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China

Beziehungen zwischen der Volksrepublik China und Deutschland

Stand: November 2016

Politik

Die Bundesrepublik Deutschland und die Volksrepublik China haben 1972 diplomatische Beziehungen aufgenommen.

In den zurückliegenden über 40 Jahren haben sich diese Beziehungen zu großer Vielfalt, beachtlicher Dichte und zunehmender politischer Substanz entwickelt - sie sind freundschaftlich und gut. Deutschland vertritt ebenso wie alle EU-Partner eine Ein-China-Politik. China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. Angesichts der wachsenden Unsicherheitsfaktoren in der Welt und den noch nicht bewältigten Folgen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise kommt der Zusammenarbeit und Abstimmung der beiden strategischen Partner Deutschland und China eine immer größere Bedeutung zu. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als seinen Schlüsselpartner in Europa. Regelmäßige hochrangige politische Abstimmung und dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, kultur- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit prägen die Beziehungen.

Seit 2004 werden die deutsch-chinesischen Beziehungen daher als "Strategische Partnerschaft in globaler Verantwortung" bezeichnet, die mit dem Staatsbesuch des chinesischen Staatspräsidenten Xi Jinping in Deutschland Ende März 2014 zu einer 'umfassenden strategischen Partnerschaft' angehoben wurden. Seit 2011 finden regelmäßige Regierungskonsultationen statt, zuletzt im Juni 2016, an der die beiden Kabinette unter Leitung der Regierungschefs zusammenkommen.

Darüber hinaus gibt es insgesamt über 60 Dialogmechanismen, davon viele auf hoher Regierungsebene, zwischen Fachministern, Staatssekretären und Leitern von Regierungsbehörden. Wichtige neue Abstimmungsformate sind die strategischen außenpolitischen und sicherheitspolitischen Dialoge der Außenminister und der hochrangige finanzpolitische Dialog der Finanzminister und Notenbankchefs.

Trotz der insgesamt positiven Entwicklung unserer bilateralen Beziehungen bestehen weiterhin grundsätzliche Meinungsunterschiede im Bereich der Menschenrechte, insbesondere zu den persönlichen Freiheitsrechten. Es bleibt ein wichtiges Interesse Deutschlands, dass China sich innenpolitisch weiterentwickelt, rechtsstaatliche Strukturen und Sozialsysteme entwickelt, mehr politische und ökonomische Gerechtigkeit, vor allem auch grundlegende Freiheitsrechte zulässt und Minderheitenfragen friedlich löst. Ein wichtiges Kooperationsinstrument zur Entwicklung von mehr Rechtsstaatlichkeit ist der Rechtsstaatsdialog. Ebenso wichtig ist der jährliche bilaterale Menschenrechtsdialog.


Rechtsstaatsdialog und Menschenrechtsdialog

Der deutsch-chinesische Rechtsstaatsdialog geht auf eine Vereinbarung des damaligen Bundeskanzlers Gerhard Schröder mit dem chinesischen Ministerpräsidenten Zhu Rongji vom November 1999 zurück. Er soll für den Aufbau eines Rechtsstaats und die Durchsetzung der Menschenrechte in China einen langfristigen Ansatz bieten. Koordinatoren des Rechtsstaatsdialogs sind auf deutscher Seite das Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz auf chinesischer Seite das Rechtsamt des Staatsrats.

Einmal im Jahr findet ein Symposium statt, bei dem deutsche und chinesische Regierungsvertreter und Experten über ein aktuelles rechtliches Thema debattieren. Das jüngste deutsch-chinesische Rechtsstaatssymposium fand unter Leitung von Bundesjustizminister Maas und dem Leiter des chinesischen Rechtsamts des Staatsrats, Minister Song, im Juli 2016 in Deutschland zum Thema „Regelungssysteme und Mechanismen zum Schutz von Verbraucherrechten im Internet Zeitalter“ statt.

Die aus diesem Dialog herrührenden Erkenntnisse und Anregungen haben Einfluss auf die Ausgestaltung von Rechtsnormen in China gehabt und unterstützen damit auch die Bestrebungen der chinesischen Regierung, Rechtsnormen in bestimmten Bereichen durchzusetzen.

