Hauptinhalt

Thailand

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2017

Kultur- und Bildungspolitik

Die kulturellen Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand sind eng und vielfältig. Ein Kulturabkommen wurde 1984 abgeschlossen.

Das Goethe-Institut (GI) in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs und der Förderung der deutschen Sprache. 1960 als erstes GI in Südostasien eröffnet, bietet es ein breit gefächertes Programm mit Veranstaltungen wie Filmwochen, Ausstellungen, Konzerten, Workshops, etc. Nach dem vorläufigen Abschluss einer umfangreichen Renovierung und Modernisierung im Jahr 2016 bietet das GI jetzt auch rundum attraktive Räumlichkeiten.

Bei der Entwicklung des Landes kommt den Themen Bildung und (Berufs-)Ausbildung besondere Bedeutung zu. Das Erziehungsministerium verfügt mit rund 20 Prozent des Staatshaushalts über den größten Einzelhaushalt. Ziel ist es, die Schulbildung zu optimieren, die Qualifikation der künftigen Arbeitskräfte sicherzustellen und dadurch die Wettbewerbsfähigkeit des Landes auch mittelfristig zu sichern.

Die auf zwölf Jahre verlängerte Schulausbildung ist vierstufig aufgebaut: Nach der ein- bis zweijährigen Vorschule folgt die Grundschule, die sechs Jahre dauert. Die weiterführenden Schulen bieten eine sechsjährige Ausbildung an (jeweils drei Jahre in der unteren und höheren Sekundarstufe).

Besondere Anstrengungen unternimmt Thailand, um Kindern und Jugendlichen naturwissenschaftliche Fächer näherzubringen. In diesem Bereich arbeitet das Goethe-Institut mit zahlreichen Schulen zusammen. So können sich Jugendliche und Studierende u.a. während eines jährlichen Wissenschaftsfilmfestivals mit Naturwissenschaften vertraut machen. Dieses Festival, das auf eine Initiative des Goethe-Instituts Thailand zurückgeht, begeistert in zahlreichen Ländern der Region mit Filmen und Vorträgen mittlerweile hunderttausende junger Menschen.

An dem Programm „Schulen   Partner für die Zukunft“ („PASCH“), das vom Goethe-Institut betreut wird, nehmen derzeit 10 thailändische Sekundarschulen teil. Das Programm sieht eine enge Zusammenarbeit bei der Unterrichtsgestaltung im Fach Deutsch als Fremdsprache sowie der Lehrerfortbildung vor. In vielfältigen Projekten haben Schülerinnen und Schüler die Möglichkeit, ihre Deutschkenntnisse spielerisch zu vertiefen. Thailändische Schüler sind bei der Deutsch-Olympiade des Goethe-Instituts regelmäßig auf den vorderen Plätzen vertreten.

Die Botschaft und das Goethe-Institut unterstützen Thailand bei seinen Bemühungen, den Deutschunterricht im Land zu stärken und auszubauen. Schätzungen zufolge besitzen derzeit etwa 100.000 Thailänder und Thailänderinnen Deutschkenntnisse.

Vielfältige Partnerschaften bestehen auch im akademischen Bereich: Deutsche Universitäten sind durch  fast 200 Partnerschaften mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD), der in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren (in Bangkok und Chiang Mai) präsent ist, vergibt eine Vielzahl von Stipendien an Studierende und Wissenschaftler aus Deutschland, Thailand und weiteren Ländern in Südostasien. Seit 2016 gibt es auch einen Lektor der Robert-Bosch–Stiftung in Thailand. Mittelfristig will die Stiftung hier bis zu 3 Lektoren platzieren, die auch an neue Standorte (evtl. Khon Kaen im Isaan) entsandt werden sollen.

Insgesamt studieren derzeit etwa 150.000 Studierende an den 156 privaten und öffentlichen Hochschulen des Landes. Der Hochschulabschluss wird im Schnitt nach vier bzw. sechs Jahren mit dem Bachelor beziehungsweise dem Master erlangt.

Der deutsch-thailändische Studentenaustausch jenseits fester universitärer-Kooperationen beläuft sich derzeit auf jeweils rund 1.000 Austauschstudenten.

Berufsbildung ist ein weiterer Schwerpunkt der deutsch-thailändischen Zusammenarbeit im Kulturbereich. Gemeinsam mit deutschen und thailändischen Unternehmen sowie örtlichen Berufsschulen fördert die Deutsch-Thailändische Handelskammer im Rahmen des „German-Thai Dual Excellence Education“-Projekts die Entwicklung eines dualen Berufsbildungssystems nach deutschem Vorbild in Thailand.

Bangkok ist Sitz der 1965 gegründeten Organisation der südostasiatischen Erziehungsminister (SEAMEO), die bildungspolitische Projekte in der Region begleitet. Deutschland ist seit 1990 assoziiertes Mitglied und Förderer der Organisation.


Kulturförderung

Kulturpolitik gewinnt zunehmend an Bedeutung in Thailand. Unter Federführung des 2003 gegründeten Kulturministeriums wurde die Förderung von Projekten der Bildenden Künste und von Musik kontinuierlich ausgeweitet. Ein wichtiger Aufgabenbereich ist die Bewahrung von Thailands kulturellem Erbe. Zahlreiche Tempelanlagen in Sukhotai und Ayutthaya gehören zum UNESCO Weltkulturerbe. Durch ein 2017 auslaufendes Kulturerhaltprojekt am Wat Ratchaburana in Ayutthaya, das von Prof. Hans Leisen von der Fachhochschule Köln geleitet wird, trägt auch Deutschland zur Erhaltung des Weltkulturerbes in Thailand bei.

Ein weiteres – ebenfalls 2017 auslaufendes – Kulturerhaltprojekt ist der Digitalisierung von Palmblatthandschriften im Norden Thailands gewidmet. Ziel dieses Projekts war es, historische Aufzeichnungen, Geschichten und religiöse Texte buddhistischer Mönche, die in Lanna-Schrift in Palmblätter eingeritzt wurden, zu digitalisieren, sodass dieses für Thailand wichtige kulturelle Erbe für Nachfolgegenerationen erhalten wird. Anfang 2016 wurde die in jahrzehntelanger Arbeit zusammengestellte Manuskriptsammlung schließlich ins Internet gestellt, um den Zugang für Forschende weltweit sicherzustellen.

Traditionelle Kultur, darunter der berühmte Tanz "Khon", wird in Thailand auch als ein Vehikel zur Tourismusförderung betrachtet. Daneben entfaltet sich aber auch eine immer lebendiger werdende Kunstszene, wobei Gegenwartskunst sich weitgehend unabhängig und ohne öffentliche Förderung entfaltet. Seit der Eröffnung des Bangkok Arts and Cultural Centre im Sommer 2009 hat sich dieses Ausstellungszentrum zu einem dynamischen Mittelpunkt Bangkoker Gegenwartskunst entwickelt. Neben Bangkok ist die nördliche Stadt Chiang Mai ein besonders lebendiger Ort der Gegenwartskunst.

Ein wichtiges Ziel der deutschen Kulturarbeit in Thailand ist die Förderung der deutschen Sprache und auch der deutschsprachigen Literatur. So hat die deutsche Botschaft Bangkok z.B. im Oktober 2016 gemeinsam mit der Botschaft der Schweiz und dem Goethe-Institut Bangkok die 4. Literarische Nacht in Chiang Mai und Bangkok veranstaltet und in diesem Rahmen zeitgenössische Schriftsteller vorgestellt.

Ein zweiter Fokus der deutschen Kulturarbeit in Thailand liegt auf der Förderung von Tanz und Musik aus Deutschland. Das Interesse an klassischem Tanz und Musik steigt bei der wachsenden und zunehmend besser gebildeten Mittelschicht in Thailand. Einzigartig in der ASEAN-Ländergruppe ist das "Bangkok International Festival of Dance & Music", das 2016 bereits zum 18. Mal über einen Zeitraum von mehr als einen Monat hinweg stattfand und bei dem auch das Badische Staatsballett Karlsruhe auftrat.

Die Anfang 2014 eröffnete und zur gleichnamigen Universität zählende Prinz-Mahidol-Halle in Salaya, deren Akustikausstattung von einer deutschen Fachfirma installiert wurde, verzeichnet ein wachsendes Interesse an klassischer Musik.

Nach dem Ableben König Bhumibols am 13.20.2016, kam das kulturelle Leben in der Hauptstadt während einer staatlich verordneten Trauerzeit zunächst nahezu zum Erliegen, eine Normalisierung ist jedoch absehbar.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere