Hauptinhalt

China

Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Deutschland

Stand: Mai 2015

Politische Beziehungen

Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen.

In den zurückliegenden 40 Jahren haben sich diese Beziehungen zu großer Vielfalt, beachtlicher Dichte und zunehmender politischer Substanz entwickelt - sie sind freundschaftlich und gut. Deutschland vertritt ebenso wie alle EU-Partner eine Ein-China-Politik. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Angesichts der wachsenden Unsicherheitsfaktoren in der Welt und den noch nicht bewältigten Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt der Zusammenarbeit und Abstimmung der beiden strategischen Partner Deutschland und China eine immer größere Bedeutung zu. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als seinen Schlüsselpartner inEuropa. Regelmäßig hochrangige politische Abstimmung und dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit prägen die Beziehungen.

Seit 2004 werden die deutsch-chinesischen Beziehungen daher als "Strategische Partnerschaft in globaler Verantwortung" bezeichnet, die mit dem Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Deutschland Ende März 2014 zu einer „umfassenden strategischen Partnerschaft“ angehoben wurden. Seit 2011 finden regelmäßige Regierungskonsultationen statt, zuletzt im Oktober 2014, an der die beiden Kabinette mit mehr als 10 Fachministern auf jeder Seite unter Leitung der Regierungschefs zusammenkommen.

Darüber hinaus gibt es insgesamt über 60 Dialogmechanismen, davon viele auf hoher Regierungsebene, zwischen Fachministern, Staatssekretären und Leitern von Regierungsbehörden. Wichtige neue Abstimmungsformate sind die strategischen außenpolitischen  und sicherheitspolitischen Dialoge der Außenminister und der hochrangige finanzpolitische Dialog der Finanzminister und Notenbankchefs.

Trotz der   insgesamt positiven Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede im Bereich der Menschenrechte, insbesondere zu den persönlichen Freiheitsrechten. Es bleibt ein wichtiges Interesse Deutschlands, dass China sich innenpolitisch weiterentwickelt, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Gerechtigkeit, vor allem auch grundlegende Freiheitsrechte zulässt und Minderheitenfragen friedlich löst.Ein wichtiges Kooperationsinstrument zur Entwicklung von mehr Rechtsstaatlichkeit ist der Rechtsstaatsdialog. Ebenso wichtig ist der jährliche bilaterale Menschenrechtsdialog.


Rechtsstaatsdialog und Menschenrechtsdialog

Der deutsch-chinesische Rechtsstaatsdialog geht auf eine Vereinbarung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji vom November 1999 zurück. Er soll für den Aufbau eines Rechtsstaats und die Durchsetzung der Menschenrechte in China einen langfristigen Ansatz bieten. Koordinatoren des Rechtsstaatsdialogs sind auf deutscher Seite das Bundesministerium der Justiz auf chinesischer Seite das Rechtsamt des Staatsrats.

Einmal im Jahr findet ein Symposium statt, bei dem deutsche und chinesische Regierungsvertreter und Experten über ein aktuelles rechtliches Thema debattieren. 2014 fand das 14. Rechtssymposium zum Thema „Grundstücksrechte und Grundbuchrecht in einer modernen Wirtschaft“ am 01./02. September 2014 in Leipzig unter Leitung der beiden Minister Maas und Song Dahan (Rechtsamt des Staatsamtes) statt. Das 15. Symposium ist für Sommer 2015 in China geplant.

Die aus diesem Dialog herrührenden Erkenntnisse und Anregungen haben Einfluss auf die Ausgestaltung von Rechtsnormen in China gehabt und unterstützen damit auch die Bestrebungen der chinesischen Regierung, Rechtsnormen in bestimmten Bereichen durchzusetzen.

Der jüngste Menschenrechtsdialog fand am 4. und 5. Dezember 2014 in Berlin der statt. Dabei standen neben Gesprächen über die allgemeine Menschenrechtslage in China inklusive der Todesstrafe auch Fragen zu religiöse Minderheiten insbesondere in den autonomen Regionen Tibet und Xinjiang sowie Meinungs- und Pressefreiheit, Zusammenarbeit in internationalen Gremien und die Integration jugendlicher Straftäter im Vordergrund der Gespräche.


Wirtschaft

Die deutsch-chinesischen Wirtschaftsbeziehungen haben sich seit der Aufnahme der diplomatischen Beziehungen 1972 zu einer großen Erfolgsgeschichte entwickelt. 1972 exportierten deutsche Unternehmen Waren für 270 Mio. US-Dollar nach China, im Jahr 2014 betrugen die deutschen Ausfuhren 74,05 Mrd. Euro (+11,3 % gegenüber Vorjahr). Die deutschen Einfuhren aus China liegen heute bei 79,3 Mrd. Euro (+6,4% gegenüber Vorjahr). Mit einem Handelsvolumen von über 150 Mrd. Euro im Jahr 2014 ist Deutschland mit Abstand Chinas größter Handelspartner in Europa und steht in der Rangfolge der weltweiten Handelspartner Chinas auf Platz sechs (ohne Hongkong und Taiwan auf Platz vier). China ist Deutschlands wichtigster Handelspartner in Asien und drittwichtigster Handelspartner weltweit.

Der Umbau der bisher exportgetriebenen chinesischen Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wachstum und einer Stärkung des Binnenkonsums bietet für die deutsche Wirtschaft große Chancen. Im Januar 2014 wurde in Berlin die erste chinesische Handelskammer in Europa eröffnet, die den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen weiter fördern soll. Zudem war China 2015 Partnerland bei der CEBIT und dort mit zahlreichen Unternehmen vertreten.

China ist (nach Frankreich, USA und Großbritannien) der viertgrößte Abnehmer deutscher Exportprodukte: China ist der weltweit wichtigste Absatzmarkt für deutsche Maschinen (19 Mrd. EUR). In der Volksrepublik werden, nach den USA und Großbritannien, die meisten deutschen Kraftfahrzeuge verkauft (21 Mrd. EUR); und in keinem anderen Land werden mehr deutsche Kraftfahrzeugteile abgesetzt als in China. Bei der Ausfuhr von Arzneimitteln lag China mit 1,6 Mrd. EUR nur hinter Japan (2 Mrd. EUR). Allerdings ist das Reich der Mitte dynamischerer Absatzmarkt für deutsche Medikamente. Das Wachstum lag im Vorjahr bei 6,9%, gegenüber Japan mit nur 2% und erreichte im letzten Jahr ein Volumen von 6.5 Mrd. Euro. Beim Absatz von Elektrotechnik rangiert China mit 7,5 Mrd. Euro vor den USA (6,4 Mrd.) und Frankreich (4,7 Mrd.) und ist somit größter Abnehmer der Bundesrepublik in diesem Segment. Die deutschen Elektronik-Ausfuhren nach China haben sich von 2008-2014 auf 2,6 Mrd. EUR. verdoppelt. Die Exporte deutscher Nahrungs- und Genussmittel nach China stiegen im selben Zeitraum jährlich um 15%und sind inzwischen auf 817 Mio. EUR angewachsen.


Investitionen

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich bis heute deutlich stärker in China als China in Deutschland, was nicht zuletzt den unterschiedlichen Entwicklungsstand beider Volkswirtschaften widerspiegelt. Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig. Dem stehen über 5.000 deutsche Unternehmen in China gegenüber. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute um ein vielfaches mehr in China investiert als umgekehrt, allerdings sind stark gestiegene chinesische Aktivitäten feststellbar, auch aufgrund der globalen Investitionsstrategie der chinesischen Regierung (Going-Global-Strategie), die ausländische Investitionen der chinesischen Wirtschaft ermutigt und flankiert. Die deutschen Direktinvestitionen in China betrugen 2014 über 40 Mrd. Euro, chinesische Direktinvestitionen in Deutschland liegen bei rund 1,4 Mrd. Euro. Schwerpunkte des chinesischen Engagements in Deutschland sind bisher die Bereiche Maschinenbau, Elektronik, Konsumgüter und Informations- und Kommunikationstechnologie. Zu den Übernahmen zählten etwa die Käufe der Betonpumpenhersteller Putzmeister und Schwing, des Automobilherstellers Kiekert und des Computerhändlers Medion durch chinesische Unternehmen.

China hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausländische Direktinvestitionen angeworben, gleichwohl sollten die Transparenz und die Investitionssicherheit erhöht werden, um den Investitionsstandort besonders für mittelständische Unternehmen weiter attraktiv zu halten. Ein Grundproblem bleibt die unzureichende Rechtssicherheit und Transparenz. Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und gleiche Marktzugangsbedingungen, insbesondere denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen. Vor allem auch im bisher stark reglementierten Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Logistik und Handel) wird sich zeigen, ob die Reformpläne der chinesischen Regierung eine Verbesserung bringen.

In China regelt ein ausführlicher Investitionskatalog für ausländische Unternehmen für jedes Marktsegment, ob und in welcher Form ausländische Investitionen willkommen sind. Er enthält eine ausführliche Liste von Sektoren, die in drei Kategorien eingeordnet werden können und danach entweder 1. verboten sind, 2. eingeschränkt zulässig sind, 3. gefördert werden. Nicht aufgezählte Vorhaben sind grundsätzlich erlaubt. Allerdings enthält der Katalog keine gesetzlich verbindlichen und zudem auch keine abschließenden Vorgaben. Ab April 2015 gilt ein revidierter, jedoch keine neuen signifikanten Öffnungen enthaltender Katalog. China plant zudem, das derzeitige System umfassend zu reformieren und insbesondere den Investitionskatalog durch eine sogenannte Negativliste zu ersetzen. Diese enthält dann nur noch die Bereiche, zu denen der Zugang verboten bzw. eingeschränkt ist. Geregelt werden soll dies in einem neuen Gesetzüber ausländische Investitionen, das derzeit in der chinesischen Regierung diskutiert wird.

Eine Ausnahme vom System des Investitionskatalogs gilt schon heute für die im Herbst 2013 gegründete Shanghaier Freihandelszone. Ausländische Investitionen in Bereichen, die nicht in einer Negativliste erfasst sind, bedürfen grundsätzlich keiner Genehmigung, sondern müssen lediglich angemeldet werden. Die Liste wird von der chinesische Regierung in regelmäßigen Abständen gekürzt, ist aber nach wie vor sehr umfangreich.

Seit 2005 gibt es ein bilaterales deutsch-chinesisches Investitionsschutzabkommen, das die Rahmenbedingungen für beiderseitige Investitionen regelt und eine gleichberechtigte Investitionslage herstellen soll. Zwischen der EU und China wurden im Nov. 2013 Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen aufgenommen, das neben Regelungen zum Investitionsschutz auch Verbesserungen im Marktzugang erhalten soll.


Außenwirtschaftsförderung

Im Rahmen der Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen in China sind neben der Deutschen Botschaft Peking und den Generalkonsulaten in Hongkong, Shanghai, Guangzhou (Kanton), Chengdu und Shenyang auch Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (unter dem Dach des Auslandskammerwesens des Deutschen Industrie- und Handelskammertages - DIHK) tätig, ferner Auslandsmitarbeiter von Germany Trade and Invest (gtai) für den Außenwirtschaftsbereich in Peking, Shanghai und Hongkong sowie für den Investitionsförderbereich in Peking und Shanghai. Delegiertenbüros und die Büros von Germany Trade and Invest arbeiten eng mit der deutschen Botschaft in Peking und den deutschen Generalkonsulaten zusammen. Deutsche Unternehmen in (Festland-) China haben sich in einer Kammer organisiert, deren Geschäftsführung in Personalunion von den Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Peking wahrgenommen wird. In Hongkong besteht eine „German Business Association“.