Der jüngste Menschenrechtsdialog fand vom 6.-9. November 2016 in Berlin und Traunstein statt. Im Vordergrund der Gespräche stand die Umsetzung von Rechtsstaatlichkeit, insbesondere der Zugang zu Rechtsanwälten und die Rechte von Anwälten sowie Beschränkungen der Meinungs- und Pressefreiheit, der Einsatz von Folter sowie die Menschenrechtslage in Tibet, einschließlich Einzelfälle.


Wirtschaft

Deutschland bleibt auch 2015 mit einem Handelsvolumen von fast 163 Mrd. Euro mit Abstand Chinas wichtigster Handelspartner in der EU (etwa 30% des chinesischen Handels mit der EU). Wegen der schwachen chinesischen Konjunktur gab es 2015 aber den ersten Export-Rückgang seit 1997. So fielen die Ausfuhren in die Volksrepublik um rund 4,5 Prozent auf gut 71,2 Milliarden Euro, die Importe aus China stiegen indessen im selben Zeitraum weiter um fast 15% auf über 91,5 Mrd. Euro (Quelle: destatis). Dies allerdings von sehr hohem Niveau: seit dem Jahr 2000 haben sich die deutschen Exporte in die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt fast verachtfacht und die Handelszahlen für 2014 waren besonders positiv: Anstieg deutscher Exporte um 11,3% im Vergleich zum Vorjahr auf 74,5 Mrd €, ebenfalls Anstieg deutscher Importe aus China um 6,4% auf 79,7 Mrd € (Quelle: gtai/destatis).

Der Umbau der bisher exportgetriebenen chinesischen Wirtschaft hin zu einem nachhaltigen, innovationsgetriebenen Wachstum und einer Stärkung des Binnenkonsums bietet für die deutsche Wirtschaft große Chancen. Im Januar 2014 wurde in Berlin die erste chinesische Handelskammer in Europa eröffnet, die den Ausbau der Wirtschaftsbeziehungen und Investitionen weiter fördern soll. Zudem war China 2015 Partnerland bei der CEBIT und dort mit zahlreichen Unternehmen vertreten.

China ist (nach Frankreich, USA und Großbritannien) der viertgrößte Abnehmer deutscher Exportprodukte und der weltweit wichtigste Absatzmarkt für deutsche Maschinen. In der Volksrepublik werden, nach den USA und Großbritannien, die meisten deutschen Kraftfahrzeuge verkauft (4,4 Mio. verkaufte Fahrzeuge, was einem Marktanteil der deutschen Automobilbauer von 20,8% entspricht, leicht rückläufig gegenüber dem Vorjahr); und in keinem anderen Land werden mehr deutsche Kraftfahrzeugteile abgesetzt als in China. Die deutschen Elektronik-Ausfuhren nach China haben sich von 2008-2014 auf 2,6 Mrd. EUR verdoppelt. Die Exporte deutscher Nahrungs- und Genussmittel nach China pendelten sich nach drei Jahren Rekordanstieg in 2014 bei knapp 900 Mio. EUR ein; mit weiterhin hoher Wachstumsprognose (+65% für 2015) bleibt China einer der wichtigsten Auslandsmärkte für die deutsche Agrar- und Ernährungsindustrie.


Investitionen

Die deutsche Wirtschaft engagiert sich bis heute deutlich stärker in China als China in Deutschland, was nicht zuletzt den unterschiedlichen Entwicklungsstand beider Volkswirtschaften widerspiegelt. Derzeit sind in Deutschland rund 900 chinesische Unternehmen tätig. Dem stehen über 5.000 deutsche Unternehmen in China gegenüber. Insgesamt haben deutsche Unternehmen bis heute um ein Vielfaches mehr in China investiert als umgekehrt, allerdings sind stark gestiegene chinesische Aktivitäten feststellbar, auch aufgrund der globalen Investitionsstrategie der chinesischen Regierung („Going-Global-Strategie“), die ausländische Investitionen der chinesischen Wirtschaft ermutigt und flankiert. Im vergangenen Jahr haben chinesische Übernahmen in Europa mit einem geschätzten Volumen von 20 Mrd. Euro einen neuen Rekord aufgestellt; dies entspricht nicht weniger als einem Plus von 44 Prozent gegenüber 2014.

