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Pakistan

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Oktober 2014

Bildung

Die Einschulungs- und Alphabetisierungsrate Pakistans zählt weiterhin zu den niedrigsten der Welt. Die Qualität der Grundbildung leidet an einer chronischen Unterfinanzierung des Sektors – die öffentliche Hand gibt nur 1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts für den Bildungssektor aus – und an mangelnder Qualität des Lehrpersonals. Laut Global Monitoring Report 2011 der UNESCO „Education For All“ besuchten 66 Prozent der schulpflichtigen Kinder eine Grundschule, von denen weniger als die Hälfte den Schulabschluss nach der 5. Klasse erreicht. Rund 7,3 Mio. Kinder waren gar nicht eingeschult.

Dem Pakistan Economic Survey 2011/12 zufolge sind lediglich 58 Prozent der pakistanischen Bevölkerung ab zehn Jahren des Lesens und Schreibens mächtig. Dabei ist der Unterschied zwischen den Geschlechtern stark ausgeprägt: So sind nur 47 Prozent der Frauen, aber 70 Prozent der Männer alphabetisiert. Ebenso gibt es erhebliche regionale Unterschiede: Die Provinzen Punjab und Sindh stehen mit einer Alphabetisierungsrate von knapp 60 Prozent an der Spitze, während in Khyber-Pakhtunkhwa nur 50 Prozent der Bevölkerung lesen und schreiben können, in Belutschistan nur 41 Prozent.

Nachdem die Zuständigkeit für den Bildungssektor 2010 mit der 18. Verfassungsänderung auf die Provinzen übertragen wurde, konnte für das Haushaltsjahr 2013/14 (01.07.2013 - 30.06.2014) erstmals nach vielen Jahren wieder ein Anstieg der Ausgaben für den Bildungssektor verzeichnet werden. In der Schwerpunktprovinz der deutschen Entwicklungszusammenarbeit, Khyber-Pakhtunkhwa, kam es sogar zu einer Verdoppelung des Haushaltsansatzes. Dennoch sind die fiskalischen und operativen Herausforderungen an die Provinzen immens, zumal ein Großteil der Gelder weiterhin für Gehälter ausgegeben wird.

Das schwache staatliche Schulwesen wird in Pakistan in weiten Teilen durch private Anbieter unterschiedlicher Qualität ergänzt. Nach ihrer Verstaatlichung in den 70er Jahren und Wiederzulassung Ende der 80er Jahre haben sich Privatschulen, teilweise in der Trägerschaft christlicher Kirchen, inzwischen wieder etablieren und entfalten können. Sie wenden sich überwiegend an die Mittel- und Oberschicht, unterrichten meist auf Englisch und bieten neben dem pakistanischen Schulabschluss häufig auch britische Abschlüsse an. Die Gebühren der besseren Privatschulen sind für den Großteil der Bevölkerung allerdings nicht erschwinglich. Weitgehend unreguliert und daher parallel zum regulären Schulwesen existiert ein breites Angebot an Religionsschulen (sog. Madrassas), die besonders für Kinder aus den ärmeren Bevölkerungsschichten attraktiv sind, weil sie zusätzlich zur kostenfreien Ausbildung meist auch Unterbringung und Verpflegung bieten. Überwiegend beschränkt sich der Madrassa-Unterricht neben der Vermittlung des Lesens und Schreibens jedoch auf religiöse Inhalte. Pakistan beabsichtigt seit längerem, für Madrassas verbindliche Lehrpläne einzuführen, die ein Minimum an Grundbildung vermitteln sollen. Diese Reform bleibt umstritten und wird von vielen Madrassas abgelehnt. Manche Madrassas haben durch ihre Rolle bei der radikal-islamischen Indoktrinierung oder Rekrutierung von Extremisten aus den Reihen der Schüler traurige Berühmtheit erlangt.

Das Problem einer zu geringen Zahl von Bildungseinrichtungen, ungenügender Qualität der Lehrinhalte und ungleicher regionaler Verteilung der Bildungseinrichtungen betrifft auch den Bereich der Berufsbildung.

Vor diesem Hintergrund konzentriert sich der deutsche entwicklungspolitische Beitrag im Bildungssektor auf die Bereiche Bildungsplanung, Entwicklung von Lehrplänen und Schulbüchern sowie Lehrerfortbildung, um sowohl eine Verbesserung der institutionellen Rahmenbedingungen als auch eine Steigerung der Bildungsqualität zu erwirken. Das deutsche Engagement zielt darauf ab, Kindern und Jugendlichen Zugang zu besseren Bildungsangeboten zu ermöglichen, die auch eine angemessene Vorbereitung auf den Einstieg ins Berufsleben darstellen. In Zusammenarbeit mit anderen Gebern (EU Niederlande und Norwegen) wurde ein umfangreiches Berufsbildungsprogramm gestartet, das die staatlichen Einrichtungen darin unterstützt, eine Berufsbildungsreform umzusetzen, die eine höhere Zahl an Jugendlichen für den Arbeitsmarkt vorbereitet


Kultur und Religion

Pakistan verfügt über zahlreiche historische Bauten, von denen einige auch zum Weltkulturerbe zählen. Besonders die Bauten aus der Mogul-Zeit in Lahore haben eine große Bedeutung für das Selbstverständnis Pakistans als Land der Muslime Südasiens.

Religion spielt in der pakistanischen Bevölkerung und angesichts der Gründungsgeschichte auch im Selbstverständnis des Staates eine wichtige Rolle. Konservative religiöse Kräfte stellen einen einflussreichen Faktor innerhalb der pakistanischen Gesellschaft dar. Für pakistanische Kulturschaffende erweist sich die Präsentation moderner Kulturprogramme oftmals als Gratwanderung zwischen künstlerischem Ausdruck und Rücksichtnahme auf traditionelle oder neuerdings als traditionell geltende Wertvorstellungen. Vor allem in den Großstädten Karachi und Lahore wie auch in der Hauptstadt Islamabad gibt es aber durchaus ein ansehnliches Kulturangebot. 

Etwa 96 Prozent der pakistanischen Bevölkerung bezeichneten sich in der Volkszählung 1998 als Muslime. Davon sind etwa 85 Prozent Sunniten und 15 Prozent Schiiten (nach schiitischen Angaben allerdings 20 Prozent); ca. 750.000 Menschen gehören der ismailitischen Richtung an. Daneben gibt es bis zu 1 Mio. Ahmadis im Land, die sich selbst als Muslime verstehen, vom pakistanischen Staat aber per Gesetz zur nicht-islamischen Minderheit deklariert wurden. Zudem leben in Pakistan geschätzte 2,8 Mio. Christen und über 3 Mio. Hindus. Außerdem sind Sikhs und Baha’i mit jeweils ca. 20.000 bis 30.000 Anhängern, Parsis mit etwa 4.000 Anhängern und einige Tausend Buddhisten vertreten. Die Verfassung Pakistans garantiert zwar Religionsfreiheit, zahlreiche gesetzliche Bestimmungen schränken diese jedoch ein.

Islamische Religiosität ist in Pakistan traditionell stark von mystischen Strömungen (Sufismus) geprägt. Der Schreinkult und die Verehrung von sogenannten "Pirs" sind landesweit, vor allem aber in Punjab und Sindh, durch alle Bevölkerungsschichten unter Sunniten und Schiiten weit verbreitet. Diese Art der volkstümlichen Frömmigkeit wird allerdings von Gruppen, die einen strengen, wahhabitisch beeinflussten Islam propagieren, zunehmend bedrängt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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