Hauptinhalt

China

Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Deutschland

Stand: März 2013

Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen.

In den zurückliegenden 40 Jahren haben sich diese Beziehungen zu großer Vielfalt, beachtlicher Dichte und zunehmender politischer Substanz entwickelt - sie sind freundschaftlich und gut. Deutschland vertritt ebenso wie alle EU-Partner eine Ein-China-Politik. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Angesichts der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt der stabilen Kooperation zwischen den beiden stark exportorientierten Volkswirtschaften große Bedeutung zu. Seit 2004 wurden die deutsch-chinesischen Beziehungen als "Strategische Partnerschaft in globaler Verantwortung" bezeichnet und durch Bundeskanzlerin Merkel und Premier Wen Jiabao im Juli 2010 durch die Einrichtung jährlicher Regierungskonsultationen auf eine neue Ebene gehoben. Ein Höhepunkt des Jahres 2011 war die erste Runde der deutsch-chinesischen Regierungskonsultationen: Auf Einladung von Bundeskanzlerin Angela Merkel reiste der damalige chinesische Ministerpräsident Wen Jiabao im Juni gemeinsam mit 14 Ministern nach Berlin. Premier Wen traf zu ausführlichen Gesprächen mit Bundeskanzlerin Merkel zusammen. Die zweite Runde der Regierungskonsultationen fand am 30. August 2012 statt. Neben Bundeskanzlerin Merkel und Ministerpräsident Wen Jiabao nahmen auf beiden Seiten mehr als 10 Fachminister an den Regierungskonsultationen teil. Neben Wirtschafts- und Umweltfragen standen auch Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und der Ausbau der Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft auf der Agenda. Es wurden in beiden Regierungskonsultationen insgesamt über 40 konkrete Vereinbarungen der Ressorts und gemeinsame Erklärungen beider Regierungen verabschiedet. Beide Seiten setzen sich für einen stärkeren Austausch der Zivilgesellschaft ein, u.a. Jugendaustausch, Städtepartnerschaften.

Der offizielle, hochrangige Besucherverkehr zwischen beiden Ländern ist auch außerhalb der Regierungskonsultationen sehr rege.

Vom 1. bis 4. Februar 2012 besuchte Bundeskanzlerin Merkel Peking und das südchinesische Guangzhou und traf zu Gesprächen mit der chinesischen Staatsspitze zusammen. Der Besuch bildete den Auftakt zum Jahr des 40jährigen Jubiläums der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China.

Premierminister Wen Jiabao kam zur Eröffnung der Hannovermesse am 22./23. April 2012 nach Deutschland. Der Besuch hatte einen klaren Wirtschaftsschwerpunkt. Wichtige Themen waren die Entwicklung in der EU und die weitere Entfaltung der deutsch-chinesischen Handels- und Investitionsbeziehungen. Am 23.4.2012 wurde im Beisein beider Regierungschefs eine Vereinbarung über eine Großinvestition von VW in Urumqi unterzeichnet.

BM Westerwelle besuchte vom 10.-12. Oktober 2012 China. Er führte Gespräche mit dem damaligen Vizepremier Li Keqiang, AM Yang Jiechi, mit dem er auch den Festakt zu 40 Jahren diplomatischer Beziehungen eröffnete. Schwerpunkte beim Strategischen Dialog der Außenminister waren die Lage in der EU, die Beziehungen EU-China, Syrien, Iran, Nordkorea und die Lage im Süd- und Ostchinesischen Meer. Eine gemeinsame Absichtserklärung zur Zusammenarbeit der Außenministerien wurde unterzeichnet. BM Westerwelle eröffnete am 12.10. gemeinsam mit dem Gouverneur der Provinz Liaoning das neue deutsche Generalkonsulat in Shenyang.

China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als sein "Tor nach Europa". Dynamische Handelsbeziehungen , Investitionen, Umweltzusammenarbeit, kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen.

Insgesamt gibt es ca. 60 Dialogmechanismen, davon viele auf hoher Regierungsebene, zwischen Fachministern, Staatssekretären und Leitern von Regierungsbehörden. Deutschland hat grundlegendes Interesse an der Entwicklung rechtsstaatlicher Verhältnisse in China. Wichtigstes Kooperationsinstrument auf diesem Gebiet ist der Rechtsstaatsdialog (siehe unten).

