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Sudan

Weite Teile des Sudans, vor allem Darfur und der Südsudan bilden eines der komplexesten humanitären Krisengebiete weltweit; rund 6 Mio. Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen.  Nachdem die südsudanesische Bevölkerung in einem Referendum im Januar 2011 für die Abspaltung des Südsudans vom Norden gestimmt hat, wird der Südsudan damit am 09.Juli 2011 offiziell als 193. Staat gegründet.  Der Sudan ist  einer der Schwerpunkte der deutschen humanitären Hilfe. Das Auswärtige Amt leistete im Jahr 2010 humanitäre Hilfe in Höhe von 4,7 Mio. Euro; der deutsche Anteil an EU-finanzierten Maßnahmen beläuft sich auf ca. 20 %.

Politische Hintergründe

Südsudan

Der Sudan ist gezeichnet von einem über 20 jährigen Bürgerkrieg zwischen dem islamisch geprägten Norden und dem eher christlichen Süden, der sich in erster Linie um die politische und wirtschaftliche Selbstbestimmung des Südsudans drehte, sich aber auch immer wieder an ethnischen Konflikten entzündete. Im Jahr 2005 konnte ein dauerhaftes Friedensabkommen, das sogenannte Comprehensive Peace Agreement (CPA), abgeschlossen und der Bürgerkrieg damit offiziell beendet werden. Schwerpunkt des CPA war die Durchführung des im Januar 2011 abgehaltenen Referendums über die Unabhängigkeit des Südsudans. Dies ergab eine überwältigende Zustimmung zur Unabhängigkeit dieses Landes mit 98,83 % Ja- Stimmen. Eine Reihe von Fragen sind noch ungeklärt (Zugehörigkeit der Grenzregion Abyei zu Nord oder Südsudan, Rechte und Staatsangehörigkeit von ca. 3 Mio. Nomaden, Förderung der Erdölvorkommen etc). Schätzungen gehen davon aus, dass während der Zeit des ersten Bürgerkrieges von 1956 bis 2005 ca. 2 Mio. Menschen getötet und ca. 4 Mio. Menschen vertrieben wurden.

Darfur

2003 kam es zur Eskalation des Konfliktes in der Region Darfur, die jahrzehntelang wirtschaftlich und politisch vernachlässigt wurde. Eine der Ursache des Konfliktes war vor allem die Verteilung knapper Ressourcen wie Wasser und Weideland zwischen Nomaden und Bauern. Die bewaffnete Rebellion wurde von der Regierung mit Waffengewalt unterdrückt, 1,9  Millionen Menschen wurden vertrieben und etwa 200.000 Menschen starben bisher infolge des Konflikts. Im Jahr 2006 wurde das Darfur-Friedensabkommen in Abuja, Nigeria abgeschlossen, das jedoch nur von einer der Rebellengruppen unterzeichnet wurde.

Im März 2009 erließ der Internationale Strafgerichtshof (IstGH) Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Bashir. Daraufhin wurden 13 Internationale Nichtregierungsorganisationen des Landes verwiesen und drei nationale NGOs geschlossen. Im Juli 2010 erließ der IstGH einen zweiten Haftbefehl gegen Bashir (dieses Mal wegen Völkermordes).

Humanitäre Lage

Im Sudan sind mindestens  3,8 Mio. Menschen binnenvertrieben, 419.000 leben als Flüchtlinge im Ausland. Schätzungsweise 20 % der Bevölkerung ist auf humanitäre Hilfe angewiesen. Darüber hinaus leben etwa 220.000 Flüchtlinge, überwiegend aus den angrenzenden Nachbarländern, wie dem Tschad, Eritrea, der demokratischen Republik Kongo und Äthiopien im Sudan. Im Bereich der humanitären Hilfe im Sudan stehen jedoch insbesondere Darfur und Südsudan im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Der Hilfsaufruf der Vereinten Nationen für den Sudan beträgt 1,7 Mrd. USD. Strategische Prioritäten sind eine verbesserte Katastrophenvorsorge und verstärkte Kapazitäten nationaler und lokaler Akteure, besserer Zugang zu Hilfe und Verfügbarkeit von Grundversorgung sowie dauerhafte Lösungen und verbesserte Eigenständigkeit.

