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Außenpolitik in historischer Verantwortung

Die Bundesregierung bekennt sich zur historischen Verantwortung Deutschlands für den Holocaust. Daraus erwächst eine besondere Beziehung und Verpflichtung gegenüber dem Staat Israel und den Juden in aller Welt. Es gilt, die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren und eingedenk dessen die Zukunft zu gestalten. 

Die Bundesregierung fördert jüdisches Leben in Deutschland und darüber hinaus. In Deutschland hat es in den letzten Jahrzehnten eine erfreuliche Renaissance jüdischen Lebens gegeben. Die israelische Tageszeitung Ha'aretz bezeichnete die jüdischen Gemeinden in Deutschland als die dynamischsten der Welt. Auch immer mehr junge Jüdinnen und Juden aus Israel, den USA und anderen Teilen der Welt besuchen Deutschland als Touristen, zum Studium oder um hier zu arbeiten und zu leben. Die Pflege enger Kontakte zu jüdischen Organisationen in der ganzen Welt ist wichtiger Bestandteil deutscher Außenpolitik. 

Besonderes Verhältnis Deutschlands zu Israel

Die Außenpolitik Deutschlands steht im Bewusstsein der historischen Verantwortung. Diese prägt das deutsch-israelische Verhältnis. Dabei stellt die Verantwortung Deutschlands für die Existenz Israels einen zentralen Bestandteil der deutschen Außenpolitik dar. Als Ausdruck der besonderen Qualität der deutsch-israelischen Beziehungen finden seit 2008 regelmäßig deutsch-israelische Regierungskonsultationen statt. Zuletzt fanden die vierten Regierungskonsultationen im Dezember 2012 in Berlin statt. Die nächsten sind 2014 in Israel vorgesehen.

Die 4. Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen in Berlin

Die 4. Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen in Berlin
© picture alliance / dpa

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Die 4. Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen in Berlin

Die 4. Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen in Berlin

Die 4. Deutsch-Israelischen Regierungskonsultationen in Berlin

Die deutsch-israelischen Beziehungen sind auch darüber hinaus sehr vielfältig und eng. Es gibt eine breite Zusammenarbeit in Wissenschaft, Forschung und Technologie. Enge Kontakte bestehen zwischen den reichhaltigen Kulturszenen in Deutschland und in Israel. Zahlreiche Austauschprogramme und eine Vielzahl von Partnerschaften zwischen Städten, Gemeinden und Bildungseinrichtungen gehören ebenfalls dazu. Eine Übersicht über deutsch-israelischen Austausch und Begegnung finden Sie hier.

Mehr zu den deutsch-israelischen Beziehungen

Beziehungen zu jüdischen Organisationen

Das Auswärtige Amt hat den besonderen Stellenwert der Beziehungen zu den jüdischen Organisationen durch die Benennung einer Sonderbeauftragten im Jahr 2006 unterstrichen. Die Arbeit der Sonderbeauftragten hat drei Schwerpunkte: Sie ist erstens Ansprechperson für jüdische Organisationen, die vor allem auf außenpolitischem Gebiet aktiv sind. Sie ist zweitens Ansprechpartnerin für ausländische Organisationen zu Fragen der Holocaust-Erinnerung. Dritter Schwerpunkt ist die Förderung von Maßnahmen, um Antisemitismus überall wirksam zu bekämpfen. Besonderes Augenmerk wird bei der Arbeit auf die junge Generation gelegt.

Jüdische Organisationen engagieren sich als Akteure und Mittlerorganisationen weltweit. Damit sind sie für die Anliegen der deutschen Außenpolitik wichtige Gesprächs- und Projektpartner. Es besteht ein intensiver Austausch zu zahlreichen Themen: Kulturerhalt und Erinnerungskultur, Menschenrechte, Jugendaustausch, Nahost-Friedensprozess, Nichtverbreitung von Massenvernichtungswaffen und Transformationsprozesse in der Arabischen Welt sind nur einige davon.

Enge Kontakte zu amerikanisch-jüdischen Vereinigungen

In den letzten Jahren hat das Interesse vor allem amerikanisch-jüdischer Organisationen an Deutschland deutlich zugenommen. Es bestehen zahlreiche hochrangige Kontakte. Das gestiegene Interesse entsteht auch aus der Anerkennung, die Deutschland für sein enges Verhältnis zu Israel und seinem Verantwortungsbewusstsein im Umgang mit dem Holocaust und nationalsozialistischer Herrschaft erfährt. 

Der deutsch-amerikanisch-jüdische Dialog hat auch eine transatlantische Dimension. Beteiligt an diesem in die Zukunft gerichteten Dialog sind neben Organisationen, Regierungsmitgliedern und Abgeordneten auch zahlreiche deutsche und amerikanische Privatpersonen. Aufgrund ihres Interesses an Deutschland, auch und gerade am modernen Deutschland von heute, sind sie ein wichtiger Brückenbauer in den transatlantischen Beziehungen.

Begegnungsprogramme für die Jugend

Gestiegenes Interesse zeigen auch junge Juden aus Israel, den USA und anderen Ländern an Deutschland. Privat oder durch Begegnungsprogramme kommen sie nach Deutschland, um sich ein eigenes Bild nicht nur von Deutschlands Umgang mit der Shoah sondern auch von der deutschen Gegenwart und dem heutigen jüdischen Leben in Deutschland zu machen. 

Besuch im Auswärtigen Amt

Besuch im Auswärtigen Amt
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Besuch im Auswärtigen Amt

Besuch im Auswärtigen Amt

Besuch im Auswärtigen Amt

So haben im Rahmen des Programms "Germany Close Up - American Jews meet Modern Germany"  mehr als 1.000 junge amerikanische Juden - Studenten und junge Berufstätige - seit der Gründung des Programms 2007 Deutschland besucht. Geschätzte über 90 Prozent von ihnen waren noch nie zuvor in Deutschland. Teilweise sind sie überhaupt die ersten in ihrer Familie, die nach dem Zweiten Weltkrieg nach Deutschland reisen. Es sind eindrückliche und überwiegend positive Erfahrungen, die viele von ihnen in diesen zwei Wochen im Deutschland von heute machen. 

In Zusammenarbeit mit den deutschen Vertretungen in den USA finden regelmäßig Alumni-Veranstaltungen statt. Die Finanzierung des Programms erfolgt über das Transatlantikprogramm der Bundesregierung aus den Mitteln des European Recovery-Program.

Mehr zum Programm "Germany Close Up - American Jews meet Modern Germany"

4. Alumni-Treffen in New York im Dezember 2012 (Englisch)

Erinnerung an den Holocaust bewahren

Es ist für Deutschland ein wichtiges Anliegen, das Wissen um und die Erinnerung an den Holocaust zu bewahren und daraus Lehren für zukünftige Generationen zu ziehen. 

Deutschland unterstützt daher die Stiftung Gedenkstätte Auschwitz, die einen Kapitalstock einwerben will, um daraus langfristig den Erhalt der Gedenkstätte des ehemaligen Vernichtungslagers Auschwitz in Polen zu finanzieren. Von den angestrebten 120 Millionen Euro an Kapitalstock hat Deutschland mit 60 Millionen Euro den größten Teil zugesagt. Er wird hälftig von Bund und Ländern in jährlichen Raten seit 2011 bis 2015 eingezahlt.

Das Auswärtige Amt engagiert sich außerdem in verschiedenen anderen international besetzten Gremien. So etwa in der International Holocaust Remembrance Alliance (ehem. Task Force for International Cooperation on Holocaust Education, Remembrance and Research), deren Ständiges Sekretariat sich in Berlin befindet. Deutschland verfügt neben Israel über die vielfältigsten Programme der Holocaust-Bildung. Es kann daher einiges zur Arbeit der Alliance beitragen, gleichzeitig aber auch vom Austausch mit den anderen Mitgliedsländern lernen. Die Alliance widmet sich auch der Frage, wie durch Bildungsarbeit zur Genozidprävention beigetragen werden kann.

Im international besetzten Kuratorium der Stiftung "Erinnerung, Verantwortung und Zukunft" ist das Auswärtige Amt ebenfalls vertreten. Die Stiftung, die auch mit Bundesmitteln gegründet wurde, fördert Projekte, die sich für die Opfer des Nationalsozialismus engagieren. Ein weiteres Anliegen ist, die Geschichte der nationalsozialistischen Zwangsarbeit dauerhaft in der europäischen Erinnerung zu verankern und die Erfahrungen der Opfer zu vermitteln.  

Sam Widawsky (Überlebender), Allan Jacobs (BBI Präsident), David Widawsky (2. Generation), Leora Klein (3. Generation), Generalkonsul Busso v. Alvensleben (v.l.) bei der Veranstaltung in New York (v.l.)

Sam Widawsky (Überlebender), Allan Jacobs (BBI Präsident), David Widawsky (2. Generation), Leora Klein (3. Generation), Generalkonsul Busso v. Alvensleben (v.l.) bei der Veranstaltung in New York
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Sam Widawsky (Überlebender), Allan Jacobs (BBI Präsident), David Widawsky (2. Generation), Leora Klein (3. Generation), Generalkonsul Busso v. Alvensleben (v.l.) bei der Veranstaltung in New York (v.l.)

Sam Widawsky (Überlebender), Allan Jacobs (BBI Präsident), David Widawsky (2. Generation), Leora Klein (3. Generation), Generalkonsul Busso v. Alvensleben (v.l.) bei der Veranstaltung in New York

Sam Widawsky (Überlebender), Allan Jacobs (BBI Präsident), David Widawsky (2. Generation), Leora Klein (3. Generation), Generalkonsul Busso v. Alvensleben (v.l.) bei der Veranstaltung in New York

Am internationalen Tag des Holocaust, dem 27. Januar als Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz im Jahr 1945, finden weltweit Gedenkveranstaltungen statt. Im Jahr 2012 fand beispielsweise eine gemeinsam von der deutschen Vertretung in New York und der jüdischen Organisation B'nai B'rith International organisierte Veranstaltung statt, bei der sowohl Überlebende der Shoah als auch Angehörige der zweiten und dritten Generation zu Wort kamen. 

Außerdem werden zahlreiche Projekte der Holocaust-Erinnerung gefördert. So unterstützt das Auswärtige Amt das "New Acquisitions Preservation Project" zur Aufarbeitung von Nachlässen beim Leo Baeck Institut in New York mit insgesamt 2,5 Millionen Euro für den Zeitraum von 2009 bis 2013.

Zudem fördert das Auswärtige Amt ein Projekt, mit dem wichtige Zeugnisse der deutschsprachigen jüdischen Kultur in Israel gerettet werden sollen. Jüdische Autoren, Wissenschaftler und Intellektuelle aus Deutschland, die während der NS-Zeit ins Exil gezwungen wurden, fanden in Israel eine neue Bleibe. Sie konnten in vielen Fällen ihre deutschsprachigen Bibliotheken, Sammlungen und Manuskripte retten und in Israel neue Sammlungen aufbauen. Nach dem Tod der ersten Immigrantengeneration werden diese oft aufgelöst und finden sich beispielsweise auf Antiquariatsmärkten wieder. In einem gemeinsamen Pilotprojekt des Deutschen Literaturarchivs Marbach mit dem Rosenzweig Minerva Research Center der Universität Jerusalem sollen erste Schritte zur Bewahrung dieser wichtigen Zeugnisse eingeleitet werden. Das Auswärtige Amt unterstützt das Projekt, dessen erste Projektphase am 1. Oktober 2012 begann, mit 100.000 Euro.

Lesen Sie auch den Artikel des deutschen Botschafters in Israel zum israelischen Gedenktag für die Opfer des Holocaust vom 19. April 2012

Projekte zu Mittelosteuropa und der ehemaligen Sowjetunion

Auch in Mittelosteuropa und den Staaten der ehemaligen Sowjetunion unterstützt Deutschland Projekte zur Holocaust-Erinnerung, wie etwa die Konzeption des Museums der polnischen Juden in Warschau. 2012 hat das Auswärtige Amt zudem eine Ausstellung der Berliner Gedenkstätte "Topographie des Terrors" im Hauptgebäude der Vereinten Nationen in New York zum Ghetto Łodz/Litzmannstadt gefördert.

Ein mehrjähriges Pilotprojekt unterstützt eine Initiative bei der Konservierung von fünf Massenerschießungsstätten in der Ukraine mit dem Ziel, das Projekt langfristig in lokale Verantwortung zu übergeben. Ein zweites Projekt in Kooperation mit "Yahad - in unum" unterstützt Zeitzeugenbefragungen zum Holocaust in mehreren Staaten der ehemaligen Sowjetunion.

Unterstützung für "Yad Vashem"

Der Holocaust-Gedenkstätte "Yad Vashem" in Jerusalem kommt eine zentrale Bedeutung für das Gedenken an und die Dokumentation des Holocaust zu. Bereits seit langem fördert die Bundesregierung die Arbeit der Gedenkstätte. Außenminister Westerwelle unterzeichnete im Februar 2012 in Israel ein Abkommen mit der dortigen Regierung. Es sieht die finanzielle Förderung der Gedenkstätte für den Zeitraum von 2012 bis 2021 mit zehn Millionen Euro vor. Damit sollen die von Yad Vashem geleistete pädagogische Arbeit sowie die Archivarbeit der Gedenkstätte unterstützt werden. Hierbei geht es zum Beispiel darum, Dokumente zum Holocaust in der ehemaligen Sowjetunion, Mittel- und Osteuropa, Deutschland und anderen Teilen Europas zu erfassen. Die Dokumente sollen dann auch digitalisiert und somit weltweit im Internet verfügbar gemacht werden.

Deutsch-israelisches Abkommen über die finanzielle Förderung von Yad Vashem, 1. Februar 2012 (PDF, 5 MB)

"Yad Vashem"

Entschädigung für erlittenes NS-Unrecht

Weiteres wichtiges Thema in den deutsch-jüdischen Beziehungen ist die Entschädigung für unter dem NS-Regime erlittenes Unrecht. Der moralischen und finanziellen Wiedergutmachung hat die Bundesregierung von Anfang an eine besondere Priorität eingeräumt. So verpflichtete sich Deutschland 1952 im Luxemburger Abkommen, gesetzliche Regelungen zur Rückerstattung von Vermögen und Entschädigung von Holocaustopfern zu schaffen. Auch heute noch stellt sie sich der Aufgabe, Wiedergutmachung zu leisten. Am 15. November 2012 wurde der 60. Jahrestag des Luxemburger Abkommens begangen. Weitere Informationen zur Wiedergutmachung finden Sie hier.

Weltweite Bekämpfung des Antisemitismus

Deutschland sieht sich aufgrund seiner Geschichte in besonderer Weise verpflichtet, allen antisemitischen Tendenzen im Ansatz entgegenzutreten. Die Bekämpfung des Antisemitismus ist daher nicht nur eine innenpolitische Aufgabe sondern sie spielt auch in außenpolitischen Diskussionen eine Rolle. 

Bei der wirksamen Bekämpfung von Antisemitismus ist die frühe Förderung von gesellschaftlichen und politischen Kräften, die sich dem Zusammenhalt der Gesellschaft widmen, wesentlich. Das Auswärtige Amt unterstützt daher auch in diesem Bereich Projekte im Ausland. 

Deutschland engagiert sich international vor allem im Rahmen der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE).

Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE)

Weitere Informationen

Artikel zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus für Kinder

Artikel zum Gedenktag an die Opfer des Nationalsozialismus für Jugendliche


Stand 08.11.2013

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