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Malaysia

Wirtschaft

Stand: März 2013

Kurzcharakterisierung der Wirtschaft des Gastlandes

Malaysia steht in einem anhaltenden wirtschaftlichen Aufschwung. Das Land hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum Industriestandort mit durchschnittlich "mittleren Einkommen" entwickelt. 

Die wirschaftliche Entwicklung des Landes wird über Fünfjahrespläne gesteuert. Der 10. Malaysia-Plan, der vom 1. Januar 2011 bis 31. Dezember 2015 gilt, soll es Malaysia ermöglichen, bis 2015 ein Land mit "hohen Einkommen" zu werden. Schwerpunkte sind der Ausbau der Wissensgesellschaft und die Stärkung des Dienstleistungssektors. Zur Umsetzung dient das "Government Transformation Programme", welches Reformvorhaben für die Verwaltung und das öffentliche Leben (u. a. Effizienzsteigerung, Bekämpfung von Korruption und Kriminalität) umfasst und im wirtschaftlichen Bereich durch das "Economic Transformation Programme" mit einer Vielzahl von Projekten ergänzt wird.

Als exportorientiertes Land hat Malaysia ein starkes Interesse an Freihandelsabkommen, bilaterale Abkommen bestehen u. a. mit Japan, Indien und Australien, im ASEAN-Verbund auch mit dem wichtigsten Handelspartner China.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index 2011 den 64. Platz (von 187 Ländern, Deutschland Platz 5, drittbestes ASEAN-Land nach Singapur und Brunei) und gehört damit zu den "Hochentwickelten Ländern".

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern, so z. B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller, und Rohstoffen wie Öl und Palmöl. 

Dienstleistungen machen nach Angaben der Zentralbank Bank Negara (BNM) im Jahr 2012 insgesamt 54,6 Prozent des Bruttoinlandsprodukts aus. Schon mit dem dritten Industrial Master Plan, der für die Zeit von 2006 bis 2020 gilt, wurde dem privaten Dienstleistungssektor eine zentrale Rolle zur Wachsstumsteigerung zugedacht. 2012 wuchs dieser Sektor allein um 6,4 Prozent.

Die Staatseinnahmen kommen zu über 40 Prozent vom Öl-und Gaskonzern PETRONAS, der mittlerweile einen Großteil seiner Einnahmen im Ausland erzielt. Nach der "BP Statistical Review of World Energy" (2011) verfügt Malaysia über ca. 0,4 Prozent der Weltreserven bei Öl und über 1,3 Prozent der Weltreserven bei Erdgas. Nach Berechnungen in der BP-Statistik werden die aktuellen malaysischen Ölreserven – basierend auf der aktuellen Fördermenge – noch etwa 22 Jahre reichen, Erdgas noch 36 Jahre.

Malaysia ist nach Indonesien der weltweit größte Produzent von Palmöl und war 2011 sogar größter Exporteur von Palmöl.

Nach Thailand und Indonesien ist Malaysia drittgrößter Produzent und Exporteur von Rohkautschuk, zusammen befriedigen die drei Länder 80 Prozent der Weltnachfrage.Ein Großteil der Kautschukproduktion wird für den eigenen Markt verwendet. Produziert werden neben Reifen auch Latexprodukten für den medizinischen Bereich. Die Hälfte aller weltweit verwendeten Untersuchungs- und OP-Handschuhe stammt aus Malaysia.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewicht zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, MSC Malaysia, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE).

Wirtschaftsklima

Die Wirtschaft konnte auch zum Ende des letzten Jahres ihr Wachstumstempo weitgehend beibehalten und wuchs 2012 um 5,6 Prozent. Wachstumstreiber waren seit Anfang 2010 insbesondere die private Konsum- und Investitionsnachfrage, aber auch die Staatsnachfrage.

