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Nigeria

Wirtschaft

Stand: September 2016

Wirtschaftslage und -struktur

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und zweitgrößte Volkswirtschaft des Kontinents nach Südafrika. Nigeria verfügt über sehr große Öl- und Gasvorkommen, und konnte in den letzten Jahren auch dank verschiedener Reformen ein hohes einstelliges Wirtschaftswachstum verzeichnen. Wegen sinkender Öleinnahmen (Ölpreisverfall und Reduzierung der Ölfördermenge durch Anschläge auf Ölförderanlagen und Pipelines im Nigerdelta) befindet sich Nigeria zwischenzeitlich in einer Rezession. Das Wachstum betrug 2015 noch 2,7 Prozent, für das Gesamtjahr 2016 prognostiziert der IWF ein Negativwachstum von -1,8 Prozent. Seit dem Beginn der Ölförderung in Nigeria in den 1960er Jahren dominierten die Öleinnahmen die Wirtschaftsstruktur.

Weiterhin gelten folgende Herausforderungen:

  • Die weitgehende Abhängigkeit von Öleinnahmen besteht fort.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt weiterhin in extremer Armut (weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag). Die Arbeitslosigkeit, vor allem in der jungen Bevölkerung, ist hoch.
  • Die Lage im Nigerdelta ist derzeit nicht stabil; die Bedrohung der dort angesiedelten Öl- und Gasförderung durch militante Gruppen und Piraten bleibt ein Risiko, ebenso wie die Verschlechterung der ökologischen Grundlagen der Region.
  • Terrorakte der islamistischen Gruppierung "Boko Haram" im Nordosten Nigerias stellen ein großes Sicherheitsproblem dar.
  • Die Infrastruktur, vor allem im Bereich Stromversorgung und Transport, ist weiterhin mangelhaft und gilt als Haupthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung.
  • Korruption und schleppende Verwaltung bleiben trotz Reformanstrengungen der Regierung problematisch für die Entfaltung einer dynamischeren Wirtschaftsentwicklung.
  • Die unterentwickelte Landwirtschaft ist nicht in der Lage, den inländischen Nahrungsmittelbedarf zu decken.
  • Aufgrund zu geringer inländischer Raffineriekapazitäten und eines intransparenten Benzin-Subventionsregimes kommt es regelmäßig zu Konflikten und Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoffen.

Die Regierung von Staatspräsident Buhari widmet sich besonders den Defiziten auf der Einnahmenseite, um die weiterhin bestehende Abhängigkeit von Öleinnahmen zu mindern. Eine Erhöhung der Steuereinnahmen wird angestrebt, sowie Rückführung von Geldern, die Mitglieder der Vorgängerregierung illegal ins Ausland verbracht haben. Die Subventionierung des Benzinpreises wurde zwischenzeitlich beendet.

Die Regierung Nigerias hat den notwendigen Kampf gegen Korruption zu einem Teil ihrer Wirtschaftspolitik erklärt. Geordnetere Verfahren bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und die Schaffung größerer Transparenz bei den Einnahmen im Öl- und Gasgeschäft sind Teile dieser Bestrebungen.


Haushalts- und Währungspolitik

Der im Mai 2016 verabschiedete Staatshaushalt geht von einem 30-prozentigen Defizit aus. Nur noch 20 Prozent der Einnahmen speisen sich aus dem Ölgeschäft (vorher etwa 70 Prozent). Der Schuldendienst belastet den Haushalt mit 35 Prozent. Die nach dem Rückgang der Öleinnahmen eingetretene Devisenknappheit führte bereits 2015 zu Devisenbeschränkungen.