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede im Bereich der Menschenrechte, insbesondere zu den persönlichen Freiheitsrechten. Es bleibt ein wichtiges Interesse Deutschlands, dass China sich innenpolitisch weiterentwickelt, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Gerechtigkeit, vor allem auch grundlegende Freiheitsrechte zulässt und Minderheitenfragen friedlich löst. Der jüngste Menschenrechtsdialog fand im Oktober 2012 in Wiesbaden statt. Fragen des Strafrechts und der Verhinderung von Folter und Misshandlungen standen im Vordergrund der Gespräche.

Deutsch-Chinesisches Gemeinsames Kommuniqué zur umfassenden Förderung der Strategischen Partnerschaft, 18.07.2010 (PDF, 34 KB)


Rechtsstaatsdialog

Der deutsch-chinesische Rechtsstaatsdialog geht auf eine Vereinbarung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji vom November 1999 zurück. Er soll für den Aufbau eines Rechtsstaats und die Durchsetzung der Menschenrechte in China einen langfristigen Ansatz bieten. Koordinatoren des Rechtsstaatsdialogs sind auf deutscher Seite das Bundesministerium der Justiz auf chinesischer Seite das Rechtsamt des Staatsrats.

Einmal im Jahr findet ein Symposium statt, bei dem deutsche und chinesische Regierungsvertreter und Experten über ein aktuelles rechtliches Thema debattieren. Das 13. deutsch-chinesische Rechtsstaatssymposium fand am 8. und 9. April 2013 in Hangzhou / VR China zum Thema „Vermeidung und Beilegung von Verwaltungsstreitigkeiten“ statt.

Zudem wird der Rechtsstaatsdialog mit konkreten Projekten zur Förderung der Zusammenarbeit im Rechtsbereich unterlegt. Hierzu unterzeichneten Bundesministerin Leutheusser-Schnarrenberger und der Leiter des Rechtsamts des Staatsrats, Minister Song Dahan, im November 2010 in Berlin eine Vereinbarung über das Dreijahresprogramm 2011-2013 zum Austausch und zur Zusammenarbeit im Rechtsbereich. Ein Programm für die Folgezeit wurde am Rande des Rechtsstaatssymposiums 2013 vereinbart.

Die aus diesem Dialog herrührenden Erkenntnisse und Anregungen haben Einfluss auf die Ausgestaltung von Rechtsnormen in China gehabt und unterstützen damit auch die Bestrebungen der chinesischen Regierung, Rechtsnormen in bestimmten Bereichen durchzusetzen.


Wirtschaftsbeziehungen

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich in den letzten 40 Jahren (1972-2012) zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt. 1972 exportierten deutsche Unternehmen Waren für gerade 270 Mio. US-Dollar, im Jahr 2012 betrugen die deutschen Ausfuhren nach China nach Angaben des Statistischen Bundesamtes 66,6 Mrd. Euro (+2,7% ggü. Vorjahr); die deutschen Einfuhren aus China 77,3 Mrd. Euro (-2,8% ggü. Vorjahr). Deutschland ist mit Abstand Chinas größter Handelspartner in Europa und steht in der Rangfolge der weltweiten Handelspartner Chinas auf Platz sechs (ohne Hongkong und Taiwan auf Platz vier). China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien und drittwichtigster Handelspartner weltweit.

Seit 2002 ist China nach den USA der zweitwichtigste deutsche Exportmarkt außerhalb Europas und 2012 fünftwichtigster Exportmarkt insgesamt. Die Ausfuhren nach China beinhalteten insbesondere Kraftwagen und Kraftwagenteile (29,0% der Exporte), Maschinen (25,3%), Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse (8,8%), elektrische Ausrüstungen (8,7%) und chemische Erzeugnisse (6,2%).

Zudem ist China das zweitgrößte Lieferland Deutschlands nach den Niederlanden. Deutschland importiert vor allem Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse (35,6% der Importe), Bekleidung (10,4%), elektrische Ausrüstungen (10,1%), Maschinen (7,7%) und Metallerzeugnisse (4,3%). Da deutsche Unternehmen mehr Waren aus China beziehen als dorthin geliefert werden, besteht im bilateralen Handel aus deutscher Sicht seit 1989 ein Defizit, das sich jedoch seit 2008 (-26,8 Mrd. Euro) tendenziell verringert hat. Im Jahr 2012 betrug es 10,7 Mrd. Euro.

Unter der Leitung des damaligen chinesischen Ministerpräsidenten Wen Jiabao und von Bundeskanzlerin Angela Merkel sind im August 2012 die beiden Kabinette nach Juni 2011 zu den zweiten Regierungskonsultationen in Peking zusammengekommen. Insgesamt wurden 17 Kooperationsvereinbarungen hauptsächlich im Wirtschaftsbereich unterzeichnet.


