Kanada, Kolumbien, Mexiko, Marokko, Nicaragua, Oman, Peru, Panama, Südkorea und Singapur).

Am 5. Oktober 2015 schlossen die USA mit 11 Staaten (Australien, Brunei, Chile, Japan, Kanada, Malaysia, Mexiko, Neuseeland, Peru, Singapur und Vietnam) die Verhandlungen zu einem regionalen Handelsabkommen im asiatisch-pazifischen Raum, der so genannten Trans-Pazifischen Partnerschaft (TPP), ab. Am 04.02.2016 wurde das Abkommen von den TPP-Partnern unterzeichnet. Bevor TPP in Kraft treten kann, muss es noch ratifiziert werden. Dieser Prozess wird frühestens Ende des Jahres 2016 abgeschlossen sein.

Seit Mitte 2013 verhandeln die USA und die EU über eine Transatlantische Handels- und Investitionspartnerschaft (Transatlantic Trade and Investment Partnership, TTIP). Ziel ist die Schaffung der bedeutendsten Freihandelszone der Welt. Neben Zollerleichterungen sollen bestehende nicht-tarifäre Handelshemmnisse, die die Unternehmen unnötig belasten, abgebaut werden, ohne jedoch bestehende Schutzstandards für Arbeitnehmer, Verbraucher und Umwelt abzusenken.

US-Wirtschaftsstatistik*

2012201320142015
BIP nominal (in Billionen USD)16,1616,7717,4217,9
BIP-Wachstum real2,21,92,42,4
Arbeitslosenquote7,87,46,25,3
Warenimporte aus Deutschland (Mrd. USD)108,5114,6123,1124,1
Handelsbilanzsaldo mit Deutschland (Mrd. USD)-59,7-67,2-73,7-74,2
Handelsbilanzsaldo mit der EU (Mrd. USD)-115,7-125,0-141,1-153,3

*) Quellen: Department of Commerce (Bureau of Economic Analysis), Department of Labor (Bureau of Labor Statistics), Delegation of the European Commission, gtai


Energie

Für die USA ist neben Kosten der Energieversorgung und Versorgungssicherheit eine möglichst emissionsarme Energieerzeugung, basierend auf Gas, Kernenergie, 'sauberer Kohle' und erneuerbaren Energien sowie Energieeffizienz wichtig. Trotz der Bedeutung von fossilen Energieträgern und Kernkraft ist das Interesse am Ausbau erneuerbarer Energien und mehr Energieeffizienz hoch und hat im Zusammenhang mit der Weltklimakonferenz COP21 im Dezember 2015 in Paris an Bedeutung gewonnen.

Auch mit sinkenden Ölpreisen fördern die USA weiterhin (Schiefer-) Öl- und Gas. Die Abhängigkeit von Öl- und Gastimporten sinkt damit. Die USA sind größter Erdgasproduzent und gehören mit Russland und Saudi-Arabien zu den weltgrößten Ölproduzenten. Der Schiefergas-Boom (Zunahme der Förderung von 2005-2015 um über 42%) hat in den USA zu niedrigen Gaspreisen geführt. Das gesetzliche Exportverbot für Öl wurde 2015 aufgehoben. Anfang 2016 fanden erste Exporte verflüssigten Erdgases (LNG) statt.


Klima

Die USA bekennen sich zum Übereinkommen von Paris (ÜvP)  und ihren nationalen Beiträgen (Nationally Determined Contributions, NDC). Gemeinsam mit CHN haben die USA bereits Ende März angekündigt, das ÜvP noch 2016 ratifizieren zu wollen. Damit könnte das ÜvP bereits 2017 in Kraft treten. Die USA verfolgen eine ambitionierte Klimapolitik. Der NDC verspricht eine Reduktion der Treibhausgasemissionen bis 2025 um 26-28% gegenüber 2005.

Zu den zentralen Maßnahmen der US-Politik zählen ein Klimaaktionsplan, strengere Minderungsvorschriften für Kraftwerksemissionen (im Februar 2016 vom Obersten Gerichtshof vorläufig ausgesetzt), die Reduzierung des Treibstoffbedarfs für Fahrzeuge, Effizienzsteigerung und Emissionsminderungen in privaten und öffentlichen Gebäuden sowie der verminderte Ausstoß von Fluorkohlenwasserstoffen (HFC).

Zuletzt haben sich bei ihrem Gipfeltreffen am 29.06.2016 in Ottawa die Staats- und Regierungschefs KAN, USA und MEX auf eine Klima- und Umweltpartnerschaft ("North American Climate, Clean Energy and Environment Partnership") geeinigt. Wichtigste Elemente der Klima- und Umweltpartnerschaft sind das Ziel 50% "saubere" Stromerzeugung bis 2025 (inklusive erneuerbarer Energien, Nuklearenergie und CO2-einlagernder Technologien (CCS)) sowie eine Reduktion von Emissionen des Treibhausgases Methan im Öl- und Gassektor um 40-45% bis 2025.

Auch einige Bundesstaaten verfolgen eine ambitionierte Klimapolitik. Kalifornien, der bevölkerungsreichste US-Bundesstaat und für sich genommen zehntgrößte Volkswirtschaft der Welt, hat sich dazu verpflichtet, den Ausstoß von Treibhausgasen bis 2030 um 40% gegenüber 1990 zu reduzieren.

Auch der Ausbau erneuerbarer Energien, mit denen heute über 13% des Stroms in den USA produziert wird, wird insbesondere auf der Ebene der Bundesstaaten vorangetrieben, so auf dem Gebiet der Photovoltaik. Hawaii ist der erste Bundesstaat, der sich zu einer Komplettumstrukturierung seiner Stromversorgung entschlossen hat, indem es bis 2045 seinen Strom zu 100% durch erneuerbare Energien produzieren will. Die Regierung von Präsident Obama setzt sich weltweit für mehr Forschung und Entwicklung im Bereich nachhaltiger Energietechnologien ein.


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