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Wirtschaft

Stand: Januar 2013

Die folgenden Angaben beziehen sich auf die Republik Zypern. Die wichtigsten Zahlen zum Nordteil der Insel finden Sie in "Zypern auf einen Blick".

Grundlinien der Finanz- und Wirtschaftspolitik

Die Wirtschaftsverfassung der Republik Zypern ist eine liberale Marktwirtschaft. In der gegenwärtigen Finanzkrise, die auch das Eurozonen-Mitglied Zypern erfasst hat, ist das Land bestrebt, seine europäische und internationale Wettbewerbsfähigkeit zu verbessern und als EU–Mitglied im östlichen Mittelmeer die Wirtschaftsbeziehungen zu den Ländern des Nahen- und Mittleren Ostens auszubauen. Die zyprische Wirtschaft ist im europäischen Binnenmarkt steigendem Wettbewerb ausgesetzt, die Bevölkerung profitiert im eigenen Lande aufgrund des kleinen Marktes und der Insellage gleichwohl nur teilweise.

Ende Juni 2012, kurz vor Beginn der eigenen EU-Ratspräsidentschaft, beantragte die zyprische Regierung aufgrund der prekären fiskalischen Situation internationale Finanzhilfen. Seither verhandelt Zypern mit der Troika aus Europäischer Union, Europäischer Zentralbank und dem IWF über die Konditionen einer möglichen Unterstützung. Die Verhandlungen über ein Memorandum of Understanding für ein Restrukturierungsprogramm als Grundlage für die Gewährung von Finanzhilfen reichen über den Finanzsektor hinaus und dauern an.

Steuerpolitisch strebt Zypern an, seine Stellung als attraktives Finanzzentrum mit Brückenfunktion in den Nahen- und Mittleren Osten und nach Russland zu erhalten. Dementsprechend wird eine Angleichung der Unternehmenssteuern auf EU-Ebene abgelehnt. In Zypern wird eine einheitliche Unternehmenssteuer von 10 Prozent erhoben, es gibt drei einheitliche Einkommensteuersätze von 20, 25 und 30 Prozent (Stufentarif, wobei ein Jahreseinkommen bis 19.500 Euro steuerfrei bleibt. Auf Zypern besteht ein indexiertes System der automatischen halbjährlichen Anpassung von Löhnen und Gehältern an die Inflationsrate (Cost of Living Allowance, COLA). Der gesetzliche Mindestlohn beträgt derzeit 835 Euro während der ersten 6 Monate eines Beschäftigungsverhältnisses und danach 887 Euro). Daneben gibt es keinen gesetzlichen Mindestlohn.

Große Hoffnungen setzt die Republik Zypern in Gasvorkommen in der Ausschließlichen Wirtschaftszone (AWZ) der Insel im südöstlichen Mittelmeer, nachdem Probebohrungen der US-Firma Noble Energy Ende 2011 erfolgreich verliefen. Seither läuft ein mehrstufiges internationales Lizenzierungsverfahren zur Exploration der von der zyprischen Regierung ausgeschriebenen Blöcke. Die Diskussion um die Gasvorkommen befördert gleichzeitig Spannungen zwischen Zypern und der Türkei, welche die zyprische AWZ gemäß der internationalen Seerechtskonvention UNCLOS nicht anerkennt und teilnehmenden Firmen ihrerseits mit bilateralen Konsequenzen gedroht hat. Ohnehin ist die völkerrechtliche Delimitierung der Seegrenzen in großen Teilen des an die bisher bekannten Gasfelder angrenzenden östlichen Mittelmeeres problembeladen, beispielsweise zwischen Israel und Libanon. Die zyprische Regierung hat öffentlich verkündet, dass die Erlöse allen Zyprern, also beiden Volksgruppen, zugute kommen sollen. Mit Erlösen rechnet sie ab dem Jahr 2018.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die wirtschaftliche Entwicklung der Republik Zypern ist stark von der weltwirtschaftlichen Entwicklung geprägt. Das bemerkenswerte wirtschaftliche Wachstum Zyperns der letzten Jahrzehnte (Durchschnitt des BIP-Wachstums: 1975 – 2000: real circa 5,5 Prozent) hat sich vor dem Hintergrund der Finanz- und Wirtschaftskrise, steigender Ölpreise und eines verschärften Wettbewerbs im Tourismus insbesondere seit 2009 deutlich verlangsamt. Das zyprische Bruttoinlandsprodukt hatte sich nach Zahlen der zyprischen Zentralbank von einem fast zweiprozentigen Negativwachstum im Jahr 2009 zunächst wieder erholt und war 2010 und 2011 um 1,3 und 0,5 Prozent gestiegen. Das aktuelle wirtschaftliche Umfeld schlägt allerdings zunehmend auf die Realwirtschaft durch: Im Lichte der Finanzkrise wird für 2012 ein starkes Negativwachstum von 2,3 Prozent geschätzt. Das BIP betrug im Jahre 2011 17,98 Milliarden Euro. Das Pro-Kopf-Einkommen betrug 2011 etwa 21.100 Euro.

