Hauptinhalt

China

Wirtschaft

Stand: März 2016

China ist der wichtigste Wirtschaftspartner Deutschlands in Asien, Deutschland ist Chinas wichtigster Handelspartner in Europa. China sieht Deutschland nicht nur wirtschaftlich, sondern auch politisch als wichtigen strategischen Partner. Dynamische Handelsbeziehungen, Investitionen, Umweltzusammenarbeit, forschungs- und wissenschaftspolitische Zusammenarbeit und intensiver hochrangiger Besucheraustausch prägen die Beziehungen.

Grundlinien der Wirtschaftspolitik

China ist seit 2010 die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt nach den USA, seit 2014 nach Kaufkraft sogar die größte. Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf liegt China mit rund 5.000 EUR im weltweiten Mittelfeld. Zudem hält China die weltweit höchsten Devisenreserven. Diese sind allerdings auf etwa 3,2 Billionen Dollar zurückgegangen und liegen damit so niedrig wie zuletzt Mitte 2012. Zudem gibt es innerhalb des Landes enorme regionale und soziale Unterschiede.

Seit im März 2013 die fünfte Führungsgeneration die Regierungsgeschäfte übernommen hat, wurden weitreichende Wirtschaftsreformen beschlossen. Die Führung weiß, dass das bisherige Entwicklungsmodell nicht nachhaltig ist und Reformen Voraussetzung für neues Wachstum sind. Gravierende soziale und ökologische Probleme haben sich angehäuft und werden sich in den nächsten Jahren noch verschärfen. Das Wachstum soll nachhaltiger werden. Schlüsselthemen sind dabei die Stabilisierung des Wachstums, die Modernisierung der Produktionsstrukturen sowie  die Partizipation möglichst breiter Bevölkerungsschichten an der weiteren wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung. Mit den Entscheidungen des Dritten Plenums im November 2013 wurden wichtige Reformschritte angekündigt, deren Umsetzung allerdings nach wie vor auf sich warten lässt. Den großen Versprechungen folgten nur zögerliche und zum Teil wenig ambitionierte Reformansätze; auch in zentralen Bereichen, wie der Neustrukturierung der staatseigenen Betriebe, dem Abbau der Überkapazitäten in wichtigen, in der Regel von Staatsunternehmen dominierten, Industriebereichen oder den Fiskalreformen, ist bisher in der Realität wenig geschehen.

China steht unverändert vor gewaltigen Aufgaben: Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss sich die Wirtschaft weiter modernisieren. Ministerpräsident Li Keqiang machte zuletzt während der Tagung des Nationalen Volkskongress im März 2015 überdeutlich, dass die Reformen schmerzhaft, aber unverzichtbar seien, um Chinas Wohlergehen auch in Zukunft zu sichern. Das Ziel des aktuellen 12. Fünfjahresplans, die Umstrukturierung der chinesischen Volkswirtschaft von einer investitions- und exportorientierten zu einer innovationsgetriebenen, stärker auf Binnenmarkt ausgerichteten Volkswirtschaft, wird auch im künftigen 13. Fünfjahresplan (2016-2020) weiterverfolgt werden. Hierfür müssen nicht zuletzt auch Innovationsfähigkeit und Kreativität in der Gesellschaft gestärkt werden, auch durch strukturelle Reformen im Bildungssystem.


Aktuelle Wirtschaftslage

2015 erreichte das Wachstum der chinesischen Volkswirtschaft mit 6,9% einen Wert, der in etwas der Zielmarke von 7% entsprach. Insgesamt belegen die Zahlen für 2015 eine weiter abnehmende Dynamik, doch von einer 'harten Landung' kann nicht die Rede sein. Während der Dienstleistungssektor überdurchschnittlich zulegte, gingen vom industriellen Sektor keine Impulse aus. Eine robuste Entwicklung verzeichnete der Einzelhandel, insbesondere die Onlinebranche, die ihren Umsatz um ein Drittel steigern konnte. Auch 2015 ist China wieder ein Stück beim Umbau seiner Volkswirtschaft vorangekommen. Der Anteil der Wertschöpfung im Dienstleistungssektor lag bei über 50%, rund 10 Prozentpunkte über dem Anteil des industriellen Sektors. In der Entwicklung der Binnennachfrage ist der Anteil des Konsums weiter gestiegen und liegt nun bei rund zwei Drittel und damit gut 15 Prozentpunkte über dem Wert von 2014.

