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Frankreich

Wirtschaft

Stand: November 2013

Grundlagen der Wirtschaftspolitik

Frankreich, die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt, ist neben Deutschland das wichtigste Industrieland Europas. Es verfügt über eine breit aufgestellte, modern ausgerichtete Volks­wirtschaft. Der Staat bleibt mit lenkendem Einfluss in der Wirtschafts- und Industrie­politik engagiert. Das zeigt sich unter anderem bei der Unterstützung der industriellen Entwicklung und der Förderung von Innovations­anstrengungen, Forschung und Entwicklung.

Die wichtigsten Leistungsträger der französischen Wirtschaft und des Außenhandels sind die Großunternehmen des Börsenindex CAC 40, die international erfolgreich und auch für ausländische Investoren interessant sind; über 50 Prozent der CAC 40 Unternehmensanteile sind in ausländischem Besitz. Hingegen ist der KMU-Bereich im Vergleich zu Deutschland sowohl hinsichtlich der Gesamtzahl der Unternehmen als auch bezüglich der internationalen Wettbewerbsfähigkeit trotz Anstrengungen zur Stärkung dieses Bereichs weniger präsent.

Besondere Stärken der französischen Wirtschaft sind Dienstleistungen/Tourismus, daneben die Branchen Luftfahrt, Automobil, Energie, Landwirtschaft und Ernährung, Luxusartikel, pharmazeutische Produkte, Chemie und Elektronik.

Am 6. November 2012 stellte die Regierung ein Wirtschaftsförderungsprogramm (Pakt für mehr Wachstum, Wettbewerbsfähigkeit und Beschäftigung) vor und leitete Reformen zur Stärkung der Wettbewerbsfähigkeit der französischen Wirtschaft ein. Ende Mai 2013 legten Deutschland und Frankreich ihren gemeinsam ausgearbeiteten Aktionsplan „Gemeinsam für ein gestärktes Europa der Stabilität und des Wachstums“ vor.


Aktuelle Wirtschaftslage

Die Regierung setzt bei schwacher Wachstumsdynamik die Haushaltskonsolidierung fort und hält am Ziel eines strukturell ausgeglichenen Haushalts bis 2016 fest. Nach einer Stagnation in 2012 wird im laufenden Jahr ein leicht positives Wachstum von 0,1 Prozent und 2014 ein Wachstum von 0,9 Prozent des BIP erwartet. Das Haushaltsdefizit 2012 in Höhe von 4,8 Prozent des Bruttoinlandsprodukts wird 2013 auf 4,1 Prozent und 2014 auf 3,6 Prozent zurückgeführt und soll in 2015 die 3-Prozent-Defizitgrenze unterschreiten. Im Haushalt 2014 sind Anpassungsmaßnahmen in einer Größenordnung von 18 Milliarden Euro vorgesehen. Hiervon entfallen 15 Milliarden auf Einsparungen und 3 Milliarden auf Steuererhöhungen. Die Gesamtverschuldung der öffentlichen Hand steigt trotz der diversen Konsolidierungspakete bis 2014 weiter an und erreicht dann voraussichtlich mit 95,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts ihren Höchststand.

Das Außenhandelsdefizit 2012 betrug 67,1 Milliarden Euro (zum Vergleich: 2011 69,6 Milliarden Euro). Als ein wesentlicher Faktor für das Außenhandelsdefizit wird die relative Exportschwäche des Mittelstands angesehen. Die stärksten Exportbranchen sind die Hochtechnologie (Luft- und Raumfahrt), die metallverarbeitende sowie die pharmazeutische Industrie, Luxusgüter (Textilien, Accessoires, Kosmetik) und Agrarprodukte.

Deutschland war auch 2012 wichtigster bilateraler Handelspartner Frankreichs (Handelsvolumen 2012: rund 161 Milliarden Euro, 2011: rund 156 Milliarden Euro). Weitere wichtige Handelspartner Frankreichs sind die VR China, Italien, Belgien/Luxemburg, Spanien, Großbritannien und die USA.


Arbeitsmarkt und Sozialpolitik

Frankreich zählt zu den Staaten mit einem hohen Regulierungsniveau des Arbeitsmarktes und hochentwickelten Systemen der sozialen Sicherheit.

Die zahlreichen Sozialversicherungssysteme bieten (als allgemeines System oder als besondere Systeme) umfassende Leistungen für nahezu die gesamte Bevölkerung in Bezug auf Krankheit, Invalidität, Arbeitsunfälle, Alter, Mutterschaft und Familie. Dies gilt in besonderem Maße für die medizinische Versorgung und für Leistungen an Familien. Auch die Leistungen der Altersversorgung liegen zum Teil über dem Niveau vergleichbarer Staaten in Europa. Vor allem aufgrund der Haushaltslage wurden einschneidende Sparmaßnahmen vorgenommen bzw. eingeleitet, darunter die am 1. Juli 2011 in Kraft getretene umfassende Rentenreform, die sich sowohl auf Grundrenten wie Zusatzrenten erstreckt. Diese Reform umfasst im Wesentlichen die schrittweise Anhebung (bis 2018) des Renteneintrittsalters von 60 auf 62 Jahre, die Erhöhung der Mindestbeitragszeit auf 41,5 Jahre und die Anhebung der Altersgrenze für den abschlagsfreien Rentenbezug ab 2016 bis 2023 von 65 auf 67 Jahre. Langjährig Versicherte können aufgrund einer Neuregelung seit November 2012 bei Erfüllung der erforderlichen Beitragszeit ihre Rente bereits mit 60 Jahren beziehen.

Die seit Mitte 2008 steigende Arbeitslosigkeit betrug lt. Angaben des nationalen Statistik-instituts INSEE (ILO-Berechnungsmethode) im 4. Quartal 2012 10,6 Prozent (inkl. Übersee­gebiete) bzw. 10,2 Prozent (ohne Überseegebiete). Ende Januar 2013 waren im französischen Mutterland insgesamt mehr als 3 Millionen Menschen ohne Arbeit. Hauptbetroffene der weiter steigenden Arbeitslosigkeit sind ältere Arbeitnehmer über 50 Jahre und junge Menschen unter 25 Jahren. Auch bei der Langzeitarbeitslosigkeit ist eine steigende Tendenz zu verzeichnen.

Wichtige Elemente der französischen Arbeitmarktregelungen sind der allgemeine Mindest­lohn SMIC (seit 1. Januar 2013: 9,43 Euro brutto pro Stunde, d.h. ein Bruttomonatslohn von 1.430,22 Euro bei einer Wochenarbeitszeit von 35 Stunden) und die 35-Stunden-Woche. Das Wiedereingliederungs­einkommen RSA (revenu de solidarité active) für Bedürftige im Falle von Langzeit­arbeitslosigkeit oder unzureichendem Erwerbseinkommen wird seit Herbst 2010 auch jungen Erwerbslosen (unter 25 Jahren) gewährt. Damit sollen zusätzliche Anreize zu einer möglichst schnellen Aufnahme einer Beschäftigung geschaffen werden.

Im Rahmen des von Präsident Hollande ins Leben gerufenen sozialen Dialogs wurde auf dem Sozialgipfel vom 11. Januar 2013 von Arbeitnehmern und –gebern ein Reformpaket beschlossen. Allerdings tragen zwei der führenden große Gewerkschaften (CGT, FO) diese Vereinbarung, deren Umsetzung in konkrete Gesetze ohnehin noch aussteht, nicht mit.


Familienpolitik und Vereinbarkeit von Familie und Beruf

Die demografische Entwicklung Frankreichs ist vergleichsweise günstig. Die Geburtenziffer liegt bei 2,01 (Eurostat, 2011). Das sind ca. 822.000 Geburten pro Jahr.

Regelungen zum Erziehungsurlaub und ein Netz von Kinderbetreuungseinrichtungen erleichtern die Vereinbarkeit von Familie und Beruf. Der Erziehungsurlaub in Form einer Unterbrechung oder Reduzierung der Erwerbstätigkeit beträgt ein Jahr und kann auf bis zu drei Jahre verlängert werden. Betreuungsmöglichkeiten werden für Kinder ab drei Monaten angeboten. Kleinkinder können in kommunalen Kinderkrippen, privaten Einrichtungen oder durch Tagesmütter betreut werden. 3-bis 5-jährige Kinder werden in Vorschulkindergärten (école maternelle) betreut und auf die Schule vorbereitet. In den Grundschulen und den weiterführenden Schulen gibt es ganztägig Unterricht bzw. Hausaufgaben- und Freizeitbetreuung.

Darüberhinaus werden Familien durch Geldleistungen und durch eine entsprechende steuerliche Behandlung unterstützt. Die Palette der Familienleistungen umfasst neben Leistungen für alle Familien auch einkommensabhängige Beihilfen. Das allgemeine Kindergeld wird allen Familien, allerdings erst ab dem zweiten Kind gezahlt. Einkommensabhängig sind unter anderem die Geburtsprämie, das Kleinkindergeld, Leistungen für Familien mit drei und mehr Kindern sowie Zusatzleistungen wegen Betreuungskosten. Auch durch steuerrechtliche Regelungen werden Familien, insbesondere ab drei Kindern, begünstigt.