Südsudan

Der Südsudan ist  durch schlechte Infrastruktur auf die Hilfe der internationalen Gemeinschaft angewiesen. 75 % der Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung, 70 % keinen Zugang zu sauberem Wasser, die Anzahl der an tödlichen Tropenkrankheiten erkrankten Menschen stieg. Zwar werden noch immer Menschen aus dem Südsudan vertrieben, seit jedoch klar wurde, dass es zur Abspaltung des Südens kommen wird, kehren immer mehr Menschen zurück. Bisher sind seit Oktober 2010 ca. 250.000 Südsudanesen zurückgekehrt, jede Woche kommen neue hinzu. Weitere Rückkehrer werden vor der Staatsgründung  des Südsudans am 9. Juli 2011 erwartet. Dies könnte zur Überlastung der Kapazitäten der internationalen Hilfsorganisationen, aber auch der fragilen Infrastrukturen der urbanen Zentren führen, in denen sich ca. 30% der Rückkehrer niederlassen. Aufgrund der Menschenansammlungen und der schlechten Wasserversorgung wird zudem der Ausbruch von Epidemien befürchtet.  Unterernährung ist ein weiteres chronisches Problem. Laut World Food Programm (WFP) sind derzeit rund 1 Mio. Menschen auf Nahrungsmittelhilfe angewiesen. Zudem zählen die Mütter- u. Kindersterberaten zu den höchsten weltweit. Hilfsorganisationen stellen über 85 % der medizinischen Versorgung zur Verfügung.

Darfur

Etwa 4 Mio. Menschen sind von der humanitären Krise in Darfur betroffen, die seit 2003 VN-Schätzungen zufolge ca. 200.000 Menschen das Leben gekostet hat. Etwa 1,9 Mio. Binnenvertriebene leben in Lagern und informellen Siedlungen. Zusätzlich halten sich  40.000 Flüchtlinge aus dem Tschad in Darfur auf. Kämpfe zwischen der Armee und Rebellengruppen, aber auch ethnische Konflikte lassen die Region nicht zur Ruhe kommen. Seit Mitte Dezember 2010 kommt es in Folge der Aufkündigung des Friedensabkommens zwischen der sudanesischen Regierung und der Rebellengruppe Sudan Liberation Army (SLA) in Nord- und Süd-Darfur zu neuen Kämpfen. Dörfer wurden zerstört und viele Menschen vertrieben oder sogar getötet. Zudem kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und sexueller Gewalt inner- und außerhalb der Flüchtlingscamps.

Die neue, im August 2010 von der sudanesischen Regierung verabschiedete Darfur-Strategie sieht die Schließung der Lager und eine Rückführung der Binnenvertriebenen vor. UN und Afrikanische Union befürworten diese Strategie.  Friedensgespräche zwischen der Regierung und den Rebellentruppen finden gegenwärtig in Doha, Katar statt und sollen nach einer Übereinkunft dort verstärkt auf nationaler Ebene weitergeführt werden. Ziel des Prozesses ist es zu einer Verhandlungslösung zu kommen, der alle betroffene Konfliktparteien in Darfur und die Zivilbevölkerung zustimmen kann.

Deutsche humanitäre Hilfsmaßnahmen /Humanitäre Hilfe des Auswärtigen Amtes

Mittels deutscher  und internationaler  Hilfsorganisationen (Internationales Komitee des Roten Kreuzes, UNHCR) unterstützt das Auswärtige Amt Vorhaben vor allem im Bereich der medizinischen Nothilfe und der Wasserversorgung (WaterSanitationHygiene= WASH).

Die bereitgestellten Mittel des Auswärtigen Amtes für humanitäre Hilfe belaufen sich für den Zeitraum 2009 bis einschließlich 2011 auf 14,8 Millionen Euro.

Angesichts tausender zurückkehrender Flüchtlinge und Binnenvertriebene werden im Südsudan Hilfsprojekte unterstützt, die sich um die Erstversorgung von Rückkehrern kümmern. Des weiteren erhalten Projekte für medizinische Nothilfe finanzielle Zuwendung.

Außerdem werden regelmäßig Vorhaben des humanitären Minenräumens unterstützt.

Kampfmittel- und Minenräumung

Gefährlicher Einsatz

In Darfur, vor allem in Süd-Darfur, sorgen Raubüberfälle, Einbrüche, Entführungen und Carjackings durch Banditen mit hoher Gewaltbereitschaft für eine schlechte Sicherheitslage. Dadurch werden die Arbeitsbedingungen der Nichtregierungsorganisationen erheblich erschwert. Auch Mitarbeiter internationaler Hilfsorganisationen sind bereits entführt worden. Internationale Präsenz gibt es fast nur noch in Stadtgebieten und kaum mehr auf dem Land. Dies schränkt unter anderem auch die Informationslage über den humanitären Bedarf stark ein.

Zu den Länderinformationen Sudan auf diplo.de:


Stand 15.03.2011

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