Für die weitere Entwicklung wurden im 10. Malaysia-Plan zwölf Schlüsselbereiche (National Key Economic Areas - NKEA) identifiziert: Erdöl und -gas, Palmöl, Finanzdienstleistungen, Handel, Tourismus, Informations- und Kommunikationstechnik, Ausbildung, elektrische und elektronische Produkte, Geschäftsdienstleistungen, private Gesundheitspflege, Landwirtschaft sowie der Großraum Kuala Lumpur. Diese Bereiche sollen im Rahmen des Economic Transformation Programmes (ETP) gestärkt werden. Über einen Zeitraum von 10 Jahren sollen 444 Milliarden USD investiert werden, mit denen 131 Projekte aus den NKEA umgesetzt werden sollen. Die Investitionen sollen zu 60 Prozent aus dem privaten Sektor, zu 32 Prozent aus regierungsnahen Unternehmen und zu 8 Prozent aus öffentlichen Mitteln finanziert werden und etwa 3,3 Mio. neue Arbeitsplätze schaffen, vorrangig in den höheren Einkommensklassen. Damit soll das Bruttonationaleinkommen im Zeitraum von 2011 bis 2020 jährlich um 6 Prozent erhöht werden und nach zehn Jahren die Summe von 523 Milliarden USD erreichen (2011: 284 Milliarden USD). Das Pro-Kopf-Einkommen soll von 7.000 USD auf mindestens 15.000 USD im Jahr 2020 steigen.

Malaysias Wirtschaft steht in den einschlägigen Rankings überdurchschnittlich gut da. Im Weltbankbericht "Doing Business 2011" erreichte Malaysia den 12. Platz (D Platz 20) und war damit bestes ASEAN-Land. Während das Land in Einzelkategorien, wie z. B. Kreditvergabe (Platz 1) oder Investorenschutz (Platz 4), hervorragende Plätze im Ranking einnimmt, belegt es bei Baugenehmigungen nur einen hinteren Platz 37.
Im Economic Freedom Index 2011 der Heritage Foundation nimmt Malaysia eingestuft als moderately free den 56. Platz ein (Deutschland Platz 19) und liegt damit über dem Durchschnitt sowohl der Welt als auch der Region. Malaysia erreicht die zweithöchste Bewertung eines ASEAN-Landes nach Singapur (Platz 2 der Gesamtwertung).
Zweitbestes ASEAN-Land ist Malaysia auch im „Global Competitiveness Report 2012-2013“ des World Economic Forum mit Platz 25 hinter Singapur (Platz 2) ;D Platz 6).

Neben den guten Noten für die malaysische Wirtschaft gibt es aber auch Kritikpunkte. Die mit dem „Government Transformation Programme“ angestrebte Korruptionsbekämpfung ist in der Öffentlichkeit nicht  zu spüren. Der wahrgenommene Grad der Korruption hat sich in den letzten zwei Jahren erhöht. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2011 von „Transparency International“ rutschte Malaysia von Platz 56 im Vorjahr auf Platz 60 (Deutschland Platz 14).

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und als Vollmitglied der Welthandelsorganisation, sowie in ASEAN und APEC, am Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen entspricht etwa dem 1,5-fachen des Bruttosozialproduktes. Damit ist die Inlandskonjunktur auch von der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten abhängig. Nach Angaben der malaysischen Zentralbank sind etwa ein Dritttel der Exporte elektronische Güter (36,5 Prozent, darunter Halbleiter mit 14,5 Prozent und elektronische Ausrüstungen und Teile mit 11 Prozent), dann folgen landwirtschaftliche Produkte mit 11 Prozent (Palmöl 7,6 Prozent, Gummi 1,1 Prozent) und mineralische Rohstoffe mit 13,2 Prozent (LNG: 7,9 Prozent, Öl 4,6 Prozent).

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China. Die Top 10 Handelspartner liegen mit Ausnahme der USA und Australien in der Region. Deutschland liegt in der Handelsstatistik zwar nur auf Platz 11, ist aber der wichtigste Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg von 2010 mit rund 10 Mrd. Euro bis 2011 leicht an auf rund 10,5 Mrd. EUR. Die deutschen Einfuhren beliefen sich auf 4,3 Mrd. EUR, die Ausfuhren nach Deutschland stiegen von 6,1 Mrd. EUR auf 6,2 Mrd. EUR. Der Handel zwischen Deutschland und Malaysia macht etwa ein Drittel des bilateralen EU-Malaysia-Handels aus. Deutschland gehört regelmäßig zu einem der größten Investoren in Malaysia.

Malaysia hat ein starkes Interesse an Freihandelsabkommen (FHA). Diese werden weniger als Bedrohung als  eine Chance zur Handelssteigerung gesehen. Bilaterale FHAs bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 01. Juli 2011), Chile (seit 25.Februar 2012) und Australien (seit 01. Januar 2013).

Mit der EU laufen seit Dezember 2010 intensive FHA-Verhandlungen.

Parallel dazu führt das Land Verhandlungen mit den Golfstaaten über ein „Malaysia - GCC Framework Agreement on Economic, Commercial, Investment and Technical Cooperation“ und mit der Türkei über ein FHA sowie Gespräche über einen Beitritt zur „Trans Pacific Partnership (TPP)“.

Malaysia ist seit 1993 in der ASEAN Free Trade Area engagiert. Im ASEAN-Verbund bestehen FHAs mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Auf regionaler Ebene ist das „ASEAN-India Trade in Services and Investment Agreement“ in Vorbereitung. Anfang 2013 wurden Verhandlungen mit zur „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)“ aufgenommen, welche die ASEAN-FHAs mit den bilateralen FHAs vereinheitlichen soll.

Aktuelle Wirtschaftsentwicklung, konjunkturelle Lage

2012 lag das Wachstum5,6 Prozent, die Arbeitslosigkeit stand bei 3,5 Prozent (Dezember 2012). Die Inflationsrate fiel 2012 von 3,2 Prozent auf 2,7 Prozent.

Die Devisenreserven stiegen weiter an auf USD 140,3 Milliarden (Februar 2013).
Der malaysische Aktienmarkt hat sich nach der weltweiten Krise auf den Finanzmärkten  nahezu vollständig erholt, der „Kuala Lumpur Composite Index“ ( KLCI) Index ist nun wieder nahe dem Allzeithoch.

80 Prozent der Bevölkerung verdienen unter 3.000 RM (etwa 750 EUR), 40 Prozent nur 1.500 RM (etwa 375 EUR). Mit dem Ausbau von Malaysias Stärken im Rahmen des 10. Malaysia-Plans sollen diese Gruppen weiter qualifiziert werden.  Am untersten Rand der Einkommen zeigt der soziale Ausgleich bereits Erfolge. So ging nach Weltbankangaben der Anteil der Bevölkerung unter der Armutsgrenze von 5,7 Prozent im Jahr 2004 auf 3,8 Prozent in 2009 zurück. Der 10. Malaysia-Plan strebt eine Reduzierung auf 2 Prozent bis 2015 an.

Umweltpolitik

Der gesetzliche Rahmen für den Umweltschutz wurde 1974 mit dem Environmental Quality Act geschaffen.

Anfang April 2009 wurde das Ministerium für Energie, grüne Technologien und Wasser geschaffen. Das Ministerium erarbeitete eine Green Technology Policy, die unter anderem ein Einspeisegesetz nach deutschem Vorbild vorsieht. Zur Umsetzung wurde zum 1. September 2011 die Sustainable Energy Development Authority geschaffen. Der Einspeisetarif trat zum 1. Dezember 2011 in Kraft.

Im Oktober 2012 führte das Ministerium zum dritten Mal die gut besuchte International Greentech & Eco-Products Exhibition and Conference Malaysia 2011 (IGEM 2011) durch. Weitere "grüne" Projekte sind die im Haushalt 2010 angekündigten Vorhaben der Umgestaltung von Putrajaya und Cyberjaya in grüne Städte und des Vorrangs für die Beschaffung von grünen Waren und Dienstleistungen bei Regierungsgeschäften.

PM Najib kündigte bei der Klimakonferenz in Kopenhagen an, die CO2-Intensität im Verhältnis zum Bruttosozialprodukt bis 2020 im Vergleich zu 2005 um 40 Prozent zu reduzieren.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.