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Ägypten

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: Oktober 2014

Die ägyptische Gesellschaft steht unter dem Eindruck unterschiedlicher moderner Globalisierungseinflüsse: neben einer Aufgeschlossenheit gegenüber westlicher Kultur und ihren Lebensformen lassen sich eine zunehmende Islamisierung und religiös geprägter Konservatismus beobachten.

Kulturpolitik

Kairo ist seit Jahrhunderten eines der geistigen und kulturellen Zentren der arabischen Welt. Die Stadt ist Sitz der renommierten islamischen Hochschule al-Azhar und des Oberhaupts der koptisch-orthodoxen Kirche. Sie gilt als wichtigstes Zentrum des arabischen Buchmarkts und beheimatet große Bibliotheken, Museen und das erste Opernhaus der arabischen Welt. Kairo ist wichtiges Medienzentrum im Nahen Osten sowohl im Bereich der elektronischen und der Printmedien, des Agenturwesens als auch der arabischen Filmindustrie. Auch für viele ausländische Medien ist die ägyptische Hauptstadt Standort und Nachrichtenumschlagplatz für die arabischen Länder. Zu den wichtigsten kulturellen Veranstaltungen zählen die Internationale Buchmesse Kairo, das Internationale Filmfestival und das Internationale Festival für Experimentelles Theater.

Darüber hinaus gibt es eine lebendige unabhängige Kulturszene. Zahlreiche Gallerien, Ausstellungsflächen, Musiklabel und Veranstaltungsorte, die sich oft in leerstehenden Gebäuden in der prächtigen aber maroden Innenstadt befinden, bieten ein abwechslungsreiches Programm und sind eng mit der internationalen Kulturszene vernetzt. Viele Künstler aus diesen Kreisen haben in den letzten Jahren den Durchbruch geschafft und stehen auf internationalen Festivals hoch im Kurs. Ihre Werke reflektieren oft die politischen Umbrüche der letzten Jahre.

Das pharaonische Erbe hat im Land eine Vielfalt von Ausgrabungsstätten, Lehr- und Forschungseinrichtungen der Ägyptologie entstehen lassen. Neben den pharaonischen Kulturzeugnissen gibt es viele bedeutende nubische, graeco-romanische, christliche und islamische Kulturdenkmäler. In Kairo findet sich die weltweit größte Konzentration koptischer und islamischer Baudenkmäler. Viele Stätten, darunter die Pyramiden, Luxor und die islamische Altstadt Kairos, wurden bereits 1979 in die Welterbeliste der UNESCO aufgenommen. 2002 kamen das Katharinenkloster als Kulturdenkmal und 2005 das Wadi al-Hitan als Naturdenkmal hinzu.

Das Ägyptische Museum im Stadtzentrum von Kairo ist sowohl bei Touristen wie auch Ägyptern beliebter Anziehungspunkt. Zusätzlich wurden zahlreiche Museumsneubauten in den vergangenen Jahren begonnen, u.a. in der Nähe der Pyramiden von Giza, in Alt-Kairo und in Minya. Andere wichtige Museen in Kairo sind das Koptische Museum, das Islamische Museum und die Nationalbibliothek, letztere wurden Anfang 2014 durch einen Bombenanschlag stark beschädigt.


Bildungspolitik

Umfassende Reformen und Investitionen, strategische Konzepte und Modernisierungen im Bildungswesen sind dringend erforderlich. Jahrzehntelange Versäumnisse haben zu einer Stagnation im staatlichen Schulwesen geführt. Das starke Bevölkerungswachstum und der damit einhergehende ständig steigende Bedarf an Bildungseinrichtungen stellt die ägyptische Regierung vor eine enorme Herausforderung.

Deutschunterricht wird an zahlreichen privaten ägyptischen Schulen als erste oder zweite Fremdsprache, oft bereits ab der ersten Klasse, angeboten. Auch an einigen staatlichen Schulen wird Deutschunterricht bereits ab der Grundschule angeboten, ansonsten können Schüler der staatlichen Schulen Deutsch erst ab Klasse 10 als zweite Fremdsprache wählen.

Ägypten ist zwar um die Förderung der Geschlechtergerechtigkeit in der Bildung bemüht - konkret lässt sich dieser Versuch aber nicht mit Zahlen belegen. Viele der eingeschulten Mädchen verlassen die Schulen frühzeitig, um im Haushalt zu helfen oder verheiratet zu werden. Gemäß der Offiziellen Statistischen Agentur Ägypten (CAPMAS) gab es in Ägypten 2012 insgesamt 16 Millionen Analphabeten, davon 10,3 Millionen Frauen und Mädchen.


Wissenschaftspolitik

Seit Juni 2014 gibt es in Ägypten wieder zwei eigenständige Ministerien im Wissenschaftsbereich, das Ministerium für Höhere Bildung und das Ministerium für Forschung.

Ägypten unterhält 18 staatliche Universitäten mit ca. 1,4 Milionen eingeschriebenen Vollzeitstudenten, ferner sind mehr als eine halbe Million Studenten in Teilzeit immatrikuliert. Neben den staatlichen existieren 22 privaten Universitäten, darunter die alteingesessene American University in Cairo, die insgesamt aber nicht mehr als ca. 50.000 Studenten haben. Zu den größten privaten und zugleich zu den besten Universitäten des Landes gehört die German University in Cairo (GUC). Die GUC bietet als private ägyptische Universität mittlerweile über 10.000 Studenten überwiegend technisch orientierte Studiengänge an, die auf deutschen Lehrplänen aufbauen. Die TU-Berlin hat im Oktober 2012 einen Campus am Roten Meer in El Gouna eröffnet.

Die vielfältige Forschungslandschaft wird vom interministeriellen Higher Council for Science and Technology koordiniert, dem unter Vorsitz des Forschungsministers acht Fachminister sowie Vertreter von Wirtschaft und Wissenschaft angehören. Dem Forschungsministerium unterstehen u.a. der 2007 nach dem Vorbild der Deutschen Forschungsgemeinschaft gegründete Science and Technology Development Fund, die Akademie der Wissenschaften sowie 10 Forschungseinrichtungen wie das interdisziplinäre Nationale Forschunszentrum und verschiedene Fachzentren. Daneben existieren weitere Forschungseinrichtungen, die an andere Fachministerien angegliedert sind.

Ägypten bemüht sich im Forschungsbereich um mehr Qualität und Anwendungsbezogenheit und fördert hierfür verstärkt die internationale Vernetzung von Wissenschaftlern. 2007 wurde zum Beginn einer Dekade der Wissenschaft erklärt, in deren Rahmen jedes Jahr der wissenschaftlichen Zusammenarbeit mit einem Partnerland gewidmet ist. Den Anfang machte 2007 das Deutsch-Ägyptische Jahr für Wissenschaft und Technologie, von dem vielfältige Impulse auf die bilaterale wissenschaftliche Zusammenarbeit ausgegangen sind.

siehe auch bilaterale Beziehungen in der Wissenschaft

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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