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Das Attentat von Sarajewo

Am 28. Juni 1914 werden der Thronfolger Österreich-Ungarns, Erzherzog Franz-Ferdinand, und seine Frau in Sarajewo ermordet - das Attentat löst die Julikrise aus, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führt. Der deutsche Botschafter in Wien schickt einen Bericht über das Attentat nach Berlin, der von Kaiser Wilhelm II. handschriftlich kommentiert wird. Heute liegt das Schriftstück im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts.

Erzherzog Franz-Ferdinand und seine Frau Sophie sind kurze Zeit nach einem Treffen mit dem deutschen Kaiser Wilhelm II. in der bosnischen Hauptstadt angekommen, um den Abschluss eines Manövers der österreichischen Streitkräfte in Bosnien zu besuchen. Bei ihrer Fahrt durch die Innenstadt von Sarajewo feuert ein Attentäter auf das Thronfolgerpaar; Franz-Ferdinand und Sophie sterben an den Folgen ihrer Schussverletzung.

Botschafter warnt vor "übereilten Schritten"

Bericht des deutschen Botschafters in Wien mit Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.

Bericht des deutschen Botschafters in Wien mit Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.
© AA

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Bericht des deutschen Botschafters in Wien mit Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.

Bericht des deutschen Botschafters in Wien mit Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.

Bericht des deutschen Botschafters in Wien mit Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II.

In Österreich ist man über die Ermordung des Thronfolgers entsetzt. Am 30. Juni 1914 schreibt der deutsche Botschafter in Wien, Heinrich von Tschirschky und Bögendorff, an den Reichskanzler. 

Der Botschafter berichtet, es deute alles darauf hin, "dass die Fäden der Verschwörung (...) in Belgrad zusammenliefen": Serbien soll für die Rekrutierung und Ausrüstung der Täter verantwortlich sein. Von Tschirschky habe in seinem österreichischen Umfeld den Wunsch gehört, nun "einmal gründlich" mit den Serben abzurechnen. Er selbst warnt jedoch "ruhig, aber sehr nachdrücklich und ernst vor übereilten Schritten". Kaiser Wilhelm II. teilt die Einschätzung des Botschafters offensichtlich nicht - er kommentiert das Schreiben handschriftlich: "Das ist sehr dumm! (...) Mit den Serben muss aufgeräumt werden."

Auslöser der Julikrise

Und so geschieht es: Das Attentat von Sarajewo löst die sogenannte "Julikrise" in Europa aus. Das österreichische Militär drängt zu einem Vergeltungsschlag gegen Serbien. Der deutsche Reichskanzler Theobald von Bethmann-Hollweg sichert Österreich die uneingeschränkte Bündnistreue zu - das kommt einem Freibrief für einen Krieg gegen Serbien gleich. Was dann folgt, ist eine Serie von Ultimaten und Kriegserklärungen, die schließlich zum Ersten Weltkrieg führen - der "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts".

Der Bericht des deutschen Botschafters liegt noch heute im Politischen Archiv des Auswärtigen Amts und ist Zeuge der folgenschweren Ereignisse und Entscheidungen im Sommer 1914.

Bericht des deutschen Botschafters Heinrich von Tschirschky mit Randbemerkungen Kaiser Wilhelms II. (Original) (PDF, 2 MB)

Bericht des deutschen Botschafters mit Randbemerkungen (Druckversion aus: Kautsky, Die deutschen Dokumente zum Kriegsausbruch 1914) (PDF, 565 KB)


Stand 21.02.2014

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