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Internationale Sommerkurse: Ein Schnupperstudium weckt Lust auf mehr

Es muss nicht gleich ein Semester oder ein ganzes Studium sein: Internationale Sommerkurse für ausländische Studierende und Graduierte bieten die ideale Gelegenheit, in wenigen Wochen Deutschland und den Hochschulalltag kennenzulernen. Mit Stipendien aus Mitteln des Auswärtigen Amts unterstützt der DAAD Studierende aus aller Welt, die in den Sommermonaten Sprachkurse und Seminare an deutschen Hochschulen besuchen möchten. Viele von ihnen kommen später für einen längeren Studien- oder Forschungsaufenthalt zurück. Ein durchaus erwünschter Effekt des Angebots.

Hilditia Ariyati Hidayat hat ihr Heimatland Indonesien zum allerersten Mal verlassen. „Ich habe Goethe gelesen, ich habe Schiller gelesen – ich wollte den Ort kennenlernen, an dem die beiden sich so oft begegnet sind“, sagt die 22-jährige Studentin aus Jakarta. Sie strahlt. Mit einem Stipendium des DAAD in der Tasche ist sie mehr als 17 Stunden gereist, um an diesen Ort zu kommen – nach Jena. In der kleinen Hochschulstadt in Thüringen sind die Spuren der beiden großen deutschen Dichterfürsten auf Schritt und Tritt lebendig. Die junge Indonesierin ist eine von 84 Studierenden aus aller Welt, die hier am 70. Internationalen Sommerkurs für Germanistik (ISG) der Friedrich-Schiller-Universität teilnehmen. Drei Wochen lang besuchen sie Sprachkurse in den Räumen der Universität, hören Vorträge und machen Ausflüge in die nähere Umgebung, nach Weimar, Dresden oder Leipzig. Nachmittags beschäftigten sie sich in Arbeitsgruppen mit den verschiedensten Themen, von romantischer Lyrik bis hin zum Sprachenlernen im Tandem. „In einem Vortrag zum Web 2.0 haben wir zum Beispiel gelernt, wie wir Arbeitsblätter im Internet finden, die wir für den Unterricht selbst vorbereiten können“, erzählt Hilditia. „Das sind sehr gute und praktische Tipps.“ Sie studiert im achten Semester Germanistik und will später Deutsch unterrichten.

Ein wachsendes Angebot

Internationale Stipendiaten des Sommerkurses in Jena im Gespräch

Internationale Stipendiaten des Sommerkurses in Jena im Gespräch
© Jan Greune

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Internationale Stipendiaten des Sommerkurses in Jena im Gespräch

Internationale Stipendiaten des Sommerkurses in Jena im Gespräch

Internationale Stipendiaten des Sommerkurses in Jena im Gespräch

Im Sommer, wenn die Semesterferien beginnen und sich die Hörsäle leeren, laden immer mehr Universitäten zu mehrwöchigen Kursen ein, die sich gezielt an ausländische Studierende und Graduierte richten. Der DAAD vergibt aus Mitteln des Auswärtigen Amts Stipendien für diese Sommerkurse und arbeitet heute mit mehr als 70 Veranstaltern an deutschen Hochschulen zusammen. Das Angebot ist in vergangenen Jahren stetig gewachsen. „Während sich das Angebot früher hauptsächlich an Germanistikstudierende richtete, sind inzwischen viele Sommerkurse auch für Studierende anderer Fachbereiche interessant“, sagt DAAD-Referatsleiterin Birgit Siebe-Herbig. Sie sieht darin eine Folge der Globalisierung. „Sprachkenntnisse und Auslandserfahrung sind heute nicht nur für Germanisten wichtig, sondern auch für Juristen oder Wirtschaftswissenschaftler.“ Gefördert werden ausschließlich Kurse, die über mindestens 18 Unterrichtstage laufen und auf Deutsch gehalten werden – das trifft auf rund 150 der insgesamt mehr als 300 Sommerkurse im Jahr zu.

Die Spannbreite der Themen und Fachangebote ist groß: An der TU Berlin lernen zum Beispiel Maschinenbauer Methoden aus der modernen Verfahrenstechnik kennen, in Ulm befassen sich Mathematiker mit stochastischer Analyse und die Leibniz Universität Hannover widmet sich dem historisch-politischen Thema „Gewalt im 20. Jahrhundert“. Viele Fachkurse sind interdisziplinär orientiert und stehen Studierenden vieler Fachrichtungen offen. „Es ist eine tolle Möglichkeit, um für eine kurze Zeit in ein Land hineinzuschnuppern. Das kann die Entscheidung für ein Studium in Deutschland erleichtern“, sagt Birgit Siebe-Herbig.

Studienalltag aus erster Hand

Nach und nach füllen sich die Reihen im Hörsaal. Die Sommergäste aus aller Welt kommen aus den Sprachgruppen, in denen sie jeden Morgen ihre Deutschkenntnisse trainieren. Im Multimediazentrum auf dem Jenaer Campus werden sie gleich anschaulich und unterhaltsam erfahren, wie sich Erkenntnisse aus der Gedächtnispsychologie im Fremdsprachenunterricht einsetzen lassen. Hao Feng steht am Eingang des Raums und verteilt Handouts. Der Germanistikstudent aus China war 2010 als Sommerkurs-Stipendiat des DAAD in Jena. „Ich habe mich sofort für ein Masterstudium beworben“, erzählt er. Inzwischen absolviert Hao Feng den Studiengang Deutsch als Fremdsprache. „Nach dem Sommerkurs ist es mir sehr leicht gefallen, mich einzuleben.“ In diesem Jahr ist er als Betreuer beim ISG dabei. Gemeinsam mit deutschen Studierenden kümmert er sich um die internationalen Gäste. Für die Teilnehmer des Sommerkurses ist der Austausch mit den Betreuern auf Augenhöhe ganz wichtig – als „Insider“ haben sie viel über ihr Studium in Deutschland zu berichten. „Ich finde es toll, dass wir so viel Gelegenheit haben, untereinander und mit anderen Deutsch zu sprechen“, schwärmt eine Kursteilnehmerin. „So bekommen wir viel mit vom Unileben hier.“

