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China

Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Deutschland

Stand: März 2014

Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen.

In den zurückliegenden 40 Jahren haben sich diese Beziehungen zu großer Vielfalt, beachtlicher Dichte und zunehmender politischer Substanz entwickelt - sie sind freundschaftlich und gut. Deutschland vertritt ebenso wie alle EU-Partner eine Ein-China-Politik. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Angesichts der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt der stabilen Kooperation zwischen den beiden stark exportorientierten Volkswirtschaften große Bedeutung zu. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als sein "Tor nach Europa". Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen.

Seit 2004 werden die deutsch-chinesischen Beziehungen daher als "Strategische Partnerschaft in globaler Verantwortung" bezeichnet, die mit dem Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Deutschland Ende März 2014 zu einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ angehoben wurden. Seit 2011 finden Regierungskonsultationen statt. An der letzten Runde im August 2012 in Peking nahmen neben Bundeskanzlerin Merkel und dem damaligen Ministerpräsidenten Wen Jiabao auf beiden Seiten mehr als 10 Fachminister an diesen Konsultationen teil. Neben Wirtschafts- und Umweltfragen standen auch Fragen der gesellschaftlichen Entwicklung und der Ausbau der Zusammenarbeit in Bildung und Wissenschaft auf der Agenda. Beide Seiten setzen sich für einen stärkeren Austausch der Zivilgesellschaft ein, u.a. Jugendaustausch, Städtepartnerschaften. Insgesamt wurden im Rahmen der Regierungskonsultationen bisher über 40 konkrete Vereinbarungen getroffen.

Der offizielle, hochrangige Besucherverkehr zwischen beiden Ländern ist auch außerhalb der Regierungskonsultationen sehr rege. So besuchte Premierminister Li Keqiang Deutschland bereits im Rahmen seiner ersten Auslandsreise im Mai 2013. Aus diesem Anlass eröffnete er auch zusammen mit Bundeskanzlerin Merkel das Jahr der deutschen Sprache in China und der chinesischen Sprache in Deutschland. Im März 2014 stattete Xi Jinping Deutschland im Rahmen seiner ersten Europareise als Staatspräsident einen Staatsbesuch ab.

Insgesamt gibt es mittlerweile über 60 Dialogmechanismen, davon viele auf hoher Regierungsebene, zwischen Fachministern, Staatssekretären und Leitern von Regierungsbehörden.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede im Bereich der Menschenrechte, insbesondere zu den persönlichen Freiheitsrechten. Es bleibt ein wichtiges Interesse Deutschlands, dass China sich innenpolitisch weiterentwickelt, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Gerechtigkeit, vor allem auch grundlegende Freiheitsrechte zulässt und Minderheitenfragen friedlich löst.

Ein wichtiges Kooperationsinstrument zur Entwicklung von mehr Rechtsstaatlichkeit ist der Rechtsstaatsdialog. Ebenso wichtig ist der jährliche bilaterale Menschenrechtsdialog.


Rechtsstaatsdialog

Der deutsch-chinesische Rechtsstaatsdialog geht auf eine Vereinbarung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji vom November 1999 zurück. Er soll für den Aufbau eines Rechtsstaats und die Durchsetzung der Menschenrechte in China einen langfristigen Ansatz bieten. Koordinatoren des Rechtsstaatsdialogs sind auf deutscher Seite das Bundesministerium der Justiz auf chinesischer Seite das Rechtsamt des Staatsrats.

Einmal im Jahr findet ein Symposium statt, bei dem deutsche und chinesische Regierungsvertreter und Experten über ein aktuelles rechtliches Thema debattieren. Das 13. deutsch-chinesische Rechtsstaatssymposium fand am 8. und 9. April 2013 in Hangzhou/VR China zum Thema „Vermeidung und Beilegung von Verwaltungsstreitigkeiten“ statt.

Zudem wird der Rechtsstaatsdialog mit konkreten Projekten zur Förderung der Zusammenarbeit im Rechtsbereich unterlegt. Hierzu unterzeichneten Bundesministerin Leutheusser-Schnarrenberger und der Leiter des Rechtsamts des Staatsrats, Minister Song Dahan, im November 2010 in Berlin eine Vereinbarung über das Dreijahresprogramm 2011-2013 zum Austausch und zur Zusammenarbeit im Rechtsbereich. Ein Programm für die Folgezeit wurde am Rande des Rechtsstaatssymposiums 2013 vereinbart.

Die aus diesem Dialog herrührenden Erkenntnisse und Anregungen haben Einfluss auf die Ausgestaltung von Rechtsnormen in China gehabt und unterstützen damit auch die Bestrebungen der chinesischen Regierung, Rechtsnormen in bestimmten Bereichen durchzusetzen.

Der jüngste Menschenrechtsdialog fand im Mai 2013 in Yinchuan/Provinz Ningxia statt. Fragen zur Lage der Wanderarbeiter und deren Arbeitsbedingungen, Meinungsfreiheit sowie die Situation nationaler Minderheiten standen im Vordergrund der Gespräche.


Wirtschaftsbeziehungen

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1972  zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt. 1972 exportierten deutsche Unternehmen Waren für gerade 270 Mio. US-Dollar, im Jahr 2013 betrugen die deutschen Ausfuhren nach China 67,03 Mrd. Euro (+0,6 % ggü. Vorjahr); die deutschen Einfuhren aus China 73,38 Mrd. Euro (-5 % ggü. Vorjahr). Mit einem Handelsvolumen in 2013 von über 140 Mrd. Euro ist Deutschland mit Abstand Chinas größter Handelspartner in Europa und steht in der Rangfolge der weltweiten Handelspartner Chinas auf Platz sechs (ohne Hongkong und Taiwan auf Platz vier). China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien und drittwichtigster Handelspartner weltweit.

Der Umbau der bisher exportgetriebenen chinesischen Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wachstum und einer Stärkung des Binnenkonsums bietet für die deutsche Wirtschaft große Chancen. Im Jan. 2014 wurde in Berlin die erste chinesische Handelskammer in Europa eröffnet, die den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen weiter fördern soll. Zudem wird China 2015 Partnerland bei der CEBIT sein.

China ist (nach Frankreich, USA, Großbritannien und Niederlande) der fünftgrößte Abnehmer deutscher Exportprodukte. Wichtigste Warengruppe im deutschen Export sind Kraftwagen und Kraftwagenteile (29 % der Exporte), Maschinen (27 %), Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse (9 %), elektrische Ausrüstungen (9 %) und chemische Erzeugnisse (9 %). Dabei haben die deutsche Investitionsgüterindustrie und der Fahrzeugbau auch 2013 überdurchschnittlich vom investitionsgetriebenen chinesischen Wachstumsmodell profitiert.

Zudem ist China das zweitgrößte Lieferland Deutschlands nach den Niederlanden. Deutschland importierte 2013 vor allem Datenverarbeitungsgeräte, elektrische und optische Erzeugnisse (36 % der Importe), Bekleidung (11 %), elektrische Ausrüstungen (10 %), Maschinen (8 %) und Metallerzeugnisse (4 %). Da deutsche Unternehmen mehr Waren aus China beziehen als dorthin geliefert werden, besteht im bilateralen Handel aus deutscher Sicht seit 1989 ein Defizit, das sich jedoch seit 2008 (-26,8 Mrd. Euro) stark verringert hat. Im Jahr 2013 betrug es nur noch 6,35 Mrd. Euro.


