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Frankreich

Wirtschaft

Stand: März 2015

Grundlagen der Wirtschaftspolitik

Frankreich, die sechstgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Es verfügt über eine breit aufgestellte, modern ausgerichtete Volks­wirtschaft. Der Staat bleibt mit lenkendem Einfluss in der Wirtschafts- und Industrie­politik engagiert. Das zeigt sich unter anderem bei der Unterstützung der industriellen Entwicklung und der Förderung von Innovationsanstrengungen, Forschung und Entwicklung.

Die wichtigsten Leistungsträger der französischen Wirtschaft und des Außenhandels sind die Großunternehmen des Börsenindex CAC 40, die international erfolgreich und auch für ausländische Investoren interessant sind; über 50 Prozent der CAC 40 Unternehmensanteile sind in ausländischem Besitz. Hingegen ist der KMU-Bereich im Vergleich zu Deutschland sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl der Unternehmen als auch bezüglich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit trotz Anstrengungen zur Stärkung dieses Bereichs weniger präsent.

Besondere Stärken der französischen Wirtschaft sind Dienstleistungen/Tourismus, daneben die Branchen Luftfahrt, Energie, Landwirtschaft und Ernährung, Luxusartikel, pharmazeutische Produkte, Chemie und Elektronik.

Zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit und als Anreiz für mehr Beschäftigung sollen die Unternehmen bis 2017 durch die „Steuergutschrift für Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung“ (CICE) und den Anfang 2014 von der Regierung ins Leben gerufenen „Verantwortungs- und Solidaritätspakt“ („Pacte de Responsabilité et de Solidarité“) um bis zu 41 Mrd. EUR entlastet werden.

Noch vor der Sommerpause 2015 soll das „Gesetz für Wachtsum und Aktivität“ („Loi pour la croissance et l’activité“) verabschiedet werden, das ein Maßnahmenpaket zur Öffnung, Liberalisierung und Vereinfachung der Wirtschaft enthält (z.B. Liberalisierung des Fernbusverkehrs, Ladenöffnungen an bis zu zwölf Sonntagen im Jahr, Reform der Arbeitsgerichtsverfahren).  

Bis zum Ende der Legislaturperiode 2017 sollen zudem der soziale Dialog reformiert und der Vertrag über die Arbeitslosenversicherung erneuert werden.


Aktuelle Wirtschaftslage

Das Wirtschaftswachstum betrug 2012 und 2013 je 0,3 %. Für 2014 wird ein Wachstum von 0,4 % erwartet, für 2015 von 1,0 %. Die Arbeitslosenquote beträgt Ende 2014 10,3 % – bei unter 25-Jährigen rund 25 %.

Das Haushaltsdefizit 2012 in Höhe von 4,9 % wurde 2013 auf 4,3 % zurückgeführt. Im Jahr 2014 soll das Defizit noch 4,4% betragen. Die Erreichung des Defizitziels von 3% wurde von 2015 auf 2017 verschoben. Im Haushalt 2015 sind Einsparungen (gegen den Anstiegstrend) in Höhe von 21 Milliarden Euro vorgesehen.

Das Außenhandelsdefizit 2014 betrug 53,8 Milliarden Euro (zum Vergleich: 2013 61,2 Milliarden Euro). Die stärksten Exportbranchen sind die Hochtechnologie (Luft- und Raumfahrt), die metallverarbeitende sowie die pharmazeutische Industrie, Luxusgüter (Textilien, Accessoires, Kosmetik) und Agrarprodukte.

Deutschland war auch 2013 wichtigster bilateraler Handelspartner Frankreichs (Handelsvolumen 2013: rund 157 Milliarden Euro, 2012: rund 161 Milliarden Euro).
Weitere wichtige Handelspartner Frankreichs sind die VR China, Italien, Belgien/Luxemburg, Spanien, Großbritannien und die USA.


Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

Frankreich zählt zu den Staaten mit einem hohen Regulierungsniveau des Arbeitsmarktes und hochentwickelten Systemen der sozialen Sicherheit.

Die zahlreichen Sozialversicherungssysteme bieten (als allgemeines System oder als Sondersysteme) umfassende Leistungen für nahezu die gesamte Bevölkerung in Bezug auf Krankheit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Alter, Mutterschaft und Familie. Dies gilt in besonderem Maße für die medizinische Versorgung und für Leistungen an Familien. Auch die Leistungen der Altersversorgung liegen zum Teil über dem Niveau vergleichbarer Staaten in Europa. Vor allem aufgrund der Haushaltslage wurden einschneidende Sparmaßnahmen vorgenommen bzw. eingeleitet,  so die Rentenreformen von 2011 und von 2014.. Die Reform von 2011 umfasst im Wesentlichen die schrittweise Anhebung (bis 2018) des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre, die Erhöhung der Mindestbeitragszeit auf 41,5 Jahre und die Anhebung der Altersgrenze für den abschlagsfreien Rentenbezug ab 2016 bis 2023 von 65 auf 67 Jahre. Langjährig Versicherte können aufgrund einer Neuregelung seit November 2012 bei Erfüllung der erforderlichen Beitragszeit ihre Rente bereits mit 60 Jahren beziehen. Zur weiteren Konsolidierung der Finanzlage der allgemeinen Rentenversicherung wurden mit dem Reformgesetz vom 20. Januar 2014 Beitragserhöhungen und eine schrittweise Verlängerung Mindestbeitragszeit auf 43 Jahre bis 2035 sowie zum Härteausgleich die Anrechnung von physisch belastenden Arbeitsbedingungen in Form eines persönlichen Punktekontos vorgesehen.