Die deutschen Direktinvestitionen in China betrugen 2014 über 40 Mrd. Euro, chinesische Direktinvestitionen in Deutschland liegen bei rund 1,4 Mrd. Euro. Schwerpunkte des chinesischen Engagements in Deutschland sind bisher die Bereiche Maschinenbau, Elektronik, Konsumgüter und Informations- und Kommunikationstechnologie. Zu den Übernahmen zählten etwa die Käufe der Betonpumpenhersteller Putzmeister und Schwing, des Automobilherstellers Kiekert und des Computerhändlers Medion durch chinesische Unternehmen und nicht zuletzt die Übernahme des Maschinenbauers KraussMaffei.

China hat in den letzten Jahren sehr erfolgreich ausländische Direktinvestitionen angeworben, gleichwohl müssen noch immer Transparenz und Investitionssicherheit erhöht werden, um den Investitionsstandort besonders für mittelständische Unternehmen attraktiv zu halten. Investoren erwarten mehr Vertragsfreiheit und gleiche Marktzugangsbedingungen, insbesondere denselben Zugang zu öffentlichen Ausschreibungen wie chinesische Unternehmen. Vor allem auch im bisher stark reglementierten, aber stark wachsenden Dienstleistungssektor (Banken, Versicherungen, Logistik und Handel) wird sich zeigen, ob die Reformpläne der chinesischen Regierung eine Verbesserung bringen. Bislang ist ausländischen Unternehmen der Zugang zu vielen interessanten Tätigkeitsfeldern rechtlich verschlossen und/oder faktisch nicht möglich.

In China regelt bis heute ein ausführlicher Investitionskatalog für ausländische Unternehmen für jedes Marktsegment, ob und in welcher Form ausländische Investitionen willkommen sind. Er enthält eine ausführliche Liste von Sektoren, die in drei Kategorien eingeordnet werden können und danach entweder 1. verboten sind, 2. eingeschränkt zulässig sind, 3. gefördert werden. Nicht aufgezählte Vorhaben sind grundsätzlich erlaubt. Allerdings enthält der Katalog keine gesetzlich verbindlichen und zudem auch keine abschließenden Vorgaben. Ab April 2015 gilt ein revidierter, jedoch keine neuen signifikanten Öffnungen enthaltender Katalog. Zahlreiche Einzelkataloge spezifizieren die Anforderungen für einzelne Sektoren; so gilt beispielsweise ab 01.03.2016 ein revidierter Investitionskatalog für die IT- und Telekommunikationsbranche. Immerhin: China plant, das derzeitige System umfassend zu reformieren und insbesondere den Investitionskatalog durch eine sogenannte Negativliste zu ersetzen. Diese würde dann nur noch die Bereiche enthalten, zu denen der Zugang verboten bzw. eingeschränkt ist. Ein konkretes Datum für ihr Inkrafttreten ist noch nicht bekannt. Eine Ausnahme vom System des Investitionskatalogs gilt schon heute für die im Herbst 2013 gegründete Shanghaier Freihandelszone. Ausländische Investitionen in Bereichen, die nicht in einer Negativliste erfasst sind, bedürfen grundsätzlich keiner Genehmigung, sondern müssen lediglich angemeldet werden. Die Liste wird von der chinesische Regierung in regelmäßigen Abständen gekürzt, ist aber nach wie vor sehr umfangreich.

Seit 2005 gibt es ein bilaterales deutsch-chinesisches Investitionsschutzabkommen, das die Rahmenbedingungen für beiderseitige Investitionen regelt und eine gleichberechtigte Investitionslage herstellen soll. Zwischen der EU und China wurden im November 2013 Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen aufgenommen, das neben Regelungen zum Investitionsschutz auch Verbesserungen im Marktzugang erhalten soll.


Außenwirtschaftsförderung

Im Rahmen der Förderung deutscher Außenwirtschaftsinteressen in China sind neben der Deutschen Botschaft Peking und den Generalkonsulaten in Hongkong, Shanghai, Guangzhou (Kanton), Chengdu und Shenyang auch Delegiertenbüros der Deutschen Wirtschaft (unter dem Dach des Auslandskammerwesens des Deutschen Industrie- und Handelskammertags - DIHK) tätig, ferner Auslandsmitarbeiter von 'Germany Trade and Invest' (gtai) für den Außenwirtschaftsbereich in Peking, Shanghai und Hongkong sowie für den Investitionsförderbereich in Peking und Shanghai. Delegiertenbüros und die Büros von 'Germany Trade and Invest' arbeiten eng mit der Deutschen Botschaft in Peking und den deutschen Generalkonsulaten zusammen. Deutsche Unternehmen in (Festland-) China haben sich in einer Kammer organisiert, deren Geschäftsführung in Personalunion von den Delegierten der Deutschen Wirtschaft in Peking wahrgenommen wird. In Hongkong besteht eine 'German Business Association'.