Energie, Umwelt und Klima

Der Aufbau einer „ökologischen Zivilisation“ ist ein Leitbild der aktuellen Führung unter Xi Jinping und Li Keqiang. Diese soll wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung und Ökologie besser als bislang miteinander verbinden. Zentrale Fragen, denen sich die Volksrepublik China daher stärker widmet, sind Maßnahmen zum Klimaschutz, (Maßnahmen zur Emissionsreduzierung sowie zur Anpassung an den Klimawandel), die Modernisierung der Umweltpolitik, eine umweltfreundlichere Energiepolitik einschließlich des Ausbaus nicht-fossiler Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen und die Bewältigung der aus dem nach wie vor hohen Urbanisierungsdruck innerhalb Chinas resultierenden gravierenden Probleme. Der Zustand von Umweltgütern macht diese Notwendigkeit deutlich: anhaltend hohe Luftverschmutzung in weiten Teilen Chinas, zunehmend sichtbare Probleme der Wasserverfügbarkeit und -qualität und deren negativer Einfluss auf die Landwirtschaft sowie schlechte Bodenqualitäten. Der absehbar in den nächsten Jahren steigende Energieverbrauch verstärkt den Handlungsdruck.

Durch die Vorreiterrolle, die Deutschland in vielen Bereichen des Klima- und Umweltschutzes sowie der alternativen Energien und der Energieeffizienz eingenommen hat, ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für eine Partnerschaft mit China. Deutschland hat ein ehrgeiziges Energiekonzept verabschiedet, mit dem das Auslaufen der Kernenergie und der Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen worden ist. Die chinesische Zentralregierung setzt mit ihrem bis Ende 2015 geltenden 12. Fünf-Jahresplan auf vermehrt qualitativ nachhaltiges Wachstum statt auf rein quantitatives Wachstum.

Mit der Internationalen Klimainitiative unterstützt die Bundesregierung zahlreiche Klimaschutzprojekte. Dies umfasst unter Anderem die Beratung Chinas zur Einführung eines Emissionshandelssystems, zum Aufbau karbonarmer Transportsysteme, kohlenstoffarmer Landnutzung sowie Fortbildungsmaßnahmen für Entscheidungsträger. Im Rahmen einer jährlich stattfindenden Arbeitsgruppe zum Klimaschutz tauschen sich beide Länder intensiv über aktuelle Entwicklungen und Maßnahmen aus. Grundlage ist ein zwischen beiden Ländern 2009 vereinbartes 'Memorandum of Understanding' über eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Klimaänderungen.

Seit 2013 besteht eine bilaterale Urbanisierungspartnerschaft, um den Urbanisierungsprozess in China nachhaltig zu gestalten. Hieraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte und Chancen für die Wirtschaft.


Entwicklungszusammenarbeit

Die Volksrepublik China hat nach der 1978 eingeleiteten Öffnungspolitik und den schrittweisen Wirtschaftsreformen eine schnelle Entwicklung durchlaufen und in den vergangenen Jahren erheblich zur Erreichung des internationalen Milleniumsentwicklungsziels zur Halbierung der extremen Armut bis 2015 beigetragen.

Die Bundesregierung beschloss 2009, die traditionelle Entwicklungszusammenarbeit mit China zu beenden und hat seitdem keine neuen finanziellen Zusagen an China gegeben. Alle verbliebenen Programme werden im Laufe der nächsten Jahre zu Ende geführt. In Zukunft kommt es darauf an, dass China stärker in die Lösung globaler Entwicklungsfragen und in internationale Verantwortungssysteme eingebunden wird. Dies gilt insbesondere für seine Rolle als neuer Geber im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung in den jeweiligen Partnerländern. Die Bundesregierung will mit China verstärkt in Dialoge über globale Entwicklungsfragen eintreten und neue Formen der Zusammenarbeit im Rahmen der strategischen Partnerschaft entwickeln.


Wissenschaft und Technologie

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit hat sich in mehr als 30 Jahren stetig entwickelt. Deutschland und China sind zu Partnern geworden, die auf „Augenhöhe“ kooperieren.Auch in der Bildung besteht seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Die Kooperation zwischen den Hochschulen und den Akteuren der beruflichen Aus- und Weiterbildung wird stetig ausgebaut.

