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Ägypten

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Januar 2017

Politische Beziehungen

Deutschland und Ägypten unterhalten seit langer Zeit enge und vielfältige Beziehungen. Deutschland ist weiterhin bestrebt, den Aufbau eines modernen und demokratischen Staates in Ägypten zu unterstützen. Dabei verfolgt die Bundesregierung die Lage der Menschenrechte als Teil einer langfristig angelegten Stabilitätspolitik in Ägypten aufmerksam.

Mit der Zusammenkunft des neugewählten Parlaments im Januar 2016 ist die Zeit des politischen Übergangs abgeschlossen, nachdem im Januar 2014 bereits eine neue Verfassung verabschiedet wurde und im Mai 2014 Staatspräsident Al Sisi gewählt wurde.

Transformationspartnerschaft

Die im August 2011 begonnene "Transformationspartnerschaft" mit Ägypten schuf die Voraussetzungen für die Zusammenarbeit bei  gesellschaftlicher Modernisierung und demokratischem Wandel.

Schwerpunkte der Projektarbeit in  Ägypten sind die Förderung von rechtsstaatlichen Strukturen und guter Regierungsführung, politischer Inklusion, Beschäftigungsförderung und dualer Ausbildung, Zivilgesellschaft und professioneller Medien. Die Außenminister beider Länder unterzeichneten hierzu am 12. August 2011 die Berliner Erklärung über Deutschlands Unterstützung für den demokratischen Wandel.

Berliner Erklärung, 11. 08. 2011 (Englisch) (PDF, 21 KB)

Der interministerielle deutsch-ägyptische Lenkungsausschuss hat in seiner Sitzung am 29. November 2012 in Berlin unter dem Vorsitz der Außenminister die Ziele der Berliner Erklärung bekräftigt und konkretisiert.

Gemeinsame Erklärung des Deutsch-Ägyptischen Lenkungsausschusses, 29.11.2012 (Englisch) (PDF, 56 KB)

Hochrangige Besuche

Bundesaußenminister Steinmeier ist am 3./4. Mai 2015 nach Kairo gereist und traf dabei u.a.  Staatspräsident Al-Sisi und Außenminister Shoukry. Staatspräsident Al-Sisi hat Deutschland zwischen dem 2. und 4. Juni 2015 besucht und dabei Gespräche u.a. mit Bundespräsident Joachim Gauck und Bundeskanzlerin Angela Merkel geführt sowie an einem Treffen der deutsch-ägyptischen Gemeinsamen Wirtschaftskommission teilgenommen.

Bundeswirtschaftsminister Gabriel besuchte Ägypten anlässlich der  "Egypt Economic Development Conference" im März 2015, zur Einweihung des ausgebauten Suez-Kanals im August 2015 sowie im April 2016, um an der 3. Sitzung der Deutsch-Ägyptischen Gemischten Wirtschaftskommission teilzunehmen.

Bundesinnenminister de Maizière besuchte Kairo im März 2016 zu Gesprächen über das Deutsch-Ägyptische Sicherheitsabkommen. Zudem hielt er eine Rede über religiöse Toleranz an der al-Azhar- Universität. Der Gegenbesuch des ägyptischen Innenministers Magdy Abdel Ghaffar in Berlin fand im Juni 2016 statt.

Die Vizepräsidentin des Deutschen Bundestags, Claudia Roth, besuchte Kairo im April 2016 zu politischen Gesprächen. Die Schwerpunkte ihres Besuchs lagen auf parlamentarischen Beziehungen und dem Thema Menschenrechte.


