Hauptinhalt

Sudan

Weite Teile des Sudans, vor allem Darfur und der neue Staat Südsudan, bilden eines der komplexesten humanitären Krisengebiete weltweit; rund 10,7 Mio. Menschen sind insgesamt auf humanitäre Hilfe angewiesen.  Nachdem die südsudanesische Bevölkerung in einem Referendum im Januar 2011 für die Abspaltung des Südsudans vom Norden gestimmt hat, wurde der Südsudan damit am 9. Juli 2011 offiziell als 193. Staat gegründet. Der Sudan und der Südsudan sind zwei der Schwerpunkte der deutschen humanitären Hilfe. Für beide Länder hat Deutschland 2014 über 21 Mio. Euro bereitgestellt (Sudan: 4,6 Mio., Südsudan: 16,57 Mio). Weitere 2 Millionen Euro für den Sudan sind in Planung.

Politische Hintergründe

Sudan / Darfur

2003 kam es zu Bürgerkrieg in der Region Darfur Die Ursachen des Konfliktes sind vielschichtig , Ressourcenkonflikte , Machtkämpfe verschiedener ethischer Gruppen und ausländische Interventionen vor allem aus Libyen waren die Ursachen. Die bewaffnete Rebellion wurde von der Regierung mit Waffengewalt unterdrückt, 2,9  Millionen Menschen sind Binnenvertriebe und etwa 600.000 Menschen sind in Nachbarländer geflohen. Im Jahr 2006 wurde das Darfur-Friedensabkommen in Abuja, Nigeria abgeschlossen, das jedoch nur von einer der Rebellengruppen unterzeichnet wurde. Seit der Aufkündigung des Friedensabkommens zwischen der sudanesischen Regierung und der Rebellengruppe Sudan Liberation Army (SLA) in Nord- und Süd-Darfur kommt es immer wieder zu Kämpfen die Kämpfe. Dörfer werden zerstört und viele Menschen vertrieben oder  getötet. Zudem kommt es immer wieder zu Menschenrechtsverletzungen und sexueller Gewalt inner- und außerhalb der Flüchtlingscamps. Nachdem nun bereits ein Teil der Rebellengruppe ein neues  Friedensabkommen in Doha,Katar mit Khartum  unterzeichnet hat, führt die Regierung den Friedensprozess weiter fort.

Seit 2013 haben  die Kämpfe erneut an Intensität gewonnen, insbesondere zwischen rivalisierenden arabischen Gruppen.  . Die EU und die Afrikanische Union fordern die Schaffung auch  politisch angemessener Bedingungen vor Ort, wie die Aufhebung des Ausnahmezustandes sowie ungehinderte Zugangsrecht für internationale Nichtregierungsorganisationen.

Im März 2009 erließ der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) Haftbefehl gegen den sudanesischen Präsidenten Bashir. Daraufhin wurden 13 Internationale Nichtregierungsorganisationen des Landes verwiesen und drei nationale NGOs geschlossen. Im Juli 2010 erließ der IstGH einen zweiten Haftbefehl gegen Bashir (dieses Mal wegen Völkermordes). 2012 wurde ebenfalls ein Haftbefehl gegen Verteidigungsminister Abdel Raheem Mohammed Hussein.

Südsudan

Seit der Unabhängigkeit des Südsudans 2011 ist das Land von Konflikten  gezeichnet.  Im Dezember 2013 ist der schon länger schwelende Machtkampf zwischen dem Präsidenten Kiir und seinen Kritikern ausgebrochen. Nachdem zunächst nur in der Hauptstadt Dschuba gekämpft wurde, breitet sich der Konflikt zwischen Regierungs- und Oppositionstruppen schnell in die anderen Landesteile aus. Mittlerweile hat der Konflikt bürgerkriegsähnliche Zustände angenommen. Es wird von über 10.000 Toten bisher ausgegangen. 1,91 Mio. Menschen sind Binnenvertriebene. Viele haben keinerlei Zugang zu Notunterkünften oder Nahrungsmitteln. Über 450.000 Südsudanesen haben sich in Nachbarländer geflüchtet, zeitgleich leben 244.000 Flüchtlinge aus anderen Ländern im Südsudan.

