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Japan

Beziehungen zwischen Japan und Deutschland

Stand: Dezember 2014

Grundlagen

Das bilaterale Verhältnis Deutschlands zu Japan ist traditionell freundschaftlich. In den vergangenen Jahrzehnten hat es sich zu einer engen außenpolitischen Zusammenarbeit verdichtet. 2011 feierten Deutschland und Japan den 150. Jahrestag der Aufnahme diplomatischer Beziehungen.

Als Mitgliedsstaaten der G8 und G20 teilen Deutschland und Japan gemeinsame Werte und sind politisch, wirtschaftlich und gesellschaftlich miteinander verbunden. Als Partner in globaler Verantwortung arbeiten sie eng zusammen, bei Fragen der Abrüstung und Nichtverbreitung wie auch in Afghanistan und bei der Bekämpfung der Piraterie vor der Küste Somalias. Bei Überlegungen zur Reform des Sicherheitsrates der Vereinten Nationen gibt es eine enge politische Abstimmung im Rahmen der G4 (gemeinsam mit Brasilien und Indien). Die Zusammenarbeit im wirtschaftlichen, kulturellen und wissenschaftlichen Bereich zwischen zwei führenden Wirtschaftsmächten bietet ebenfalls großes Entwicklungspotenzial. Japan ist nach China wichtigster Wirtschafts- und Handelspartner Deutschlands in Asien.

Besuche deutscher Parlamentarier in Japan haben in jüngerer Vergangenheit erneut zugenommen. Reisemöglichkeiten für japanische Politiker sind aufgrund der strikten Anwesenheitspflicht im japanischen Parlament dagegen erheblich eingeschränkt. Dennoch ist in jüngerer Zeit zum Beispiel Außenminister Kishida (LDP) im Februar 2014 für ein bilaterales Gespräch mit Außenminister Steinmeier am Rande der 50. Münchner Sicherheitskonferenz und erneut im September 2014 nach Deutschland gereist. Außenminister Steinmeier reiste im April 2014 nach Tokyo und nahm im Anschluss an den bilateralen Besuch am 8. Ministertreffen der Nichtverbreitungs- und Abrüstungsinitiative (NPDI) in Hiroshima teil.

Wichtigste multilaterale Foren für die Zusammenarbeit mit Japan sind die Vereinten Nationen, die G8- und die G20-Gruppe sowie die Europäisch-Asiatischen Gipfeltreffen (ASEM). Die EU ist darüber hinaus Mitglied im ASEAN Regional Forum (ARF), in dem sicherheitspolitische Fragen in Asien diskutiert werden. Die laufenden Verhandlungen für ein EU-Japan-Freihandelsabkommen einerseits und ein umfassendes politisches Rahmenabkommen andererseits zielen auf eine weitere Aufwertung der strategischen Wertepartnerschaft der Europäischen Union mit Japan.


Wichtige bilaterale Foren und Gremien

Dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (JDZB) kommt bei der Pflege der bilateralen Beziehungen besondere Bedeutung zu. Das JDZB ist ein Institut mit breitem Tätigkeitsfeld in den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Kultur und Politik. Es wurde 1985 auf Initiative von Premierminister Yasuhiro Nakasone und Bundeskanzler Helmut Kohl gegründet und wird von der Bundesregierung, dem Senat Berlin und der japanischen Regierung gemeinsam finanziert.

Neben hochkarätigen Symposien, Vortragsveranstaltungen, Ausstellungen und Konferenzen in Japan und Deutschland ist das JDZB deutsches Sekretariat des im jährlichen Wechsel in Deutschland und Japan tagenden Deutsch-Japanischen Forums (DJF), zuletzt im November 2014 in Tokyo. Das DJF unterbreitet den beiden Regierungen Vorschläge zur Gestaltung der bilateralen Beziehungen und zur gemeinsamen Wahrnehmung globaler Verantwortung. Ihm gehören unabhängige hochrangige Vertreter aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur sowie den Medien an.


Wirtschaftsbeziehungen

Nachdem der Handelsaustausch zwischen Deutschland und Japan in den davorliegenden vier Jahren regelmäßig gestiegen war, ist im Jahr 2013 mit einem Handelsvolumen von 36,6 Mrd. Euro ein leichter Rückgang zu verzeichnen gewesen (2012: 38,9 Mrd. Euro, Rückgang von 5,9%).

Japanische Importe aus Deutschland betrugen 2013 wie bereits 2012 rund 17,1 Mrd. Euro. Japanische Exporte nach Deutschland hatten 20122013 ein Volumen von 19,5 Mrd. Euro, nach 21,8 Mrd. Euro im Vorjahr, was einem Rückgang um 10,6 % entspricht. Bei den deutschen Importen belegte Japan im Jahr 2013 Platz 17 aller Importeure und bei den Exporten Platz 15 aller deutschen Außenhandelspartner.

Der Anteil Japans am Welthandel ist zwar mit rund 4,6% geringer als der Anteil Deutschlands (9,0%), Japan liegt damit aber immer noch auf Platz vier der internationalen Vergleichsliste. Die vergleichsweise niedrigen Zahlen drücken nur unzureichend die Bedeutung Japans für die Weltwirtschaft und für die deutsche Produktion aus, da viele deutsche Produkte auf Komponentenzulieferungen aus dem Hochtechnologieland Japan angewiesen sind. Sie können kaum substituiert werden, denn je komplexer die Vorprodukte sind, desto schwieriger sind alternative Anbieter zu finden. Japanische Unternehmen besitzen auf einigen Produktmärkten, etwa für elektronische Steuer- und Speicherbausteine, eine weltweit herausragende Stellung.


Wissenschaftsbeziehungen

Seit 1974 besteht ein Regierungsabkommen über die Zusammenarbeit auf wissenschaftlich-technologischem Gebiet. Schwerpunkte der öffentlich geförderten bilateralen Zusammenarbeit sind derzeit Meeresforschung, Geowissenschaften, Lebenswissenschaften, physikalische Grundlagenforschung und Umweltforschung. Neben dem Abkommen auf der Regierungsebene bestehen zur Zeit mehr als 300 Kooperationsvereinbarungen zwischen deutschen und japanischen Hochschulen, ergänzt durch zahlreiche Projektabkommen und Kooperationsvereinbarungen außeruniversitärer Forschungsinstitute wie der Fraunhofer Gesellschaft, der Max-Planck-Gesellschaft, der Helmholtz-Gemeinschaft deutscher Forschungszentren und der Wissenschaftsgemeinschaft Gottfried Wilhelm Leibniz e.V. mit japanischen Partnerorganisationen. Im Februar 2013 hat zudem das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) eine Repräsentanz in Tokyo eröffnet. Die Kooperation wurzelt auch in dem regelmäßigen Austausch von Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern im Rahmen von Stipendienprogrammen des DAAD und der Alexander-von-Humboldt-Stiftung sowie durch die von der Deutschen Forschungsgemeinschaft geförderten Projekte in Zusammenarbeit mit der Japan Society for the Promotion of Science (JSPS).

Um den deutschen Beitrag zur internationalen Zusammenarbeit im Wissenschaftsbereich noch sichtbarer zu machen, wurde im Rahmen der „Initiative Außenwissenschaftspolitik“ auch in Tokyo ein Deutsches Wissenschafts- und Innovationshaus (DWIH) geschaffen. Konsortialführer für das Projekt in Tokyo sind die Deutsche Industrie- und Handelskammer in Japan (DIHKJ) und die Hochschulrektorenkonferenz (HRK). Das DWIH richtet mehrmals jährlich mit Partnern aus der deutschen und japanischen Wissenschaft Symposien und Workshops aus. Darüber hinaus unterstützt das DWIH Studienreisen und Workshops deutscher Hochschulen in Japan. Mit dem 2008 geschaffenen „German Innovation Award – Gottfried Wagener-Preis“, hinter dem zwölf technologieorientierte deutsche Unternehmen mit Niederlassungen in Tokyo stehen, wird seitens der Sponsoren und des DWIH das Ziel verfolgt, nachhaltige Netzwerke und Partnerschaften deutscher Unternehmen mit japanischen Forschungsinstituten und Hochschulen zu etablieren. Schirmherrin ist die Bundesministerin für Bildung und Forschung. Vorsitzender der Jury ist Professor Dr. Masuo Aizawa (JST-CRDS).


Kultureller Austausch

Der kulturelle Austausch zwischen Deutschland und Japan ist intensiv und vielseitig. Das dichte kulturelle Netzwerk mit über 60 Japanisch-Deutschen Gesellschaften in Japan, 50 Deutsch-Japanischen Gesellschaften in Deutschland, 450 bilateralen Hochschulkooperationen, ca. 250 deutschsprachigen Lektoren, derzeit 54  Städtepartnerschaften (darunter fünf Präfektur-Partnerschaften) und den drei Zweigstellen des Goethe-Instituts in Tokyo, Osaka und Kyoto ist Basis und Ausgangspunkt vielfältiger Veranstaltungen.

Zahlreiche Konzerte prominenter deutscher Orchester und Musiker sowie erstklassige Ausstellungen deutscher Museen und Sammlungen geben dem künstlerischen Austausch Substanz.

Das Jahr 2014 stand im Zeichen des 20-jährigen Bestehens der Städtepartnerschaft zwischen Tokio und Berlin, die in zahlreichen Veranstaltungen (z.B. Kunstaustellungen, Symposien) gefeiert wurde.

Die Goethe-Institute in Tokyo und Osaka bieten Kultur- und Informationsprogramme, im Goethe-Institut Kyoto (Villa Kamogawa) wird seit dem Frühjahr 2011 ein „Artist in Residence“-Programm angeboten. Hinzu kommt das Angebot der Deutschen Gesellschaft für die Natur- und Völkerkunde Ostasiens (OAG) in Tokyo und Kobe. Wichtigste kulturelle Mittlerorganisationen Japans in Deutschland sind das Japanische Kulturinstitut in Köln und das gemeinsam betriebene Japanisch-Deutsche Zentrum Berlin.

Zwischen deutschen und japanischen Universitäten findet im Rahmen zahlreicher Hochschulkooperationen ein reger wissenschaftlicher Austausch statt. An der renommierten Universität Tokyo ist Deutschland zudem mit einem geförderten “Zentrum für Deutschland- und Europastudien“ (seit 2000) und an der Universität Beppu auf Kyushu durch einen von der Universität Trier übernommenen Umweltstudiengang (seit 2006) präsent. Die Gesamtzahl der japanischen Studierenden in Deutschland ist seit Anfang der 90er Jahre um ca. 50% auf 2100, die Zahl deutscher Studierenden in Japan trotz der Sprachbarriere im Jahr 2010 auf rund 550 gestiegen. Nach einem vorübergehenden Rückgang durch die Ereignisse des 11. März 2011 hat die Zahl der deutschen Studenten zuletzt wieder zugenommen und nähert sich allmählich dem alten Niveau wieder an. Das DAAD-Büro Tokyo betreut eine Vielzahl von Stipendienprogrammen auch für die japanische Seite und vertritt die Alexander von Humboldt-Stiftung, die in Japan über eines der weltweit größten und aktivsten Alumni-Netzwerke verfügt. Das seit Herbst 2008 angebotene Alumni-Portal Deutschland ist Netzwerk, Kontaktbörse und Wissensvermittler zugleich.

Für die Förderung des Wissenschaftsaustauschs ist der seit 1979 jährlich vergebene, vom Bundespräsidenten persönlich überreichte und mit 50.000 Euro hochdotierte Philipp-Franz-von-Siebold-Preis besonders bedeutsam. Aktueller Preisträger 2014 ist der Physiker Prof. Dr. Motomu Tanaka von der Universität Kyoto.

Der rege Schüler- und Jugendaustausch ist seit den 70er Jahren institutionell etabliert. Er wird unter Federführung des deutschen Bundesministeriums für Familie, Senioren, Frauen und Jugend und des japanischen Ministeriums für Bildung, Kultur, Sport, Wissenschaft und Technologie (Sportjugendsimultanaustausch: seit 1974 fast 10.000 Jugendliche), von den Japanisch-Deutschen und den Deutsch-Japanischen Gesellschaften, im Rahmen der Städtepartnerschaften und dem Japanisch-Deutschen Zentrum Berlin (Takenoko-Fonds für Schüleraustausch aus Mitteln von Mercedes-Benz und Young Leaders Forum aus Mitteln der Robert Bosch-Stiftung) organisiert.

Der Deutsche Film und das regelmäßig stattfindende Deutsche Filmfestival des Goethe-Instituts in Tokyo finden regen Anklang. Auch beim European Filmfestival wird regelmäßig ein deutscher Beitrag gezeigt, diesmal der extra mit japanischen Untertiteln versehene, eindrucksvolle Film „Quellen des Lebens“. Japan ist weltweit der zweitgrößte Filmmarkt und bietet dem Import deutscher Filme gute Chancen. Filmfestivals auf deutscher Seite gibt es darüber hinaus auch mit dem in Frankfurt am Main stattfindenden japanischen Filmfestival „Nippon Connection“; dieses wird seit 2000 jährlich von dem gemeinnützigen Verein Nippon Connection e.V. organisiert. Das Festival  ist auf einem guten Weg, sich als jährliches Event zu etablieren.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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