Investitionen

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich derzeit noch deutlich stärker in China als umgekehrt, was nicht zuletzt auch den unterschiedlichen Entwicklungsstand beider Volkswirtschaften widerspiegeln dürfte. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute um ein vielfaches mehr in China investiert als umgekehrt, allerdings sind stark gestiegene chinesische Aktivitäten feststellbar, auch aufgrund der globalen Investitionsstrategie der chinesischen Regierung (Going-Global-Strategie), die ausländische Investitionen der chinesischen Wirtschaft ermutigt und flankiert. Die deutschen Direktinvestitionen in China betrugen 2014 knapp 39 Mrd. Euro. Im Gegenzug haben chinesische Unternehmen bisher rund 3,1 Mrd. USD in Deutschland investiert. Schwerpunkte des chinesischen Engagements in Deutschland liegen bisher in den Bereichen Maschinenbau, Elektronik, Konsumgüter und IKT. Zu den Übernahmen zählten etwa die Käufe des Betonpumpenherstellers Putzmeister durch das Unternehmen Sany Heavy Industry, des Automobilherstellers Kiekert und des Betonpumpenherstellers Schwing durch chinesische Unternehmen.

Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig. Im Gegensatz dazu sind in China bereits über 5.000 deutsche Unternehmen aktiv.

China hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausländische Direktinvestitionen angeworben, gleichwohl sollten die Transparenz und die Investitionssicherheit erhöht werden, um den Investitionsstandort besonders für mittelständische Unternehmen weiter attraktiv zu halten. Ein Grundproblem bleibt die unzureichende Rechtsstaatlichkeit. Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und gleiche Marktzugangsbedingungen, insbesondere denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen. Vor allem auch im bisher stark reglementierten Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Logistik und Handel) wird sich zeigen, ob die Reformpläne der chinesischen Regierung eine Verbesserung bringen.

In China regelt ein ausführlicher Investitionskatalog für ausländische Unternehmen (Federführung bei der Nationalen Entwicklungs- und Reformkommission, NDRC, und beim Handelsministerium, MOFCOM) für jedes Marktsegment, ob und in welcher Form ausländische Investitionen willkommen sind. Er enthält eine ausführliche Liste von Investitionsprojekten, die in drei Kategorien eingeordnet werden können und danach entweder 1. verboten sind, 2. eingeschränkt zulässig sind, 3. gefördert werden. Nicht aufgezählte Vorhaben sind grundsätzlich erlaubt. Allerdings enthält der Katalog keine gesetzlich verbindlichen und zudem auch keine abschließenden Vorgaben.

Seit Januar 2012 gilt ein neuer Investitionskatalog. Der Fokus der Investitionsförderung liegt in insgesamt vier Bereichen. Zu diesen gehören Umwelt, Energie (z. B. E-Mobilität), High-Tech (z. B. Chip- und Touch-Systeme) und Gesundheitswirtschaft (z. B. Krankenhäuser). Dem gegenüber stehen zusätzliche Beschränkungen in anderen Bereichen, beispielsweise in besonders umweltschädlichen Industrien, der Schwerindustrie und strategischen Rohstoffen. Verbote sieht der Entwurf z. B. beim Bau und Verwaltung von Villen-Siedlungen sowie bei inländischen Kurierdiensten vor. Keine Änderungen gibt es in der Banken- und Versicherungsbranche sowie im größten Teil des Dienstleistungssektors.

Eine Ausnahme vom System des Investitionskatalogs soll für die im Herbst 2013 gegründete Shanghaier Freihandelszone gelten: ausländische Investitionen in Bereichen, die nicht in einer Negativliste erfasst sind, bedürfen grundsätzlich keiner Genehmigung, sondern müssen lediglich angemeldet werden. Derzeit erfasst die Negativliste etwa 200 Bereiche, die sich noch zu gut 90 % mit den Verboten bzw. Beschränkungen des Investitionskatalogs decken. Die chinesische Regierung hat jedoch angekündigt, die Negativliste weiter kürzen zu wollen.

Seit 2005 gibt es ein bilaterales deutsch-chinesisches Investitionsschutzabkommen, das die Rahmenbedingungen für beidseitige Investitionen regelt und eine gleichberechtigte Investitionslage herstellen soll. Zwischen der EU und China wurden im Nov. 2013 Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen aufgenommen.


Außenwirtschaftsförderung

Im Rahmen der Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen in China sind in Peking, Hongkong, Shanghai und Guangzhou (Kanton) Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (unter dem Dach des Auslandskammerwesens des Deutschen Industrie- und Handelskammertages - DIHK) tätig, ferner Auslandsmitarbeiter von Germany Trade and Invest (gtai) für den Außenwirtschaftsbereich in Peking, Shanghai und Hongkong sowie für den Investitionsförderbereich in Peking. Delegiertenbüros und die Büros von Germany Trade and Invest arbeiten eng mit der deutschen Botschaft in Peking und den deutschen Generalkonsulaten in Shanghai, Guangzhou (Kanton), Chengdu, Shenyang und Hongkong zusammen. Deutsche Firmen in (Festland-) China haben sich in einer Industrie- und Handelskammer organisiert, deren Geschäftsführung in Personalunion von den Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Peking wahrgenommen wird. In Hongkong besteht eine „German Business Association“.


Zusammenarbeit im Bereich Energie, Umwelt und Klima

Der Aufbau einer „ökologischen Zivilisation“ ist ein Leitbild der aktuellen Führung unter Xi Jinping und Li Keqiang. Diese soll wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung und Ökologie besser als bislang miteinander verbinden. Zentrale Fragen, denen sich die Volksrepublik China daher stärker widmet, sind Maßnahmen zum Klimaschutz (insbesondere zur relativen Emissionsreduzierung) und zur Anpassung an den Klimawandel, die Modernisierung der Umweltpolitik , eine umweltfreundlichere Energiepolitik einschließlich des Ausbaus der alternativen Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen und die Bewältigung der aus dem nach wie vor hohen Urbanisierungsdruck innerhalb Chinas resultierenden gravierenden Probleme. Der Zustand von Umweltgütern macht diese Notwendigkeit deutlich: anhaltend hohe Luftverschmutzung in weiten Teilen Chinas, zunehmend sichtbare Probleme der Wasserverfügbarkeit und -qualität und deren negativer Einfluss auf die Landwirtschaft sowie schlechte Bodenqualitäten. Der absehbar in den nächsten Jahren steigende Energieverbrauch verstärkt den Handlungsdruck.

Durch die Vorreiterrolle, die Deutschland in vielen Bereichen des Klima- und Umweltschutzes sowie der alternativen Energien und der Energieeffizienz eingenommen hat, ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für eine Partnerschaft mit China. Deutschland hat ein ehrgeiziges Energiekonzept verabschiedet, mit dem das Auslaufen der Kernenergie und der Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen worden ist. Die chinesische Zentralregierung setzt mit ihrem 12. Fünf-Jahresplan auf vermehrt qualitativ nachhaltiges Wachstum statt auf rein quantitatives Wachstum.

Eines der Schwerpunktthemen der Regierungskonsultationen 2011 und 2012 bildete daher das Dreieck Energie-Umwelt-Klima. Beide Länder haben – unter völlig unterschiedlichen Voraussetzungen – einen Strukturwandel hin zu „Grüner Wirtschaft“ beschlossen. Beide Länder haben schon im Rahmen der Entwicklungszusammenarbeit über dreißig Jahre im weiteren Umweltbereich vertrauensvoll zusammengearbeitet und im Klimaschutz gezielte Kooperationen realisiert. Seit 2013 besteht eine bilaterale Urbanisierungspartnerschaft, um den Urbanisierungsprozess in China nachhaltig zu gestalten. Hieraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte und Chancen für die Wirtschaft.


Wirtschaftliche Zusammenarbeit

Die Volksrepublik China hat nach der 1978 eingeleiteten Öffnungspolitik und den schrittweisen Wirtschaftsreformen eine schnelle Entwicklung durchlaufen und in den vergangenen Jahren erheblich zur Erreichung des internationalen Milleniumsentwicklungsziels der Halbierung der extremen Armut bis 2015 beigetragen.

Die Bundesregierung hat 2009 die Beendigung der traditionellen Entwicklungszusammenarbeit mit China beschlossen und seitdem keine neuen finanziellen Zusagen an China gegeben. Alle laufenden Programme werden im Laufe der nächsten Jahre zu Ende geführt und neue Formen der Zusammenarbeit mit China im Rahmen der strategischen Partnerschaft entwickelt. Dazu gehört die Unterstützung bei der Fortsetzung der Reformpolitik sowie bei der nachhaltigen Umgestaltung der chinesischen Volkswirtschaft, wobei auch die deutsche Wirtschaft stärker einberufen werden soll.


Wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit hat sich in mehr als 30 Jahren stetig entwickelt. Deutschland und China sind zu Partnern geworden, die auf „Augenhöhe“ kooperieren.

Auch in der Bildung besteht seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Kooperation zwischen den Hochschulen und den Akteuren der beruflichen Aus- und Weiterbildung wird stetig ausgebaut. Zentrale Partner sind auf deutscher Seite das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) sowie auf chinesischer Seite das Ministerium für Wissenschaft und Technologie (MoST) und das Erziehungsministerium (MoE).

Die deutsch-chinesische Kooperation der Forschungsinstitute ist seit vielen Jahren sehr eng. Neben dem Deutsch-Chinesischen Zentrum für Wissenschaftsförderung, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit der chinesischen NSFC (National Natural Science Foundation of China) in Peking betreibt, hat die Fraunhofer Gesellschaft (FhG) mit dem High Technology Research and Development Center der Beijing University of Astronautics and Aeronautics zwei Institute eröffnet: das Sino-German Joint Software Institute (JSI) in Peking sowie das Sino-German Mobile Communication Institute (MCI) in Berlin. 2005 hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) ein gemeinschaftliches Institut für „Computational Biology“ in Shanghai gegründet. Die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) arbeitet seit 2004 an der Umsetzung eines Netzwerks, bestehend aus Forschungseinrichtungen der WGL, chinesischen Forschungsinstituten und Industriepartnern auf beiden Seiten, das sich mit der Isolierung, Charakterisierung und Erprobung von biologisch aktiven Substanzen befasst, die aus in der traditionellen Chinesischen Medizin bekannten Pflanzen gewonnen werden. Die Meeres- und Ökosystemforschung haben in den vergangenen fünf Jahren zunehmend an Bedeutung in der bilateralen Zusammenarbeit der WGL gewonnen. 2011 wurde das Deutsch-Chinesische Zentrum für Meereswissenschaften in Qingdao zusammen mit der Ocean University of China, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften bei der Universität Kiel und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie bei der Universität Bremen gegründet. Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) kooperiert in einem weit reichenden Netzwerk mit chinesischen Spitzeneinrichtungen beispielsweise in der Umwelt-, Gesundheits- und Energieforschung. 2014 haben BMBF und MoST beschlossen, in Peking ein deutsch-chinesisches Innovationszentrum „Sauberes Wasser“ einzurichten.

Bei den 2. Regierungskonsultationen am 30. August 2012 wurde die Forschungszusammenarbeit mit China weiter verstärkt. Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenarbeit auf dem Gebiet der Innovationspolitik und der LED-Technologien. Darüber hinaus soll in Zukunft auch die Zusammenarbeit im Wasserbereich und in der Meeres- und Polarforschung ausgebaut und um den Bereich Tiefseeforschung ergänzt werden. Damit wird neben der langjährigen guten Kooperation mit dem MoST nun auch eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit der chinesischen State Oceanic Administration (SOA) möglich. Zwei neue gemeinsame Erklärungen in die beiden Gebiete wurden dabei unterzeichnet.

Berufsbildung spielt weiterhin eine bedeutende Rolle bei der bilateralen Kooperation. Neben dem Dialogforum Berufliche Bildung in Peking im Juni 2012, organisiert von der AHK Shanghai im Rahmen von DuC Nachhaltigkeit, wurde ein zweites bilaterales Symposium unmittelbar vor den 2. Regierungskonsultationen gemeinsam vom BMBF und MoE in Chongqing veranstaltet. Dabei ist ein erstes deutsch-chinesisches Ausbildungszentrum mit Schwerpunkt KFZ-Mechatronik in Chongqing eröffnet worden. Weitere Schwerpunkte der Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung sind in Qingdao, Shanghai und in Kanton.