Die Zentralbank musste infolge der gesunkenen Öleinnahmen die Landeswährung Naira stützen und schrittweise auf einen Wechselkurs von um die 200 Naira zu einem Dollar abwerten. Dies führte auch zu einem Abschmelzen der Währungsreserven, dem unter anderem durch die Einführung von Beschränkungen im freien Kapitalverkehr für den Import bestimmter Produktgruppen entgegengewirkt werden soll. Im Juni 2016 wurde der Wechselkurs in Teilen wieder freigegeben, allerdings bestehen Beschränkungen im Kapitalverkehr fort.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Ölproduktion ist und bleibt trotz der gesunkenen Ölpreise der wichtigste Wirtschaftszweig Nigerias. Die tägliche Fördermenge schwankt aufgrund von illegalen Abzweigungen, Sabotageakten und mangelhafter Wartung. Eine notwendige umfassende Reform des staatlichen Ölsektors wird seit Jahren angestrebt, konnte aber aufgrund fehlender Einigung zwischen Regierung und Parlament bislang nicht realisiert werden.

Die Regierung beabsichtigt, die seit 40 Jahren bestehende Praxis der Abfackelung des bei der Ölförderung anfallenden Erdgases zu beenden und hat diese Zusage anlässlich der Weltklimakonferenz im Dezember 2015 in Paris erneuert. Die ursprüngliche Frist (Ende 2008) konnte nicht eingehalten werden. Es ist eine erhebliche Ausweitung der Förderung von Gas und seiner Umwandlung zu Flüssiggas geplant. Eine Westafrika-Pipeline nach Ghana wurde gebaut, die den westafrikanischen Markt für nigerianisches Erdgas erschließen soll. Des Weiteren ist eine Trans-Sahara-Pipeline über Niger nach Algerien geplant, um den europäischen Markt zu versorgen. Die Gaswirtschaft ist dabei, sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Nigeria zu entwickeln, obgleich die Entwicklung mit vielen Verzögerungen behaftet ist.

Der Reichtum Nigerias ist das Öl, doch über 60 Prozent der Nigerianer sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In ländlichen Gegenden beträgt der Anteil über 90 Prozent. Über 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion kommt von kleinen Anbauflächen – in der Regel in Subsistenzwirtschaft – mit Größen von einem bis 5 Hektar. Der Agrarsektor macht rund 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Dabei ist das Potenzial der nigerianischen Landwirtschaft bei Weitem nicht ausgeschöpft. Nigeria ist Afrikas größter Yams- und Augenbohnenproduzent und der weltweit größte Produzent von Maniok (Kassava). Nigeria ist mittlerweile viertgrößter Kakaoproduzent (Tendenz steigend). Auch die Mais- und Reisproduktion wurde - durch Einwirken der Regierung - kräftig ausgeweitet.

Der Bankensektor war in den letzten Jahren einer der Wachstumsmotoren der nigerianischen Wirtschaft. Der Telekommunikationssektor ist der zweite Sektor, in dem die Reformpolitik zu raschen Erfolgen geführt hat. Nigeria verfügt über rund 70 Millionen Telefonanschlüsse, fast ausschließlich Mobiltelefone.


Außenwirtschaft

Da Nigeria in erster Linie Rohöl exportiert, ist die Handelsbilanz stark von der Entwicklung des Ölpreises abhängig.

Zu den wichtigsten Handelspartnern zählen China, USA, Indien, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (vor allem Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland), Brasilien und Südafrika. China bleibt an der Spitze der Herkunftsländer von Importen nach Nigeria. Inzwischen hat Indien die USA als Hauptabnehmer des nigerianischen Erdöls abgelöst.

Etwa 85 deutsche Unternehmen sind in Nigeria aktiv. Das Handelsvolumen zwischen Deutschland und Nigeria betrug 2015 ca. 2,9 Milliarden EUR (2014: 5,4 Milliarden EUR). Damit ist Nigeria nach Südafrika immer noch zweitwichtigster Handelspartner Deutschlands in Subsahara-Afrika. Exportiert wurden aus Deutschland 2015 Güter im Wert von rd. 1,0 Milliarde EUR (2014: 1,4 Milliarden EUR), v.a. Maschinen, Fahrzeuge sowie chemische Erzeugnisse. Der Wert der deutschen Importe (v.a. Rohöl) sank 2015 auf 1,9 Milliarden EUR (2014 auf 3,95 Milliarden EUR), was v.a. dem Preisrückgang beim Rohöl geschuldet ist.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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