Wirtschaftliche und entwicklungspolitische Beziehungen

Wirtschaftsbeziehungen

Zwischen Deutschland und Ägypten bestehen intensive Wirtschafts- und besonders Handelsbeziehungen. Das bilaterale Handelsvolumen wuchs 2015 im Vergleich zum Vorjahr um rund 20% auf 5,2 Mrd. Euro. Der Handelsaustausch könnte 2016 6 Mrd. Euro erreichen. Der Besuch von Bundeswirtschaftsminister Gabriel in Kairo im April 2016 mit großer Unternehmerdelegation unterstrich die Bedeutung Ägyptens für die deutsche Wirtschaft. Positiv entwickeln sich die Infrastrukturprojekte, an denen deutschen Unternehmen etwa im Bereich Energie, beteiligt sind. Negativ wirken sich indes die aufgrund der Devisenknappheit eingeführten Importrestriktionen aus. Das derzeit mit dem Internationalen Währungsfonds in Verhandlung befindliche Reformprogramm dürfte zur Lösung dieser Probleme beitragen. Das Wirtschafts- und Investitionsklima hat sich seit Mitte 2013 positiv entwickelt, ist aber insbesondere für kleine und mittlere Unternehmen noch immer nicht gut, da bürokratische Hürden vielfältig vorhanden sind. Eine Zahlungsabsicherung ist grundsätzlich zu empfehlen. Besonderes Augenmerk ist auf die fortdauernde Devisenbewirtschaftung und sich daraus ergebende Engpässe bei der Versorgung mit Fremdwährungen in Ägypten zu legen. Ägypten bleibt sowohl als Handelspartner als auch – mit Einschränkungen insbesondere hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung – als Investitionsstandort grundsätzlich interessant.

Eine Steigerung des Waren- und Dienstleistungshandels sowie verstärkte Direktinvestitionen in Ägypten stehen unter der Voraussetzung anhaltender politischer Stabilität bzw. der Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (Wettbewerbsaufsicht, Unternehmenssteuern, Investitionsschutz, Infrastrukturmaßnahmen, Stärkung der Verwaltungseffizienz).

Derzeit dominieren umfangreiche Infrastrukturprojekte (Entwicklung der Suezkanalzone, Straßen- und Wohnungsbau, Ausbau der Stromproduktion, Neulandgewinnung) die Wirtschaftspolitik der ägyptischen Regierung. Positive Impulse kommen aber auch aus dem Immobiliensektor, dem verarbeitenden Gewerbe sowie der Lebensmittelindustrie.

Als ganzjähriges Reiseziel hat Ägypten seit Jahren einen festen Platz im weltweiten Tourismus. Traditionell stellen deutsche Gäste neben Besuchern aus Russland und Großbritannien die größte Zahl der Ägypten-Reisenden. Ägypten bietet neben einzigartigen Kulturdenkmälern malerische Strände und eine gute touristische Infrastruktur. Nach dem Absturz eines russischen Flugzeugs im Oktober 2015 sind jedoch auch die Zahlen deutscher Touristen deutlich zurückgegangen.

In Kairo befindet sich seit 65 Jahren die primär für Ägypten zuständige Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer mit über 3300 Mitgliedsunternehmen sowie ein Büro von Germany Trade & Invest (GTAI). Deutsche Unternehmen sind in Ägypten sowohl durch Handelsvertreter als auch mit eigenen Büros und Produktionsstandorten vertreten.  

 www.ahkmena.com/de

Deutschland unterstützt im Rahmen der Transformationspartnerschaft den Diskussionsprozess über die Ausgestaltung zukünftiger ägyptischer Wirtschaftspolitik in Form mehrerer Projekte mit dem ECES (Egyptian Center for Economic Studies, www.eces.org.eg) bzw. dem Verein GPP e.V. (Global Project Partners, www.global-project-partners.de) sowie anderen ägyptischen zivilgesellscahftlichen Partnern.

Entwicklungspolitische Beziehungen

Ägypten ist ein Schwerpunktland für die deutsche Entwicklungspolitik. Mit einem laufenden Portfolio von mehr als einer Milliarde Euro (Gesamtzusagen von rund 6 Milliarden Euro seit 1963) ist es eines der größten Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist zusammen mit Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank, USA, Frankreich, EU und Japan wichtigster Partner Ägyptens in der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit.

Mit der ägyptischen Regierung sind folgende Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit vereinbart:

  • Beschäftigungsförderung für eine nachhaltige Wirtschaftsentwicklung: Berufliche Bildung, Förderung des Privatsektors, Unterstützung des Arbeitsmarkts sowie Förderung von kleinsten, kleinen und mittleren Unternehmen, jeweils mit besonderem Fokus auf Frauen und Jugendliche
  • Wasser- und Abfallwirtschaft: Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Be- und Entwässerung der Landwirtschaft, Abfallmanagement
  • Förderung von erneuerbaren Energien und Energieeffizienz, Investitionen, Beratung und Trainingsmaßnahmen zu den Themen Wind- und Wasserkraft sowie Energieeffizienz

Über diese vereinbarten Arbeitsfelder hinaus stellt Deutschland unter anderem Mittel für den Bau von Grundschulen, industriellen Umweltschutz, Verwaltungsreformen, die Förderung des Nationalen Bevölkerungsrats sowie für Maßnahmen zur partizipativen Stadtteilentwicklung im Großraum Kairo zur Verfügung.

Im Juni 2016 fand in Berlin die erste „Bilaterale Kommission zur entwicklungspolitischen Zusammenarbeit unter Leitung von Bundesminister Gerd Müller und Kooperationsministerin Sahar Nasr statt. Dabei wurde finanzielle Förderung für neue Maßnahmen in den genannten Bereichen in Höhe von rund 150 Mio. Euro zugesagt, hauptsächlich in Form von Darlehen. Die bereits 2011 zugesagte Schuldenumwandlung in Höhe von bis zu 240 Mio. Euro bleibt jedoch weiter eingefroren.


Kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen

Unterstützung für den demokratischen Wandel

Wichtigste Grundlage für die bilateralen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen ist das deutsch-ägyptische Kulturabkommen vom 16. Oktober 1960 mit seiner Zusatzvereinbarung vom 10. April 1984. In Ägypten sind alle wichtigen deutschen Kulturmittlerorganisationen prominent vertreten. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft werden auch zahlreiche Maßnahmen im Kultur-, Wissenschaft- und Medienbereich durchgeführt.

Kultur und Bildung

Vier deutsche Schulen, gegründet 1873, 1884, 1904 und 1999, führen zum deutschen Abitur. Daneben gibt es drei weitere amtlich anerkannte deutsche Schulen (Kairo, Alexandria, Hurghada), die sich noch in der Aufbauphase befinden. Die Schülerzahl beträgt insgesamt etwa 4500. Außerdem gibt es zahlreiche private und staatliche Partnerschulen, die verstärkt Deutschunterricht, teilweise auch das Deutsche Sprachdiplom (DSD), anbieten. Zum weltweiten Netzwerk von Partnerschulen (PASCH-Initiative) gehören in Ägypten inzwischen 30 Schulen. Seit 2008 unterhält auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kairo ein Regionalbüro.

www.pasch-net.de

Die Goethe Institute in Kairo (1958) und Alexandria (1963) bieten neben einem umfangreichen Sprach- und Bibliotheksangebot zahlreiche Programmveranstaltungen an. Daneben finden Seminare und Fortbildungen im Bildungs- und Kulturbereich statt, die sich insbesondere mit dem gesellschaftlichen Umbruchsprozess im Anschluss an den arabischen Frühling beschäftigen.

An staatlichen Schulen gibt es ca. 900.000 Schülerinnen und Schüler, die Deutsch als Fremdsprache lernen. Germanistische Abteilungen existieren an den Universitäten Al-Azhar, Ain Shams, Helwan, Kairo, Minofeia, Minia, 6. Oktober und MUST. Hier sind insgesamt ca. 12.000 Studierende im Hauptfach Lehramt und studienbegleitend eingeschrieben. Der Unterricht wird durch sieben Lektoren des DAAD (Deutscher Akademischer Austauschdienst) und Sprachassistenten unterstützt. Daneben unterstützt das Goethe-Institut das ägyptische Erziehungsministerium in der Deutschlehrerausbildung.

Wissenschaft

Die Kairo-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wurde 1907 gegründet. Sie führt vor allem Grabungsprojekte an antiken pharaonischen Stätten durch und war auch mit der Restaurierung islamischer Baudenkmäler in der Altstadt von Kairo betraut. Weitere Grabungen werden von deutschen Archäologen außerhalb des DAI-Rahmens durchgeführt. Darüber hinaus wurden in den vergangenen Jahren zahlreiche Projekte aus Mitteln des Kulturerhalt-Programms des Auswärtigen Amts gefördert.

Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist seit 1960 in Kairo vertreten. Mit über 2000 geförderten ägyptischen und deutschen Studierenden und Wissenschaftlern pro Jahr gewährleistet er lebendige und nachhaltige Beziehungen zwischen Ägypten und Deutschland in Forschung und Wissenschaft.

Im November 2012 eröffnete der damalige Außenminister Westerwelle das Deutsche Wissenschaftszentrum Kairo (DWZ) (www.dwz-kairo.de) als zentrale Anlaufstelle für die Deutsch-Ägyptische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung. Das DWZ vereint neun deutsche Wissenschaftsinstitutionen und Universitäten unter einem Dach.

Hierzu zählen neben dem Konsortialführer DAAD folgende Einrichtungen: die Fraunhofer Gesellschaft, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, das Orient Institut Beirut, die Technischen Universitäten von Berlin und München, die Freie Universität Berlin, die Philipps-Universität Marburg sowie die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.Im Deutsch-Ägyptischen Jahr der Wissenschaften und Technologie 2007 schlossen Deutschland und Ägypten drei kofinanzierte Kooperationsabkommen zur Förderung zusätzlicher Stipendien. Seit 2008 existiert der deutsch-ägyptische Forschungsfonds, mit dem gemeinsame Forschungsprojekte gefördert werden. Aus dem Programm der Transformationspartnerschaft mit Ägypten gingen zusätzliche Stipendien- und Austauschprogramme sowie Förderprogramme zum Ausbau der bilateralen Hochschulkooperation hervor.

Einen Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit bildet der Klima- und Umweltschutz. Im Rahmen der Cairo Climate Talks (www.cairoclimatetalks.net)  finden seit November 2011 u.a. monatlich öffentliche Diskussionsveranstaltungen statt. Diese Veranstaltungsreihe bietet eine Plattform zum Erfahrungsaustausch, zur Sensibilisierung und Bewusstseinsbildung sowie zur Förderung der Zusammenarbeit zwischen Politik, Wirtschaft, der Wissenschaft sowie der Zivilgesellschaft. Die Deutsche Botschaft arbeitet hierbei eng mit GIZ (Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit), DWZ und dem ägyptischen Umweltministerium zusammen.

Deutschland unterstützt ferner die "German University Cairo" (GUC), eine ägyptische Privatuniversität nach dortigem Recht. Sie wird vollständig durch Mittel privater ägyptischer Investoren und Studiengebühren finanziert, erhält jedoch die Unterstützung der Bundesregierung und beteiligter deutscher Hochschulen (Ulm, Stuttgart, Tübingen) beim Lehrbetrieb der GUC. Hinzu kommen Mittel des Auswärtigen Amts für die Entsendung von deutschen Lektoren und Langzeitdozenten sowie seit 2011 für Stipendien. Die GUC zählt zu den besten Universitäten Ägyptens mit derzeit über 12.000 Studierenden. Zahlreiche ihrer insgesamt 71 Studiengänge sind von deutschen Akkreditierungsagenturen anerkannt. Im Januar 2013 hat die GUC eine Außenstelle in Berlin eröffnet. Die TU-Berlin hat im Oktober 2012 einen Campus am Roten Meer in El Gouna eröffnet, an dem fünf weiterbildende Masterstudiengänge in den Bereichen Energie, Wasser, Stadtentwicklung, Wirtschaftsingenieurwesen und Informationstechnologie angeboten werden. Der DAAD unterstützt das transnationale Bildungsprojekt mit Stipendien.

http://www.campus-elgouna.tu-berlin.de

Derzeit existieren 14, zum Teil noch im Aufbau befindliche, binationale Masterstudiengänge, z.B. in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (Remena, Universitäten Kassel und Kairo), Nachhaltige Stadtentwicklung (IUSD - Integrated Urbanism & Sustainable Design; Universitäten Stuttgart und Ain Shams) sowie Bildungsmanagement (INEMA - International Education Management; PH Ludwigsburg, Helwan Universität) sowie Deutsch als Fremdsprache (Universität Leipzig und Ain Shams Universität). Neu hinzugekommen sind im Jahr 2013 u.a. der Studiengang "Kulturerbemanagement" (Partner sind Universität Helwan auf ägyptischer Seite sowie BTU Cottbus und Deutsches Archäologisches Institut (DAI) auf deutscher Seite) sowie ein Masterprogramm im Bereich der Politik- und Sozialwissenschaften zwischen der Universität Tübingen und der American University Cairo. Seit 2015 wird der  neue Studiengang "Kulturgut bewahren, Bewusstsein bilden, Breitenwirkung entfalten" (Universität Würzburg und Helwan Universität) angeboten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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