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Malaysia

Wirtschaft

Stand: März 2014

Kurzcharakterisierung der Wirtschaft des Gastlandes

Malaysia steht in einem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Das Land hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum Industriestandort mit einem mittleren Einkommensdurchschnitt entwickelt.

Langfristiges Ziel ist, dass Malaysia bis zum Jahre 2020 in die Riege der „High Income Countries“ aufsteigt. Dieses Ziel wird mit einem Netz aus mittelfristigen Plänen unterlegt. Relevant sind insbesondere die Fünfjahrespläne, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesteuert wird. Schwerpunkte des 10. Malaysia-Plans, der vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2015 gilt, sind der Ausbau der Wissensgesellschaft und die Stärkung des Dienstleistungssektors. Zentral ist außerdem das "Government Transformation Programme", welches Reformvorhaben für die Verwaltung und das öffentliche Leben (u. a. Effizienzsteigerung, Bekämpfung von Korruption und Kriminalität) umfasst und im wirtschaftlichen Bereich durch das "Economic Transformation Programme" mit einer Vielzahl von Projekten ergänzt wird.

Als exportorientiertes Land hat Malaysia ein starkes Interesse an Freihandelsabkommen, bilaterale Abkommen bestehen u. a. mit Japan, Indien und Australien, im ASEAN-Verbund auch mit dem wichtigsten Handelspartner China und mit Korea.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index 2013 den 65. Platz (von 187 Ländern, Deutschland Platz 5, drittbestes ASEAN-Land nach Singapur und Brunei) und gehört damit zu den "Hochentwickelten Ländern".

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern, so z.B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller, und Rohstoffen wie Öl und Palmöl.

Nur noch 13 Prozent der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 17 Prozent der Beschäftigten, im Baugewerbe 9 Prozent. Der größte Anteil der Beschäftigung entfällt inzwischen mit ca. 60 Prozent auf den Dienstleistungsbereich, in dem im Jahr 2013 ca. 2/3 des BIP-Wachstums geschaffen wurden.

Die Staatseinnahmen kommen zu 33 Prozent vom Öl-und Gaskonzern PETRONAS, der mittlerweile einen Großteil seiner Einnahmen im Ausland erzielt. Nach der "BP Statistical Review of World Energy" (2013) verfügt Malaysia über ca. 0,2 Prozent der Weltreserven bei Öl und über 0,7 Prozent der Weltreserven bei Erdgas.

Malaysia produzierte 2012 39 Prozent des weltweit produzierten Palmöls und exportierte 44 Prozent. Das Land gehört auch zu den größten Kautschuk-Produzenten der Welt. Ein Großteil der malaysischen Kautschukproduktion wird für den eigenen Markt verwendet. Hergestellt werden Reifen und vor allem Latexprodukte für den medizinischen Bereich. Der globale Bedarf an Latex-Handschuhen wird zu 65 Prozent von Malaysia abgedeckt.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewichte zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE).

Wirtschaftsklima

Die Wirtschaft konnte auch 2013 ihr Wachstumstempo weitgehend beibehalten und wuchs um geschätzte 4,7 Prozent. Wachstumstreiber war insbesondere die private Konsum- und Investitionsnachfrage.

Für die weitere Entwicklung werden im 10. Malaysia-Plan zwölf Schlüsselbereiche (National Key Economic Areas - NKEA) identifiziert: Erdöl und -gas, Palmöl, Finanzdienstleistungen, Handel, Tourismus, Informations- und Kommunikationstechnik, Ausbildung, elektrische und elektronische Produkte, Geschäftsdienstleistungen, private Gesundheitspflege, Landwirtschaft sowie der Großraum Kuala Lumpur. Diese Bereiche sollen im Rahmen des Economic Transformation Programmes (ETP) gestärkt werden. Über einen Zeitraum von 10 Jahren sollen 444 Milliarden USD investiert werden, mit denen 131 Projekte aus den NKEA umgesetzt werden sollen. Die Investitionen sollen zu 60 Prozent aus dem privaten Sektor, zu 32 Prozent aus regierungsnahen Unternehmen und zu 8 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert werden und etwa 3,3 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen, vorrangig in den höheren Einkommensklassen. Damit soll das Bruttonationaleinkommen im Zeitraum von 2011 bis 2020 jährlich um 6 Prozent erhöht werden und nach zehn Jahren die Summe von 523 Milliarden USD erreichen. Das Pro-Kopf-Einkommen soll auf mindestens 15.000 USD im Jahr 2020 steigen.

Die im Dezember 2013 von der Regierung unternommene Zwischenstands-Analyse zeichnet ein positives Bild der ersten drei Jahre: 89 Prozent der für diesen Zeitraum für die NKEA gesetzten Ziele seien erreicht, Investitionen in Höhe von 219 Mrd. MYR (knapp 50 Mrd. €) zugesagt und 1,3 Millionen neue Arbeitsplätze geschaffen worden. Der Anteil privater im Verhältnis zu öffentlicher Investitionen habe sich um den Faktor drei verbessert.

Malaysias Wirtschaft steht in den einschlägigen Rankings überdurchschnittlich gut da. Im Weltbankbericht "Doing Business 2013" erreichte Malaysia den 6. Platz (D Platz 21) und konnte sich damit vor Ländern wie Korea, UK oder Finnland platzieren. Während das Land in Einzelkategorien, wie z. B. Kreditvergabe (Platz 1) oder Investorenschutz (Platz 4), hervorragende Plätze im Ranking einnimmt, belegt es bei Baugenehmigungen nur einen hinteren Platz 43.
Im Economic Freedom Index 2014 der Heritage Foundation nimmt Malaysia eingestuft als moderately free den 37. Platz ein (Deutschland Platz 18) und liegt damit über dem Durchschnitt sowohl der Welt als auch der Region. Malaysia erreicht die zweithöchste Bewertung eines ASEAN-Landes nach Singapur (Platz 2 der Gesamtwertung).
Zweitbestes ASEAN-Land ist Malaysia auch im „Global Competitiveness Report 2013-2014“ des World Economic Forum mit Platz 24 hinter Singapur (Platz 2; D Platz 4).

Neben den guten Noten für die malaysische Wirtschaft gibt es aber auch Kritikpunkte. Die mit dem „Government Transformation Programme“ angestrebte Korruptionsbekämpfung ist in der Öffentlichkeit kaum zu spüren. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2013 von „Transparency International“ hat sich Malaysia mit Platz 53 im Vergleich zum Vorjahr nur um einen Platz verbessern können (Deutschland Platz 12).

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und engagiert sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken. Das Außenhandelsvolumen entspricht fast dem 1,5-fachen des Bruttosozialproduktes. Damit ist die Inlandskonjunktur auch von der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten abhängig. Nach Angaben von Matrade (Malaysian External Trade Development Agency) sind etwa ein Drittel der Exporte elektronische Güter (32,9 Prozent), landwirtschaftliche Produkte 9 Prozent (Palmöl 6,4 Prozent, Gummi 2,6 Prozent) und mineralische Rohstoffe 12,6 Prozent (LNG: 8,2 Prozent, Öl 4,4 Prozent).

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China. Die Top 10 Handelspartner liegen mit Ausnahme der USA und Australien in der Region. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2013 leicht an und liegt bei rund 10,5 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia beliefen sich auf 4,8 Mrd. EUR, die Einfuhren nach Deutschland stiegen um 4 % auf 5,6 Mrd. EUR. Der Handel zwischen Deutschland und Malaysia macht etwa ein Drittel des bilateralen EU-Malaysia-Handels aus. Deutschland gehört regelmäßig zu einem der größten Investoren in Malaysia.

Malaysia ist in ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) eingebunden. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 2011), Chile (seit 2012) und Australien (seit 2013). Die Verhandlungen über ein Abkommen mit der Türkei sind weit vorangeschritten. Mit der EU laufen seit 2010 Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens sowie eines flankierenden Partnerschafts- und Kooperationsabkommens. Nach zweijähriger Pause wurden die Verhandlungen zu letzterem 2014 wieder aufgenommen. Parallel dazu führt das Land Verhandlungen mit den Pazifikanrainer-Staaten zum Abschluss eines „Trans Pacific Partnership Agreements“ (TPPA).

