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Tunesien

Wirtschaft

Stand: November 2012

Grundlinien der Wirtschaft

Tunesien hat sich durch die Förderung des privaten Sektors und die Integration in die Weltwirtschaft eine gute Position in der Region erarbeitet. Die wirtschaftliche Öffnung hat Tunesien ein solides Wachstum und hohe Direktinvestitionen aus dem Ausland beschert. Durch die 1995 erfolgte Assoziation mit der EU möchte das Land langfristig in den Kreis der Industrieländer aufsteigen. Am 19.11.2012 wurde Tunesien der Status einer „Privilegierten Partnerschaft“ mit der EU gewährt.

Die wirtschaftlichen Folgen der tunesischen Revolution schlugen sich deutlich in der Jahresbilanz 2011 nieder. Für 2012 deutet sich eine Erholung der wirtschaftlichen Lage an.

Tunesien ist ein relativ rohstoffarmes Land, verfügt jedoch über eigene Vorkommen von Öl und Gas, die eine Teilversorgung gewährleisten. Die Nutzung von erneuerbarer Energie, insbesondere Wind- und Solarenergie, spielt eine immer größere Rolle. Tunesien ist weltweit viertgrößter Produzent von Phosphaten und der drittgrößte Olivenöl-Exporteur.


Strukturpolitik

Die größten Herausforderungen liegen in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigungsförderung, der Verbesserung der arbeitsmarktorientierten Aus- und Fortbildung, sowie der Erhöhung des Investitionsniveaus im privaten und öffentlichen Sektor.

Die Arbeitslosigkeit wird auf 17,6% geschätzt, wobei besonders junge Menschen und Akademiker betroffen sind. Um regionalen Ungleichheiten zu begegnen, hat Tunesien ein ambitioniertes Programm zur Regionalentwicklung vorgelegt. Durch die Konzentration auf spezifische Sektoren und die Verbesserung der Infrastruktur und Vernetzung sollen private Investitionen in allen Regionen gefördert werden.

Das Investitionsklima in Tunesien ist gut und sollte sich bei weiterer Konsolidierung der politischen Verhältnisse weiter verbessern. Ausländische Investoren schätzen die geographische Nähe zu Europa und die relativ hohe Produktivität und gut ausgebaute Infrastruktur.


Fiskalpolitik

Tunesien hat die globale Finanzkrise relativ unbeschadet überstanden. Die Staatsverschuldung liegt im für Schwellenländer normalen und nicht bedrohlichen Rahmen. Das Zahlungsbilanzdefizit hatte sich im Revolutionsjahr 2011 verdoppelt, und die Finanzierung stellt die Regierung mittelfristig vor Herausforderungen. Die Inflationsrate bleibt relativ niedrig.

Tunesiens Zugang zu den internationalen Kreditmärkten wird von Beobachtern positiv eingeschätzt. Die Staatengemeinschaft hat Kreditzusagen in Milliardenhöhe gemacht, andere große Akteure in diesem Feld (Europäische Investitionsbank, Weltbank, Afrikanische Entwicklungsbank) haben ebenfalls Zusagen zur Unterstützung des Demokratisierungsprozesses gemacht.


Außenwirtschaftspolitik

Die EU ist Tunesiens wichtigster Handelspartner, wobei Frankreich, Italien und Deutschland für den größten Anteil an den Im- und Exporten sowie der Direktinvestitionen stehen.

Tunesien ist Mitglied von IWF, Weltbank und WTO. Zwischen Deutschland und Tunesien bestehen ein Investitionsförderungs- und -schutzvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen.

Die neue Regierung Tunesiens möchte die regionale Organisation der Union des Arabischen Maghreb wiederbeleben, unter anderem mit dem Ziel der ökonomischen Integration.


Tourismus

Tunesien ist ein beliebtes Reiseziel und die Tourismusbranche von großer Bedeutung für die tunesische Wirtschaft. 2010 besuchten rund eine halbe Million deutsche Touristen Tunesien. Bedingt durch die Revolution Anfang 2011 musste die Tourismusbranche einen Einbruch verkraften, verzeichnet jedoch inzwischen wieder deutlich steigende Besucherzahlen.

Tunesien ist sich der Wichtigkeit der Diversifizierung und Modernisierung des Tourismussektors bewusst und bemüht sich, das post-revolutionäre Tunesien als Reiseland noch attraktiver zu machen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.