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Wie arbeitet eine Dolmetscherin des Außenministers? Haben Dolmetscher Lampenfieber? Hilft es, zweisprachig aufgewachsen zu sein, wenn man Übersetzer werden will? Was tun, wenn der Minister einen Fehler macht? Der Sprachendienst des Auswärtigen Amts hat breit gefächerte Aufgaben - von denen Außenstehende oft wenig wissen.

Wenn Frau M. morgens ihr Büro im Auswärtigen Amt aufschließt, ist oft nicht klar, was sie an diesem Tag erwartet. Zwar weiß sie, sie hat einen Dolmetsch-Termin: Der Außenminister empfängt einen Kollegen. Zwar sind die Themen des Gesprächs ungefähr bekannt. Sie hat sich auch die Mappe mit den Geprächsunterlagen vorher besorgt. So konnte sie sich einige spezielle Fachausdrücke noch einmal ins Gedächtnis rufen, ein neues Themenfeld erarbeiten. Doch ob und in welcher Tiefe die beiden tatsächlich über Klimaschutzverhandlungen oder Details konventioneller Abrüstung sprechen, wird sich zeigen. Auch die Atmsophäre ergibt sich erst aus der Situation. Frau M. weiß, die beiden haben sich bereits ein paar Mal getroffen, kennen sich, haben aber nicht nur übereinstimmende Positionen in vielen Bereichen.

Dolmetscher und Übersetzer sind Sprachmittler. Ein Übersetzer überträgt einen schriftlichen Text von einer Ausgangssprache in eine Zielsprache. Der Dolmetscher dagegen überträgt einen gesprochenen Text mündlich oder mittels Gebärdensprache. Übrigens, 'Dolmetscher' ist eines der wenigen ungarischen Lehnwörter im Deutschen (tolmács).

Dolmetscher als Vermittler

Diese Informationen sind wichtig. Denn Hauptaufgabe der Dolmetscherin in dem Gespräch ist es, zu vermitteln, Verständigung im wahrsten Sinne des Wortes herzustellen. Das bedeutet natürlich, nichts wegzulassen, nichts zu verändern. Es bedeutet aber auch, die Stimmung adäquat zu übertragen. Äußern der Außenminister, die Bundeskanzlerin oder der Bundespräsident zum Beispiel einmal ihr Missfallen gegenüber einem Gesprächspartner, so sollte dies im Idealfall auch in der Übertragung in gleichem Maße zum Ausdruck kommen. "Wir sind im Prinzip wie Schauspieler," sagt eine erfahrene Dolmetscherin. "Man muss auf die Bühne, und dann muss man eine gute Leistung abliefern - egal was passiert. Und ich merke, die Anspannung wird mit den Jahren nicht weniger."

Zum Thema 'Korrigieren': Fragt man Dolmetscher, ob sie wirklich nicht kleine Fehler der Sprechenden 'ausbügeln', so bekommt man eine klare Antwort. Im Prinzip wird übertragen, nicht korrigiert. Nur, wenn man absolut sicher ist, dass es sich um einen Versprecher gehandelt hat, würde man das korrigieren. Da hilft es natürlich, wenn man denjenigen, für den man dolmetscht, schon länger kennt.

Der Sprachendienst des AA begleitet den Außenminister, die Bundeskanzlerin und den Bundespräsidenten. Im AA arbeiten 4 Dolmetscher, 22 Übersetzer und 18 Personen, die beide Tätigkeiten ausüben. Sie decken die rund 15 Sprachen ab, in denen der Bedarf hoch ist. Bei allen anderen Sprachen werden freiberufliche Fachleute hinzugezogen. Darüber hinaus gibt es an fast allen Auslandsvertretungen Sprachmittler, die die täglichen Dolmetsch- und Übersetzungsaufgaben dort übernehmen. Auch hier ist der Sprachendienst an der Auswahl beteiligt. So bildet sich ein enges, weltweites Netzwerk.

Die richtige Ebene treffen

Diese Sorgen haben die Übersetzer nicht so sehr. Man sagt, es sei eine Typfrage, wer Übersetzer, wer Dolmetscher wird. Die Übersetzer haben vielmehr die Herausforderung, dass sie auch schriftliche Texte, die nicht durch Mimik oder Gestik unterstützt werden, adäquat in die Zielsprache übersetzen müssen. Es soll die gleiche Ebene getroffen werden: So soll eine launige Rede im Englischen auch auf Deutsch nicht steif und langweilig wirken. Oft reicht es da eben nicht, nur die richtige Bedeutung der Worte zu kennen. Die Übersetzer müssen genau erspüren: Welche Wirkung erzeugt der Originaltext, mit welchen Mitteln kann man das in der Zielsprache wiedergeben?

Fachleute für Terminologie

Und wie geht man mit all den Fachbegriffen um? Wie kann man sicherstellen, dass ein Fachbegriff auch konsequent mit demselben Ausdruck übersetzt wird? Hier kommen die Terminologen ins Spiel. Sie greifen den Übersetzern und Dolmetschern unter die Arme, indem sie tiefer gehende Nachforschungen anstellen.

Die Terminologen durchforsten amtliche Dokumente, kontaktieren Experten, schließen sich mit den Sprachendiensten anderer Ressorts kurz, stimmen sich mit Kollegen bei der Europäischen Union und den Vereinten Nationen ab. Sie sorgen beispielsweise dafür, dass es für das Auswärtige Amt eine amtliche englische Bezeichnung gibt und dass die von Bolivien gewünschte Änderung seines Staatennamens auch im Deutschen nachvollzogen wird. Die Ergebnisse dieser Arbeit werden in terminologischen Datenbanken festgehalten, auf die auch ein Übersetzer am Generalkonsulat in St. Petersburg oder an der Botschaft in Peking zugreifen kann.

Wie ein neuer Begriff geprägt wird: Aus einem G8-Gipfeldokument musste der Ausdruck "Global Impact and Vulnerability Alert System" ins Deutsche übertragen werden. Da aus dem Kontext die exakte Bedeutung nicht ersichtlich war, bedurfte es genauer Recherchen. Der Fachbereich Terminologie informierte sich über den Inhalt des geplanten Systems: Dieses von den Vereinten Nationen einzuführende System soll rechtzeitig warnen, wenn durch Wirtschaftskrisen, Nahrungsmittelknappheit o.ä. die Ärmsten der Armen besonders hart getroffen werden.

Das sprachliche Problem für die Übersetzung in diesem Fall war, dass im Englischen "Impact" und "Vulnerability" allein stehen und der Leser nicht ohne Weiteres weiß, worauf sie sich beziehen. Eine originalgetreue Übersetzung hätte im Deutschen den wenig aussagekräftigen Begriff "Globales Warnsystem der Vereinten Nationen für Auswirkungen und Anfälligkeit" ergeben. Die Übersetzer des AA erwogen deshalb den Zusatz von "Krise" im Deutschen, obwohl dies über eine wörtliche Übersetzung des Englischen hinausgeht. Allerdings wurde diese Entscheidung nicht ohne Rücksprache mit dem Deutschen Übersetzungsdienst der Vereinten Nationen in New York getroffen, der in der Regel VN-relevante Begriffe prägt und mit dem sich das Auswärtige Amt in einem solchen Fall abstimmt. Nach intensiver Zusammenarbeit war schließlich der offizielle deutsche Begriff geboren: "Globales Warnsystem der Vereinten Nationen für Krisenfolgen und Anfälligkeit".

Übrigens, man muss nicht zweisprachig aufgewachsen sein, um Übersetzer oder Dolmetscher zu werden. Im Gegenteil, Menschen, die mit mehreren Sprachen gleichzeitig aufgewachsen sind, fällt es oft schwer, in einer Sprache so tief verwurzelt zu sein, dass sie ohne Weiteres jede Nuance wahrnehmen. Denn das ist nötig, um auch alle Feinheiten zu übertragen. Bevorzugt übersetzen die Fachleute daher auch immer in ihre Muttersprache.

Der Übersetzungsdienst für völkerrechtliche Übereinkünfte ist ein spezialisierter Teil des Sprachendienstes. Er hat innerhalb der Bundesregierung die Aufgabe, für eine einheitliche Ausdrucksweise in deutschen Vertragstexten zu sorgen.

Spuren des Kalten Krieges

Anders die Dolmetscher. Hier hat der Kalte Krieg noch seine Spuren hinterlassen. Weil man der Gegenseite nicht völlig vertraute, war der eigene Dolmetscher eine Vertrauensperson. Man legte also Wert darauf, dass er das, was man selbst sagte, in die Fremdsprache überträgt. Der deutsche Dolmetscher übersetzte also ins Englische. Obwohl die politischen Umstände sich radikal geändert haben, ist diese Tradition geblieben. Zumindest im Englischen.

Konditionsfrage

Und wie lange kann man die Arbeit als Dolmetscher durchhalten? Die Regel ist: Beim Simultandolmetschen nicht mehr als 30 Minuten am Stück. Wird konsekutiv gedolmetscht, kommt es darauf an, wie oft man zum Einsatz kommt und ob in beide Richtungen gedolmetscht werden muss. Meist stellt die Partnerseite auch einen Dolmetscher, dann spricht man sich ab, wer was und wie viel übernimmt.

Es ist wichtig, diese Standards einzuhalten. Nicht muss gleich etwas schiefgehen. Doch man hat schon gehört, dass erschöpfte Dolmetscher vom Französischen ins Französische übertragen haben, weil das Gehirn den Unterschied nicht mehr wahrnehmen kann. Sicher ist: Nur wenn die bewährten Standards beibehalten werden, können die Experten professionell arbeiten und das Niveau erhalten - und das liegt ja auch im Interesse der Politiker, die mit ihrer Hilfe kommunizieren.

Weiterer Teil des Sprachendienstes ist das Sprachlernzentrum: Es widmet sich der Sprachaus- und -fortbildung von Angehörigen des Auswärtigen Amts zur Vorbereitung auf Versetzungen ins Ausland. Neben der Abnahme von Sprachprüfungen werden hier Unterrichtsmaßnahmen in bis zu 70 Fremdsprachen im In- und Ausland unter Berücksichtigung der besonderen Bedürfnisse des Auswärtigen Amts geplant, koordiniert und didaktisch betreut.


Stand 30.07.2009

Hintergrund zum Sprachendienst im AA 

Ausführliche Informationen zu der Arbeit des Sprachendienstes finden Sie hier:

Kontakt

Auswärtiges Amt
Sprachendienst
11013 Berlin
Tel: 01888 – 17 4210
Fax: 01888 – 17 4167

Übersetzen und Dolmetschen im Auswärtigen Amt - ein Traumberuf?

In einem Interview gibt Antonio Reda, Leiter des Sprachendienstes, Auskunft darüber, welche Anforderungen an Übersetzer und Dolmetscher im Auswärtigen Amt gestellt werden und wo die Herausforderungen und Reize ihrer Tätigkeit liegen. 

(Auszug aus "Traumberufe mit Fremdsprachen - Anforderungen für den Berufseinstieg" von Ulrike Beyler, Verlag Redline Wirtschaft, ISBN 978-3-636-01581-5; Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung von Redline Wirtschaft)

Emil Krebs - Ein Genie im Sprachendienst des Auswärtigen Amts

Der Sprachendienst des Auswärtigen Amts verfügt über so manche außergewöhnliche sprachliche Begabung. Emil Krebs, der bis zu seinem Tod im Jahr 1930 im Auswärtigen Amt arbeitete, hält jedoch alle Rekorde: Im Laufe seines Lebens erlernte er 68 Sprachen. 25 Jahre war er als Diplomat und Dolmetscher in China auf Posten, anschließend für mehr als 10 Jahre in Berlin, wo er unter anderem Japanisch, Finnisch, Chinesisch und Arabisch übersetzte.

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