Investitionen

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich derzeit noch deutlich stärker in China als umgekehrt, was nicht zuletzt auch den unterschiedlichen Entwicklungsstand beider Volkswirtschaften widerspiegeln dürfte. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute um ein vielfaches mehr in China investiert als umgekehrt, allerdings ist ein stark gestiegenes chinesisches Interesse feststellbar. Die kumulierten Investitionen deutscher Unternehmen in China betrugen Ende 2011 insgesamt rund 27 Mrd. EUR. Im Gegenzug haben chinesische Unternehmen bisher rund 2 Mrd. EUR in Deutschland investiert. Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig (viele davon klein). Im Gegensatz dazu sind in China bereits über 5.000 deutsche Unternehmen aktiv.

China hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausländische Direktinvestitionen angeworben, gleichwohl sollten die Transparenz und die Investitionssicherheit erhöht werden, um den Investitionsstandort besonders für mittelständische Unternehmen weiter attraktiv zu halten. Grundproblem bleibt die unzureichende Rechtsstaatlichkeit. Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen. Vor allem auch im bisher stark reglementierten Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Logistik und Handel) sollten sich die Rahmenbedingungen weiter verbessern.

In China regelt ein ausführlicher Investitionskatalog für ausländische Unternehmen (Federführung bei der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, NDRC, und beim Handelsministerium, MOFCOM) für jedes Marktsegment, ob und in welcher Form ausländische Investitionen willkommen sind. Er enthält eine ausführliche Liste von Investitionsprojekten, die in drei Kategorien eingeordnet werden können und danach entweder 1. verboten sind, 2. eingeschränkt zulässig sind, 3. gefördert werden. Nicht aufgezählte Vorhaben sind grundsätzlich erlaubt. Allerdings enthält der Katalog keine gesetzlich verbindlichen und zudem auch keine abschließenden Vorgaben.

Seit Januar 2012 gilt ein neuer Investitionskatalog. Der Fokus der Investitionsförderung liegt in insgesamt vier Bereichen. Zu diesen gehören Umwelt, Energie (z.B. E-Mobilität), High-Tech (z.B. Chip- und Touch-Systeme) und Gesundheitswirtschaft (z.B. Krankenhäuser). Dem gegenüber stehen zusätzliche Beschränkungen in anderen Bereichen, beispielsweise in besonders umweltschädlichen Industrien, der Schwerindustrie und strategischen Rohstoffen. Verbote sieht der Entwurf z.B. beim Bau und Verwaltung von Villen-Siedlungen sowie bei inländischen Kurierdiensten vor. Keine Änderungen gibt es in der Banken- und Versicherungsbranche sowie im größten Teil des Dienstleistungssektors. Im Dezember 2003 wurde ein bilaterales Abkommen über die Förderung und den gegenseitigen Schutz von Kapitalanlagen unterzeichnet, das im November 2005 in Kraft getreten ist. Dieses Investitionsschutzabkommen regelt die Rahmenbedingungen für beidseitige Investitionen, stellt jedoch in seinem Zusatzprotokoll auch heraus, dass in China immer noch diskriminierende Maßnahmen deutschen Investoren gegenüber bestehen. Ziel des Abkommens ist u.a. auch, diesen Zustand zu beseitigen und eine gleichberechtigte Investitionslage herzustellen.

Von geringem Niveau kommend haben sich chinesische Direktinvestitionen nach Europa in den letzten 3 Jahren dynamisch entwickelt und betrugen 2011 3,2 Mrd. EUR. Die europäischen Investitionen in China machen noch 17,5 Mrd. EUR aus. Deutschland ist innerhalb der EU 2010 zum ersten Mal zum wichtigsten Zielland geworden . Schwerpunkte des chinesischen Engagements in Deutschland liegen bisher in den Bereichen Maschinenbau , Elektronik , Konsumgüter und IKT. Zu den jüngsten Übernahmen zählen die Käufe des Betonpumpenherstellers Putzmeister durch das Unternehmen Sany Heavy Industry Anfang 2012 (360 Mio. Euro), des Automobilherstellers Kiekert im März 2012 und des Betonpumpenherstellers Schwing im April 2012 durch chinesische Unternehmen.