Der langfristige Wachstumstrend wird sich aufgrund der demographischen Entwicklung weiter abschwächen. Weniger Menschen werden auf den Arbeitsmarkt drängen. Es wird geschätzt, dass das Wachstumspotenzial der chinesischen Volkswirtschaft mittel- und langfristig niedriger ausfallen wird. Für 2016 erwartet die Regierung ein Wachstum von 6,5-7%, angesichts der Probleme im Wohnungsbau und bestehender Überkapazitäten vor allem in der Schwerindustrie ein (zu) optimistischer Wert. Während für das 1. Halbjahr aufgrund der großzügigen Stützungsmaßnahmen von monetärer und fiskalischer Seite noch mit einem befriedigenden Wachstum zu rechnen ist, sind die Wachstumstreiber für die zweite Jahreshälfte ungewiss. Die chinesische Regierung will den Umbau der Wirtschaft durch strukturelle Reformen vorantreiben. Eine stärkere Marktorientierung und ein schrittweiser Rückzug staatlicher Stellen von der bisherigen Mikrosteuerung in Wirtschaftsfragen sind Leitgedanken der anstehenden Reformen , doch hat sich in den letzten beiden Jahren eine gewisse Reformmüdigkeit gezeigt.


Außenhandel

Der chinesische Außenhandel hat sich in den letzten 12 Jahren mehr als verzehnfacht. Die chinesischen Exporte sanken 2015 um 2,9% (2014 noch Anstieg um 6,1%), die Importe sogar um 14,2% (2014 noch Plus von 0,4%). Der Handelsbilanzüberschuss betrug 2015 rund 593 Mrd. USD (plus 55,2%).  China bleibt damit zwar Exportweltmeister vor den USA und Deutschland, die schlechten Handelszahlen haben in China aber für einige Unruhe gesorgt. Größter Absatzmarkt für chinesische Güter sind auch 2015 die USA. Dorthin lieferte China fast 18% seiner Waren. Die EU ist der zweitwichtigste Markt. Nach Deutschland gingen rund 3% der chinesischen Produkte (viertwichtigstes Abnehmerland chinesischer Waren). Da China aus den USA lediglich Waren im Wert von gut 149 Mrd. USD bezog (8,9% der chinesischen Importe), ergibt sich ein hieraus ein hohes Defizit für die USA im bilateralen Handel mit China. Für die EU stellt sich die Situation etwas günstiger dar. Immerhin 12,4% der chinesischen Importe kommen aus diesem Wirtschaftsraum. Damit bleibt die EU auch 2015 der größte Handelspartner Chinas.

China hat mit 16 Handelspartnern Freihandelsabkommen geschlossen und steht mit weiteren 12 Partnern in Verhandlungen. Bilaterale Abkommen mit Südkorea und Australien sind ausverhandelt und inzwischen unterzeichnet. Die Verhandlungen zwischen EU und USA zu einem Freihandelsabkommen (TTIP) und die kürzlich unterzeichnete Transpacific Partnership (unter maßgeblicher Führung der USA) werden von Peking mit kritischer Aufmerksamkeit verfolgt. Inzwischen bekundet China größeres Interesse an einer aktiven Rolle in multi- und plurilateralen Verhandlungen. Nach jahrelangem Stillstand – maßgeblich verursacht durch weitreichende chinesische Forderungen – konnten im Juli 2015 die Verhandlungen über ein revidiertes Abkommen zur Informationstechnologie (ITA) abgeschlossen werden.


