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Beziehungen zwischen Myanmar und Deutschland
Stand: März 2013
Politische Beziehungen
Die politischen Beziehungen zwischen Deutschland und Birma (seit 1989: Myanmar) waren bis zur Niederschlagung der Demokratiebewegung 1988 eng, wesentlich getragen vom starken entwicklungspolitischen Engagement der Bundesrepublik. Der Staatsbesuch von Bundespräsident von Weizsäcker im Februar 1986 und der Gegenbesuch von Präsident San Yu Ende Oktober 1987 in Deutschland waren Höhepunkte im gegenseitigen Verhältnis. Die DDR unterhielt ihrerseits enge politische Beziehungen zur damaligen sozialistischen Militärregierung Birmas.
Die politischen Ereignisse vom August 1988 und die Menschenrechtsverletzungen in Myanmar, die in der blutigen Niederschlagung der Massenproteste im September 2007 kulminierten, beeinträchtigten die deutsch-myanmarischen Beziehungen erheblich. Die Europäische Union verhängte erstmals 1990 restriktive Maßnahmen, die ab 1996 in ihrem Gemeinsamen Standpunkt zu Myanmar zusammengefasst wurden.
Mit der Öffnung des Landes und der weitestgehenden Suspendierung der EU-Sanktionen intensivieren sich die bilateralen Beziehungen. Mit dem Myanmarbesuch von Bundesminister Westerwelle (April 2012) fand die rege und hochrangige Besuchsdiplomatie vorläufig ihren Höhepunkt.
Wirtschaftliche Beziehungen
Die Wirtschaftsbeziehungen zu Deutschland stagnierten aufgrund der politischen und ökonomischen Rahmenbedingungen seit den neunziger Jahren auf niedrigem Niveau. 2012 stiegen die Handelszahlen insgesamt jedoch spürbar an (ca. + 50 Prozent im Vergleich zu 2011). Deutsche Exporte nach Myanmar verdoppelten sich auf einen Wert von ca. 99 Mio. Euro. Die Importe gingen jedoch zurück auf ca. 44 Mio. Euro (2011: ca. 61 Mio. Euro). Der Schwerpunkt bei eingeführten Waren liegt auf Bekleidung, bei deutschen Exporten bei Maschinen, Farben/Lacke, pharmazeutischen Erzeugnissen und Kunststoffe. Der akkumulierte Bestand der deutschen Direktinvestitionen in Myanmar liegt bei lediglich etwa 15 Millionen US-Dollar. In den letzten Jahren gab es keine bekannten Neuinvestitionen deutscher Unternehmen in Myanmar. Das Interesse der deutschen Wirtschaft an Myanmar ist zur Zeit jedoch sehr groß. Es besteht die Hoffnung, dass sich im Zuge des Reformkurses der zivilen Regierung die Wirtschaftsbeziehungen weiter intensivieren werden. Der DIHK (Deutscher Industrie- und Handelskammertag) plant, noch im Jahr 2013 ein Delegiertenbüro in Myanmar zu eröffnen.
Im August 2012 entschied der interministerielle Ausschuss für Exportkreditgarantien, für Geschäfte nach Myanmar wieder Hermes-Deckungsmöglichkeiten anzubieten - zunächst begrenzt auf Geschäfte mit Auftragswerten von max. 250.000 EUR mit dem Privatsektor und Kreditlaufzeiten unter einem Jahr.
Entwicklungspolitische Zusammenarbeit und Humanitäre Hilfe
Im Juli 2012 wurde - nach 25-jähriger Unterbrechung - die Wiederaufnahme der Entwicklungszusammenarbeit zwischen Deutschland und Myanmar vereinbart. Im Rahmen des Schwerpunktes "nachhaltige Wirtschaftsentwicklung" werden zunächst Projekte der Beruflichen Bildung, bei der Unterstützung des Finanz- und Bankensektors sowie bei der Entwicklung des privaten Sektors durchgeführt. Deutschland stellt hierfür zunächst 12,5 Mio. EUR zur Verfügung. Darüber hinaus unterstützt Deutschland - über Nichtregierungsorganisationen und die Vereinten Nationen - Projekte in den Bereichen humanitäre Hilfe, Armutsbekämpfung, Substitution von Drogenanbau, Gesundheit und Bildung mit jährlich etwa neun Millionen Euro.
Kulturelle Zusammenarbeit
Beim Besuch von Staatsministerin Pieper in Myanmar im September 2012 konnte durch die Unterzeichnung einer gemeinsamen Erklärung mit dem myanmarischen Kulturministerium der Weg für eine Wiedereröffnung des 1965 geschlossenen Goethe-Instituts und für eine Intensivierung des Wissenschaftsaustauschs geebnet werden. Anfang März 2013 ist der myanmarische Kulturminister zu einem Besuch nach Deutschland eingeladen. In diesem Zusammenhang werden auch Gespräche über ein Kulturabkommen und die Eröffnung eines Goethe-Instituts in Rangun geführt.
Aktuell vergeben verschiedene deutsche Institutionen in Myanmar Postgraduiertenstipendien. Pro Jahr reisen circa 15 bis 25 myanmarische Wissenschaftler zu Studien- und Forschungsaufenthalten nach Deutschland. Gegenwärtig bestehen fünf Kooperationsabkommen deutscher mit myanmarischen Hochschulen. Diverse weitere Abkommen sind in der Planung. Seit Oktober 2012 ist eine DAAD-Langzeit-Dozentin für voraussichtlich 18 Monate an der University of Yangon tätig.
Eine konstante Initiative ist das alljährlich mit den EU-Partnern Frankreich, Italien und Großbritannien gemeinsam organisierte Europäische Filmfestival in Rangun. Auch 2013 finden wieder Konzertaufführungen und Workshops deutscher Musiker in Myanmar statt.
Deutsch wird in Myanmar – mit Unterstützung der deutschen Botschaft und des regionalen Goethe-Instituts - lediglich an den beiden Deutschfakultäten der Fremdsprachenuniversitäten in Rangun und Mandalay gelehrt und von circa 1.600 Myanmaren gesprochen. Seit August 2009 ist ein DAAD-Lektor an der Fremdsprachenuniversität in Rangun tätig. Noch im laufenden Jahr soll der Deutschunterricht beim Goethe-Institut wieder aufgenommen werden.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
