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Tschechische Republik

Wirtschaft

Stand: Mai 2017

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Nach dem starken Vorjahr legte Tschechiens Konjunktur zuletzt eine Pause ein. Der hohe Zuwachs des BIP im Jahr 2015 war mit 4,2% der kräftigste seit 2007 und beruhte v.a. auf massiven öffentlichen Investitionen infolge einer überdurchschnittlichen Abschöpfung von EU-Mitteln vor Ablauf der Förderfrist. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) wuchs nun 2016 um nur noch 2,3%. Für 2017 rechnet das tschechische Finanzministerium mit einem Anstieg von 2,6%, für 2018 mit 2,4%. Die Inflationsrate betrug 2016 im Durchschnitt 0,7%. Für 2017 rechnet das Finanzministerium mit 2%, für 2018 mit 1,6%.

Laut Eurostat verzeichneten Tschechien (3,4%) und Deutschland (3,8%) von den EU-Mitgliedstaaten im Januar 2017 die niedrigsten Arbeitslosenquoten. 2016 betrug das Haushaltsdefizit 0,5%; für 2017 sind 0,2% geplant. Die Prognose für die Staatsverschuldung 2016 ist nach Angaben des tschechischen Finanzministeriums 37,4% des BIP.

Außenwirtschaft

Im Jahr 2015 ist der Nettozufluss an ausländischen Direktinvestitionen in Tschechien auf 1,1 Mrd. Euro deutlich zurückgegangen, da es zu einem spürbaren Kapitalabzug einiger klassischer Investoren gekommen ist. Dank deutscher Direktinvestitionen von fast 1,3 Mrd. Euro konnte ein Nettoabfluss an ausländischen Direktinvestitionen in Tschechien vermieden werden. Deutsche Unternehmer haben seit 1993 rund 20 Mrd. Euro in Tschechien investiert.

Die tschechische Wirtschaft ist stark auf die Industrie (über 37% Industrieanteil am BIP) und insbesondere auf die Automobilindustrie ausgerichtet.

Der tschechische Außenhandel hat 2016 mit rund 276 Mrd. Euro einen neuen Rekordwert erreicht. Die tschechischen Exporte entsprechen fast 85 % (84,3) des BIP. Der bilaterale Handel mit Deutschland hatte 2016 ein Volumen von rund 81,6 Mrd. Euro, auch dies ein neuer Höchststand. Tschechien wickelt nahezu ein Drittel seines Außenhandels mit Deutschland ab, das damit der mit Abstand wichtigste Handelspartner ist. Tschechien liegt noch vor Russland an 12. Stelle der deutschen Handelspartner. Das Land strebt eine stärkere geographische Diversifizierung seiner Exporte durch Zuwächse auch auf Märkten außerhalb der EU an (z.B. China oder Indien). Ein Risiko für die Konjunktur stellen die unsicheren Aussichten dieser wichtigen Wachstumsmärkte dar. Auch die Brexit-Diskussionen und die anhaltenden Konflikte im Nahen Osten werden kritisch beobachtet. Als sehr offene Volkswirtschaft mit einer hohen Exportquote ist Tschechien stark abhängig von den Außenmärkten. Ein Ende des freien Warenverkehrs im Schengenraum würde zu höheren Kosten für die Export- und Importströme führen.

Umwelt- und Energiepolitik

Energiefragen genießen in Tschechien besondere Aufmerksamkeit. Das Land setzt weiterhin auf die Kernenergie. Die Regierung hat im Juni 2015 den Nationalen Aktionsplan zur Entwicklung der Kernenergie verabschiedet. Er ergänzt das Mitte Mai 2015 verabschiedete staatliche Energiekonzept bis 2040, das mit einem Anteil der Atomkraft am Bruttostromverbrauch von bis zu 56% rechnet. Um dieses zu erreichen soll das Atomkraftwerk Dukovany um einen Block erweitert werden.

Tschechien hat den EU-CO2-Reduzierungszielen und dem 20 Prozent-Ziel für erneuerbare Energien bis 2020 zugestimmt. Der Anteil erneuerbarer Energien im tschechischen Stromnetz soll bis 2020 bei 14% liegen. Tschechien unterstützt im Rahmen des Klima-Energie-Pakets 2030 der EU das Ziel, die Treibhausgase um 40 % gegenüber 1990 zu senken.

Seit Jahresbeginn 2014 werden neue Erneuerbare Energie-Anlagen, mit Ausnahme von kleinen Wasserkraftwerken, nicht mehr gefördert. Seitdem stagniert der Anteil Erneuerbarer Energien am Bruttostromverbrauch bei rd. 13%. Weiteres Potenzial wird von tschechischer Seite im Bereich der Biomasse und Wasserenergie gesehen.

Die enge und erfolgreiche deutsch-tschechische Umweltkooperation auf der Grundlage des Abkommens von 1996 konzentriert sich auf die grenzüberschreitende Zusammenarbeit beim Naturschutz, bei Umweltverträglichkeitsprüfungen, Industrieunfällen, Luftreinhaltung und die Wasserwirtschaft. Auch mit den benachbarten Bundesländern Bayern und Sachsen arbeitet Tschechien in Umweltfragen eng zusammen. Im Rahmen des strategischen Dialogs unterzeichneten die Landwirtschaftsminister von Deutschland und Tschechien im Oktober 2016 die Prager Walderklärung über weitere Zusammenarbeit in den Bereichen nachhaltige Forstwirtschaft und biologische Vielfalt der Wälder.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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