Der Bankensektor Zyperns, der für die Gesamtwirtschaft des Landes von überproportional großer Bedeutung ist, wird von der aktuellen Finanzkrise stark getroffen. Er spielt auch in den laufenden Troikaverhandlungen eine wichtig Rolle. Zyprische Banken halten zudem ein sehr großes Volumen griechischer Anleihen. Die Regierung musste nach dem Schuldenschnitt Griechenlands allein den beiden zyprischen Großbanken Laiki/Popular Bank und Bank of Cyprus zur Jahresmitte 2012 mit 1,8 Mrd. Euro bzw. 0,5 Mrd. Euro beistehen (Aktienkäufe).

Sorge bereitet die zuletzt kontinuierlich steigende Arbeitslosigkeit die noch zu Beginn des Jahres 2011 bei 6 Prozent lag und mit geschätzten 14 Prozent im Dezember 2012 inzwischen einen historischen Höchststand erreicht hat. Die Jugendarbeitslosigkeit liegt deutlich darüber, geschätzt jenseits von 25 Prozent.


Wichtigste Wirtschaftszweige

Die bedeutendsten Wirtschaftszweige Zyperns sind das Dienstleistungsgewerbe, vornehmlich bestehend aus Tourismus-, sowie Finanz- und Unternehmensdienstleistungen (zusammen 80 Prozent der Wirtschaftsleistung). Die Tourismusbranche (circa 2,17 Millionen Besucher 2010, davon 1 Million aus Großbritannien, 223.000 aus Russland und 139.000 aus Deutschland) bildet die wichtigste Einnahmequelle der Wirtschaft des Landes. Die Touristenzahlen sind 2011 um 10,1 Prozent gestiegen. Auch zuletzt zeigten sie sich in einem wirtschaftlich schwierigen Umfeld vergleichsweise stabil. Die Einnahmen aus dem Tourismus sollen nach ersten Schätzungen im Jahr 2012 sogar um etwa 10 Prozent gestiegen sein, auf etwa 2 Milliarden Euro.

Im Bereich der Finanzdienstleistungen bleibt Zypern nicht zuletzt aufgrund der attraktiven Steuergesetzgebung ein interessanter Standort. Der Bankensektor und angrenzende Sektoren wie Beratungen und Wirtschaftskanzleien, aber auch der Immobiliensektor, sind nach wie vor von überproportionaler Bedeutung für die zyprische Wirtschaft. Der Bankensektor hält Assets in Höhe von zirka der 8-fachen zyprischen Wirtschaftsleistung und ist daher besonders anfällig.


Außenhandel

Die zyprische Wirtschaft leidet traditionell an einer Exportschwäche, die sich 2011 in einem Handelsbilanzdefizit von 4,9 Milliarden Euro niederschlägt. Die 2011 leicht gesunkenen Importe (lt. Eurostat 6,3 Milliarden Euro) werden durch Einnahmen aus dem Tourismus und dem aktuell leidenden Finanz- und Dienstleistungssektor finanziert. Auf bestimmte Güter werden teilweise hohe Steuern erhoben.

Die Exporte Zyperns konnten 2011 auf 1,3 Milliarden Euro gesteigert werden. Größter Abnehmer ist die EU, führend darunter sind Großbritannien und Griechenland. Deutschland importierte im Jahre 2011 nach Angaben von Eurostat Waren im Wert von 240,1 Millionen Euro aus Zypern. Zyprische Exporte bestehen allerdings überwiegend aus Re-Exporten (bspw. japanische Kraftfahrzeuge nach Großbritannien), gefolgt von Agrarerzeugnissen (Kartoffeln, Wein, Zitrusfrüchte) sowie Pharmazeutika.

Insgesamt führte Zypern nach Angaben von Eurostat 2011 aus Deutschland Waren im Werte von rund 742,2 Millionen Euro ein. Mit einem Anteil von 9 Prozent der Gesamtlieferungen, war Deutschland in der jüngeren Vergangenheit drittwichtigster Lieferant Zyperns (nach Griechenland und Italien) und das zweitwichtigste Exportland (nach Griechenland) mit einem Anteil von ca. 9 Prozent der gesamten Exporte. Die wichtigsten Einfuhrgüter sind Kraftfahrzeuge, Maschinen, Industriebedarf, elektrische Geräte und Konsumgüter.

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Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.