Hauptinhalt

Thailand

Wirtschaft

Stand: März 2017

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

Die politische Krise des Landes hat nach wie vor einen negativen Einfluss auf die Wirtschaftsentwicklung Thailands. Aber auch die schwierigen weltwirtschaftlichen Rahmenbedingungen belasten die traditionell exportorientierte Wirtschaft Thailands. Nachdem Thailand im Jahr 2014 ein BIP-Wachstum von nur 0,8 Prozent verzeichnen konnte, blieb das Wachstum auch noch im Jahr 2015 mit 2,8 Prozent hinter den Erwartungen zurück. Die von der Regierung nach dem Putsch vom Mai 2014 angestoßenen Maßnahmen führen nur langsam zur erhofften wirtschaftlichen Erholung. Dank positiver Entwicklungen in der Tourismusbranche und erster Wachstumsimpulse aus kurzfristigen Fördermaßnahmen für kleinere und mittlere Unternehmen sowie umfangreichen staatlichen Infrastrukturvorhaben wuchs das BIP 2016 um 3,2 Prozent.

Thailand bekennt sich als Handelsnation zur Ausweitung des Freihandels. Im Vordergrund stand dabei in den letzten Jahren die Integration mit den ASEAN-Partnern und Ländern im Asien-Pazifik-Raum (China, Japan, Indien). EU-Kommission und Thailand haben sich Ende 2012 nach langen Vorarbeiten auf die Aufnahme von Verhandlungen für ein Freihandelsabkommen geeinigt. Die ersten vier Verhandlungsrunden fanden bis Mai 2014 statt. Technische Gespräche können fortgeführt werden, die Unterzeichnung eines Freihandelsabkommens wird allerdings erst mit einer demokratisch gewählten Regierung möglich sein. Thailand ist nicht Partner des Freihandelsabkommens „Trans-Pacific Partnership“ (TPP).


Aktuelle wirtschaftliche Lage

Das Sozialprodukt entsteht in Thailand zu jeweils ca. 45 Prozent im Dienstleistungsbereich und in der Industrie (einschließlich Bau- und Bergbauindustrie) sowie zu rund 10 Prozent in der Landwirtschaft. Der Tourismus spielt mit gut 17,7 Prozent Anteil am Sozialprodukt eine zunehmend bedeutende Rolle. Der Agrarsektor ist unter arbeitsmarkt- und sozialpolitischen Gesichtspunkten bedeutender als es der Anteil am Sozialprodukt vermuten lässt (mit rund 40 Prozent Anteil der Arbeitskräften).

Nach moderaten Steigerungen der letzten Jahre betrug die Inflationsrate 2015 minus 0,9 Prozent. Um das Wirtschaftswachstum anzukurbeln hatte sich die Zentralbank im Frühjahr 2015 zur Senkung des Leitzinses auf 1,5 Prozent entschieden. Eine weitere Absenkung blieb, trotz vorhandener Sorgen um die Wirtschaftslage und Abwertungen anderer Länder, 2016 aus und ist auch für 2017 nicht vorgesehen.

Die Staatsverschuldung lag 2016 bei rund 150 Milliarden Euro und damit bei 42,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Für das Jahr 2017 wurde eine deutlich Erhöhung der Neuverschuldung angekündigt. Die Währungsreserven lagen 2016 bei 154,9 Milliarden Euro.

Die Leistungsbilanz Thailands ist – vor allem bedingt durch Exportorientierung – traditionell positiv. Hieran dürfte sich langfristig trotz der momentanen Unsicherheiten im Grundsatz nichts ändern.


Außenwirtschaft

Auslandsinvestitionen sind besonders in technologieorientierten Sektoren willkommen und werden vom Board of Investment (BoI) unter anderem durch Steuerermäßigungen und beschleunigte Genehmigungsverfahren gefördert.

Das thailändische Generalkonsulat in Frankfurt beherbergt auch eine Dependance des Board of Investment (BoI, Bethmannstraße 58, 60311 Frankfurt am Main, Telefon: 069-9291230, http://www.boifrankfurt.eu). In bestimmten Bereichen, v.a. im Dienstleistungssektor sind Auslandsinvestitionen nicht oder nur unter Bedingungen zulässig, in anderen Sektoren darf die ausländische Beteiligung 49 Prozent nicht überschreiten. Viele Sektoren haben aber auch keine Beteiligungsgrenzen (v.a. im produzierenden Gewerbe mit BOI Förderung). Grundlagen regelt der "Foreign Business Act (FBA)". Die überarbeitete Investitionsstrategie des BOI, die bestimmten Investitionen besondere Förderungen und Beteiligungsgrenzen ermöglicht, trat Anfang 2015 in Kraft. Sie fokussiert nunmehr stärker als zuvor auf High-Tech Investitionen und Investitionen mit hoher Wertschöpfung oder einem besonderen Augenmerk auf Nachhaltigkeitsaspekte.

