Hauptinhalt

Haiti

Außenpolitik

Stand: Novermber 2013

Die außenpolitischen Beziehungen Haitis sind wesentlich durch die internationale Hilfe geprägt. Besondere Beziehungen bestehen zu den Ländern, in denen viele Auslandshaitianer leben: USA, Kanada, Dominikanische Republik und Frankreich. Mit Venezuela und Kuba bestehen gute Beziehungen, die im Falle Venezuelas durch die Öllieferungen des Petrocaribe-Abkommens gefördert werden.

Die Außenpolitik der Regierung Martelly ist bemüht, das vorwiegend von Naturkatastrophen und Misere geprägte Bild Haitis in der Welt zu ändern und Haiti dagegen als potentielles Ziel von Investitionen und Tourismus zu präsentieren.

2013 hat Haiti erstmals seit vielen Jahren internationale Gipfeltreffen von regionalen Organisationen erfolgreich ausrichten können: das Caricom-Gipfeltreffen, das Gipfeltreffen der Vereinigung der Karibikstaaten (ACS) wie auch das der Gipfeltreffen Petrocaribe-Staaten .

Beziehungen zu den USA und Kanada

Die Vereinigten Staaten spielen wegen ihrer geographischen Nähe sowie der dort lebenden haitianischen Diaspora eine politisch und wirtschaftlich dominierende Rolle. Das Verhältnis zum großen Nachbarn ist nicht zuletzt wegen der Besatzung Haitis von 1915 bis 1934 sowie Eingriffen in das politische Geschehen in Haiti zwiespältig. .

Das erhebliche Entwicklungsengagement der USA zeugt von der Bedeutung, die die USA der Stabilisierung Haitis beimessen. Die von den USA geförderten Maßnahmen zur politischen und wirtschaftlichen Stabilisierung des Landes zielen darüber hinaus darauf ab, die illegale Einwanderung aus Haiti in die USA einzudämmen und den Drogenschmuggel über Haiti als Transitland zu verhindern.

Aus ähnlichen Gründen wie die USA ist Kanada, wo über eine halbe Million Menschen haitianischer Herkunft leben (vorwiegend im frankophonen Quebec), einer der wichtigsten Partner Haitis und der zweitgrößte bilaterale Geber. Kanada führt in Haiti eines seiner weltweit größten Programme an Entwicklungszusammenarbeit durch.

Haitianisch-dominikanische Beziehungen

Die Beziehungen zwischen Haiti und der Dominikanischen Republik sind historisch zwar belastetet, dennoch leistete die Dominikanische Republik nach dem Erdbeben schnelle Hilfe und Unterstützung. Die Öffnung der Grenze und der Krankenhäuser für haitianische Patienten sowie direkte Hilfsleistungen trugen dazu bei, die Situation der notleidenden Menschen zu lindern.

Die haitianische Diaspora in der Dominikanischen Republik umfaßt nach den neusten Schätzungen ca. eine halbe Million Menschen . Ein Großteil arbeitet als billige Arbeitskräfte in der Landwirtschaft oder im Bausektor und hat keinen rechtlichen Status, ist Ressentiments ausgesetzt und muss jederzeit mit einer Abschiebung rechnen. Das Erdbeben und die damit zusammenhängende Flüchtlingswelle verschärften die Situation zusätzlich. In den letzten Jahren hat jedoch in der Dominikanischen Republik ein Umdenken stattgefunden, hin zu der Sicht, dass Haiti ein Absatzmarkt für die eigene Produktion ist und dass Beiträge zur Stabilisierung der Verhältnisse in Haiti im eigenen Interesse sind. Das Verhältnis bleibt jedoch schwierig, wie die jüngsten Diskussionen um Importstopps für dominikanische Landwirtschaftserzeugnisse oder die Diskussionen um das Urteil des dominikanischen Verfassungsgerichts zur Nationalität von in der Dominikanischen Republik geborenen Menschen haitianischer Abstammung zeigt.

Beziehungen zu Venezuela und Kuba

Die Nachbarinsel engagiert sich vor und nach den Erdbeben vor allem im medizinischen Bereich, bildet haitianische Ärzte aus und entsendet medizinisches Personal in die Provinz. Im Rahmen eines trilateralen Förderungsabkommens erhält Haiti von Venezuela finanzierte kubanische Ausstattungshilfe mit Schwerpunkt Verbesserung der Energieversorgung.

Venezuela finanziert den Einsatz kubanischer Ärzte in Haiti. Haiti ist dem von Venezuela initiierten Petrocaribe-Abkommen im August 2007 beigetreten. In dessen Rahmen werden von Venezuela langfristige vergünstigte Darlehen auf die von Haiti importierte Erdölmenge gewährt.

Präsident Martelly besuchte Venezuela im Februar 2012 und reiste gemeinsam mit Präsident Chavez zum Gipfeltreffen des sog. ALBA-Bündnisses. Dort genießt Haiti Beobachterstatus; die Umwandlung in eine Vollmitgliedschaft ist wegen außenpolitischer Rücksichtnahme auf andere Partner zurückgestellt worden.

Beziehungen zur Europäischen Union

Die EU ist eingerechnet bilateraler Hilfen ihrer Mitgliedsstaaten der größte Geber Haitis und hatte als solche maßgeblichen Einfluss auf die Erstellung der im November 2007 präsentierten Armutsbekämpfungsstrategie („Document de Stratégie Nationale pour la Croissance et la Réduction de la Pauvreté“). Nach dem Erdbeben von 2010 finanziert die EU umfangreiche Maßnahmen der Humanitären Hilfe und für den Wiederaufbau Haitis.

Seit dem 10. Europäischen Entwicklungsfonds (EEF) konzentrierte sich die Entwicklungszusammenarbeit der EU auf die Bereiche Infrastruktur, Bildung und gute Regierungsführung. Zudem leistet die EU Budgehthilfe von 122 Mio Euro für die Jahre 2013 bis 2016.

Als Mitglied von CARIFORUM verhandelte die haitianische Regierung gemeinsam mit ihren karibischen Partnern die Ausgestaltung des zum 1.1.2008 einseitig seitens der EU in Kraft getretenen Wirtschaftspartnerschaftsabkommens (EPA) mit der EU. Der Ratifizierungsprozess ist noch nicht abgeschlossen.

Von den europäischen Ländern ist Frankreich historisch bedingt der wichtigste Partner Haitis mit vergleichsweise intensivem Besucheraustausch auf politischer und administrativer Ebene.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Stand 06.12.2013

Einreise & Aufenthalt

Auswärtiges Amt

Reise & Sicherheit

Außen- und Europapolitik

Ausbildung & Karriere