Energie, Umwelt und Klima

Der Aufbau einer „ökologischen Zivilisation“ ist ein Leitbild der aktuellen Führung unter Xi Jinping und Li Keqiang. Diese soll wirtschaftliche Entwicklung und Modernisierung, Industrie, Landwirtschaft, Urbanisierung und Ökologie besser als bislang miteinander verbinden. Zentrale Fragen, denen sich die Volksrepublik China daher stärker widmet, sind Maßnahmen zum Klimaschutz, (Maßnahmen zur Emissionsreduzierung sowie zur Anpassung an den Klimawandel), die Modernisierung der Umweltpolitik, eine umweltfreundlichere Energiepolitik einschließlich des Ausbaus nicht-fossiler Energien, die Verbesserung der Energieeffizienz in allen Bereichen und die Bewältigung der aus dem nach wie vor hohen Urbanisierungsdruck innerhalb Chinas resultierenden gravierenden Probleme. Der Zustand von Umweltgütern macht diese Notwendigkeit deutlich: anhaltend hohe Luftverschmutzung in weiten Teilen Chinas, zunehmend sichtbare Probleme der Wasserverfügbarkeit und -qualität und deren negativer Einfluss auf die Landwirtschaft sowie schlechte Bodenqualitäten. Der absehbar in den nächsten Jahren steigende Energieverbrauch verstärkt den Handlungsdruck.

Durch die Vorreiterrolle, die Deutschland in vielen Bereichen des Klima- und Umweltschutzes sowie der alternativen Energien und der Energieeffizienz eingenommen hat, ergibt sich eine Vielzahl von Anknüpfungspunkten für eine Partnerschaft mit China. Deutschland hat ein ehrgeiziges Energiekonzept verabschiedet, mit dem das Auslaufen der Kernenergie und der Ausbau erneuerbarer Energien beschlossen worden ist. Die chinesische Zentralregierung setzt in ihrem aktuellen Fünf-Jahresplan auf vermehrt qualitativ nachhaltiges statt auf rein quantitatives Wachstum.

Mit der Internationalen Klimainitiative unterstützt die Bundesregierung zahlreiche Klimaschutzprojekte. Dies umfasst unter Anderem die Beratung Chinas zur Einführung eines Emissionshandelssystems, zum Aufbau karbonarmer Transportsysteme, kohlenstoffarmer Landnutzung sowie Fortbildungsmaßnahmen für Entscheidungsträger. Im Rahmen einer jährlich stattfindenden Arbeitsgruppe zum Klimaschutz tauschen sich beide Länder intensiv über aktuelle Entwicklungen und Maßnahmen aus. Grundlage ist ein zwischen beiden Ländern 2009 vereinbartes 'Memorandum of Understanding' über eine Zusammenarbeit bei der Bekämpfung der Klimaänderungen.

Seit 2013 besteht eine bilaterale Urbanisierungspartnerschaft, um den Urbanisierungsprozess in China nachhaltig zu gestalten. Hieraus ergeben sich viele Anknüpfungspunkte und Chancen für die Wirtschaft.


Entwicklungszusammenarbeit

Die Volksrepublik China hat nach der 1978 eingeleiteten Öffnungspolitik und den schrittweisen Wirtschaftsreformen eine schnelle Entwicklung durchlaufen und in den vergangenen Jahren erheblich zur Erreichung des internationalen Milleniumsentwicklungsziels zur Halbierung der extremen Armut bis 2015 beigetragen.

Die Bundesregierung beschloss 2009, die traditionelle Entwicklungszusammenarbeit mit China zu beenden und hat seitdem keine neuen finanziellen Zusagen an China gegeben. Alle verbliebenen Programme werden im Laufe der nächsten Jahre zu Ende geführt. In Zukunft kommt es darauf an, dass China stärker in die Lösung globaler Entwicklungsfragen und in internationale Verantwortungssysteme eingebunden wird. Dies gilt insbesondere für seine Rolle als neuer Geber im Interesse einer nachhaltigen Entwicklung in den jeweiligen Partnerländern. Die Bundesregierung will mit China verstärkt in Dialoge über globale Entwicklungsfragen eintreten und neue Formen der Zusammenarbeit, etwa trilaterale Kooperationen, im Rahmen der strategischen Partnerschaft entwickeln. Zu diesem Zweck ist die Einrichtung eines gemeinsamen Zentrums für nachhaltige Entwicklung in Peking geplant.


Wissenschaft und Technologie

Die wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit besteht seit über 30 Jahren und wird stets weiter ausgebaut und intensiviert. Deutschland und China sind zu Partnern auf Augenhöhe geworden. Auch in der akademischen und beruflichen Bildung besteht seit Jahren eine erfolgreiche Zusammenarbeit. Dabei ist insbesondere die bilaterale Kooperation von Forschungsinstituten seit vielen Jahren sehr eng. Die gemeinsame Wissenschaftsförderung wird neben der Kooperation der Ministerien auch über das Deutsch-Chinesischen Zentrum für Wissenschaftsförderung, das die Deutsche Forschungsgemeinschaft  gemeinsam mit der National Natural Science Foundation of China in Peking betreibt, gepflegt. Ebenso unterhalten die deutschen Forschungsgemeinschaften wie die Max-Planck-Gesellschaft, die Wissenschaftsgemeinschaft Leibniz, die Helmholtz-Gemeinschaft  und die Fraunhofer Gesellschaft eigene, intensive und zum Teil auch gemeinsame institutionelle Kooperationen in vielen verschiedenen Forschungsbereichen. 

Aus der in 2014 beschlossenen strategischen Partnerschaft im Bereich Innovation ging die Deutsch-Chinesische Plattform Innovation hervor, die dem Austausch von Erfahrungen sowie der Identifizierung gemeinsamer Herausforderungen und Anknüpfungspunkte zwischen deutschen und chinesischen Experten der Innovationsforschung und Innovationspolitik dient. Konkretisiert wurde diese Kooperation jetzt im Januar 2016 durch die Zeichnung einer Gemeinsamen Absichtserklärung über die 'Wissenschaftlich-Technologische Zusammenarbeit in der intelligenten Fertigung (Industrie 4.0) und Smart Services', womit eine Zusammenarbeit auch im Bereich Digitalisierung von Produktion und Wirtschaft angestoßen wird. Im April dieses Jahres wird die vierte gemeinsame Innovationskonferenz in Berlin stattfinden, die erstmals auch auf konkrete Bereiche von innovativen Technologien zum Beispiel im Bereich der Urbanisierung ausgedehnt wird.

Im Rahmen der 3. Regierungskonsultationen im Oktober 2014 wurde der Ehrengaststatus Chinas im Wissenschaftsjahr 2015 'Zukunftsstadt' beschlossen, der zu einer Intensivierung der Kooperation im Bereich der Urbanisierung führte. Darüber hinaus wurde auch ein Ausbau der Zusammenarbeit im Bereich Sauberes Wasser und in der Meeres- und Polarforschung beschlossen sowie deren Ausweitung auf den Bereich Tiefseeforschung.


Ernährung und Landwirtschaft

China ist seit 2011 der weltgrößte Verbrauchermarkt für Lebensmittel vor den USA und seit 2004 zudem Agrar-Nettoimporteur, vor allem von Getreide als Futtermittel für Tierproduktion, aber auch bei immer mehr Lebensmitteln. Parallel zur gesamtwirtschaftlichen Lage schwächte sich das Wachstum bereits in 2014 auf 15% (Vorjahr 30%) ab; die Importnachfrage stieg um 3%. Trotzdem bleibt der chinesische Markt auch für die deutsche Ernährungsindustrie ein attraktiver Absatzmarkt außerhalb der EU, wichtigste Geschäftsfelder für Deutschland bleiben tierische Erzeugnisse, insbesondere Schweinefleisch (310 Mio. EUR), Milch und Milcherzeugnisse (167 Mio. EUR), Öle und Fette (119 Mio. EUR) sowie alkoholische Getränke (114 Mio. EUR). Entsprechend hat sich der deutsche Lebensmittelhandel mit China in den letzten drei Jahren fast verdreifacht (2014: 896,5 Mio. EUR).Die bilaterale Handelsbilanz der Agrar- und Ernährungsbranchen Deutschlands ist insgesamt negativ (1,38 Mrd. USD im Verbleich zu 2,19 Mrd. USD Importen aus China). Schätzungen der deutschen Ernährungsindustrie zufolge war China auch 2015 der drittwichtigste Markt außerhalb der EU mit einem Wachstumspotential von 65%. Im Herbst 2014 hat China konkrete Einfuhrerleichterungen für Agrarprodukte angekündigt, die jedoch bislang nicht umgesetzt wurden.