Kultureller Austausch

Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China schrittweise auch für ausländische Kultur geöffnet. Gleichzeitig engagiert sich die chinesische Regierung seit einigen Jahren verstärkt dafür, die eigene Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten; sie sieht hierin einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Verbesserung des China-Bildes im Ausland. Diese Aufgabe nehmen sowohl staatliche Kulturinstitute („Kulturzentren“) als auch die meist als Universitätskooperationen organisierten Konfuzius-Institute (in Deutschland zur Zeit 14) wahr.

Im Mai 2913 eröffneten Bundeskanzlerin Merkel und Premier Li Keqiang das Deutsche-Chinesische Sprachenjahr 2013/2014. Ziel ist es, die Vermittlung der deutschen Sprache in China und der chinesischen Sprache in Deutschland zu fördern, die Aus- und Fortbildung von Sprachlehrern beider Länder zu verbessern sowie sprachnahe Kulturveranstaltungen zu fördern.

Der privat organisierte Kulturaustausch gewinnt zunehmend an Bedeutung: So sind zahlreiche hervorragende deutsche Orchester, Opern und Ballettcompagnien in den letzten Jahren auf Tournee in China gewesen. Ähnliches gilt für die Kunst; neben großen Ausstellungen mit staatlicher Unterstützung leisten private Galerien und Kunstmessen einen wichtigen Beitrag.

Zahlreiche deutsche Kulturmittler sind in China vertreten, wie das Goethe-Institut in Peking und Shanghai sowie sieben Sprachlernzentren. Weitere wichtige Mittler sind der DAAD, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Deutsche Archäologische Institut, das Buchinformationszentrum sowie verschiedene private Stiftungen.


Austausch im Bildungswesen

Die 2007 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufene Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) wird in China erfolgreich umgesetzt. Gegenwärtig werden 99 chinesische Mittelschulen vom Goethe-Institut und von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen mit eigenen Fachkräften vor Ort  betreut. Der Pädagogische Austauschdienst der KMK unterstützt diese Initiative durch jährlichen Schüleraustausch und Lehrerfortbildungen.

Die deutschen Auslandsschulen in Peking und Shanghai bieten deutsche Schulbildung und Schulabschlüsse bis zum Abitur an und sind zudem Orte kultureller und sportlicher Begegnungen. Des Weiteren gibt es deutsche internationale Schulen in Changchun und Fuzhou sowie deutsche Zweige an internationalen Schulen in Wuxi, Suzhou, Guangzhou (Kanton), Shenyang, Nanjing und Shenzhen.

Ca. 36.000 chinesische Studenten lernen Deutsch als Fremdsprache. An 104 Universitäten und Hochschulen kann ein Bachelor-Abschluss im Fach Deutsch erworben werden.

An deutschen Universitäten und Hochschulen studieren gegenwärtig rund 23.000 Chinesen. Sie sind damit die größte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland, wobei ingenieurwissenschaftliche Studiengänge besonderen Vorrang haben. Studienbewerber für Deutschland werden von der Akademischen Prüfstelle Peking (APS) betreut, einer gemeinsamen Service-Einrichtung des DAAD und der deutschen Botschaft Peking.

An chinesischen Universitäten sind ca. 4.000 deutsche Studenten eingeschrieben, wobei es sich hierbei zum überwiegenden Teil um Kurzzeit- bzw. Sprachstudenten handelt.

Es gibt gut 950 Kooperationsprojekte zwischen deutschen und chinesischen Universitäten und Hochschulen. Der DAAD koordiniert und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch in beide Richtungen u.a. mit Stipendien und Lektoren.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Trailer: "China-Pioniere - Was vom Fremden übrig blieb"

Der Film zeichnet die Erinnerungen von zehn chinesischen und deutschen Zeitzeugen auf, die in unterschiedlichen Bereichen, sei es Politik, Wirtschaft oder Kultur, Erfahrungen im jeweils anderen Land gesammelt haben. Das Deutsche Generalkonsulat Shanghai initiierte die Produktion des Dokumentarfilms anlässlich des 40-jährigen Jubiläums der deutsch-chinesischen Beziehungen.