Humanitäre Lage

Sudan

Im Sudan sind mindestens  2,9 Mio. Menschen binnenvertrieben, davon 2 Mio. in Darfur. 600.000 leben als Flüchtlinge in den Nachbarländern. Schätzungsweise 6,9 Millionen Menschen sind auf humanitäre Hilfe angewiesen. Darüber hinaus leben etwa 158.000 Flüchtlinge, überwiegend aus den angrenzenden Nachbarländern, im Sudan. Zusätzlich befinden sich noch rund 350.000 Südsdanesen im Sudan, die bisher noch keine Rückkehrmöglichkeiten in den Südsudan haben. Im Bereich der humanitären Hilfe im Sudan steht insbesondere Darfur im Fokus der internationalen Aufmerksamkeit. Der Hilfsaufruf der Vereinten Nationen für den Sudan beträgt 2014 986 Mio. USD. Davon sind jedoch erst rund 49 % finanziert. Deutschland stellt 2014 bislang 4,6 Millionene Euro zur Verfügung, weitere 2 Millionen €uro sind geplant. Somit steht Deutschland im Geberranking mit 1,1 % an 18. Stelle.

Darfur

Etwa 3,86 Mio. Menschen sind von der humanitären Krise in Darfur betroffen.Von 2 Mio. Binnenvertriebenen  leben etwa 1,7 Millionen in Lagern und informellen Siedlungen. Mittels deutscher  und internationaler  Hilfsorganisationen (Internationales Komitee des Roten Kreuzes, UNHCR) unterstützt das Auswärtige Amt Vorhaben vor allem im Bereich der Ernährung, Wasser, Sanitärversorgung und Hygiene, Bildung, Fluthilfe und. In Darfur stellt Deutschland 16 Millionen Euro für den Wiederaufbau bereit.

Die bereitgestellten Mittel Deutschlands für humanitäre Hilfe belaufen sich im Zeitraum 2006 bis 2014 auf 110,6 Millionen Euro.

Angesichts tausender Flüchtlinge im Tschad wird dort ein Flüchtlingshilfsprojekte unterstützt.

Südsudan

Im Südsudan sind 3,8 Millionen Menschen auf humanitäre Hilfe angewiesen. Es herrscht absoluter Mangel an Schutz, Gesundheitsversorgung, Nahrungsmittel, Notunterkünften, Wasser- und Sanitätsversorgung und Hygiene. Viele Menschen haben keinen Zugang zu medizinischer Versorgung. Laut sudanesischer Regierung kommen 10.000 Menschen auf 1,5 Ärzte und 2 Krankenpfleger. Durch den Ausbruch der Cholera im Mai 2014 verschlechterte sich die Lage weiter. 7 Millionen Menschen von 8,26 Mio. Einwohnern sind von akuter Ernährungsunsicherheit gefährdet. Zudem zählen die Mütter- u. Kindersterberaten zu den höchsten weltweit.

Im Südsudan haben Helfer keinen einfachen Job. Es kommt zu Plünderungen und zu zerstörungen humanitären und zivilen Eigentums. Zusätzlich wird immer häufiger Gewalt gegen die Helfer angewandt. Auch bürokratische Hindernisse, willkürliche Gebühren und Strafzahlungen für Hilfsorganisationen erschweren die Arbeit. Nachdem im August 2014 ein Hubschrauber der Vereinten Nationen abstürzte, wurden Hilfsflüge vorübergehend eingestellt.

Zur Zeit lässt sich im Südsudan eine Rückkehrwelle der Flüchtlinge und Vertriebenen verzeichnen., Seit der Unabhängigkeit 2011 sind ca. 428.000 Südsudanesen zurückgekehrt, jede Woche kommen neue hinzu. Allerdings befinden sich noch 230.000 Südsudanesen im Sudan. Sie leben in Lagern in Khartum und warten darauf, in den Südsudan zurückzukehren. Jedoch erschweren und behindern Zugangsbeschränkungen, Verzögerungen bei der Landzuweisung, mangelnde Reisemittel und fehlende Unterstützung im Bereich Lebensgrundlagen, Reintegration und Wiederansiedlung die Rückkehr.

Für den Südsudan stellt Deutschland 2014 18,67 Millionen Euro zur Verfügung. Diese fließen zu einem großen teil in die Unterstützung humanitärer Hilfsprojekte im Südsudan selbst, aber es werden auch die Flüchtlinge in den Nachbarländern Uganda, Äthiopien und Kenia, die aus dem Südsudan stammen, unterstützt. Im Geberranking steht Deutschland somit an 10. Stelle und steuert 2,9 % des Bedarfs bei.

Zu den Länderinformationen Sudan auf diplo.de:


Stand 22.12.2014

Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere