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Malaysia

Wirtschaft

Stand: März 2017

Kurzprofil Wirtschaft

Malaysia hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum diversifizierten Industriestandort mit einem mittleren Einkommensdurchschnitt entwickelt. Nichtsdestoweniger sind die Sektoren Erdöl und Erdgas sowie Palmöl weiterhin wegen der verbundenen Sektoren (z.B. nachgelagerte Industriezweige, Dienstleistungsbereich, energieintensive Produktionsbetriebe) von Bedeutung für die Wirtschaft des Landes.. Aufgrund gesunkener Weltmarktpreise  tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft immer noch maßgeblich, wenn auch nicht mehr dominierend, zum Staatshaushalt Malaysias bei.

Langfristiges Ziel ist, dass Malaysia bis zum Jahre 2020 in die Riege der „High Income Countries“ aufsteigt. Dieses Ziel wird mit einem Netz aus mittelfristigen Plänen unterlegt. Relevant sind insbesondere die Fünfjahrespläne, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesteuert wird. Im Mai 2015 wurde der 11. Malaysia Plan veröffentlicht, der die wirtschaftliche Entwicklung von 2016 bis 2020 steuern soll. Zentral ist neben den Fünfjahresplänen außerdem das "Government Transformation Programme", welches Reformvorhaben für die Verwaltung und das öffentliche Leben (u. a. Effizienzsteigerung, Bekämpfung von Korruption und Kriminalität) umfasst und im wirtschaftlichen Bereich durch das "Economic Transformation Programme" mit einer Vielzahl von Projekten ergänzt wird.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index 2015 den 62. Platz (von 188 Ländern, an dritter Stelle unter den ASEAN of South East Asian Nations-Ländern nach Singapur und Brunei) und gehört damit zu den "Hochentwickelten Ländern".

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern, so z.B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller. Nur noch 12 Prozent der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 18 Prozent der Beschäftigten, im Baugewerbe 9 Prozent. Der größte Anteil der Beschäftigung entfällt inzwischen mit ca. 60 Prozent auf den Dienstleistungsbereich, in dem im Jahr 2014 über 80 Prozent des Netto-Beschäftigungswachstums geschaffen wurden.

Nach der "BP Statistical Review of World Energy" (2015) produziert Malaysia ca. 0,7 Prozent des weltweiten Rohöls und 1,9 Prozent des Erdgases. Malaysia gehört zu den größten Palmöl- und Kautschuk-Produzenten der Welt. Während Palmöl sowohl als Bio-Kraftstoff als auch als Inhaltsstoff von Kosmetika und Lebensmitteln exportiert wird, wird ein Großteil der malaysischen Kautschukproduktion für den eigenen Markt verwendet. Hergestellt werden Reifen und vor allem Latexprodukte für den medizinischen Bereich.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewichte zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE). Die Regierung konnte die staatliche Neuverschuldung schrittweise von über 6 Prozent im Jahr im Jahr 2009 auf 3,2 Prozent im Jahr 2015 absenken. Für 2016 werden 3,1 Prozent angestrebt. Die Steuerbasis ist seit April 2015 durch die Einführung der Goods and Services Tax (entspricht einer allgemeinen Mehrwertsteuer) verbreitert worden.Entsprechend wurde die Abhängigkeit der Staatseinnahmen vom Öl- und Gassektor von  mehr als 40 Prozent im Jahr 2009 auf knapp 15 Prozent in 2016 weiter reduziert.

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Malaysias wirtschaftlicher Aufschwung hat sich durch den stark gesunkenen Ölpreis sowie die Wachstumsschwäche in China und anderen Industrie- und Schwellenländern verlangsamt. 2014 betrug das Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) 6,0 Prozent, 2015 und 2016 wurden 5,0 bzw. 4,2 Prozent erreicht. Wachstumstreiber in den vergangenen zwei Jahren war insbesondere die private Konsum- und Investitionsnachfrage. Für 2017 erwartet die Regierung ein Wirtschaftswachstum von 4 bis 5 % des BIP.

Durch externe und interne Belastungen ist der Wert der Landeswährung im Vergleich zum US-Dollar und anderen Vergleichswährungen seit Herbst 2014 stark gesunken. Auch die Zentralbank-Reserven reduzierten sich erheblich. Das traditionell positive Leistungsbilanzsaldo ist im Vergleich zu früheren Jahren deutlich auf nur noch 2,1 Prozent des Bruttonationaleinkommens abgeschmolzen. Hintergrund sind unter anderem ein weniger dynamischer Außenhandel insbesondere im Rohstoff- und Dienstleistungsbereich.

Die Arbeitslosenquote liegt mit 3,5 Prozent  trotz der jüngsten wirtschaftlichen Eintrübungen nahe einer Vollbeschäftigung. Malaysia wies 2016 eine Inflationsrate von 2,1 Prozent auf.

Die mit dem „Government Transformation Programme“ angestrebte Korruptionsbekämpfung zeigt trotz einiger recht spektakulärer Fälle der Antikorruptionsbehörde noch keinen grundlegenden Erfolg Im Korruptionswahrnehmungsindex 2016 von „Transparency International“ ist  Malaysia mit einem Wert von 49 und einem 5. Platz in der Liste der 168 untersuchten Länder auf annähernd gleicher Position wie  im Vorjahr.  Die schwierige Lage wichtiger staatsnaher Unternehmen wie Malaysia Airlines, des KfZ-Herstellers Proton und insbesondere des Investitionsvehikels „1 Malaysia Development Berhad (1MDB)“ erschweren die Situation zusätzlich.

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und hat sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen entspricht dem 1,2-fachen des Bruttosozialproduktes. Damit ist die Inlandskonjunktur auch von der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten abhängig. Die wichtigsten Exportgüter sind elektronische Güter (36,6%). Der Anteil von Rohöl, Ölprodukten,  Flüssiggas (LNG),  von Palmöl, Palmölprodukten und Kautschukprodukten an den malaysischen Exporten ist weiterhin auf nunmehr noch rd. 22 Prozent gesunken. Zu Beginn 2017 können wieder leicht steigende Rohstoffpreise verzeichnet werden. Durch die relativ erfolgreiche Positionierung der herstellenden Industrie wuchsen die malaysischen Exporte 2016 um 1,5 Prozent.

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China. Die Top 10 Handelspartner liegen mit Ausnahme der USA in der Region. Der Gesamtanteil der EU-Mitgliedstaaten am Außenhandel Malaysias lag bei konstant 10,1 Prozent. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2016  an und liegt nun bei rund 12,3 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia waren mit 4,8 Mrd. EUR annähernd auf Vorjahresniveau, die Einfuhren nach Deutschland stiegen um  4,5 Prozent auf 7,6 Mrd. EUR. Damit weist Deutschland mit Malaysia eine negative Handelsbilanz von 2,8 Mrd. € aus.

Die neu genehmigten Investitionen lagen mit 208 Mrd. MYR in 2016 um 8 Prozent über dem Vorjahreswert. Sie verteilten sich zu 68 Prozent auf den Dienstleistungssektor, 28 Prozent auf den produzierenden Sektor und zu 4 Prozent auf den primären Sektor. Bei den real geflossenen ausländischen Direktinvestitionen war ein Rückgang um 5 Prozent zu verzeichnen. Ihr,  Anteil an den neugenehmigten Investitionen  betrug 28 Prozent. Deutschland gehört regelmäßig zu einem der größten Investoren im produzierenden Sektor Malaysias (2016: Rang 3 mit 2,6 Mrd. MYR an neu genehmigten Investitionen).

Malaysia ist in ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) eingebunden. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 2011), Chile (seit 2012), Australien (seit 2013) und der Türkei (seit 2014). Mit der EU laufen seit 2010 (mit Unterbrechungen) Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens; ein flankierendes Partnerschafts- und Kooperationsabkommen steht zur Zeichnung an. Malaysia zählt auch zu den Vertragsstaaten des Anfang 2016 unterzeichneten „Trans Pacific Partnership Agreements“ (TPP).

Malaysia ist seit 1993 in der „ASEAN Free Trade Area” engagiert. Zum Ende des Jahres 2015 wurde unter malaysischem ASEAN-Vorsitz die „ASEAN Economic Community“ verkündet, in der Zölle zwischen den beteiligten Ländern vollständig beseitigt und der grenzüberschreitende Verkehr von Dienstleistungen und Personen erleichtert werden sollen. Im ASEAN-Verbund bestehen außerdem FHAs mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Anfang 2013 wurden Verhandlungen zur „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)“ aufgenommen, welche die ASEAN-Freihandelsabkommen mit den bilateralen Freihandelsabkommen der ASEAN-Mitgliedstaaten vereinheitlichen soll. Ein Abschluss der Verhandlungen wird für 2017 angestrebt.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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