Malaysia ist seit 1993 in der „ASEAN Free Trade Area” engagiert. Zum Ende des Jahres 2015 wird die Schaffung einer „ASEAN Economic Community“ angestrebt, in der Zölle zwischen den beteiligten Ländern vollständig beseitigt werden sollen. Im ASEAN-Verbund bestehen außerdem FHAs mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Anfang 2013 wurden Verhandlungen zur „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)“ aufgenommen, welche die ASEAN-Freihandelsabkommen mit den bilateralen Freihandelsabkommen vereinheitlichen soll.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, konjunkturelle Lage

Malaysia hat im Jahr 2013 seinen stabilen Wachstumskurs im Wesentlichen fortsetzen können. Mit geschätzten 4,7 % Wirtschaftswachstum, einem Leistungsbilanzüberschuss von 3,8 % des BIP und einer Arbeitslosenquote von ca. 3 % schließt MYS an die solide Entwicklung der vergangenen Jahre an. Die Neuverschuldung wurde schrittweise von über 6 % 2009 auf geschätzte 4,3 % 2013 abgesenkt. Auch die Entwicklung an der Börse war positiv. Der führende Aktienindex FTSE Bursa Malaysia KLCI stieg im vergangenen Jahr über 10 %. Der malaysische Ringgit wertete gegenüber USD und EUR zwar ca. 10 % ab. Das malaysische Finanzsystem wird von Analysten jedoch weiterhin als stabil eingeschätzt. Die Devisenreserven sind mit aktuell über 130 Mrd. USD um ein Vielfaches höher als während der vergangenen Asien-Krise.

Das durchschnittliche Haushaltseinkommen ist zwischen 2009 und 2012 von RM 4.025 auf RM 5.000 (umgerechnet ca. 1.200 €) angestiegen und auch 2013 weiter gewachsen. Nur noch 13,5% der Bevölkerung verdienen unter RM 1.500. Mit dem Ausbau von Malaysias Stärken im Rahmen des 10. Malaysia-Plans sollen diese Gruppen weiter qualifiziert werden. Auch am untersten Rand der Einkommen zeigt der soziale Ausgleich Erfolge. Nach Angaben der Weltbank ist der Anteil der Bevölkerung, der unter der Armutsgrenze lebt, von 3,8 Prozent im Jahr 2009 auf 1,7 Prozent 2012 zurückgegangen. Schrittweise wurde in Malaysia außerdem ein allgemeiner Mindestlohn eingeführt. Seit dem 1. Januar 2014 gelten die Werte von 900 RM für West- und 800 RM in Ostmalaysia ausnahmslos für alle, auch für ausländische Beschäftigte und Unternehmen.

Umweltpolitik

Der gesetzliche Rahmen für den Umweltschutz wurde 1974 mit dem Environmental Quality Act geschaffen. Anfang April 2009 wurde das Ministerium für Energie, grüne Technologien und Wasser geschaffen. Das Ministerium erarbeitete eine Green Technology Policy, die unter anderem ein Einspeisegesetz nach deutschem Vorbild vorsieht. Zur Umsetzung wurde zum 1. September 2011 die Sustainable Energy Development Authority geschaffen. Der Einspeisetarif trat zum 1. Dezember 2011 in Kraft. Der Anteil erneuerbaren Energiequellen ist jedoch noch gering.

Im Oktober 2013 führte das Ministerium zum vierten Mal die gut besuchte „International Greentech & Eco-Products Exhibition and Conference Malaysia“ (IGEM) durch. Weitere "grüne" Projekte sind die Vorhaben der Umgestaltung von Putrajaya und Cyberjaya in grüne Städte und des Vorrangs für die Beschaffung von grünen Waren und Dienstleistungen bei Regierungsgeschäften. Im Haushalt 2014 ist vorgesehen, dass Unternehmen bei der Anschaffung von Investitionsgütern oder Nutzung von Systemen im Bereich Umwelttechnologie Steuererleichterungen erhalten, ebenso bei Investitionen im Bereich Forschung und Entwicklung im Biotechnologiebereich. Öffentliche Mittel sind auch für Fördermaßnahmen im Bereich Energieeffizienz bereitgestellt worden.

Premierminister Najib kündigte im Jahre 2009 bei der Klimakonferenz in Kopenhagen an, die CO2-Intensität im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt bis 2020 im Vergleich zu 2005 um 40 Prozent zu reduzieren. Die Fortschritte beim Thema Energieeffizienz sind jedoch noch gering. Einen Einfluss auf energieeffizientes Verhalten dürften die in mehreren Schritten reduzierten Subventionen für Treibstoffe und die zum Januar 2014 angehobenen Elektrizitätspreise haben. Unter Federführung des Energieministeriums wird aktuell außerdem ein nationaler Energieeffizienz-Plan ausgearbeitet.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.