Das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie sowie das Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft fördern die Teilnahme an wichtigen Messen in Thailand. Mehrere deutsche Messegesellschaften haben 2015 Messen in Thailand durchgeführt. 2016 fanden in Thailand 12 Messen mit Beteiligung deutscher Unternehmen statt, fünf Messen wurden amtlich (vier mit deutschem Gemeinschaftsstand, eine durch das Bundesland Bayern) gefördert.


Außenhandel

Thailand unterstützt generell den Abschluss der Welthandelsrunde unter besonderer Berücksichtigung der Interessen von Schwellen- und Entwicklungsländern. Gleichzeitig verhandelt es Freihandelsabkommen mit wichtigen Handelspartnern. Thailand hatte bereits mit Japan (2007) ein entsprechendes Abkommen abgeschlossen. Ferner hat es im März 2009 seine bereits bestehenden Freihandelsabkommen mit Australien und Neuseeland im ASEAN-Rahmen erweitert und sich dem Abkommen ASEAN-Korea angeschlossen.

Die von Thailand aktiv vorangetriebene Integration der Märkte im Rahmen von ASEAN hat zu beträchtlichen Erfolgen geführt (seit 01.01.2010 Zollfreiheit für fast alle Produkte im Handel der sog. ASEAN-6 Länder, das heißt der wirtschaftlich fortgeschrittensten ASEAN-Mitgliedstaaten; erste Stufe von Zollfreiheit zwischen ASEAN-6 und China). Ende 2015 sind weitere Erleichterungen im ASEAN-Raum in Kraft getreten (AEC – ASEAN Economic Community). Für Deutschland und die EU sind die 2013 aufgenommenen Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen von großer Bedeutung, um dem bilateralen Handel zusätzliche Impulse zu verleihen (die Unterzeichnung eines solchen Abkommens wird allerdings erst mit einer demokratisch legitimierten Regierung möglich sein). Thailand wäre nicht Partner des Freihandelsabkommens „Trans-Pacific Partnership“ (TPP) gewesen. Durch den Rückzug der USA hat sich für THA daher freihandelspolitische Wettbewerbsdruck eher verringert. Das noch in den Verhandlungen befindliche Regionalabkommen RCEP hat nun an Bedeutung gewonnen.

Die thailändischen Exporte verzeichneten 2016 nach einem schlechten Jahr 2015 ein Nullwachstum. Hauptexportgüter Thailands sind elektrische und elektronische Geräte, Automobile und –teile, chemische Produkte, Edelsteine und Schmuckwaren sowie landwirtschaftliche Produkte, insbesondere Kautschuk, Reis und Meeresfrüchte. Hauptabnehmer thailändischer Produkte waren auch 2016 die ASEAN-Staaten (25,4 Prozent), gefolgt von den USA (11,4 Prozent), China (11,1 Prozent), der EU (28) (10,2 Prozent) und Japan (9,6 Prozent).

Auch die thailändischen Importe verzeichneten 2016 einen drastischen Rückgang gegenüber dem Vorjahr um 4,8 Prozent. Thailand führte 21,6 Prozent aller Waren aus China, 18,9 Prozent aus den ASEAN-Staaten und 15,8 Prozent aus Japan ein. Danach folgten die EU mit 9,3 Prozent und die USA mit 6,2 Prozent.

Deutschland ist innerhalb der EU mit Abstand der wichtigste Handelspartner. Das bilaterale Handelsvolumen lag 2015 bei insgesamt 9,1 Milliarden Euro. Thailand exportierte dabei Waren im Wert von 5,034 Milliarden Euro nach Deutschland und führte deutsche Waren im Wert von 4,045 Milliarden Euro ein.


Mitgliedschaft in wirtschaftlichen Regionalorganisationen

Thailand ist Gründungsmitglied der ASEAN (Verband Südostasiatischer Nationen/Association of Southeast Asian Nations) und unterstützt die Weiterentwicklung der ASEAN Economic Community und der weiteren ASEAN Gemeinschaften. Thailand nimmt aktiv am ASEM-Prozess (Europäisch-Asiatische Gipfeltreffen) teil und ist Mitglied in einer Reihe regionaler Organisationen. Das Land hat weitere ökonomische Kooperationen abgeschlossen. Dazu zählen

  • GMS (Wirtschaftliche Kooperation der Greater Mekong-Subregion)
  • ACMECS (Wirtschaftliche Kooperation der Länder im Einzugsgebiet der drei Flüsse Ayeyawady, Chao Phraya und Mekong: Thailand, Laos, Kambodscha, Myanmar und Vietnam)
  • IMT-GT (Indonesien-Malaysia-Thailand-Wachstumsdreieck)
  • Economic Quadrangle (Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Thailand, Myanmar, Laos und Südchina) 
  • BIMSTEC (Wirtschaftliche Zusammenarbeit zwischen Thailand, Bangladesh, Bhutan, Indien, Myanmar, Nepal, und Srilanka)

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere