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Japan

Wirtschaft

Stand: März 2013

Grundlagen

Japan ist weiterhin eine der führenden Industrienationen Asiens. Das reale BIP lag 2012 bei 5.886,9 Mrd. USD, damit erwirtschaftete Japan bei einer Bevölkerung von 127.5 Mio. Einwohnern rund 8,4 % des Welt-BIP[1]. Das BIP pro Kopf ist mit 36.149 USD[2] (2012, IWF) eines der höchsten weltweit; das Land verfügt über eine breit aufgestellte, technologisch hoch entwickelte und exportorientierte Wirtschaftsstruktur, die durch die Dreifachkatastrophe vom 11. März 2011 mit Erdbeben, Tsunami und Nuklearunfall sowie der schwelenden Euro-Krise und den schwächelnden Volkswirtschaften in den USA und China einem anhaltenden Belastungstest unterworfen wird. Japan steht zusätzlich unter einem großen strukturellen Anpassungsdruck, um dem wachsenden Wettbewerb mit den aufstrebenden asiatischen Nachbarländern, vor allem Korea, standzuhalten.

Ähnlich wie Deutschland ist Japan arm an Rohstoffen und sowohl bei der Energie- als auch Lebensmittelversorgung in hohem Maße von Importen abhängig. Die innovationsfreundliche Wirtschaftsstruktur, die neben den international bekannten Großunternehmen auch eine sehr große Zahl kleiner und mittelständischer Unternehmen umfasst, gilt in Forschung, Entwicklung und Produktion im Maschinen- und Automobilbau, in der Elektronik- und der Chemieindustrie weltweit mit als führend. Besonders in der gegenwärtigen Lage bei schwacher Binnennachfrage und einer rasch alternden Bevölkerung bleibt der Export für Japan essentiell. Entscheidend wird sein, ob es gelingen wird, die die industrielle Produktion behindernde Energieknappheit aufgrund der Reaktorkatastrophe von Fukushima rasch und nachhaltig zu beseitigen. Japan profitiert von der wirtschaftlichen Integration Asiens und dem Aufholprozess der asiatischen Schwellenländer, insbesondere Chinas. Bereits im Jahr 2007 stieg China zum wichtigsten Handelspartner Japans auf, seit 2009 nimmt China die Position des wichtigsten japanischen Abnehmers noch vor den USA.


Lage der japanischen Wirtschaft

Ende der 80er Jahre platzte in Japan die „Bubble“, eine spekulative Blase, in der die Grundstückspreise in beispiellose Höhe getrieben wurden und das allgemeine Gefühl vorherrschte, die japanische Wirtschaft würde endlos weiter wachsen. Die darauf folgenden 90er Jahre waren dagegen von anhaltender Stagnation gekennzeichnet.
Von 2002 bis 2007 befand sich Japan erneut in einer hauptsächlich auf Export basierenden Wachstumsphase, die Ende 2007 aufgrund des nachlassenden Welthandels an Schwung verlor.
Japan wurde hart von der weltweiten Wirtschafts- und Finanzkrise getroffen. Dabei war Japan, dessen Finanzinstitute sich kaum in den Krisensegmenten des US-amerikanischen Finanzmarktes engagiert hatten, zunächst von den Turbulenzen verschont worden. Doch im Sog der realwirtschaftlichen Krise und des Einbruchs des Welthandels ist Japans Wirtschaft stark geschrumpft.

2009 ging das reale Bruttoinlandsprodukt (BIP) um 5,2 % gegenüber dem Vorjahr zurück (nach einem Rückgang um 2,1 % im Jahr 2008). Das war der stärkste Rückgang der Wirtschaftsleistung unter den G7-Ländern. Japan war auch – unter anderem wechselkursbedingt – stärker als jedes andere G7-Land vom Außenhandelseinbruch betroffen. Die Exporte sanken real um 24 % gegenüber dem Vorjahr. Von der dann eingetretenen regionalen Erholung, insbesondere in China und Südostasien, profitierte der japanische Außenhandel überdurchschnittlich. 2009 stieg der Anteil Chinas am japanischen Export von 16 % (2008) auf 18,9 %, der Asiens von 49,3 % auf 54,2 %. Die japanische Wirtschaft wuchs im Jahr 2010 aufgrund der starken externen Nachfrage und von fiskalischen Stimuli mit kräftigen 4 % (IWF). Gleichzeitig wurde deutlich, dass die anhaltende Yen-Stärke seit Jahresbeginn 2010 das Exportwachstum zunehmend schmälert und der Außenbeitrag in Zukunft insgesamt geringere Wachstumsbeiträge generieren wird.

Vor diesem Hintergrund bedeutete der Tsunami vom 11. März 2011 einen ernsten Rückschlag für die Bemühungen der japanischen Regierung, das Land auf einen langfristigen und stabilen Wachstumskurs zurückzuführen. Die Katastrophe hatte kurzfristig zu einem Einbruch der Wirtschaftsleistung, der bis Ende 2011 weitgehend ausgeglichen war, und zur Erhöhung der öffentlichen Verschuldung (Nachtragshaushalte für Wiederaufbau) geführt. Bis allerdings eine volle wirtschaftliche Auslastung erreicht werden wird, Betriebe die Preise für ihre Produkte und Dienstleistungen anheben und Arbeitnehmer höhere Lohnforderungen durchsetzen können, wird es dauern. Der seit 2010 bestehende Trend einer sinkenden Arbeitslosenquote setzte sich jedoch trotz der Katastrophe fort. Die Quote war von Juli 2010 (5,3 %) bis Oktober 2011 (4,1 %) stetig gefallen und lag im Juli 2012 bei 4,3 %. Tatsächlich lastet der stagnierende Export (aufgrund der Eurokrise und des starken Yens) schwerer auf der japanischen Wirtschaft als die Folgen der Katastrophe vom 11. März. Der Bank of Japan (BOJ) zu Folge ist auch in Tohoku die Wirtschaftsleistung wieder auf Vorerdbeben-Niveau (mit Ausnahme der zerstörten Küstenregionen und Evakuierungszone). Gerade die weitreichenden Wiederaufbaumaßnahmen kurbelten die lokale Industrie an. Fischerei und Landwirtschaft leiden jedoch weiterhin unter den Folgen der Katastrophe, da ihre Produkte unter dem Generalverdacht der radioaktiven Belastung stehen. Ob die Abwanderung von 43.000 Menschen aus der Tohoku-Region (davon allein 30.000 aus Präfektur Fukushima; Stand: Dezember 2011) dauerhaft ist, bleibt abzuwarten.

Der fiskalische Manövrierspielraum der japanischen Regierung ist aufgrund des hohen öffentlichen Schuldenstands (im Jahr 2012 wohl rund 221,3 % des BIP) gering. Hinzu kommt die von der Vorgängerregierung Nodas eingeführte Schuldenbremse. Das laufende Defizit wird für 2012 mit 9,8 % prognostiziert. Schwerpunkte der Fiskalpolitik der nächsten Jahre wird es sein müssen, die traditionell niedrigen Staatseinnahmen insbesondere durch eine deutliche Erhöhung des Mehrwertsteuersatzes (derzeit nur 5 %) zu erhöhen. Die Regierung Nodas hat unter Einsatz von hohem politischem Kapital eine schrittweise Anhebung der sog. Konsumgütersteuer auf 10 % bis 2015 durchgesetzt. Es muss aber auch darum gehen, auf der Ausgabenseite größere Einschnitte vorzunehmen. Hier muss die Politik die Abhängigkeit der Wirtschaft von den langjährig aufgesetzten Konjunkturprogrammen erreichen. Seit dem Regierungswechsel durch den Erdrutschsieg der LDP mit ihrem Koalitionspartner New Komeito bei den Unterhauswahlen vom 16.12.2012 erlebt Japan jedoch einschneidende und gegensätzliche Veränderungen in seiner Wirtschaftspolitik. Der neue Premierminister Abe strebt die Beendigung der Deflation, die Abwertung des Yen und die Ankurbelung der Wirtschaft durch eine „Drei-Pfeiler-Strategie“ an (kühne Geldpolitik, flexible Fiskalpolitik und Wachstumsstrategie). Um diese Ziele zu erreichen, übt die Abe-Regierung starken Druck auf die „Bank of Japan“ aus. Die neue Regierung ist auch dazu bereit, noch mehr Schulden zu machen und den von der Vorgängerregierung durchgesetzten Schuldendeckel zu kündigen. Im Januar 2013 brachte das Kabinett einen Nachtragshaushalt von knapp 13 Billionen Yen auf den Weg. Das darin enthaltene Konjunkturpaket beläuft sich auf ca. 10 Billionen Yen. Weiterhin ist das Inflationsziel mit 2 % verdoppelt worden, eine weitere Lockerung der Geldpolitik wird angestrebt. Damit verfolgt Abe eine Politik, die zum europäischen Ansatz der Haushaltskonsolidierung und der Durchsetzung von Strukturreformen gegensätzlich ist und bei Experten heftig umstritten ist. Zudem wird Abe vor den Oberhauswahlen im Juli 2013 wohl auch nicht die lange überfälligen Reformen zur Beseitigung der bestehenden Strukturdefizite der japanischen Wirtschaft durchsetzen.


Außenhandel

Japan verzeichnete 2011 ein Außenhandelsdefizit von 1.475 Mrd. Yen (rund 15 Mrd. Euro) – das erste Handelsdefizit seit 31 Jahren. Im Vorjahresvergleich gingen die Exporte um 2,7 % zurück. Die Hauptgründe für den Exportrückgang sind die Konjunkturprobleme im europäischen Absatzmarkt, sowie unterbrochene Lieferketten durch die Überschwemmungen in Thailand, die immer noch geschwächte Wirtschaft besonders in den vom Tsunami erschütterten Teilen des Landes und vor allem der seit 2010 besonders starke Yen. Im Jahr 2012 musste Japan sein größtes bisheriges Handelsdefizit überhaupt verzeichnen (6,9 Billionen Yen/58 Mrd. EUR). Die im Jahr 2011 um 12 % gestiegenen Importe sind auf einen höheren Bedarf an fossilen Brennstoffen (v. a. LNG) zurückzuführen.

Schon vor der Krise vom 11. März 2011 waren die japanischen Importe gegenüber dem Vorjahr merklich angestiegen. In den ersten beiden Monaten des Jahres 2011 lagen die Importe um 12,2 % (Januar) und 10,0 % (Februar) höher als im Vorjahr. Dieser Trend setzte sich nach der Krise fort, die Einfuhren nahmen in den Folgemonaten um 9 bis 12 % gegenüber dem jeweiligen Vorjahresmonat zu. Deutlicher noch waren die Folgen der Krise auf der Exportseite spürbar. Dieser Trend hat sich bis zur Jahresmitte fortgesetzt. So verzeichnete das stark vom Export abhängige Land im August 2012 ein Handelsdefizit von 754,1 Mrd. Yen (rund 7,5 Mrd. Euro). Besonders die wichtigen Märkte in Europa und Asien sind weiter eingebrochen. So fielen Exporte nach Europa um 28 % auf 484,9 Mrd. Yen und Japans größter Überseemarkt - Asien - schrumpfte um 6,7 % auf 2.840 Mrd. Yen.

Vor allem bei Japans wichtigsten Exportgütern – Kraftfahrzeugen, Maschinen und elektronischen Geräten – kam es im 2011 zu einem deutlichen Einbruch, was sich merklich negativ auf die japanische Außenhandelsbilanz auswirkte. Nach leichten Zuwächsen zu Anfang des Jahres brachen die Exporte japanischer Autohersteller im März um 27,3 % ein, im April 2011 gar um 67,9 %, erholten sich dann aber in den Folgemonaten. Insgesamt betrug der Rückgang der Automobilexporte im Jahr 2011 7,1 %.

Auch auf der Importseite kam es 2011 zu deutlichen Verschiebungen in der Produktstruktur. Nach dem 11. März 2011 nahm der Import der sonst einfuhrstärksten Güter – Komponenten zur Herstellung von Fertigprodukten im Automobil- und Elektroniksektor – deutlich ab, dem stand ein rasanter Anstieg bei Lebensmitteln und fossilen Brennstoffen zur Energiegewinnung gegenüber. Bedingt durch die Abschaltung eines Großteils der japanischen Kernkraftwerke (bis zum Frühjahr 2013 lediglich 2 KKW von 55 in Betrieb) kam es 2011 zu einem deutlichen Anstieg der fossilen Energieimporte (12 % Zuwachs im Vorjahresvergleich).

Am 25.03.2013 wollen Japan und die EU Verhandlungen zu einem Freihandelsabkommen starten. Für die Entwicklung der japanischen Wirtschaft wird besonders ein Beitritt zu den Verhandlungen zur TPP positiv gesehen. Im November 2011 erklärte sich die Vorgängerregierung Noda zwar bereit, an (den von den USA geförderten) Verhandlungen über die TPP teilzunehmen. Nach dem Regierungswechsel im Dezember 2012 ist jedoch fraglich, ob dieser Kurs auch beibehalten wird. Die LDP ist mit Blick auf die TPP intern gespalten. Abe hat am 22.02. in Washington jedoch positive Signale gegeben, dass Japan ggf. bereits im Juni 2013 den Verhandlungen beitreten könnte – gegen die Widerstände der starken japanischen Agrarlobby.


Auslandsinvestitionen

Der Bestand der ausländischen Direktinvestitionen in Japan ist zwischen 1998 und 2010 von 26 auf 215 Mrd. USD angewachsen. Trotz verschiedentlicher Bemühungen, den Bestand der Auslandsinvestitionen auf 5 % des BIP zu steigern, bleibt der Ende 2010 erreichte Stand (3,92 % des BIP) deutlich hinter den anderen OECD-Mitgliedsländern zurück. Angesichts des Entwicklungsstandes der japanischen Volkswirtschaft, insbesondere ihrer Industrie, überrascht es nicht, dass die japanischen Direktinvestitionen im Ausland mit 830 Mrd. USD (2010) die ausländischen Investitionen in Japan nahezu um das Vierfache übersteigen.

Die mit Abstand wichtigsten Herkunftsregionen für Direktinvestitionen in Japan sind die EU mit 38,3 % (82,2 Mrd. USD; davon Deutschland 10 Mrd. USD, 4,7 %) und die USA mit 33,8 % (72,5 Mrd. USD).

Im Jahr 2011 haben japanische Unternehmen ihr Engagement in Übersee verstärkt. Insbesondere bedingt durch den starken Yen haben japanische Unternehmen in großem Ausmaß ausländische Firmen akquiriert. Auf einer Zahlungsbilanzbasis (Netto-Investitionsflüsse) haben sich die japanischen Auslandsinvestitionen 2011 auf 115,6 Mrd. USD mehr als verdoppelt (2010, 57, 2 Mrd. USD). Während im Jahr 2000 noch fast die Hälfte der japanischen Auslandsinvestitionen auf die USA entfiel, sind sie mittlerweile geographisch sehr viel breiter gestreut. So entfielen 34 % der Investitionen auf Asien (China 11 %), 12,8 % auf die USA und 31,3 % auf die EU (Deutschland 1,9 %.). Der Anstieg der Auslandsinvestitionen in 2011 hat sich dabei global verteilt, wenngleich die Investitionen in die EU (333 %) und die Schweiz (1533 %) im Vorjahresvergleich besonders stark anstiegen. Auch für 2012 wird erwartet, dass japanische Auslandsinvestitionen zumindest wieder das Niveau von 2011 erreichen werden. Japan profitiert dabei u.a. von der Stärke des Yen sowie von den von vielen Unternehmen angehäuften Kapitalreserven, die investiert werden wollen.


Entwicklungszusammenarbeit


In den 90er Jahren war Japan noch größtes Geberland im internationalen Vergleichsmaßstab. Unter dem Zwang der stark gestiegenen öffentlichen Verschuldung sind seit 2000 die japanischen ODA-Ausgaben (ODA = Official Development Assistance / öffentliche Entwicklungshilfe) allerdings rückläufig. 2010 beliefen sich die ODA-Ausgaben auf insgesamt 11,1 Mrd. USD und Japan rangiert damit nunmehr unter den Gebern an fünfter Stelle. Gemessen am Bruttoinlandsprodukt betrug der Anteil 2010 0,20 %, Japan belegt damit den 20. Platz unter den Gebern (zum Vergleich: Deutschland belegte mit einem Anteil von 0,38 % Rang 13). Im Ansatz für das Haushaltsjahr 2011 ist eine weitere Absenkung um 7,4 % auf 572,7 Mrd. Yen (rund 5,15 Mrd. EUR) vorgesehen. Zusätzlich wurden die ODA-Ausgaben nach März 2011 im Zuge des ersten Nachtragshaushalts um 10 % (50,1 Mrd. Yen) gekürzt, um Mittel für den Wiederaufbau frei zu machen. Damit einher geht eine Neuausrichtung der japanischen ODA-Ausgaben für das Haushaltsjahr 2011. Das japanische Außenministerium kündigte im Juni 2011 an, die ODA-Ausgaben prioritär den folgenden drei Bereichen zukommen zu lassen: Wiederaufbaumaßnahmen im Erdbebengebiet, Entwicklungshilfeprojekten, die positive Auswirkungen auf das japanische Wirtschaftswachstum erhoffen lassen, und der Erfüllung bestehender internationaler Verpflichtungen.

Aufgrund seiner politischen Öffnung und schrittweisen Demokratisierung steht Myanmar (ehem. Burma) seit Anfang des Jahres im Fokus der japanischen Entwicklungszusammenarbeit. Japan hat Myanmar erst kürzlich einen Teil seiner Schulden erlassen.

Japan besitzt kein Gesetz zur Regelung der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit. Den rechtlichen Rahmen hierfür bildet die sogenannte ODA-Charta. Zum 01.10.2008 wurde die „Japan International Cooperation Agency“ (JICA) mit einem Teil der „Japan Bank for International Cooperation“ (JBIC) zur „New JICA“ zusammengefasst. Durch diese organisatorische Straffung soll die Durchführung der japanischen Entwicklungszusammenarbeit kohärenter und effizienter werden.

[1] EUI-Country Report from January 28, 2013 (GDP per head USD at PPP)

[2] EUI-Country Report from January 28, 2013 (GDP per head USD at PPP)



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.