Außenwirtschaftsförderung

Im Rahmen der Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen in China sind in Peking, Hongkong, Shanghai und Guangzhou (Kanton) Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (unter dem Dach des Auslandskammerwesens des Deutschen Industrie- und Handelskammertages - DIHK) tätig, ferner Auslandsmitarbeiter von Germany Trade and Invest (gtai) für den Außenwirtschaftsbereich in Peking, Shanghai und Hongkong sowie für den Investitionsförderbereich in Peking. Delegiertenbüros und die Büros von Germany Trade and Invest arbeiten eng mit der deutschen Botschaft in Peking und den deutschen Generalkonsulaten in Shanghai, Guangzhou (Kanton), Chengdu und Hongkong zusammen. Deutsche Firmen in (Festland-)China haben sich in einer Industrie- und Handelskammer organisiert, deren Geschäftsführung in Personalunion von den Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Peking wahrgenommen wird. In Hongkong besteht eine "German Business Association".


Zusammenarbeit im Bereich Energie, Umwelt und Klima

Eine zentrale Frage, der sich die Volksrepublik stärker widmen will, ist die Eindämmung des Klimawandels, die Modernisierung der Umweltpolitik sowie der Ausbau der alternativen Energien, eine Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen und die Bewältigung der aus dem nach wie vor hohen Urbanisierungsdruck innerhalb Chinas resultierenden gravierenden Probleme. Durch die Vorreiterrolle, die Deutschland in vielen Bereichen des Klima- und Umweltschutzes sowie der alternativen Energien und der Energieeffizienz eingenommen hat, ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für eine Partnerschaft mit China.

Eines der Schwerpunktthemen der Regierungskonsultationen 2011 und 2012 bildete daher das Dreieck Energie-Umwelt-Klima. Beide Länder haben – unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen – einen Strukturwandel hin zu „Grüner Wirtschaft“ beschlossen: Deutschland hat ein ehrgeiziges Energiekonzept verabschiedet, mit welchem das Auslaufen der Kernenergie und der Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen worden ist. Die chinesische Zentralregierung setzt mit ihrem 12. Fünf-Jahresplan auf qualitativ nachhaltiges Wachstum statt auf rein quantitatives Wachstum.


Entwicklungszusammenarbeit

Die Volksrepublik China hat nach der 1978 eingeleiteten Öffnungspolitik und den schrittweisen Wirtschaftsreformen eine beispiellose Entwicklung durchlaufen und in den vergangenen Jahren erheblich zur Erreichung des internationalen Milleniumsentwicklungszieles der Halbierung der extremen Armut bis 2015 beigetragen.

Die Bundesregierung hat 2009 die Beendigung der traditionellen Entwicklungszusammenarbeit mit China beschlossen und seit dem keine neuen finanziellen Zusagen an China gegeben. Alle laufenden Programme werden im Laufe der nächsten Jahre zu Ende geführt und neue Formen der Zusammenarbeit mit China im Rahmen einer strategischen Partnerschaft entwickelt. Dazu gehört auch die Unterstützung bei der Fortsetzung der Reformpolitik sowie der weiteren Entwicklung zu einer nachhaltigen Wirtschaftsweise sowie der Stabilität Chinas und der Verringerung seiner ökologischen Belastungen.

Die Regierungen Deutschlands und Chinas haben im November 2009 eine gemeinsame strategische Entwicklungspartnerschaft beschlossen, die sich auf die Bereiche Klima, Umwelt und Energie sowie Wirtschafts- und Rechtsreform konzentriert. Getragen wird die Partnerschaft auf Augenhöhe von der Ausrichtung an den gemeinsamen strategischen Interessen wie sie in der gemeinsamen Erklärung beider Länder anlässlich des Besuchs der Bundeskanzlerin im Juli 2010 vereinbart wurden. In dieser neuen Entwicklungspartnerschaft orientieren sich die Beiträge beider Seiten am Entwicklungsstand und der Eigenleistungsfähigkeit Chinas. Zugleich soll, wo immer möglich, die deutsche Wirtschaft stärker einbezogen werden.


Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit hat sich in mehr als 30 Jahren stetig entwickelt. Deutschland und China sind zu Partnern geworden, die auf „Augenhöhe“ kooperieren.

Auch in der Bildung besteht seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Kooperation zwischen den Hochschulen und den Akteuren der beruflichen Aus- und Weiterbildung wird stetig ausgebaut. Zentrale Partner sind auf deutscher Seite das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie auf chinesischer Seite das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST) und das Erziehungsministerium (MoE).