Die Arbeitslosigkeit betrug lt. Angaben des nationalen Statistikinstituts INSEE (ILO-Berechnungsmethode) im 4. Quartal 2013 10,2 Prozent (inkl. Übersee­gebiete) bzw. 9,8 Prozent (ohne Überseegebiete). Ende  Oktober 2014 waren ca.  3,4 Millionen Menschen arbeitslos gemeldet (mit Überseegebieten: 3,7 Millionen). Hauptbetroffene sind ältere Arbeitnehmer über 50 Jahre, junge Menschen unter 25 Jahren und Langzeitarbeitslose.

Wichtige Elemente der französischen Arbeitsmarktregelungen sind der allgemeine Mindest­lohn SMIC (seit 1. Januar 2014: 9,53 Euro brutto pro Stunde, d.h. ein Bruttomonatslohn von 1.445,38 Euro bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden) und die 35-Stunden-Woche. Das Wiedereingliederungseinkommens RSA (revenu de solidarité active) für Bedürftige im Falle von Langzeit­arbeitslosigkeit oder unzureichendem Erwerbseinkommen wird seit Herbst 2010 unter bestimmten Voraussetzungen auch jungen Erwerbslosen (unter 25 Jahren) gewährt. Damit sollen zusätzliche Anreize zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer Beschäftigung geschaffen werden.

Im Rahmen des von Präsident Hollande ins Leben gerufenen neuen sozialen Dialogs wurden bei so genannten Großen Sozialkonferenzen im Juli 2012, im Juni 2013 und im Juli 2014 von Arbeitnehmern und –gebern Reformen beschlossen. Eine der Konkretisierungen dieses Dialogs der Regierung mit den Sozialpartnern ist das Gesetz vom 14. Juni 2013, mit dem die Sozialpartnervereinbarung vom 11. Januar 2013 zur Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigungssicherung umgesetzt wurde.


Familienpolitik und Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die demografische Entwicklung Frankreichs ist vergleichsweise günstig, wenn auch leicht rückläufig. Die Geburtenziffer liegt 2013 bei 1,99 (INSEE; 2010: 2,03). Das sind ca. 810.000 Geburten pro Jahr (INSEE: 2013).

Regelungen zum Erziehungsurlaub und ein Netz von Kinderbetreuungseinrichtungen erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Erziehungsurlaub in Form einer Unterbrechung oder Reduzierung der Erwerbstätigkeit beträgt ein Jahr und kann auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Eine Neuregelung von 2014 sieht die hälftige Aufteilung des Erziehungsurlaubs auf beide Elternteile vor. Betreuungsmöglichkeiten werden für Kinder ab drei Monaten angeboten. Kleinkinder können in kommunalen Kinderkrippen, privaten Einrichtungen oder durch Tagesmütter betreut werden. 3-bis 5-jährige Kinder werden in Vorschulkindergärten (école maternelle) betreut und auf die Schule vorbereitet. In den Grundschulen und den weiterführenden Schulen gibt es ganztägig Unterricht bzw. Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung.

 Die Förderung der Familien erfolgt durch Geldleistungen und durch eine entsprechende steuerliche Behandlung. Die Palette der Familienleistungen umfasst neben Leistungen für alle Familien auch einkommensabhängige Beihilfen. Das allgemeine monatliche Kindergeld wird allen Familien, allerdings erst ab dem zweiten Kind gezahlt. Einkommensabhängig sind unter anderem die Geburtsprämie, das Kleinkindergeld, Leistungen für Familien mit drei und mehr Kindern sowie Zusatzleistungen wegen Betreuungskosten.  Durch besondere steuerrechtliche Regelungen werden Familien, insbesondere ab drei Kindern, begünstigt. Ab Juli 2015 wird das monatliche Kindergeld für Besserverdienende verringert.

Diese Familienpolitik wirkt sich auf die Erwerbstätigkeit von Eltern aus. So lag beispielsweise im Jahr 2012 die Erwerbstätigenquote der Mütter mit zwei Kindern über drei Jahren bei 87 %, die der Väter mit zwei Kindern über drei Jahren bei95%. Der Anteil der Teilzeit arbeitenden Mütter  nimmt mit der Anzahl der Kinder zu.


Agrarsektor

Agrarpolitik ist traditionell für Frankreich von großer Bedeutung und erfährt anhaltendes Interesse von Seiten der französischen Öffentlichkeit. Mit 3,9 Prozent der Land- und Ernährungswirtschaft am Bruttoinlandsprodukt ), 515.000 landwirtschaftlichen Betrieben und über 800.000 Beschäftigten ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor in Frankreich. Mit Exporten von 60 Mrd. Euro und einem Handelsüberschuss von 11,6 Mrd. Euro leistete die Land- und Ernährungswirtschaft unter den Wirtschaftssektoren 2013 den größten Beitrag zur Minimierung des französischen Außenhandelsdefizits.

In der EU ist die französische Landwirtschaft mit einem Produktionsanteil von 18 % zwar weiterhin der größte Produzent, sie hat jedoch in wichtigen Bereichen wie Fleisch, Obst und Gemüse in den letzten Jahren Marktanteile im Inland und auf Exportmärkten verloren. Ein viel diskutiertes Thema ist deshalb die Wettbewerbsfähigkeit der Land- und Ernährungswirtschaft.

Einen Schwerpunkt der Politik des Landwirtschaftsministeriums bildet die bessere Vereinbarkeit von Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft. Unter dem Begriff der Agroökologie hat die Regierung in Abstimmung und in Kooperation mit, Regionalverwaltungen, Forschungseinrichtungen, Agrarverbänden und anderen Nicht-Regierungsorganisationen einen Aktionsplan zur Anpassung von Ausbildung, Beratung, Forschung und Förderanreizen gestartet. Bei der Umsetzung der 2013 vereinbarten Reform der Gemeinsamen Agrarpolitik stellt Frankreich die Arbeitsplatzsicherung in der Landwirtschaft und die Stärkung der Tierhaltung in den Mittelpunkt. Frankreich nutzt in hohem Maße vorhandene Spielräume zur Umverteilung von Direktzahlungen, um kleinere Betriebe zu unterstützen und um Tierhaltungsbetriebe zulasten der Ackerbaubetriebe zu fördern. Dabei schöpft es die Obergrenze für produktionsgekoppelte Direktzahlungen voll aus.

Im Zuge der fortschreitenden Liberalisierung der Agrarmärkte und volatiler Weltmarktpreise tritt Frankreich sowohl in der Gemeinsamen Agrarpolitik wie auch international für Mechanismen zur Verbesserung der der Markttransparenz und zur Absicherung gegen zu starke Preisschwankungen ein.


Verkehrswesen

Die französische Infrastruktur ist gut, in Ballungsgebieten und industriellen Zentren sehr gut. Frankreich verfügt über ein weit verzweigtes, qualitativ hervorragendes Fernstraßennetz und über ein im Vergleich mit Deutschland zwar weniger dichtes, aber neuwertigeres - zu großen Teilen privat finanziertes - Autobahnnetz. Die geplante Einführung einer Abgabe für Schwerlast-Verkehr („Ecotaxe“) wurde Ende 2014 wieder zurückgenommen. 

Bei der Elektromobilität hält die Regierung an dem sehr ehrgeizigen Ziel fest, bis 2020 in Frankreich 2 Mio. E-Fahrzeuge in Betrieb zu nehmen.

Das französische Netz von Hochgeschwindigkeits-Eisenbahnen ist das größte in Europa und wird weiter ausgebaut. 2011 ging die TGV-Verbindungstrasse (140 km) Rhein-Rhône in Betrieb. Sie verkürzt die Fahrtzeit für die Strecke Straßburg-Marseille um 1 Stunde 40’ und schafft durchgehende TGV/ICE-Anschlüsse der ostfranzösischen Zentren von Marseille-Lyon-Straßburg mit Deutschland nach Köln bzw. Frankfurt.


Energie und Umwelt

Ziele französischer Energiepolitik sind die sichere und preiswerte Energieversorgung, eine effizientere Energienutzung und eine Verringerung der Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Frankreich setzt unverändert auf die Nutzung der Kernkraft, allerdings soll deren Anteil von derzeit 75% an der Stromerzeugung bis 2025 auf 50% gesenkt und durch erneuerbare Energien ausgeglichen werden. Der zukünftige Energiemix Frankreichs wurde auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene diskutiert und soll Anfang 2015 gesetzlich festgelegt.

Der Umweltschutz genießt in Frankreich seit 2005 Verfassungsrang. Das Land ist Unterzeich­ner des Kyoto-Protokolls und setzt sich für die im EU-Rahmen festgelegte Emissions-Redu­­zierung ein. Die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, werden inzwischen allgemein erkannt. 2010 wurde das Gesetzespaket „Grenelle de l'environnement“ verabschiedet. Es beinhaltet umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung der Klimaerwärmung und des CO2-Ausstoßes mit den Schwerpunkten Gebäudeenergieeffizienz, Verkehr, Förderung der erneuerbaren Energien, Schutz der Biodiversität, Abfallwirtschaft sowie ökologische Regierungsführung.

Frankreich wird die VN-Klimavertragsstaatenkonferenz COP21 vom 30. 11. bis 11. 12.2015 in Paris ausrichten.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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