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22. Dezember 1989 – Das Brandenburger Tor ist wieder offen

Kohl und Modrow bei der Eröffnung des Grenzübergangs am Brandenburger Tor, 22.12.89

Kohl und Modrow bei der Eröffnung des Grenzübergangs am Brandenburger Tor, 22.12.89
© AA, Politisches Archiv

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Kohl und Modrow bei der Eröffnung des Grenzübergangs am Brandenburger Tor, 22.12.89

Kohl und Modrow bei der Eröffnung des Grenzübergangs am Brandenburger Tor, 22.12.89

Kohl und Modrow bei der Eröffnung des Grenzübergangs am Brandenburger Tor, 22.12.89

Das Brandenburger Tor ist weltweit bekannt als Symbol der Stadt Berlin. Lange Zeit war es aber auch ein Zeichen für die deutsche Teilung: Es lag unmittelbar an der 1961 errichteten Berliner Mauer. Offizielle Besucher des Berliner Westens wurden hierher geführt, um sich ein Bild von den immer weiter ausgebauten Sperranlagen zu machen. Der amerikanische Präsident Reagan appellierte hier am 12. Juni 1987 an den sowjetischen Parteichef: „Mr. Gorbachev, tear down this wall!“ („Herr Gorbatschow, reißen Sie diese Mauer nieder!“). Niemand ahnte, dass genau das bald Wirklichkeit werden würde.

Schon in der Nacht der Maueröffnung vom 9. auf den 10. November 1989 waren unzählige jubelnde Menschen auf die Mauer am Brandenburger Tor geklettert. Einen offiziellen Grenzübergang gab es hier jedoch noch nicht. Es war also etwas ganz Besonderes, als am 22. Dezember 1989 ein weiterer Grenzübergang am Brandenburger Tor eingerichtet wurde. Tausende Menschen nahmen trotz strömenden Regens an der Zeremonie teil.

Bereits in der Nacht zurvor hatten Angehörige der Grenztruppen der DDR an dieser Stelle die tonnenschweren Betonplatten der Mauer - gekrönt von einer Betonröhre, die das Überklettern erschweren sollte - mit einem Kran beiseite geräumt.

Minutiöse Vorbereitung, fremdelnde Gesprächspartner

In den Akten der Protokollabteilung des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR, die heute das Politische Archiv des Auswärtigen Amts aufbewahrt, hat sich ein Plan für den Ablauf des feierlichen Ereignisses erhalten. Angekündigt waren die Regierungschefs Helmut Kohl und Hans Modrow, zusammen mit einer Reihe amtierender und ehemaliger politischer Größen. 

Die Zeremonie wurde minutiös vorbereitet, doch war man sich erkennbar noch recht fremd: Bundesaußenminister Hans-Dietrich Genscher erhielt im Plan des Protokolls versehentlich nicht seinen vollen Vornamen. Fehler gab es auch bei den ehemaligen Bundespräsidenten Walter Scheel und Karl Carstens.

Der Ablaufplan sah vor, dass die Teilnehmer gleichzeitig von beiden Seiten zum Grenzübergang gehen sollten. Tatsächlich aber durchschritten Bundeskanzler Helmut Kohl und der Regierende Bürgermeister Walter Momper als erste das Tor in Richtung Osten, wo sie von Ministerpräsident Modrow und Oberbürgermeister Erhard Krack begrüßt wurden.

Botschaft des Friedens und der Freiheit

Auf der westlichen Seite des Tors hatte man ein großes Podest errichtet, um bessere Sichtverhältnisse auch für die zahlreich angereisten Kamerateams und Fotografen zu schaffen. Bei den anschließenden Ansprachen äußerte sich der Bundeskanzler sichtlich bewegt: Dies sei eine der glücklichsten Stunden seines Lebens. Kohl fügte hinzu:

Von diesem Platz aus geht die Botschaft aus der DDR und aus der Bundesrepublik Deutschland: Wir wollen Frieden, wir wollen Freiheit, wir wollen unseren Beitrag zum Frieden in Europa und in der Welt leisten.

Das Brandenburger Tor, das dunkle Stunden wie die nationalsozialistischen Aufzüge und die Teilung Berlins erlebt hatte, ist seitdem auch ein Symbol für Frieden und Freiheit.

Weitere Informationen

Ablaufplan des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten der DDR für die Grenzöffnugnszeremonie am Brandenburger Tor, 22.12.1989

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Stand 22.12.2014

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