Die deutsch-chinesische Kooperation der Forschungsinstitute ist seit vielen Jahren sehr eng. Neben dem Deutsch-Chinesischen Zentrum für Wissenschaftsförderung, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit der chinesischen NSFC (National Natural Science Foundation of China) in Peking betreibt, hat die Fraunhofer Gesellschaft (FhG) mit dem High Technology Research and Development Center der Beijing University of Astronautics and Aeronautics zwei Institute eröffnet: das Sino-German Joint Software Institute (JSI) in Peking sowie das Sino-German Mobile Communication Institute (MCI) in Berlin. 2005 hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) ein gemeinschaftliches Institut für "Computational Biology" in Shanghai gegründet. Die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) arbeitet seit 2004 an der Umsetzung eines Netzwerks, bestehend aus Forschungseinrichtungen der WGL, chinesischen Forschungsinstituten und Industriepartnern auf beiden Seiten, das sich mit der Isolierung, Charakterisierung und Erprobung von biologisch aktiven Substanzen befasst, die aus in der traditionellen Chinesischen Medizin bekannten Pflanzen gewonnen werden. Die Meeres- und Ökosystemforschung haben in den vergangenen fünf Jahren zunehmend an Bedeutung in der bilateralen Zusammenarbeit der WGL gewonnen. 2011 wurde das Deutsch-Chinesische Zentrum für Meereswissenschaften in Qingdao zusammen von der Ocean University of China, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften bei der Universität Kiel und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie bei der Universität Bremen gegründet. Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) kooperiert in einem weit reichenden Netzwerk mit chinesischen Spitzeneinrichtungen beispielsweise in der Umwelt-, Gesundheits- und Energieforschung.

Bei den 2. Regierungskonsultationen am 30. August 2012 wurde die Forschungszusammenarbeit mit China weiter verstärkt. Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der LED-Technologien. Darüber hinaus soll in Zukunft auch die Zusammenarbeit in der Meeres- und Polarforschung ausgebaut und um den Bereich Tiefseeforschung ergänzt werden. Damit wird neben der langjährigen guten Kooperation mit dem MoST nun auch eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit der chinesischen State Oceanic Administration (SOA) möglich. Zwei neue gemeinsame Erklärungen in die beiden Gebiete wurden dabei unterzeichnet.

Berufsbildung spielt weiterhin eine bedeutende Rolle bei der bilateralen Kooperation. Neben dem Dialogforum Berufliche Bildung in Peking im Juni 2012, organisiert von der AHK Shanghai im Rahmen von DuC Nachhaltigkeit, wurde ein zweites bilaterales Symposium unmittelbar vor den 2. Regierungskonsultationen gemeinsam vom BMBF und MoE in Chongqing veranstaltet. Dabei ist ein erstes deutsch-chinesisches Ausbildungszentrum mit Schwerpunkt KFZ-Mechatronik in Chongqing eröffnet worden.


Kultureller Austausch

Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China schrittweise auch für ausländische Kultur geöffnet. Gleichzeitig engagiert sich die chinesische Regierung seit einigen Jahren verstärkt dafür, die eigene Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten; sie sieht hierin einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Verbesserung des China-Bildes im Ausland. Diese Aufgabe nehmen sowohl staatliche Kulturinstitute („Kulturzentren“) als auch die meist als Universitätskooperationen organisierten Konfuzius-Institute wahr, die mittlerweile an 13 deutschen Standorten (Berlin, Duisburg, Düsseldorf, Erfurt, Erlangen, Frankfurt/Main, Freiburg, Hamburg, Hannover, Heidelberg, München, Leipzig und Trier) vertreten sind. Überdies organisierte China 2012 in Deutschland ein chinesisches Kulturjahr mit über 500 Kultur- und Diskussionsveranstaltungen (www.cn2012de.com). 

Die Veranstaltungsserie „Deutschland und China – Gemeinsam in Bewegung“ des Auswärtigen Amts, die im Sommer 2010 auf der EXPO in Shanghai ihren Abschluss fand, wird 2012 und 2013 in veränderter Form – in den chinesischen Städten Shenyang, Nanjing, Wuhan und Chongqing mit auf nachhaltiger Urbanisierung fokussierten Projekten fortgesetzt. Deutschland bietet sich mit dieser Veranstaltungsserie China als Partner an, um gemeinsam Lösungen für die Herausforderungen der rasanten Verstädterungsprozesse zu entwickeln. Daneben fanden in China aus Anlass des 40. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen der Bundesrepublik Deutschland und der Volksrepublik China zahlreiche Ausstellungen, Diskussionen, und Konzerte statt.

Der privat organisierte Kulturaustausch gewinnt zunehmend an Bedeutung: So sind zahlreiche hervorragende deutsche Orchester, Opern und Ballettcompagnien in den letzten Jahren auf Tournee in China gewesen. Ähnliches gilt für Kunst; neben großen Ausstellungen mit staatlicher Unterstützung leisten private Galerien und Kunstmessen einen wichtigen Beitrag. Dem Kulturaustausch wurde vor diesem Hintergrund im gemeinsamen deutsch-chinesischen Kommuniqué beider Regierungen vom Juli 2010 ein eigenes Kapitel gewidmet.

Einen Höhepunkt des Kulturaustausches stellte die groß angelegte Ausstellung „Die Kunst der Aufklärung“ dar, die vom 1. April 2011 bis zum 31. März 2012 im neu eröffneten chinesischen Nationalmuseum zu sehen war. Sie zeigte die Ideen der europäischen Aufklärung und wurde begleitet von einer Reihe von Vortrags- und Diskussionsveranstaltungen unter dem Titel „Aufklärung im Dialog“, in denen viele inbesondere auch junge Chinese die Ideen und Werte der Aufklärung diskutiert haben.

Zahlreiche deutsche Kulturmittler sind in China vertreten, allen voran das Goethe-Institut in Peking sowie seine Zweigstelle in Shanghai, mehrere Sprachlernzentren, Informations- und Lernzentren. Weitere wichtige Mittler sind der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Deutsche Archäologische Institut, das Buchinformationszentrum Peking und verschiedene Stiftungen.


Austausch im Bildungswesen

Erfolgreich wird in China die 2007 ins Leben gerufene Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH), die sich zum Ziel gesetzt hat, die Anzahl Deutsch lernender Schüler zu erhöhen und Deutschlehrer fortzubilden, umgesetzt. Hieran beteiligt sind das Goethe-Institut und die Zentralstelle für Auslandsschulwesen mit eigenen Fachkräften vor Ort und der Pädagogische Austauschdienst. In der Zwischenzeit werden 76 PASCH-Schulen von deutscher Seite betreut.

Die deutschen Auslandsschulen in Peking und Shanghai fbieten deutsche Schulbildung und – abschlüsse an. Zudem sind sie Ort kultureller Begegnung. Des weiteren gibt es zwei deutsche internationale Schulen in Changchun und Fuzhou sowie deutsche Zweige an internationalen Schulen in Wuxi, Suzhou, Guangzhou (Kanton), ShenyangNanjing und Shenzhen.

An den chinesischen Hochschulen belegten im Jahr 2012 etwa 36.000 chinesische Studenten Deutsch als Fremdsprache. An 72 Hochschulen kann ein Bachelor-Degree im Fach Deutsch erworben werden.

An deutschen Universitäten waren 2012 rund 24.000 chinesische Studenten immatrikuliert und bildeten damit die größte Gruppe ausländischer Studierender. Unter ihnen erfreuen sich ingenieurwissenschaftliche Studiengänge besonderer Beliebtheit. Studienbewerber für Deutschland, Österreich und Belgien werden von der Akademischen Prüfstelle Peking (APS) betreut, einer gemeinsamen Service-Einrichtung des DAAD und der deutschen Botschaft Peking.

An chinesischen Universitäten waren ca. 4.000 deutsche Studenten eingeschrieben, wobei es sich hierbei zu drei Vierteln um Kurzzeit- bzw. Sprachstudenten handelt.

Auf über 580 ist die Zahl der Kooperationsprojekte zwischen deutschen und chinesischen Universitäten und Hochschulen angewachsen. Der DAAD koordiniert und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch in beide Richtungen u.a. mit Stipendien und Lektoren.

Von Mitte 2013 bis Mitte 2014 beabsichtigen beide Regierungen, ein Jahr der deutschen Sprache in China und ein Jahr der chinesischen Sprache in Deutschland durchzuführen, mit Maßnahmen zur Förderung des Sprachunterrichts und sprachnahen Kulturveranstaltungen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Trailer: "China-Pioniere - Was vom Fremden übrig blieb"

Der Film zeichnet die Erinnerungen von zehn chinesischen und deutschen Zeitzeugen auf, die in unterschiedlichen Bereichen, sei es Politik, Wirtschaft oder Kultur, Erfahrungen im jeweils anderen Land gesammelt haben. Das Deutsche Generalkonsulat Shanghai initiierte die Produktion des Dokumentarfilms anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der deutsch-chinesischen Beziehungen.