Ein erster Schritt zum Auslandsstudium

Sanjeet und Hilditia mit ihrem Sommerkurs-Betreuer, dem chinesischen Studenten Hao Feng

Sanjeet und Hilditia mit ihrem Sommerkurs-Betreuer, dem chinesischen Studenten Hao Feng
© Jan Greune

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Sanjeet und Hilditia mit ihrem Sommerkurs-Betreuer, dem chinesischen Studenten Hao Feng

Sanjeet und Hilditia mit ihrem Sommerkurs-Betreuer, dem chinesischen Studenten Hao Feng

Sanjeet und Hilditia mit ihrem Sommerkurs-Betreuer, dem chinesischen Studenten Hao Feng

Rund 40 Zuhörer finden sich an diesem Morgen im Hörsaal ein. Die überwiegende Mehrheit von ihnen nimmt mit einem DAAD-Stipendium an dem Sommerkurs teil. „Die Stipendiaten, die über den DAAD zu uns kommen, sprechen schon gut Deutsch“, sagt Thomas Müller, Leiter des Internationalen Sommerkurses in Jena. „Die Seminare und Vorlesungen können sie ohne Probleme verstehen.“ Für Teilnehmer, die noch nicht so gut sprechen, bietet die Universität am Vormittag einen zweiten Sprachkurs an. Sanjeet Kumar Pathak aus Indien braucht den Intensivkurs nicht. Während der Vorlesung sitzt der Stipendiat in der ersten Reihe und schreibt eifrig mit. Der Germanistikstudent aus Neu Delhi ist ehrgeizig. Der Sommerkurs in Jena ist für ihn ein erster Schritt auf dem Weg zu einem Studium in Deutschland. „Wenn man Deutsch studiert, sollte man auch das Land und die Kultur kennenlernen“, sagt der 24-Jährige. Von befreundeten Studenten in Neu Delhi hat er viel Gutes über Jena gehört, deshalb hat er sich für die traditionsreiche Wissenschaftsstadt beworben. „Das Programm ist sehr interessant und abwechslungsreich“, betont der junge Inder. In den Arbeitsgruppen hat er Gedichte aus der deutschen Romantik interpretiert und gelernt, wie sich Filmausschnitte im Sprachenunterricht einsetzen lassen. Ebenso wie Hilditia aus Jakarta ist er fest entschlossen, sich nach dem Bachelorabschluss in der Heimat um ein DAAD-Stipendium zu bewerben und einen Master in Deutschland zu machen. Beiden ist allerdings auch klar: „Dafür müssen wir sehr gute Noten haben.“

Nur die Leistung zählt

Bei der Vergabe von Stipendien zählt beim DAAD grundsätzlich die Leistung, das gilt auch für die Sommerkurse. Überdurchschnittliche Studienerfolge, solide Grundkenntnisse in der deutschen Sprache und die Motivation geben den Ausschlag. Im Jahr 2010 hat der DAAD mehr als 2.200 Sommerkursteilnehmer gefördert. Wie viele Bewerber aus einem Land unterstützt werden, hängt unter anderem von der Zahl der Deutschlerner an den Hochschulen ab. Ein besonders großes Interesse am Erlernen der deutschen Sprache beobachtet der DAAD bei Studierenden aus Osteuropa. Der DAAD übernimmt Kosten in Höhe von 650 Euro und gewährt eine Kursgebührenpauschale von 200 Euro. Je nach Herkunftsland kann eine Reisekostenpauschale hinzukommen. Es handelt sich dabei um ein Teilstipendium, ein kleiner Eigenanteil bleibt meistens übrig. Stipendiaten geben jeweils zwei Kurswünsche an. Je nach Veranstaltungsort und Programm liegen die Preise höher oder niedriger. Der Sommerkurs in Jena kostet 350 Euro, darin sind die Kosten für Sprachkurse, Arbeitsgemeinschaften, Vorträge, das kulturelle Rahmenprogramm, die Betreuung und Exkursionen enthalten. „Wir verdienen nichts an den Sommerkursen“, sagt Kursleiter Thomas Müller. „Aber wir gewinnen das Interesse von Studierenden aus aller Welt.“ Eine Einschätzung, die Sanjeet, Hilditia und Hao sofort unterschreiben würden.

Text: Gunda Achterhold/Societäts-Medien


Stand 05.09.2011

Zahlen und Fakten

Mit einem Budget von ca. 3,7 Millionen Euro unterstützt der DAAD aus Mitteln des Auswärtigen Amts Hochschulsommerkurse für ausländische Studierende und Graduierte. Im Jahr 2010 wurden rund 2.200 Studierende aus aller Welt gefördert. Der DAAD arbeitet mit mehr als 70 Kursveranstaltern an deutschen Hochschulen zusammen. Die Kurse haben eine Laufzeit von mindestens 18 Unterrichtstagen mit jeweils mindestens 25 Unterrichtsstunden pro Woche. Etwa 10 Prozent der Sommerkursteilnehmer kehren als Studierende zurück.

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FAQs zu Sommerkursen
Häufig gestellte Fragen zu den Sommerkursen beantwortet der DAAD unter www.study-in.de

Friedrich-Schiller-Universität Jena
Allgemeine Informationen zur Hochschule www.uni-jena.de und zum Internationalen Sommerkurs für Germanistik (ISG) in Jena www.uni-jena.de

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