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Julikrise 1914: Ein Ultimatum und eine unerwartete Antwort

Auf dem Höhepunkt der Julikrise 1914 stellte Österreich-Ungarn ein Ultimatum an Serbien - so zugespitzt, dass mit einer Ablehnung zu rechnen war. Die Antwort Serbiens vom 25. Juli 1914 ging dennoch auf die meisten Forderungen ein. Kaiser Wilhelm II. kommentierte daraufhin, dass er nun keinen Kriegsgrund mehr erkennen könne - am selben Tag erklärte Österreich-Ungarn jedoch Serbien bereits den Krieg.

Bildpostkarte von 1915: Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I.

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© dpa/picture alliance

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Bildpostkarte von 1915: Kaiser Wilhelm II. und Kaiser Franz Joseph I.

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Nach dem Attentat auf den österreichisch-ungarischen Thronfolger Franz Ferdinand und seine Frau in Sarajewo sah sich die Donaumonarchie in ihrem Status als Großmacht herausgefordert: Österreich-Ungarn war überzeugt, dass das Nachbarland Serbien hinter dem Übergriff stehe. Eine tatsächliche Beteiligung oder Mitwisserschaft der serbischen Regierung war allerdings unbewiesen. 

In Wien entschied man sich dennoch für ein hartes Ultimatum an Serbien - dessen Ablehnung war vorherzusehen und durchaus erwünscht. Es war zwar wahrscheinlich, dass die Großmacht Russland zugunsten Serbiens in den Konflikt eingreifen würde. Andererseits hatte Österreich-Ungarn aus Berlin den sogenannten Blankoscheck erhalten: Die Erklärung des deutschen Kaisers, "im Einklang mit seinen Bündnisverpflichtungen und seiner alten Freundschaft treu an der Seite Österreich-Ungarns [zu] stehen."

Kaiser kann keinen Kriegsgrund mehr erkennen

Dann geschah etwas Unerwartetes: Die serbische Antwort auf das Ultimatum ging überraschend auf die meisten Forderungen ein; nur die direkten Ermittlungen durch österreichisch-ungarische Beamte auf serbischem Staatsgebiet wurden abgelehnt. 

Der deutsche Kaiser Wilhelm II. erhielt die Kopie der serbischen Antwortnote am 28. Juli 1914. Darauf notierte er: "Ein großer moralischer Erfolg für Wien; aber damit fällt jeder Kriegsgrund fort... Daraufhin hätte ich niemals Mobilmachung befohlen!" Noch am selben Tag erklärte Österreich-Ungarn jedoch Serbien bereits den Krieg.

Kriegserklärung setzt Kettenreaktion in Gang

Die Kriegserklärung setzte eine tragische Kettenreaktion in Gang: Russland befahl die Mobilmachung seiner Truppen - dadurch fühlte sich Deutschland bedroht und erklärte Russland am 1. August den Krieg. Am 3. August ging eine weitere deutsche Kriegserklärung an das mit Russland verbündete Frankreich. Als das deutsche Heer bei seinem Angriff auf Frankreich dem Plan des früheren Generalstabschefs Alfred Graf von Schlieffen folgte und auf das Gebiet des unbeteiligten Belgiens vordrang, sah sich auch Großbritannien herausgefordert - der europäische Krieg, der nach und nach zum Weltkrieg wurde, hatte begonnen.


Stand 22.07.2014

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