Investitionsbedingungen

Der Beitritt des Landes zur Welthandelsorganisation (WTO) 2001 stellte nicht nur eine umfassende Verpflichtungserklärung Chinas und der WTO-Mitglieder zur Wiedereingliederung des Landes in das Weltwirtschaftssystem dar, sondern war auch für die chinesische Öffentlichkeit ein klares Zeichen der Öffnung ihres Landes und seiner Eingliederung in die arbeitsteilige globale Weltwirtschaft.

Nach wie vor haben sich allerdings nicht alle internationalen Erwartungen erfüllt, da eine Vielzahl von Wirtschaftsbereichen weiterhin unter starker staatlicher Kontrolle stehen und teilweise deutliche Marktzugangsprobleme aufweisen. So ist China beispielsweise noch immer nicht dem WTO-Abkommen über das öffentliche Beschaffungswesen (Government Procurement Agreement) beigetreten. Auch das zuletzt Ende 2014 abgegebene Beitrittsangebot wird von der Mehrheit der WTO-Mitglieder als nicht ausreichend erachtet.

Ende 2013 fiel der Startschuss für Verhandlungen über ein umfassendes Investitionsabkommen zwischen EU und China, das neben Regelungen für einen ehrgeizigen Investitionsschutz auch wichtige Marktzugangsbestimmungen enthalten soll. Ende 2015 konnten die Verhandlungspartner eine grundsätzliche Einigung auf die Reichweite eines solchen Abkommens erzielen. 


Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB)

China nimmt zunehmend eine aktivere Rolle bei der Ausgestaltung internationaler Handels- und Wirtschaftsbeziehungen ein. Jüngstes und herausragendes Beispiel ist die von China initiierte Errichtung einer neuen Infrastrukturbank mit Sitz in Peking, die sogenannte Asian Infrastructure Investment Bank (AIIB). Diese soll in Partnerschaft mit bestehenden multilateralen Investitions- und Entwicklungsbanken arbeiten. Die AIIB soll Kapital für die großen Bedürfnisse an Infrastrukturmaßnahmen in Asien zur Verfügung stellen und so die wirtschaftliche und soziale Entwicklung in der Region fördern und zum Wachstum der Weltwirtschaft beitragen.

Die Bank hat im Januar 2016 ihre Geschäftstätigkeit aufgenommen. Der Gouverneursrat der AIIB hat auf seiner Eröffnungssitzung am 16./17. Januar den Präsidenten, Herrn Jin Liqun, und die Direktoren der Bank gewählt. Deutschland bildet mit Frankreich, Italien, Spanien, den Niederlanden, Portugal, Österreich, Finnland, Luxemburg und Malta eine sogenannte Stimmrechtsgruppe, und stellt für die ersten Jahre den Direktor. Das Direktorium hat zudem – auf Empfehlung des Präsidenten – fünf Vizepräsidenten ernannt, darunter auch einen deutschen.


Strukturreformen

Die Notwendigkeit eines Strukturwandels in der Industrie ist in China kaum übersehbar und wird von der Führung zu den größten Herausforderungen gezählt, neben der Begrenzung der Umweltverschmutzung. In einigen Sektoren sind deutliche Überkapazitäten entstanden (Stahl, Zement, Chemikalien), worunter auch ausländische Anbieter in diesen Bereichen leiden. Außerdem sind die Schulden der regionalen Gebietskörperschaften stark gewachsen. In den Büchern der staatlichen Banken werden nunmehr auch zahlreiche abschreibungsbedürftige Kredite vermutet. Die negativen Erfahrungen mit steigender Verschuldung und wachsenden Überkapazitäten in Folge wirtschaftlicher Stimuli im Rahmen der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise 2009/2010 haben zu einer Ablehnung groß angelegter Konjunkturprogramme bei der jetzigen Führung geführt.

Im 12. Fünfjahresplan wurden sogenannte 'neue strategische Industrien' identifiziert, deren Anteil am BIP bis 2015 von derzeit 3% auf 8% steigen soll. Dazu zählen Energieeinsparung und Umweltschutz, neue Informationstechnologien, Biotechnologie, hochwertige Ausrüstungen, neue (nicht-fossile) Energien, neue Materialien und alternative Kfz-Antriebstechniken. Durch eine aktive Industriepolitik will die chinesische Regierung die Wirtschaft weiter nach oben in der Wertschöpfungskette bewegen. Erst kürzlich beschloss der Staatsrat die Einrichtung eine 40 Mrd. RMB schweren Fonds, der Forschung und Entwicklung in den 'strategischen Industrien' stärken soll. Es ist davon auszugehen, dass sich diese Entwicklung im 13. Fünfjahresplan, der Anfang März vom Nationalen Volkskongress diskutiert und verabschiedet werden soll, fortsetzen wird.

Das Dritte Plenum des Zentralkomitees, das 'Reformplenum', hatte bereits im November 2013 die "entscheidende Rolle des Marktes bei der Ressourcenallokation" hervorgehoben und den teilweisen Rückzug der Staatsführung von der Mikrosteuerung in Wirtschaftsfragen angekündigt. Umfassende Reformen im Finanz- und Wirtschaftssektor sollen dies umsetzen. Schon zuvor hatte die chinesische Führung den Aufbau einer 'Green Economy' und die Einbindung einer nachhaltigen Wirtschaftspolitik im Konzept der 'ökologischen Zivilisation' zu einem wichtigen Ziel erklärt. Die Politik des Paradigmenwechsels – weg von einem rein quantitativen hin zu einem qualitativen Ansatz – wird fortgesetzt, die trüberen Wachstumsaussichten drücken jedoch auf das Reformtempo. Durch die fortgesetzte Anti-Korruptions-Kampagne der Zentralregierung sind wichtige Entscheidungsträger zutiefst verunsichert mit der Folge, dass notwendige Entscheidungen zur Restrukturierung der Wirtschaft nicht getroffen werden.

Als eine der dringendsten, zugleich aber schwierigsten Reformen gilt der Umbau der chinesischen Staatsunternehmen: 111 zentralstaatliche und geschätzte 150.000 auf Provinz- und lokaler Ebene. Sie gelten als wenig effizient und korruptionsdurchzogen und sollen marktgerechter und wettbewerbsfähiger aufgestellt werden, so schon die Beschlüsse des Dritten Plenums. Mitte September 2015, also gut zwei Jahre später, legte der Staatsrat seine Leitlinien zur Reform der Staatsunternehmen vor, die – wie erwartet – an der Sonderrolle der Staatsunternehmen und ihrer Privilegierung im chinesischen Staatskapitalismus nicht rühren. Zwar soll ihre Arbeitsweise marktwirtschaftlicher ausgestaltet und privates Kapital angelockt werden (sogenanntes mixed-ownership), Regierung und Partei behalten jedoch ihren maßgeblichen Einfluss. Privatisierungen im westlichen Verständnis wird es nicht geben. Statt einer Zerschlagung staatlicher Monopole wird geprüft, welche SOE fusioniert werden können, um als sogenannte Nationale Champions auf dem Weltmarkt bestehen können.

Das chinesische Bankensystem ist fast ausschließlich staatlich dominiert und im Unterschied zu den Märkten für Konsum- und Investitionsgüter auch streng reguliert. Die Staatsbanken verbuchen hohe Gewinne; ihre Hauptkreditnehmer sind die großen Staatsunternehmen. Vor allem für kleinere und mittlere Unternehmen im Privatsektor bleibt die Finanzierung der Ausweitung ihrer Geschäfte durch Bankkredite weiterhin schwierig. Viele von ihnen müssen zur Finanzierung ihrer Projekte auf den Schattenbankensektor ausweichen. Dieser hatte über mehrere Jahre stetig zugenommen, doch ist seine Bedeutung seit den verschärften Regulierungsbemühungen in 2014, aber auch wegen der geringeren Bautätigkeit im Immobiliensektor zurückgegangen. Hauptgläubiger der Staatsbanken sind private Sparer, die bei vorerst unvollständiger sozialer Absicherung durch eigene Ersparnisse für Kosten der medizinischen Vorsorge, Ausbildung der Kinder und eigenen Altersvorsorge aufkommen müssen. Inzwischen sind einige Privatbanken erlaubt, die sich in erster Linie im Internetbanking betätigen.

Die Reform des Finanzsektors ist ein wichtiges Ziel im Hinblick auf eine Liberalisierung des Kapitalverkehrs. Mit der Abschaffung der Deckelung für Einlagen im Oktober 2015 ist de jure die Zinsliberalisierung vervollständigt. Schon bis zu diesem Datum unterlagen nur noch einjährige Einlagen einer Deckelung, Kreditzinsen sind seit Sommer 2013 freigegeben. Es herrschen allerdings Zweifel, ob die de jure Liberalisierung bedeutet, dass die Zinsen in Zukunft allein durch Marktgegebenheiten bestimmt werden. So gibt es immer noch weitreichende implizite Kreditgarantien.


Soziale Bedingungen

Die andauernde Gefährdung für die soziale Verfasstheit der chinesischen Gesellschaft geht unverändert von der ungleichen wie ungleichzeitigen Entwicklung der chinesischen Ökonomie und Wohlstandsverteilung aus. Besonders gravierend zeigen sich die Unterschiede im Vergleich von (vergleichsweise wohlhabender) Stadt- und (vergleichsweise armer) Landbevölkerung, regulärer Arbeit und Wanderarbeit sowie jüngerer und älterer Menschen. Nur minimal hat sich der Gini-Koeffizient – der Maßstab für die Einkommensungleichverteilung – 2014 gegenüber 2013 verringert, von 0,473 auf 0,469. Somit liegt China nach wie vor deutlich über der Grenze, die nach Definition der Vereinten Nationen eine extreme Ungleichheit anzeigt (0,4).

Das durchschnittliche Haushaltsnettoeinkommen pro Kopf und Jahr ist in der Stadt mit 28.844 RMB (ca. 4.200 Euro) 2,75 Mal so hoch wie in ländlichen Gebieten mit 10.489 RMB (ca. 1.550 Euro). Dabei wuchs das Einkommen der Landbevölkerung mit 9,2% stärker als das der Stadtbewohner mit 6,8%. Der Mindestlohn ist im ersten Quartal 2015 nur vereinzelt angehoben worden. Die Provinz Guangdong kündigte Erhöhungen von bis zu 22% an. Die Angestellten in der Provinz sollen so einen Mindestlohn von 1,895 RMB pro Monat erhalten (+515 RMB gegenüber Vorjahr), die in der Stadt Shenzen sogar 2,030 RMB (+230 RMB gegenüber Vorjahr). Das Monatseinkommen der Wanderarbeiter stieg 2014 durchschnittlich um 9,8% auf 2.864 RMB (405 Euro) an.

Erklärtes Ziel der chinesischen Regierung ist die Verdopplung der Einkommen bis zum Jahr 2020. Hierfür soll der Mechanismus der Lohnfindung, also die Systeme zur Festlegung des Mindestlohns und das System der Tarifverhandlungen, ausgebaut werden. Zur Reform der Tarifpolitik liegt ein umfassender Fünfjahresplan des All-Chinesischen Gewerkschaftsbundes vor, der in erster Linie auf den Ausbau industrie- und branchenspezifischer Tarifpolitik zielt.

Die Situation auf dem Arbeitsmarkt ist je nach Region, Branche und Berufsfeld extrem heterogen. Strukturprägend für die chinesische Arbeitsgesellschaft ist nach wie vor der hohe Anteil an Wanderarbeitern. Mit knapp 274 Mio. machen diese 35% aller offiziell Erwerbstätigen in China aus. Die offizielle Arbeitslosenstatistik, die nur Personen mit städtischer Haushaltsregistrierung erfasst, liegt unverändert bei 4,1%. Boomenden Regionen und Branchen stehen solche mit struktureller Arbeitslosigkeit gegenüber. Die reale Arbeitslosigkeit wird auf 7 bis 10% geschätzt.

Anfang 2014 hat der Staatsrat den Aufbau eines einheitlichen Altersversicherungssystems für Stadt- und Landbewohner beschlossen. Dadurch soll sichergestellt werden, dass Rentenansprüche landesweit übertragbar sind. Provinzen, die nicht über genügend eigene Mittel verfügen, erhalten Subventionen von der Zentralregierung. Zur weiteren Vereinheitlichung wurden Anfang 2015 überdies rund 40 Mio. Staatsangestellte in die staatliche Rentenversicherung eingebunden. Diese mussten zuvor keine Beiträge entrichten und erhielten Pensionen.


Energie, Klima, Umwelt

Das enorme Wirtschaftswachstum Chinas hat zu enormer Belastung und Zerstörung der Umwelt geführt, deren Ausmaß ein Hemmnis für die weitere wirtschaftliche Entwicklung ist. Auch angesichts der wachsenden Unzufriedenheit der Bevölkerung, insbesondere in der urbanen Mittelschicht, steht Chinas Führung unter großem öffentlichem Druck, die Umweltprobleme rasch in den Griff zu bekommen. Ein neues Umweltgesetz (in Kraft seit 01.01.2015) verbessert die Informations- und Beteiligungsrechte der Öffentlichkeit und verschärft die Verantwortung von Unternehmen. Große Herausforderung bleibt die Implementierung auf lokaler Ebene.

Das Problem der Luftverschmutzung ist weiter gravierend: 80% der vom Umweltministerium untersuchten chinesischen Städte liegen über dem erlaubten nationalen PM 2.5-Standard von 35 Mikrogramm/m3; keine einzige Stadt erfüllte 2015 den von der WHO empfohlenen Grenzwert (10 Mikrogramm/m3). Besonders betroffen bleibt die Region Peking/Tianjin/Hebei und der Nordosten des Landes, wo während der winterlichen Heizperiode 2015/2016 neue Smog-Rekordwerte von bis zu 1400 Mikrogramm/m3 erreicht wurden. Die Regierung hat die Probleme erkannt und ergreift seit 2013 vermehrt Gegenmaßnahmen. Richtschnur ist die graduelle Abkehr von fossilen Energieträgern sowie eine Steigerung der Energieeffizienz. Insbesondere dank des Rückgangs beim Kohlekonsum wurden 2015  zum zweiten Mal in Folge deutliche Fortschritte erzielt:  Durchschnittlich fiel die Feinstaubkonzentration gegenüber dem Vorjahr um über 10%.

Umweltschutz und die Förderung einer nachhaltigen Wirtschaft  werden zentrale Elemente des 13. Fünfjahresplanes (2016-2020) sein. Neben administrativen Vorgaben und massiver Steigerung von Investitionen plant die Regierung für die nächsten 5 Jahre die schrittweise Einführung marktbasierter Instrumente, insbesondere den Aufbau eines nationalen Emissionshandelssystems ab 2017.

Dies kommt auch den chinesischen Klimaschutzzielen zugute. China ist seit 2010 der weltgrößte Emittent von Treibhausgasen, will aber seinen CO2-Ausstoß pro BIP-Einheit bis 2020 um 40 bis 45%, bis 2030 um 60 bis 65% (gegenüber 2005) senken. Auch bei den internationalen Verhandlungen (UNFCCC) hat CHN einen Richtungswechsel vorgenommen und hat sich dazu verpflichtet, bis spätestens 2030 den Höhepunkt seiner CO2-Emissionen zu erreichen und den Anteil erneuerbarer Energien auf 20% zu erhöhen. Neben Wasser-, Solar- und Windenergie soll auch die Nuklearindustrie massiv ausgebaut werden.Kohle wird auch in Zukunft das Rückgrat der chinesischen Energieversorgung bleiben, jedoch soll der Verbrauch bis 2020 auf 4,2 Mrd. Tonnen pro Jahr gedeckelt werden und maximal 62% des Energiemix ausmachen.

Der schnell wachsende Umwelttechnologiemarkt in China eröffnet auch ausländischen Unternehmen gute Chancen.


Urbanisierung

Seit dem Jahr 2012 leben erstmals mehr als 50% der Menschen in Chinas Städten. In den nächsten 15 Jahren sollen weitere 300 Mio. Menschen hinzukommen, dann würde die Zahl urbaner Chinesen die 1 Milliarde-Grenze überschreiten. Die dynamische Urbanisierung stellt die chinesische Regierung vor große Herausforderungen, unter anderem sich verschlechternde Umweltbedingungen, rasch zunehmende Verkehrsströme, Wohnungsmangel und stark steigende Mieten und Kaufpreise für Immobilien, ein Mangel an qualifizierten Arbeitsplätzen und Mängel in der Infrastruktur und der starke Rückgang von landwirtschaftlichen Nutzflächen. Immer wieder kommt es aufgrund von Landenteignungen ohne ausreichende Entschädigungen zu Protesten. Eine sozial ausgewogene und ökologisch nachhaltige Stadtentwicklung ist einer der entscheidenden Faktoren für die Stabilität des Landes. Die chinesische Regierung misst den Herausforderungen einer geplanten Urbanisierung deshalb hohe Priorität bei.

Bundeskanzlerin Merkel und der chinesische Ministerpräsident Li Keqiang haben im Mai 2013 eine deutsch-chinesische Urbanisierungspartnerschaft vereinbart, die im November 2015 von Bundesministerin Hendricks und ihrem chinesischen Amtskollegen in Peking unterzeichnet wurde. Die chinesische Seite hat ein großes Interesse an deutschen Erfahrungen im Bereich Urbanisierung. Aber auch deutschen Unternehmen bieten sich hier viele Chancen, zum Beispiel beim Ausbau der Infrastruktur, im Gesundheitswesen, bei der energetischen Sanierung von Wohngebäuden und bei der Stadtplanung.


Landwirtschaft

Trotz Landflucht waren 2015 mit 47,8% (370,4 Mio.) knapp die Hälfte der Erwerbstätigen in der Landwirtschaft tätig, der Anteil des Sektors am BIP betrug jedoch nur 9%. Die chinesische Landwirtschaft hinkt der rasanten Industrialisierung des Landes hinterher, die Einkommensschere zwischen Land- und Stadtbevölkerung klafft immer weiter auseinander. Dabei steht China vor der enormen Herausforderung, die Ernährung für seine wachsende Bevölkerung bei gleichzeitig schwindender Ackerfläche zu sichern. Seit mittlerweile 12  Jahren ist China Agrar-Nettoimporteur, vor allem von Getreide als Futtermittel für Tierproduktion, aber auch bei immer mehr Lebensmitteln.

Dementsprechend hat die chinesische Regierung den überfälligen Strukturwandel und die Modernisierung der Landwirtschaft sowie eine Verbesserung der Lebensbedingungen im ländlichen Raum (Daseinsvorsorge, Infrastruktur, Trinkwasser- und Stromversorgung) als Kernthemen in ihrem Arbeitsplan verankert. Zwar sind Strukturreformen, eine nachfrageorientierte Produktion sowie der Abbau von Subventionen beabsichtigt, 2015 hatt der Agrarhaushalt mit 28,1% jedoch noch den höchsten Anteil an den Gesamthaushaltsinvestitionen. Als vier große Herausforderungen der Landwirtschaft werden die hohen, nicht wettbewerbsfähigen Produktionspreise für Agrarprodukte, die steigenden Produktions- und Lohnkosten, die sich an der WTO-kritischen Grenze bewegenden Direktsubventionen und die massiven negativen Umweltauswirkungen der Landwirtschaft genannt.

Im Mittelpunkt der Strukturreform steht der Aufbau größerer und moderner landwirtschaftlicher Betriebe sowie die Neuansiedlungen der Ernährungsindustrie auf dem Land. Damit soll nicht nur effizienter produziert, sondern gleichzeitig sollen höhere Anbau- und Produktionsstandards umgesetzt werden, die zudem leichter kontrolliert werden können. Damit wird zugleich die Lebensmittelsicherheit als weiteres drängendes Thema für Regierung und Verbraucher aufgegriffen. Eine Novelle des Lebensmittelsicherheitsgesetzes aus 2009 ist Anfang Oktober 2015 in Kraft getreten, derzeit werden Durchführungsrechtsakte erlassen

Mit der im November 2013 angekündigten Landrechtereform, die Bauern künftig eine selbstbestimmte Verwaltung verspricht, soll schließlich eine zweckentsprechende,effektivere und intensivere ackerbauliche  Nutzung aller landwirtschaftlichen Flächen erreicht und die soziale Absicherung der Bauern gewährleistet werden. Derzeit laufen in allen chn. Provinzen Pilotprojekte zur Umsetzung der Landrechtereform. Aufgrund von Grundstückshandel und Erosion geht dennoch weiterhin landwirtschaftlich nutzbarer Boden verloren. Zudem gilt ein Fünftel der Agrarflächen als mit Rückständen von Chemikalien und Pflanzenschutzmitteln derart belastet, dass sie für den Ackerbau ungeeignet sind.


Verkehr

China ist seit einigen Jahren der größte Automobilmarkt der Welt und wächst weiter, wenn auch weniger dynamisch: 2015 wurden 21,1 Mio. Autos verkauft, 7,3% mehr als im Vorjahr; für 2016 wird - trotz zahlreicher Risiken und Krisenszenarien - erneut ein Marktwachstum von 7 bis 8% erwartet. Für die deutschen Hersteller ist China der wichtigste Einzelmarkt.

In 2014 stieg das Passagieraufkommen im Jahresvergleich zu 2013 um 11% auf 391 Mio. Passagiere. China ist damit heute der zweitgrößte Luftverkehrsmarkt weltweit und wird allen Prognosen zufolge mittelfristig die USA als weltgrößten Markt ablösen. Es wird erwartet, dass chinesische Airlines bis 2030 rund 6.000 neue Passagierflugzeuge kaufen werden. Ende 2014 gab es in China 202 Flughäfen, davon 24 mit mehr als 10 Mio. Passagieren jährlich.

Die Gesamtlänge des chinesischen Schienennetzes beträgt rund 120.000 km, davon sind 16.000 km Hochgeschwindigkeitsstrecken. China besitzt damit heute – acht Jahre nach Eröffnung der ersten Strecke – das größte Hochgeschwindigkeitsnetz der Welt. In den Ausbau des Eisenbahnnetzes und in das Zugmaterial sollen bis 2020 3,8 Billionen RMB (umgerechnet derzeit ca. 542 Mrd. Euro) investiert werden. Das Gesamtstreckennetz Chinas soll bis 2020 auf eine Länge von insgesamt 150.000 km ausgebaut werden, wovon dann 30.000 km Hochgeschwindigkeits-Strecken sein sollen.


Seite teilen:

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere