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Nigeria

Wirtschaft

Stand: Juni 2015

Wirtschaftslage und -struktur

Nigeria ist das bevölkerungsreichste Land Afrikas und aufgrund einer im Jahr 2014 durchgeführten statistischen Neuberechnung nun die größte Volkswirtschaft südlich der Sahara (vor Südafrika). Nigeria verfügt über sehr große Öl- und Gasvorkommen, und konnte in den letzten Jahren auch dank verschiedener Reformen durchweg ein hohes einstelliges Wirtschaftswachstum verzeichnen. Das Wachstum hat sich in der Zwischenzeit etwas verlangsamt, insbesondere aufgrund des gesunkenen Rohölpreises. Prognosen gehen für 2015 von einem Wachstum von etwa fünf Prozent aus.

Weiterhin gelten folgende Herausforderungen:

  • Die weitgehende Abhängigkeit von Öleinnahmen (über 90 Prozent der Deviseneinnahmen; 70 Prozent der staatlichen Einnahmen und etwa 14 Prozent des BIP) besteht fort.
  • Mehr als die Hälfte der Bevölkerung lebt weiterhin in extremer Armut (weniger als 1,25 US-Dollar pro Tag). Die Arbeitslosigkeit, vor allem in der jungen Bevölkerung, ist hoch.
  • Die Lage im Nigerdelta ist derzeit relativ stabil; die Bedrohung der dort angesiedelten Öl- und Gasförderung durch militante Gruppen und Piraten bleibt aber ein Risiko, ebenso wie die Verschlechterung der ökölogischen Grundlagen der Region.
  • Terrorakte der islamistischen Gruppierung "Boko Haram" im Nordosten Nigerias stellen ein großes Sicherheitsproblem dar.
  • Die Infrastruktur, vor allem im Bereich Stromversorgung und Transport, ist weiterhin mangelhaft und gilt als Haupthindernis für die wirtschaftliche Entwicklung.
  • Korruption und schleppende Verwaltung bleiben trotz Reformanstrengungen der Regierung problematisch für die Entfaltung einer dynamischeren Wirtschaftsentwicklung.
  • Die unterentwickelte Landwirtschaft ist nicht in der Lage, den inländischen Nahrungsmittelbedarf zu decken.
  • Aufgrund zu geringer inländischer Raffineriekapazitäten und eines intransparenten Benzin-Subventionsregimes kommt es regelmäßig zu Konflikten und Engpässen bei der Versorgung mit Treibstoffen.

Das solide Wirtschaftswachstum der letzten Jahre (6 bis 8 Prozent) war neben den positiven Entwicklungen in den Banken-, Telekommunikations- und Agrarsektoren auch auf die hohen Öleinnahmen zurückzuführen, die in den letzten Monaten allerdings stark zurückgegangen sind. Haushaltsengpässe sind die Folge. Der für solche Fälle eingerichtete "Excess Crude Account", in dem die Regierung einen Teil der Einnahmen aus dem Ölexport zurücklegt, ist inzwischen weitgehend aufgebraucht  Im Mai 2011 hat die Regierung außerdem einen Staatsfonds "Sovereign Wealth Fund" geschaffen, der sich ebenfalls aus Öleinnahmen speist und zur Finanzierung wichtiger Infrastrukturmaßnahmen dienen soll.

Die neue Regierung wird sich besonders den Defiziten auf der Einnahmenseite widmen müssen, um die weiterhin bestehende Abhängigkeit von sprudelnden Öleinnahmen zu mindern. Eine Erhöhung der Steuereinnahmen wird angestrebt.

Die Regierung Nigerias hat den notwendigen Kampf gegen Korruption zu einem Teil ihrer Wirtschaftspolitik erklärt. Geordnetere Verfahren bei der Vergabe öffentlicher Aufträge und die Schaffung größerer Transparenz bei den Einnahmen im Öl- und Gasgeschäft sind Teile dieser Bestrebungen. Eine weitere wichtige Maßnahme war die Einrichtung einer "Economic and Financial Crimes Commission" (EFCC) zur Bekämpfung von Korruption und Wirtschaftsverbrechen. Als Ergebnis der Bemühungen der EFCC wurde Nigeria 2006 aus der von der Financial Action Task Force der G8/G7 geführten Liste der bei der Bekämpfung von Geldwäsche "nicht-kooperierenden Staaten" gestrichen.


Haushalts- und Währungspolitik

Die externe Verschuldungssituation Nigerias hat sich seit der Einigung über einen Schuldenerlass mit den Gläubigerstaaten des "Pariser Clubs" im Frühjahr 2005 deutlich verbessert. Sie liegt derzeit bei  9,5 Milliarden US-Dollar. Die Gesamtverschuldung liegt mit 57,5 Milliarden US-Dollar bei rund 19 Prozent des Bruttoinlandsprodukts. Das Bruttoinlandsprodukt ist auf 2520 Milliarden US-Dollar beziffert. Das Haushaltsdefizit liegt bei unter zwei Prozent, könnte aber tendenziell steigen. Die Inflation lag 2014 bei  8 Prozent. Prognosen für 2015 gehen von einer Inflation knapp unter 10 Prozent aus.

Die Zentralbank musste infolge der gesunkenen Öleinnahmen die Landeswährung Naira stützen und schrittweise auf einen Wechselkurs von um die 200 Naira zu einem Dollar abwerten.  Dies führte auch zu einem Abschmelzen der Währungsreserven. Hält diese Tendenz an, wird die Regierung zu einer höheren Verschuldung im Ausland gezwungen sein.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die Ölproduktion ist und bleibt der wichtigste Wirtschaftszweig Nigerias, auch wenn er nur noch rund 14 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ausmacht, Dienstleistungen dagegen über 50 Prozent. Die tägliche Fördermenge schwankt aufgrund von illegalen Abzweigungen, Sabotageakten und mangelhafter Wartung; sie liegt durchschnittlich bei 2,2 Millionen Fass pro Tag. Eine notwendige umfassende Reform des staatlichen Ölsektors wird seit Jahren angestrebt, konnte aber aufgrund fehlender Einigung zwischen Regierung und Parlament über einen Gesetzentwurf ("Petroleum Industry Bill") bislang nicht realisiert werden.

Die Regierung beabsichtigt, die seit 40 Jahren bestehende Praxis der Abfackelung des bei der Ölförderung anfallenden Erdgases zu beenden, die ursprüngliche Frist (Ende 2008) konnte aber nicht eingehalten werden. Es ist eine erhebliche Ausweitung der Förderung von Gas und seiner Umwandlung zu Flüssiggas geplant. Eine Westafrika-Pipeline nach Ghana wurde gebaut, die den westafrikanischen Markt für nigerianisches Erdgas erschließen soll. Des Weiteren ist eine Trans-Sahara-Pipeline über Niger nach Algerien geplant, um den europäischen Markt zu versorgen. Die Gaswirtschaft ist dabei, sich zu einem der bedeutendsten Wirtschaftszweige in Nigeria zu entwickeln, obgleich die Entwicklung mit vielen Verzögerungen behaftet ist.

Der Reichtum Nigerias ist das Öl, doch über 60 Prozent der Nigerianer sind in der Landwirtschaft beschäftigt. In ländlichen Gegenden beträgt der Anteil über 90 Prozent. Über 95 Prozent der landwirtschaftlichen Produktion kommt von kleinen Anbauflächen – in der Regel in Subsistenzwirtschaft – mit Größen von einem bis 5 Hektar. Der Agrarsektor macht rund 24 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Dabei ist das Potenzial der nigerianischen Landwirtschaft bei Weitem nicht ausgeschöpft. Nigeria ist Afrikas größter Yam- und Augenbohnenproduzent und der weltweit größte Produzent von Maniok (Kassava). Nigeria ist mittlerweile viertgrößter Kakaoproduzent (Tendenz steigend). Auch die Maisproduktion wurde – durch Einwirken der Regierung - kräftig ausgeweitet.

Die Konsolidierung des Bankensektors ist das herausragende Beispiel für die Erfolge der Reformpolitik der letzten Jahre, auch während der globalen Finanzkrise. Der Sektor ist einer der Wachstumsmotoren der nigerianischen Wirtschaft.
Der Telekommunikationssektor ist der zweite Sektor, in dem die Reformpolitik zu raschen Erfolgen geführt hat. Nigeria verfügt über rund 70 Millionen Telefonanschlüsse, fast ausschließlich Mobiltelefone.

Als hoffnungsvolle Wachstumsmotoren mit zum Teil zweistelligen Zuwachsraten gelten IT, Bauwesen, Einzel- und Großhandel sowie die Unterhaltungsindustrie.


Außenwirtschaft

Da Nigeria in erster Linie Rohöl exportiert, ist die Handelsbilanz stark von der Entwicklung des Ölpreises abhängig.

Zu den wichtigsten Handelspartnern zählen China, USA, Indien, die Mitgliedsstaaten der Europäischen Union (vor allem Großbritannien, Frankreich, Spanien, Deutschland), Brasilien und Südafrika. China bleibt an der Spitze der Herkunftsländer von Importen nach Nigeria. Inzwischen hat Indien die USA als Hauptabnehmer des nigerianischen Erdöls abgelöst.

Das deutsch-nigerianische Handelsvolumen hat sich nach einem Einbruch in Folge der globalen Wirtschaftskrise und des niedrigeren Ölpreises wieder erholt. Im Jahr 2014 lagen die Einfuhren nach Deutschland aus Nigeria bei 3,95 Milliarden Euro, die Ausfuhren aus Deutschland nach Nigeria bei 1,39 Milliarden Euro. Es ist ein zunehmendes Interesse deutscher Unternehmen an den Chancen des nigerianischen Marktes spürbar.

Die wichtigsten deutschen Ausfuhrgüter nach Nigeria sind Maschinen, Fahrzeuge, chemische und elektrotechnische Produkte.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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