Seit vielen Jahren gibt es zudem gemeinsame Agrarforschungsaktivitäten und Projekte in den Bereichen Pflanzenbau, Tierzucht, Forsten sowie Bioenergie, in deren Rahmen ein reger Wissensaustausch auch unter Einbeziehung relevanter Industriezweige stattfindet.


Kultur

Seit Beginn der Reform- und Öffnungspolitik hat sich China schrittweise auch für ausländische Kultur geöffnet. Gleichzeitig engagiert sich die chinesische Regierung seit einigen Jahren verstärkt dafür, die eigene Sprache und Kultur im Ausland zu verbreiten; sie sieht hierin einen Beitrag zur Völkerverständigung und zur Verbesserung des China-Bildes im Ausland. Diese Aufgabe nehmen sowohl staatliche Kulturinstitute ('Kulturzentren') als auch die meist als Universitätskooperationen organisierten Konfuzius-Institute (in Deutschland zur Zeit 17) wahr.

Der privat organisierte Kulturaustausch gewinnt zunehmend an Bedeutung: So sind zahlreiche hervorragende deutsche Orchester, Opern und Ballettcompagnien in den letzten Jahren auf Tournee in China gewesen. Ähnliches gilt für die Kunst; neben großen Ausstellungen mit staatlicher Unterstützung leisten private Galerien und Kunstmessen einen wichtigen Beitrag.

Zahlreiche deutsche Kulturmittler sind in China vertreten, darunter das Goethe-Institut in Peking und Shanghai sowie acht Goethe-Sprachlernzentren als Kooperationen zwischen dem Goethe-Institut und chinesischen Bildungseinrichtungen, der Deutsche Akademische Austauschdienst, die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen, das Deutsche Archäologische Institut, das Buchinformationszentrum sowie verschiedene private Stiftungen.


Bildung

Die 2008 vom Auswärtigen Amt ins Leben gerufene Initiative 'Schulen: Partner der Zukunft' (PASCH) wird in China erfolgreich umgesetzt. Gegenwärtig werden über 120 chinesische Schulen mit verstärktem Deutschunterricht vom Goethe-Institut und von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen mit eigenen Fachkräften vor Ort betreut. Der Pädagogische Austauschdienst der Kultusministerkonferenz unterstützt diese Initiative durch jährlichen Schüleraustausch und Lehrerfortbildungen.

Auch das deutsche Unterrichtsangebot für deutschsprachige Schülerinnen und Schüler ist vielfältig: In Peking, Shanghai, Changchun und Hongkong gibt es von der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen zertifizierte Deutsche Auslandsschulen. Hinzu kommen deutsche Schulzweige oder deutschsprachige Unterrichtsangebote in zahlreichen größeren Städten des Landes.

Im Hochschulbereich verzeichnet der Hochschulkompass der Hochschulrektorenkonferenz derzeit über 1.100 Kooperationen. Der DAAD koordiniert und unterstützt den wissenschaftlichen Austausch in beide Richtungen unter anderem mit Stipendien und Lektoren. Laut Statistik des chinesischen Bildungsministeriums studierten rund 8.200 Deutsche im Jahr 2014 in China. Dem stehen über 30.000 Chinesinnen und Chinesen gegenüber, die 2015 als Bildungsausländer an deutschen Hochschulen studierten. Betreut werden Studienbewerber für Deutschland von den Akademischen Prüfstellen  Peking und Shanghai, die ihrerseits Service-Einrichtungen des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD) und der deutschen Botschaft Peking beziehungsweise des deutschen Generalkonsulats Shanghai sind.


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