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Türkei: Wiederherstellung einer bemalten Holzgrabkammer in Tatarli

Im Jahr 1969 drangen Einheimische in ein Tumulusgrab beim Dorf Tatarli (Provinz Afyon, im Altertum südliches Phrygien) ein und entdeckten dabei eine der außergewöhnlichsten Grabkammern, die bislang in Anatolien bekannt sind. Es handelt sich um einen kleinen hölzernen Bau von rund 2,5 m Breite und 3 m Länge, der in Blockbauweise aus Zedern- und Wacholderbalken konstruiert ist. Der Innenraum der Grabkammer war vollständig bemalt, die in Friesen übereinander angeordneten Bildfelder zeigen mythologische Themen, Fabelwesen und wilde Tiere, einen Säbeltanz und vor allem einen sich über die gesamte Länge der Grabkammer hinziehenden Trauerzug sowie eine wilde Schlacht zwischen Persern und Skythen. Die dendrochronologische Datierung der Hölzer um 470 v. Chr. passt gut zum Stil der Malerei, die Ikonographie scheint auf den Grabherren abgestimmt zu sein, der möglicherweise in der Figur des persischen Vorkämpfers im Schlachtenfries dargestellt wurde.

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Kopie des Frieses zur besseren Illustration der ursprünglichen Malerei
© Latife Summerer, Alexander von Kienlin

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Kopie des Frieses zur besseren Illustration der ursprünglichen Malerei

Kopie des Frieses zur besseren Illustration der ursprünglichen Malerei

Das Grab von Tatarli ist von herausragender kulturgeschichtlicher Bedeutung für Anatolien, da es sich um das einzige bislang bekannte, bemalte Holzgrab handelt. Bautechnisch ist es den älteren Tumulusgräbern von Gordion verwandt, die aber nach der Beisetzung von oben verschlossen wurden, während in Tatarli ein überdeckter Gang (dromos) vom Fuß des Hügels in die Grabkammer führte. Dies weist auf lydischen Kultureinfluss, der im südlichen Phrygien zu dieser Zeit offenbar stark gewesen ist. Griechischer Mythos und persische Ikonographie in der Malerei zeigen weitere auswärtige Einflüsse, die das Grab, vor der Toren der antiken persischen Königsresidenz Kelainai gelegen, in einem erstaunlich vielschichtigen internationalen Kontext erscheinen lassen.

Die jüngste Geschichte des Grabes war sehr wechselhaft und führte zu seiner weitgehenden Zerstörung, seine Einzelteile waren bis 2010 auf 3 Kontinente verstreut. 2002 gelang Latife Summerer die Identifizierung zweier Balken der Grabkammer in der archäologischen Staatssammlung in München, ein daraufhin von ihr und Alexander von Kienlin initiiertes Projekt, das in Zusammenarbeit mit der TU München durchgeführt wurde, zielte auf die Rückführung aller bekannten Stücke nach Afyon und die Restaurierung der Grabkammer, die unter anderem mit Mitteln des Deutschen Auswärtigen Amtes wiederaufgebaut und letztlich in einer von Istanbul2010 geförderten Ausstellung in Istanbul präsentiert werden konnte. Ab 2012 wird das Grab im derzeit in Planung befindlichen neuen Museum von Afyon als zentrales Ausstellungsstück zu sehen sein.


Stand 22.07.2011

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