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Nigeria

Wirtschaft

Stand: Juni 2013

Wirtschaftslage und -struktur

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas, nach Südafrika mit Abstand die zweitgrößte Volkswirtschaft südlich der Sahara, verfügt über sehr große Öl- und Gasvorkommen, und konnte in den letzten Jahren auch dank verschiedener Reformen durchweg ein hohes einstelliges Wirtschaftswachstum verzeichnen.

Weiterhin gelten allerdings folgende Herausforderungen:

  • Die weitgehende Abhängigkeit von Öleinnahmen (über 90 Prozent der Deviseneinnahmen; 80 Prozent der staatlichen Einnahmen und etwa 20 Prozent des BIP) besteht fort.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt weiterhin in extremer Armut (weniger als 1 US-Dollar pro Tag). Die Arbeitslosigkeit, vor allem in der jungen Bevölkerung, ist hoch.
  • Die Lage im Nigerdelta ist derzeit relativ stabil; die Bedrohung der dort angesiedelten Öl- und Gasförderung durch militante Gruppen und Piraten bleibt aber ein Risiko.
  • Die Infrastruktur, vor allem im Bereich Stromversorgung und Transport, ist weiterhin mangelhaft und gilt als Haupthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung.
  • Korruption und schleppende Verwaltung bleiben trotz Reformanstrengungen der Regierung problematisch für die Entfaltung einer dynamischeren Wirtschaftsentwicklung.
  • Die unterentwickelte Landwirtschaft ist nicht in der Lage, den inländischen Nahrungsmittelbedarf zu decken.

Das solide Wirtschaftswachstum der letzten Jahre (6 bis 8 Prozent) war neben den positiven Entwicklungen in den Banken-, Telekommunikations- und Agrarsektoren auch auf die hohen Öleinnahmen zurückzuführen. Die Regierung legt einen Teil der Einnahmen aus dem Ölexport auf ein Sonderkonto, dem sogenannten "Excess Crude Oil Account", der Zentralbank fest, um damit eine stabilere Fiskalpolitik zu erzielen, einen Inflationsschub zu verhindern und Reserven für schlechtere Zeiten anzulegen. Im Mai 2011 hat die Regierung außerdem einen Staatsfonds "Sovereign Wealth Fund" geschaffen, der sich ebenfalls aus Öleinnahmen speist und zur Finanzierung wichtiger Infrastrukturmaßnahmen dienen soll.

Die Regierung Nigerias hat den notwendigen Kampf gegen Korruption zu einem Teil ihrer Wirtschaftspolitik erklärt. Geordnetere Verfahren bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und die Schaffung größerer Transparenz bei den Einnahmen im Öl- und Gasgeschäft sind Teile dieser Bestrebungen. Eine weitere wichtige Maßnahme war die Einrichtung einer 'Economic and Financial Crimes Commission' (EFCC) zur Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftsverbrechen. Als Ergebnis der Bemühungen der EFCC wurde Nigeria 2006 aus der von der Financial Action Task Force der G8 geführten Liste der bei der Bekämpfung von Geldwäsche "nicht-kooperierenden Staaten" gestrichen.


Haushalts- und Währungspolitik

Die Verschuldungssituation Nigerias hat sich seit der Einigung über einen Schuldenerlass mit den Gläubigerstaaten des "Pariser Clubs" im Frühjahr 2005 deutlich verbessert. Sie liegt derzeit noch rund 5,6 Milliarden US-Dollar, was 2,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts entspricht. Die Gesamtverschuldung liegt mit 44 Milliarden US-Dollar bei rund 16,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Bruttoinlandsprodukt ist für 2012 auf 268 Milliarden US-Dollar beziffert. Das Haushaltsdefizit liegt bei knapp über 2 Prozent. Die Inflation konnte auch 2012 nicht auf einen Wert unter 10 Prozent gedrückt werden. Sie liegt bei rund 12 Prozent.

Die Zentralbank hält den Dollar-Wechselkurz des Naira zwischen 150 und 160 zu 1. Für einen Euro erhält man derzeit etwa 200 Naira.

Die Währungsreserven liegen derzeit bei knapp 45 Milliarden US Dollar. Ein weiterer Anstieg auf bis zu 50 Milliarden wird von der Regierung angestrebt, und könnte bei anhaltend hohen Ölpreisen gelingen.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Ölproduktion ist und bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig Nigerias, auch wenn er nur noch rund 15 Prozent des Bruttoinlandsprodukt ausmacht. Die tägliche Fördermenge sank aufgrund der Unruhen im Nigerdelta 2008 trotz einer vorhandenen Produktionskapazität von 3 Millionen Fass pro Tag vorübergehendauf rund 1,4 Millionen Fass pro Tag. Nach der Amnestie für die Militanten im Nigerdelta im Oktober 2009 stieg sie auf derzeit rund 2,4 Millionen Fass pro Tag. Ein notwendige umfassende Reform des staatlichen Ölsektors wird seit Jahren angestrebt, konnte aber aufgrund fehlender Einigung zwischen Regierung und Parlament über einen Gesetzentwurf ("Petroleum Industry Bill") bislang nicht realisiert werden.

Die Regierung beabsichtigt, die seit 40 Jahren bestehende Praxis der Abfackelung des bei der Ölförderung anfallenden Erdgases zu beenden, die ursprüngliche Frist (Ende 2008) konnte aber nicht eingehalten werden. Es ist eine erhebliche Ausweitung der Förderung von Gas und seiner Umwandlung zu Flüssiggas geplant. Eine Westafrika-Pipeline nach Ghana wurde gebaut, die den westafrikanischen Markt für nigerianisches Erdgas erschließen soll. Des Weiteren ist eine Trans-Sahara-Pipeline über Niger nach Algerien geplant, um den europäischen Markt zu versorgen. Die Gaswirtschaft ist dabei, sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Nigeria zu entwickeln, obgleich die Entwicklung mit vielen Verzögerungen behaftet ist.

Der Reichtum Nigerias ist das Öl, doch über 60 Prozent der Nigerianer sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In ländlichen Gegenden beträgt der Anteil über 90 Prozent. Über 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion kommt von kleinen Anbauflächen – in der Regel in Subsistenzwirtschaft – mit Größen von einem bis 5 Hektar. Der Agrarsektor macht über 40 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Dabei ist das Potenzial der nigerianischen Landwirtschaft bei Weitem nicht ausgeschöpft. Nigeria ist Afrikas größter Yam- und Augenbohnenproduzent und der weltweit größte Produzent von Maniok (Kassava). Nigeria ist mittlerweile viertgrößter Kakaoproduzent (Tendenz steigend). Auch die Maisproduktion wurde – durch Einwirken der Regierung - kräftig ausgeweitet.

Die Konsolidierung des Bankensektors ist das herausragende Beispiel für die Erfolge der Reformpolitik der letzten Jahre, auch während der globalen Finanzkrise. Der Sektor ist einer der Wachstumsmotoren der nigerianischen Wirtschaft.
Der Telekommunikationssektor ist der zweite Sektor, in dem die Reformpolitik zu raschen Erfolg geführt hat. Nigeria verfügt über rund 70 Millionen Telefonanschlüsse, fast ausschließlich Mobiltelefone. Mehrere private Anbieter teilen sich mit dem ehemaligen Staatsunternehmen Nitel den Markt.

Als hoffnungsvolle Wachstumsmotoren mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten gelten IT, Bauwesen, Einzel- und Großhandel sowie die Unterhaltungsindustrie.


Außenwirtschaft

Da Nigeria in erster Linie Rohöl exportiert, ist die Handelsbilanz stark von der Entwicklung des Ölpreises abhängig.

Zu den wichtigsten Handelspartnern zählen die USA, Indien, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (vor allem Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland), Brasilien, Südafrika und China. China bleibt an der Spitze der Herkunftsländer von Importen nach Nigeria, bei den Exporten bleiben die USA wichtigstes Zielland. Allerdings fällt der Anteil der Ölexporte in die USA so stark, dass inzwischen Indien Hauptabnehmer des nigerianischen Erdöls ist.

Das deutsch-nigerianische Handelsvolumen hat sich nach einem Einbruch in Folge der globalen Wirtschaftskrise und des niedrigeren Ölpreises wieder erholt. Im Jahr 2012 lagen die Einfuhren nach Deutschland aus Nigeria bei 4,42 Milliarden Euro (Rang 35), die Ausfuhren aus Deutschland nach Nigeria bei 1,25 Milliarden Euro (Rang 64). Beim Umsatz nahm Nigeria 2012 den 47. Rang ein.

Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte.

Deutschland liegt an neunter Stelle der Zielländer der nigerianischen Exporte, bei den Ursprungsländern der Importe an zehnter Stelle.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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