Insbesondere die deutsch-chinesische Kooperation der Forschungsinstitute ist seit vielen Jahren sehr eng. Neben dem Deutsch-Chinesischen Zentrum für Wissenschaftsförderung, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) gemeinsam mit der National Natural Science Foundation of China (NSFC) in Peking betreibt, hat die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) mit der Chinesischen Akademie der Wissenschaften (CAS) ein gemeinschaftliches Institut für „Computational Biology“ in Shanghai gegründet. Die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz (WGL) forscht seit 2004 mit einem Netzwerk aus Forschungseinrichtungen der WGL, chinesischen Forschungsinstituten und Industriepartnern auf beiden Seiten zu biologisch aktiven Substanzen aus Pflanzen, die in der traditionellen Chinesischen Medizin bekannt sind. Auch die Meeres- und Ökosystemforschung hat in den vergangenen fünf Jahren an Bedeutung in der bilateralen Zusammenarbeit der WGL gewonnen. 2011 wurde das Deutsch-Chinesische Zentrum für Meereswissenschaften in Qingdao zusammen mit der Ocean University of China, dem Leibniz-Institut für Meereswissenschaften der Universität Kiel und dem Leibniz-Zentrum für Marine Tropenökologie der Universität Bremen gegründet. Die Helmholtz-Gemeinschaft Deutscher Forschungszentren (HGF) kooperiert in einem weit reichenden Netzwerk mit chinesischen Spitzeneinrichtungen u.a. in der Umwelt-, Gesundheits- und Energieforschung. 2014 haben die Regierungen beider Länder beschlossen, in Shanghai ein deutsch-chinesisches Innovationszentrum „Sauberes Wasser“ einzurichten.

Ende März 2014 beim Besuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Deutschland wurde vereinbart, 2015 zum Jahr der Innovationskooperation beider Länder zu machen. Ein wichtiges Mittel dazu ist die Deutsch-Chinesische Plattform Innovation, die dem Austausch von Erfahrungen sowie der Identifizierung gemeinsamer Herausforderungen und Anknüpfungspunkte zwischen deutschen und chinesischen Experten der Innovationsforschung und Innovationspolitik dient und während der ersten Deutsch-Chinesischen Regierungskonsultationen im Juni 2011 in Berlin vereinbart wurde.

Bei den 3. Regierungskonsultationen am 10. Oktober 2014 wurde die Zusammenarbeit mit China weiter verstärkt. Im Mittelpunkt steht dabei die Zusammenarbeit im Wissenschaftsjahr 2015 „Zukunftsstadt“. Darüber hinaus soll in Zukunft auch die Zusammenarbeit im Wasserbereich und in der Meeres- und Polarforschung ausgebaut und um den Bereich Tiefseeforschung ergänzt werden. Damit wird neben der langjährigen guten Kooperation mit dem chinesischen Forschungsministerium nun auch eine Intensivierung der Zusammenarbeit mit der chinesischen State Oceanic Administration (SOA) möglich.

Berufsbildung spielt weiterhin eine bedeutende Rolle bei der bilateralen Kooperation. Im Rahmen der 3. Regierungskonsultationen wurde die im Jahr 2011 unterzeichnete gemeinsame Erklärung zur Gründung einer deutsch-chinesischen Allianz für Berufsbildung auf weitere drei Jahren verlängert. Das erste deutsch-chinesische Ausbildungszentrum mit Schwerpunkt Kfz-Mechatronik in Chongqing wurde im Jahr 2011 eröffnet. Weitere Zentren der Zusammenarbeit in der beruflichen Bildung sind in Qingdao, Shanghai, Sichuan und Kanton.


Ernährung und Landwirtschaft

China ist seit 2011 der weltgrößte Verbrauchermarkt für Lebensmittel vor den USA und seit mittlerweile 11 Jahren zudem Agrar-Nettoimporteur, vor allem von Getreide als Futtermittel für Tierproduktion, aber auch bei immer mehr Lebensmitteln. Jährliche Wachstumsraten von 30% in den vergangenen fünf Jahren und parallele Importsteigerungen um 15% jährlich auf 98 Mrd. USD (2012) machen den chinesischen Markt auch für die deutsche Ernährungsindustrie zu einem attraktiven Absatzmarkt außerhalb der EU, neben den USA, der Schweiz oder Russland. Entsprechend hat sich der deutsche Lebensmittelhandel mit China in den letzten drei Jahren fast verdreifacht (2014: 896,5 Mio. EUR).Die bilaterale Handelsbilanz der Agrar- und Ernährungsbranchen Deutschlands ist insgesamt negativ (1,38 Mrd. USD im Verbleich zu 2,19 Mrd. USD Importen aus China). Schätzungen der DEU Ernährungsindustrie zufolge bleibt CHN der drittwichtigste Markt außerhalb der EU mit einem Wachstumspotential von 65% in 2015. Wichtigste Geschäftsfelder für Deutschland bleiben tierische Erzeugnisse, insbesondere Schweinefleisch (310 Mio. EUR), Milch und Milcherzeugnisse (167 Mio. EUR), Öle und Fette (119 Mio. EUR) sowie alkoholische Getränke (114 Mio. EUR). Im Herbst 2014 hat China konkrete Einfuhrerleichterungen für Agrarprodukte angekündigt.

Seit vielen Jahren gibt es zudem gemeinsame Agrarforschungsaktivitäten und Projekte in den Bereichen Pflanzenbau, Tierzucht, Forsten sowie Bioenergie, in deren Rahmen ein reger Wissensaustausch auch unter Einbeziehung relevanter Industriezweige stattfindet.


Kultur

Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China schrittweise auch für ausländische Kultur geöffnet. Gleichzeitig engagiert sich die chinesische Regierung seit einigen Jahren verstärkt dafür, die eigene Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten; sie sieht hierin einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Verbesserung des China-Bildes im Ausland. Diese Aufgabe nehmen sowohl staatliche Kulturinstitute („Kulturzentren“) als auch die meist als Universitätskooperationen organisierten Konfuzius-Institute (in Deutschland zur Zeit 15) wahr.

Der privat organisierte Kulturaustausch gewinnt zunehmend an Bedeutung: So sind zahlreiche hervorragende deutsche Orchester, Opern und Ballettcompagnien in den letzten Jahren auf Tournee in China gewesen. Ähnliches gilt für die Kunst; neben großen Ausstellungen mit staatlicher Unterstützung leisten private Galerien und Kunstmessen einen wichtigen Beitrag.

Zahlreiche deutsche Kulturmittler sind in China vertreten, wie das Goethe-Institut in Peking und Shanghai sowie sieben Sprachlernzentren. Weitere wichtige Mittler sind der DAAD, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Deutsche Archäologische Institut, das Buchinformationszentrum sowie verschiedene private Stiftungen.


Bildung

Die 2008 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufene Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) wird in China erfolgreich umgesetzt. Gegenwärtig werden über120 chinesische Mittelschulen vom Goethe-Institut und von der Zentralstelle für Auslandsschulwesen mit eigenen Fachkräften vor Ort betreut. Der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz unterstützt diese Initiative durch jährlichen Schüleraustausch und Lehrerfortbildungen.

Die deutschen Auslandsschulen in Peking und Shanghai bieten deutsche Schulbildung und Schulabschlüsse bis zum Abitur an und sind zudem Orte kultureller und sportlicher Begegnungen. Des Weiteren gibt es deutsche internationale Schulen in Changchun und Fuzhou sowie deutsche Zweige an internationalen Schulen in Wuxi, Suzhou, Guangzhou (Kanton), Shenyang, Nanjing und Shenzhen.

Über 28.000 chinesische Studierende waren im Wintersemester 2013/14 an deutschen Hochschulen eingeschrieben und stellten damit unverändert die größte Gruppe ausländischer Studierender in Deutschland. Die Zahl derer, die im vergangenen Jahr zur Aufnahme eines Studiums nach Deutschland reisten, stieg gegenüber 2013 um etwa 12%. Umgekehrt studierten 2012 über 6000 Deutsche an chinesischen Hochschulen. Ihre Zahl hat sich seit 2003 annähernd verfünffacht.Zwischen deutschen und chinesischen Hochschulen existieren über 1000 Kooperationsprojekte. Der Deutsche Akademische Austausch Dienst (DAAD) koordiniert und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch in beide Richtungen unter anderem mit Stipendien und Lektoren. Studienbewerber für Deutschland werden von der Akademischen Prüfstelle Peking (APS) betreut, einer gemeinsamen Service-Einrichtung des DAAD und der deutschen Botschaft Peking.


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere