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Beziehungen zu Deutschland
Stand: Oktober 2012
Politische Beziehungen
Die bilateralen Beziehungen sind harmonisch. Kanada ist ein wichtiger Freund und Verbündeter auf dem nordamerikanischen Kontinent, der europäischen und deutschen Interessen durch Geschichte und Selbstverständnis aufgeschlossen gegenübersteht. Kanada und Deutschland teilen gemeinsame Werte und Grundüberzeugungen. Dies zeigt sich unter anderem in Afghanistan, auf dem Balkan, in der Dritte-Welt-Politik, in Abrüstungs- und Rüstungskontrollfragen und in den Vereinten Nationen.
Deutschland und Kanada verbindet eine aktive Mitarbeit in internationalen Gremien, vor allem in Fragen der Sicherheit und Abrüstung, der Menschenrechte, bei humanitären Aktionen und bei friedenserhaltenden Maßnahmen. Es liegt im deutschen Interesse, wenn sich Kanada weiterhin als NATO- und OSZE-Mitglied in Europa engagiert.
Die guten Beziehungen dokumentieren sich in der engen Abstimmung zwischen den Außenministerien, die häufig gleichgerichtete Initiativen verfolgen. Beispiele sind das Ottawa-Übereinkommen über das Verbot von Antipersonenminen, die Initiative zur Kontrolle und Nichtverbreitung von Kleinwaffen und leichten Waffen, der Kampf gegen den Missbrauch von Kindern, die Errichtung des Internationalen Strafgerichtshofs in Den Haag sowie das Zusammenwirken bei der Vorbereitung der am 3.12.2008 in Oslo von über 100 Staaten unterschriebenen Konvention zum Verbot von Streumunition und der Schulterschluss in Sachen Iran.
Die Tendenz der gegenseitigen offiziellen Besuche ist steigend. Bundeskanzlerin Merkel stattete Kanada zuletzt im August 2012 einen bilateralen Besuch ab. Bundestagspräsident Lammert hat Kanada in den vergangenen Jahren regelmäßig besucht, zuletzt im September 2012 für die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes an den ehemaligen kanadischen Parlamentspräsidenten Peter Milliken sowie im Oktober 2012 zwecks Teilnahme an der Konferenz der Interparlamentarischen Union in Québec City. Bundesratspräsidentin Kraft besuchte Kanada im September 2011. Außenminister Westerwelle war zuletzt im März 2010 anlässlich des G8-Gipfels in Kanada, mit einem bilateralen Programmteil in Toronto. Ferner gab es Besuche der Bundesminister des Innern, für Wirtschaft und Technologie, der Verteidigung, der Finanzen sowie für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung. Im Mai 2010 war Prime Minister Harper zu Besuch in Deutschland, im April 2012 trafen sich Außenminister Westerwelle und der kanadische Außenminister Baird in Berlin.
Zwischen den Parlamenten besteht über die deutsch-kanadische Freundschaftsgruppe im Bundestag und ihre kanadische Partnergruppe ein regelmäßiger Erfahrungsaustausch. Zuletzt war die kanadische Gruppe im Mai 2012 in Deutschland. Die deutsche Gruppe besuchte Kanada im Oktober 2010.
Einige kanadische Provinzen arbeiten mit deutschen Bundesländern eng zusammen: Ontario mit Baden-Württemberg, Québec mit Bayern, Sachsen und Brandenburg, Alberta mit Sachsen.
Knapp 2,8 Mio. der 34 Mio. Kanadier haben deutsche Wurzeln. Begonnen hat die deutsche Einwanderung nach Kanada vor etwa 300 Jahren. Die deutsche Teilung, die Berlin-Blockade und die Teilung Europas durch den Eisernen Vorhang im Kalten Krieg verbanden Europa und Nordamerika. In der Verteidigung der gemeinsamen Werte demonstrierte Kanada seine Solidarität mit der Bundesrepublik Deutschland. Auf kanadischen Militärstützpunkten in Deutschland haben bis 1993 insgesamt mehr als 300.000 Angehörige der Streitkräfte Dienst getan.
Wirtschaftsbeziehungen
Nach einer Stagnation während der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ist nun wieder ein leichte Dynamik in den bilateralen Handelsbeziehungen spürbar. Insgesamt liegen die deutsch-kanadischen Handelsbeziehungen dennoch weiterhin unter dem Potenzial beider Volkswirtschaften. Die großen kanadischen Rohstoffvorkommen spielen für die Rohstoff- und Energieversorgung Deutschlands bislang nur eine untergeordnete Rolle, werden für den deutschen Markt aber zunehmend interessanter.
Die deutschen Warenexporte nach Kanada stiegen im Jahr 2011 gegenüber dem Vorjahr um 12 Prozent an, die kanadischen Ausfuhren nach Deutschland blieben auf dem Vorjahresniveau. Hauptexportprodukte Deutschlands sind Fahrzeuge und Fahrzeugteile, Maschinen, mechanische und elektrische Geräte, chemische Erzeugnisse, Grundmetalle sowie optische, Mess- und medizinische Geräte. Kanada exportiert nach Deutschland Rohstoffe, Maschinen, mechanische und elektrische Geräte, Mineralprodukte, Fahrzeuge und chemische Erzeugnisse. Deutschland ist der fünftwichtigste Handelspartner Kanadas.
Zwischen Kanada und der Bundesrepublik Deutschland besteht seit 2002 ein Doppelbesteuerungsabkommen. Mit der EU besteht seit 1976 ein Rahmenabkommen, seit 1995 ein Abkommen über wissenschaftlich-technologische Zusammenarbeit und seit 2009 ein Luftfahrtübereinkommen. Über ein umfassendes Wirtschafts- und Handelsabkommen sowie eine Erneuerung des Rahmenabkommens von 1976 wird derzeit verhandelt.
Kulturelle Beziehungen
Den Rahmen der deutsch-kanadischen Kulturbeziehungen bildet das Kulturabkommen von 1975. Die darin vorgesehene Gemischte Kulturkommission trat bisher einmal zusammen, 2001 in Berlin.
Deutsch als Fremdsprache wird auf verschiedene Arten gefördert: durch die Entsendung von (derzeit zwei) Fachberatern der Zentralstelle für das Auslandsschulwesen (ZfA), durch die Entsendung von Lektoren und Gastprofessoren des Deutschen Akademischen Austauschdienstes (DAAD), Assistenten des Pädagogischen Austauschdienstes (PAD) an Universitäten oder unterschiedlichste Projektförderungen im Rahmen der Arbeitsgruppe „Netzwerk Deutsch“, die Deutschlehrerkonferenzen, Austauschaktivitäten, Werbematerialien etc. finanziell unterstützt. Die Deutschen Sprachschulen, die National Heritage Schools, früher auch Samstagsschulen genannt, werden ebenfalls finanziell gefördert. Die Goethe-Institute in Kanada, das GI Toronto und das GI Montreal mit der Außenstelle Ottawa, haben die größten Sprachabteilungen Nordamerikas. Eine Möglichkeit Deutsch zu lernen, besteht darüber hinaus an ausgewählten Schulen und Universitäten. Die letzte Volkszählung ermittelte rund 2,74 Millionen Kanadier mit zumindest teilweise deutschen Vorfahren, davon sprechen knapp eine halbe Million Deutsch als Muttersprache.
In Kanada gibt es zwei deutsche Vollzeitschulen. Es handelt sich zum einen um die Alexander von Humboldt Schule in Montreal, zum anderen um die kleinere Deutsche Schule Toronto. Die Alexander von Humboldt Schule wird mit großen personellen und finanziellen Mitteln aus Deutschland gefördert. Rund 320 Schüler besuchen diese vom Kindergarten bis zum Abitur führende Schule.
Die Deutsche Schule Toronto wurde 2000 gegründet und befindet sich noch in einer Aufbau- und Konsolidierungsphase. Sie bietet derzeit Kindergarten sowie die Klassen 1 bis 8 an. Die Schule soll mittelfristig ebenfalls zum deutschen Abitur führen und zieht in absehbarer Zeit in ein neues und größeres Gebäude um, um mehr Schülern Platz zu bieten.
Der akademische Austausch wird unterstützt durch den DAAD, die Alexander von Humboldt-Stiftung (AvH), die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) sowie zahlreiche Universitätspartnerschaften. Zur Zeit sind über 200 formelle Hochschulpartnerschaften zwischen deutschen und kanadischen Einrichtungen bekannt.
Seit rund 20 Jahren fördert der DAAD in Nordamerika gezielt interdisziplinäre Deutschlandstudien. "German Studies" stand zunächst für ein Programm zur Reform der nordamerikanischen Germanistik, hat sich aber schnell "verselbständigt". Der DAAD unterstützte diesen Prozess mit einer Reihe von Förderinstrumenten aus Mitteln des Auswärtigen Amts (Stipendienvergabe, Vermittlung von German Studies-Dozenten und Förderung einzelner Lehrstühle, Förderung von wissenschaftlichen Konferenzen und Symposien). Das Instrumentarium wurde erweitert, um die Förderung von komplexen Zentren für Deutschlandstudien im europäischen Kontext zu betreiben.
1997 gewann ein Konsortium der York University Toronto und der Université de Montréal den Wettbewerb zur Errichtung des "Canadian Centre for German and European Studies/ Centre Canadien d'études allemandes et européennes". Dieses Zentrum wurde vom DAAD planmäßig 10 Jahre institutionell gefördert; mit Ablauf des Jahres 2006 endete diese Förderung. Die University of Toronto und die University of British Columbia wurden in geringerem Umfang als das Canadian Centre und mit anderen Instrumenten ebenfalls über mehrere Jahre gefördert. In allen Fällen ist bzw. war beabsichtigt, dass die Strukturen auch nach Auslaufen der institutionellen deutschen Förderung weitergeführt werden sollen; die Universitäten sollten Stiftungskapital einwerben und/oder den weiteren Betrieb mit Drittmitteln finanzieren. Ergänzend dazu hat der DAAD im Herbst 2006 erstmals ein neues Förderprogramm für Deutschland- und Europastudien in Kanada ausgeschrieben.
Ebenso unterhält der DAAD in Toronto ein eigenes Informationszentrum mit zwei Mitarbeitern, die kanadaweit Werbung für den Studienstandort Deutschland betreiben.
Seit 2006 ist das sogenannte Youth Mobility Agreement (YMA) zwischen Deutschland und Kanada in Kraft. Hierbei handelt es sich um ein Dachabkommen aller früheren Austauschprogramme für junge Leute. Das YMA ermöglicht es jungen Deutschen und Kanadiern zwischen 18 und 35 Jahren sich bis zu einem Jahr im jeweils anderen Land aufzuhalten. Während des Aufenthaltes ist es den jungen Leuten möglich, für ihren Lebensunterhalt zu arbeiten oder ein Praktikum zu machen. In Kanada wurde das dem Abkommen entsprechende Programm 2010 in "International Experience Canada" umbenannt.
Wissenschaftsbeziehungen
Im Jahr 1971 wurde das deutsch-kanadische Abkommen über wissenschaftlich-technische Zusammenarbeit geschlossen. Seitdem wurden über 500 gemeinsame Projekte realisiert. Anfangs stellten Rohstoffe und Energieforschung die Schwerpunkte der gemeinsamen Arbeit dar, nunmehr sind thematische Schwerpunkte auch Fragen der physikalischen Grundlagenforschung, neuer Materialien und der Meeresforschung. Über die Projektkooperation hinaus engagieren sich die großen deutschen Forschungsinstitutionen in Kanada: In Edmonton ist die Helmholtz-Alberta-Initiative aktiv, deren Hauptaugenmerk gemeinsamen Vorhaben in den Bereichen Energie und Umwelt gilt. Im Rahmen des Besuches von Bundeskanzlerin Merkel in Halifax im August 2012 wurde zwischen der Helmholtz-Gemeinschaft und dem Halifax Marine Research Institute eine Vereinbarung über gemeinsame Aktivitäten auf dem Gebiet der Meeres- und Umweltforschung gezeichnet. Die Max–Planck-Gesellschaft arbeitet mit der University of British Columbia bei der Materialforschung zusammen und die Fraunhofer-Gesellschaft kooperiert mit der University of Western Ontario bei der Entwicklung neuer Materialien für die Kfz-Herstellung.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
