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Madagaskar

Beziehungen zu Deutschland

Stand: November 2011

Politische Beziehungen

Die bilateralen Beziehungen sind traditionell freundschaftlich. Bundespräsident Köhler besuchte Madagaskar im April 2006; der ehemalige madagassische Präsident Ravalomanana besuchte Deutschland 2007 und 2008 insgesamt dreimal. Im November 2010 besuchte eine Delegation des Deutschen Bundestages (Ausschuss für wirtschaftliche Zusammenarbeit) Madagaskar, um sich über Vorhaben der Entwicklungszusammen­arbeit zu informieren.

Seit der nicht verfassungsgemäßen Machtübernahme durch die „Übergangsregierung“ am 17.3.2009 sind die politischen Kontakte bis zur Rückkehr zu demokratischen Verhältnissen eingefroren.


Wirtschaftliche Beziehungen

Die deutschen Importe aus Madagaskar nahmen 2010 um 10 Prozent zu (von knapp 63 Millionen auf 70 Millionen Euro). Hingegen gingen die deutschen Exporte nach Madagaskar 2010 um 42 Prozent zurück (von 65,8 Millionen Euro auf 38,5 Millionen Euro). Der bilaterale Außenhandelsaldo betrug 2010 aus deutscher Sicht minus 31,4 Millionen Euro. In Deutschland wurden mehr landwirtschaftliche Erzeugnisse (Kakao, Gewürze, Südfrüchte) und Fischereierzeugnisse aus Madagaskar nachgefragt. Die Hauptausfuhrgüter nach Madagaskar waren Maschinen, chemische Erzeugnisse und elektronische Erzeugnisse sowie Kfz und Kfz-Teile.

Nach dem extremen Rückgang des Tourismus um 70 Prozent im Jahr 2009 erholte sich der Sektor 2010 geringfügig (+ 17 Prozent) mit insgesamt 162.687 Besuchern (davon 3 Prozent aus Deutschland; entspricht circa 4.900 Reisenden; zum Vergleich: Mauritius circa 53.000). Eine Direktflugverbindung besteht seit 1999 nicht mehr. Madagaskar ist sehr am deutschsprachigen Markt interessiert und nimmt seit 2003 an der Internationalen Tourismusbörse in Berlin teil.


Entwicklungszusammenarbeit

Madagaskar ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit (EZ), Deutschland für Madagaskar einer der wichtigsten Kooperationspartner - dies seit vielen Jahren. Der Schwerpunkt in der bilateralen Zusammenarbeit liegt in der nachhaltigen Nutzung natürlicher Ressourcen. Zum Schutz der Biodiversität wird im Rahmen der bilateralen deutschen EZ die Nationalparkverwaltung MNP (Madagascar National Parcs) beim Aus- und Aufbau des nationalen Netzes von Schutzgebieten gefördert. Begleitend dazu werden insbesondere nicht staatliche Einrichtungen, ländliche Basisorganisationen und der private Sektor gefördert.

Nach der undemokratischen Machtübernahme im März 2009 wurde die Kooperation im EZ-Bereich auf Regierungsebene vorläufig eingestellt. Die deutschen Berater (GIZ/CIM), die die Regierung in verschiedenen Ministerien (Finanzen, Innen, Energie) und einer staatlichen Einrichtung mit dem Aufgabenbereich „Gute Regierungsführung“ unterstützt hatten, wurden bis auf weiteres zurückgezogen. Die Budgethilfe ist suspendiert. Die geplante Entsendung von Experten des DED wurde zurückgestellt. Die EZ-Aktivitäten konzentrieren sich derzeit auf zielgruppennahe laufende Vorhaben im Schwerpunktbereich Umwelt sowie auf die Bekämpfung von HIV/Aids.

Bis Ende 2006 hatte die deutsche Entwicklungszusammenarbeit ein Volumen von insgesamt 366 Millionen Euro erreicht. Für 2007/2008 wurden weitere 34,5 Millionen Euro zugesagt, davon erstmalig 7 Millionen Euro in Form von Budgethilfe. Deutschland beteiligte sich an der Entschuldung Madagaskars im Rahmen der HIPC-Initiative (Programm von Weltbank und Internationalem Währungsfonds zum Schuldenerlass für arme und hoch verschuldete Länder). 2005 hatte Deutschland bereits Madagaskar die restlichen Schulden (29 Millionen Euro) erlassen.

Unter den deutschen Nichtregierungsorganisationen, die in Madagaskar arbeiten, sind insbesondere die Welthungerhilfe, die Handelskammer Hamburg und die Sparkassenstiftung zu nennen. Mit deutscher Finanzbeteiligung und Expertise wurde 2006 auch eine Mikrokredit-Bank (Accès Banque) eingerichtet. Der Deutsche Volkshochschulverband war 20 Jahre in Madagaskar aktiv, seit 2011 werden die Aktivitäten über madagassische Netzwerke fortgeführt.


Kulturelle Beziehungen

Die kulturellen Beziehungen zu Madagaskar sind von der Arbeit der bilateralen Kulturgesellschaft „Cercle Germano Malagasy“ (CGM)/Goethe-Zentrum und wissenschaftlichen Kontakten, insbesondere in den Wissensgebieten Naturwissenschaften und Germanistik, geprägt. Das CGM sorgt mit rund 520 Deutschschülern für die Verbreitung der deutschen Sprache und ist seit Jahrzehnten mit einem breit gefächerten Veranstaltungsangebot ein anerkannter und geschätzter Akteur im kulturellen Leben, vor allem der Hauptstadt Antananarivo, und eine wichtige Ergänzung zum nach wie vor starken französischen Einfluss auf die Kultur des Landes. Seit seinem Bestehen wird es aus dem Kulturhaushalt des Auswärtigen Amts gefördert. Insgesamt lernen etwa 26.000 Schülerinnen und Schüler Deutsch an privaten und öffentlichen Sekundarschulen. Im Zuge der Initiative “Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) erhielten im Jahr 2008 zwei Gymnasien den Status einer Partnerschule.

Insgesamt lernen etwa 25.000 Schülerinnen und Schüler Deutsch an privaten und öffentlichen Sekundarschulen. Im Zuge der Initiative “Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) erhielten im Jahr 2008 zwei Gymnasien den Status einer Partnerschule.

Die größte staatliche Universität in Antananarivo verfügt über ein Germanistikinstitut, welches vom Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) durch ein Lektorat unterstützt wird. Dort studieren circa 350 Studentinnen und Studenten. Darüber hinaus vergibt der DAAD Stipendien, vermittelt Praktikumsplätze und unterstützt die Studentinnen und Studenten beim Übergang in den Arbeitsmarkt. DAAD und Deutsche Botschaft bemühen sich weiter, durch Messeteilnahmen, Weiterbildungsangebote und Netzwerkarbeit Perspektiven für Wissenschaftler und Nachwuchskräfte zu bieten.

CGM und DAAD unterstützen gemeinsam Künstler und Kreative und bieten ein spezielles Kultur- und Weiterbildungsangebot für Deutschlandinteressierte.

Die Deutsche Botschaft engagiert sich im kulturellen Leben Madagaskars traditionell mit Hilfe des „Kleinen Kulturfonds“, aus dem einheimische Kulturevents gefördert werden, darunter 2010 das international bekannte Jazzfestival „Madajazzcar“ oder 2011 das Kurzfilmfestival „Rencontres Nationales du Film Court“. Im März 2011 nahmen die Botschaft und deutsche Institutionen an der örtlichen Bildungsmesse (« Salon des études internationales ») teil.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.