Diese Familienpolitik wirkt sich auf die Erwerbstätigkeit von Eltern aus. So lag beispielsweise im Jahr 2010 die Erwerbstätigenquote der Mütter mit zwei Kindern bei 79 Prozent, die der Väter mit zwei Kindern bei 93 Prozent. Der Anteil der Teilzeit arbeitenden Mütter mit zwei Kindern betrug 37 Prozent, gegenüber 3 Prozent bei den Teilzeit arbeitenden Vätern mit zwei Kindern.


Agrarsektor

Agrarpolitik ist traditionell für Frankreich von großer Bedeutung und erfährt anhaltendes Interesse von Seiten der französischen Öffentlichkeit. Mit 3,5 Prozent Anteil dieses Sektors am Bruttoinlandsprodukt (67,7 Milliarden Euro für Land- und Ernährungswirtschaft), knapp 600.000 landwirtschaftlichen Betrieben und über 800.000 Beschäftigten ist die Landwirtschaft ein wichtiger Wirtschaftssektor in Frankreich.

Ein viel diskutiertes Thema ist die Wettbewerbsfähigkeit des Sektors. Das 2010 verabschiedete Modernisierungsgesetz („Loi de la modernisation“) soll helfen, die landwirtschaftlichen Betriebe wieder konkurrenzfähiger zu machen, sie vor volatilen Weltmarktpreisen zu schützen und mit Vertrags- und Versicherungssystemen den landwirtschaftlichen Sektor auch auf die anstehenden EU-Reformen vorzubereiten. Das in Vorbereitung befindliche Orientierungsgesetz („Loi d’avenir“) der aktuellen Regierung setzt den Schwerpunkt darauf, Ökonomie und Ökologie in der Landwirtschaft besser zu vereinen.


Verkehrswesen

Die französische Infrastruktur ist gut, in Ballungsgebieten und industriellen Zentren sehr gut. Frankreich verfügt über ein weit verzweigtes, qualitativ hervorragendes Fernstraßennetz und über ein im Vergleich mit Deutschland zwar weniger dichtes, aber neuwertigeres - zu großen Teilen privat finanziertes - Autobahnnetz.

Bei der Elektromobilität hält die Regierung an dem sehr ehrgeizigen Ziel fest, bis 2020 in Frankreich 2 Millionen E-Fahrzeuge in Betrieb zu nehmen.

Das französische Netz von Hochgeschwindig­keits-Eisenbahnen ist das größte in Europa und wird weiter ausgebaut. 2011 ging die TGV-Verbindungstrasse Rhein-Rhone (140 km) in Betrieb. Sie verkürzt die Fahrzeit Straßburg-Marseille um 1 Stunde 40 Minuten und schafft durchgehende TGV/ICE-Anschlüsse der ostfranzösischen Zentren von Marseille - Lyon - Straßburg mit Deutschland nach Köln bzw. Frankfurt/Main.


Energie und Umwelt

Ziele französischer Energiepolitik sind die sichere und preiswerte Energieversorgung, eine effizientere Energienutzung und eine Verringerung der Abhängigkeit von Energieeinfuhren. Frankreich setzt unverändert auf die Nutzung der Kernkraft, allerdings soll deren Anteil von derzeit 75 Prozent an der Stromerzeugung bis 2025 auf 50 Prozent gesenkt und durch erneuerbare Energien ausgeglichen werden. Der zukünftige Energiemix Frankreichs wird auf nationaler, regionaler und kommunaler Ebene diskutiert und soll Ende 2014 in Gesetzesform verabschiedet werden.

Der Umweltschutz genießt in Frankreich seit 2005 Verfassungsrang. Das Land ist Unterzeich­ner des Kyoto-Protokolls und setzt sich für die im EU-Rahmen festgelegte Emissions-Reduzierung ein. Die Chancen der Nutzung von erneuerbaren Energien für die Umwelt und die Schaffung von Arbeitsplätzen, auch in der Landwirtschaft, werden inzwischen allgemein erkannt. 2010 wurde das Gesetzespaket „Grenelle de l'environnement“ verabschiedet. Es beinhaltet umfangreiche Maßnahmen zur Reduzierung der Klimaerwärmung und des CO2-Ausstoßes mit den Schwerpunkten Gebäudeenergieeffizienz, Verkehr, Förderung der erneuerbaren Energien, Schutz der Biodiversität, Abfallwirtschaft sowie ökologische Regierungsführung. Gemeinsam mit Deutschland setzt sich Frankreich für die Aufwertung des Umweltprogramms der Vereinten Nationen (UNEP) zu einer VN-Umweltorganisation (UNEO) ein.

Frankreich hat sich als einziger Kandidat für die Austragung der VN-Klimavertragsstaatenkonferenz COP21 im Jahr 2015 in Paris beworben.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.