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Im Wortlaut

Außenminister Steinmeier sagte gegenüber der Süddeutschen Zeitung zu Armenien:

Die Beschreibung der Ereignisse vor einem Jahrhundert ist alles andere als einfach. Die Berichte über die damalige Gewalt und Grausamkeit, über die Unbegreiflichkeit des Schreckens verschlagen einem auch heute noch buchstäblich die Sprache. Man kann das, was damals geschehen ist, in dem Begriff des Völkermords zusammenfassen wollen, und ich kann die Gründe dafür und erst recht die Gefühle dazu gut verstehen. Das ist verständlich, und das ist auch wichtig. Wir müssen aber wissen, dass das nicht genug ist.

Wichtiger für mich ist: Als Außenminister stehe ich in Verantwortung und muss auch daran denken, was nach dem 24. April, was nach der Aufregung aus Anlass des 100. Jahrestages geschieht. Der schwierige Umgang mit der schmerzhaften Vergangenheit muss immer mit dem Ziel verbunden sein, im Angesicht der schrecklichen Geschehnisse vor einem Jahrhundert jetzt, in der Gegenwart, aufeinander zuzugehen und Aussöhnung ernsthaft zu versuchen. Meine Sorge ist, dass eine immer aufgeladenere politische Debatte in Ankara und Eriwan, aber auch bei uns in Berlin nicht dazu führt, worauf es wirklich ankommt und was ich mir wünsche, sondern das noch erschwert oder gar unmöglich macht: Ein Ende der Sprachlosigkeit, des Übereinanderredens und der Beginn eines aufrichtigen und ernsthaften Dialogs zwischen Türken und Armeniern über das, was damals geschehen ist, was das für das Heute bedeutet und wie das Erinnern an die Schrecken der Vergangenheit eines Tages in eine bessere nachbarschaftliche Zukunft führen kann.

Bei alledem dürfen wir Deutsche nie die Einzigartigkeit des Holocaust vergessen, für den wir Schuld und Verantwortung tragen.


Stand 20.04.2015

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