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Malaysia

Wirtschaft

Stand: April 2016

Kurzprofil Wirtschaft

Malaysia hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum diversifizierten Industriestandort mit einem mittleren Einkommensdurchschnitt entwickelt. Nichtsdestoweniger sind die Sektoren Erdöl und Erdgas sowie Palmöl weiterhin von großer Bedeutung für die Wirtschaft des Landes, da neben Förderung und Verkauf der Rohstoffe auch mittelbar damit verbundene Sektoren von Relevanz sind (z.B. nachgelagerte Industriezweige, Dienstleistungsbereich, energieintensive Produktionsbetriebe). Darüber hinaus tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft wesentlich zum Staatshaushalt Malaysias bei.

Langfristiges Ziel ist, dass Malaysia bis zum Jahre 2020 in die Riege der „High Income Countries“ aufsteigt. Dieses Ziel wird mit einem Netz aus mittelfristigen Plänen unterlegt. Relevant sind insbesondere die Fünfjahrespläne, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesteuert wird. Im Mai 2015 wurde der 11. Malaysia Plan veröffentlicht, der die wirtschaftliche Entwicklung von 2016 bis 2020 steuern soll. Zentral ist neben den Fünfjahresplänen außerdem das "Government Transformation Programme", welches Reformvorhaben für die Verwaltung und das öffentliche Leben (u. a. Effizienzsteigerung, Bekämpfung von Korruption und Kriminalität) umfasst und im wirtschaftlichen Bereich durch das "Economic Transformation Programme" mit einer Vielzahl von Projekten ergänzt wird.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index 2015 den 62. Platz (von 188 Ländern, an dritter Stelle unter den ASEAN of South East Asian Nations-Ländern nach Singapur und Brunei) und gehört damit zu den "Hochentwickelten Ländern".

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern, so z.B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller. Nur noch 13 Prozent der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 17 Prozent der Beschäftigten, im Baugewerbe 9 Prozent. Der größte Anteil der Beschäftigung entfällt inzwischen mit ca. 60 Prozent auf den Dienstleistungsbereich, in dem im Jahr 2014 über 80 Prozent des Netto-Beschäftigungswachstums geschaffen wurden.

Nach der "BP Statistical Review of World Energy" (2015) produziert Malaysia ca. 0,7 Prozent des weltweiten Rohöls und 1,9 Prozent des Erdgases. Malaysia gehört zu den größten Palmöl- und Kautschuk-Produzenten der Welt. Während Palmöl sowohl als Bio-Kraftstoff als auch als Inhaltsstoff von Kosmetika und Lebensmitteln exportiert wird, wird ein Großteil der malaysischen Kautschukproduktion für den eigenen Markt verwendet. Hergestellt werden Reifen und vor allem Latexprodukte für den medizinischen Bereich.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewichte zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE). Die Regierung konnte die staatliche Neuverschuldung schrittweise von über 6 Prozent im Jahr im Jahr 2009 auf 3,2 Prozent im Jahr 2015 absenken. Für 2016 werden 3,1 Prozent angestrebt. Die Steuerbasis ist seit April 2015 durch die Einführung der Goods and Services Tax (entspricht einer allgemeinen Mehrwertsteuer) verbreitert worden. Entsprechend wurde die Abhängigkeit der Staatseinnahmen vom Öl- und Gassektor weiter reduziert und beträgt nun rund 20 Prozent.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Malaysias wirtschaftlicher Aufschwung hat sich durch den stark gesunkenen Ölpreis sowie die Wachstumsschwäche in China und anderen Industrie- und Schwellenländern verlangsamt. 2014 betrug das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 6,0 Prozent, 2015 wurden 5,0 Prozent erreicht. Wachstumstreiber in den vergangenen zwei Jahren war insbesondere die private Konsum- und Investitionsnachfrage. Für 2016 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 4 bis 4,5 % des BIP.

Durch externe und interne Belastungen ist der Wert der Landeswährung im Vergleich zum US-Dollar und anderen Vergleichswährungen seit Herbst 2014 stark gesunken. Auch die Zentralbank-Reserven reduzierten sich erheblich. Das traditionell positive Leistungsbilanzsaldo war zwar 2014 und 2015 weiterhin im Plus, ist jedoch im Vergleich zu früheren Jahren deutlich abgeschmolzen. Hintergrund sind unter anderem ein schwächerer Außenhandel insbesondere im Rohstoff- und Dienstleistungsbereich.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,2 Prozent  trotz der jüngsten wirtschaftlichen Eintrübungen nahe einer Vollbeschäftigung. Malaysia wies 2015 eine Inflationsrate von 2,1 Prozent auf, für 2016 wird eine Inflationsrate von 2,5 bis 3,5 Prozent prognostiziert. Preisdämpfend wirken gesunkene Treibstoffkosten, während die erhöhten Kosten von importierten Gütern und die Einführung der Goods and Services Tax inflationstreibend wirken.

Die mit dem „Government Transformation Programme“ angestrebte Korruptionsbekämpfung ist in der Öffentlichkeit kaum zu spüren. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2015 von „Transparency International“ hat sich Malaysia mit einem Wert von 50 und einem 54. Platz in der Liste der 168 untersuchten Länder im Vergleich zum Vorjahr verschlechtert. Die schwierige Lage wichtiger staatsnaher Unternehmen wie Malaysia Airlines, des KfZ-Herstellers Proton und jüngst insbesondere des Investitionsvehikels „1Malaysia Berhad“ erschweren die Situation zusätzlich.

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und hat sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen entspricht dem 1,3-fachen des Bruttosozialproduktes. Damit ist die Inlandskonjunktur auch von der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten abhängig. Die wichtigsten Exportgüter sind elektronische Güter (35,6%). Der Anteil von Rohöl, Ölprodukten und Flüssiggas (LNG) an den malaysischen Exporten, aber auch von Palmöl und Kautschukprodukten ist durch den Verfall der Rohstoffpreise im vergangenen Jahr stark gesunken. Durch die relativ erfolgreiche Positionierung der herstellenden Industrie wuchsen die malaysischen Exporte trotzdem um 1,9 Prozent.

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China. Die Top 10 Handelspartner liegen mit Ausnahme der USA in der Region. Der Gesamtanteil der EU-Mitgliedstaaten am Außenhandel Malaysias stieg jedoch im Jahre 2015 von 9,5 auf 10,1 Prozent. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2015 deutlich an und liegt nun bei rund 11,8 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia beliefen sich unverändert auf 4,8 Mrd. EUR, die Einfuhren nach Deutschland stiegen um fast 14 Prozent auf 7,0 Mrd. EUR. Damit weist Deutschland mit Malaysia eine negative Handelsbilanz von -0,9 Mrd. € aus.

Die neu genehmigten Investitionen lagen mit 187 Mrd. MYR in 2015 um 22 Prozent unter dem Vorjahreswert. Besonders deutlich war der Rückgang bei den ausländischen Direktinvestitionen, deren Anteil an den Gesamtinvestitionen sich von 27 auf 19 Prozent verringerte. Deutschland gehört regelmäßig zu einem der größten Investoren in Malaysia (2015: Rang 8 mit 1,2 Mrd. MYR an neu genehmigten Investitionen).

Malaysia ist in ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) eingebunden. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 2011), Chile (seit 2012), Australien (seit 2013) und der Türkei (seit 2014). Mit der EU laufen seit 2010 Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens sowie eines flankierenden Partnerschafts- und Kooperationsabkommens. Malaysia zählt auch zu den Vertragsstaaten des Anfang 2016 unterzeichneten „Trans Pacific Partnership Agreements“ (TPP).

Malaysia ist seit 1993 in der „ASEAN Free Trade Area” engagiert. Zum Ende des Jahres 2015 wurde unter malaysischem ASEAN-Vorsitz die „ASEAN Economic Community“ verkündet, in der Zölle zwischen den beteiligten Ländern vollständig beseitigt und der grenzüberschreitende Verkehr von Dienstleistungen und Personen erleichtert werden sollen. Im ASEAN-Verbund bestehen außerdem FHAs mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Anfang 2013 wurden Verhandlungen zur „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)“ aufgenommen, welche die ASEAN-Freihandelsabkommen mit den bilateralen Freihandelsabkommen der ASEAN-Mitgliedstaaten vereinheitlichen soll. Ein Abschluss der Verhandlungen wird für 2016 angestrebt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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