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Malaysia

Wirtschaft

Stand: März 2015

Kurzprofil Wirtschaft

Malaysia hat sich erfolgreich vom Rohstofflieferanten zum diversifizierten Industriestandort mit einem mittleren Einkommensdurchschnitt entwickelt. Nichtsdestoweniger sind die Sektoren Erdöl und Erdgas sowie Palmöl weiterhin von großer Bedeutung für die Wirtschaft des Landes, da neben Förderung und Verkauf der Rohstoffe auch mittelbar damit verbundene Sektoren von Relevanz sind (z.B. nachgelagerte Industriezweige, Dienstleistungsbereich, energieintensive Produktionsbetriebe). Darüber hinaus tragen die Einnahmen aus dem Öl- und Gasgeschäft wesentlich zum Staatshaushalt Malaysias bei.

Langfristiges Ziel ist, dass Malaysia bis zum Jahre 2020 in die Riege der „High Income Countries“ aufsteigt. Dieses Ziel wird mit einem Netz aus mittelfristigen Plänen unterlegt. Relevant sind insbesondere die Fünfjahrespläne, mit denen die wirtschaftliche Entwicklung des Landes gesteuert wird. Zentral ist außerdem das "Government Transformation Programme", welches Reformvorhaben für die Verwaltung und das öffentliche Leben (u. a. Effizienzsteigerung, Bekämpfung von Korruption und Kriminalität) umfasst und im wirtschaftlichen Bereich durch das "Economic Transformation Programme" mit einer Vielzahl von Projekten ergänzt wird.

Malaysia belegt im United Nations Human Development Index 2014 den 62. Platz (von 187 Ländern, an dritter Stelle unter den ASEAN-Ländern nach Singapur und Brunei) und gehört damit zu den "Hochentwickelten Ländern".

Struktur der Wirtschaft

Malaysia ist eine wichtige Handelsnation mit Schwerpunkten bei elektronischen Gütern, so z.B. als weltweit exportierender Mikrochip- und Solarzellenhersteller. Nur noch 13 Prozent der Beschäftigung entfällt auf den land- und forstwirtschaftlichen Bereich. Im verarbeitenden Gewerbe arbeiten 17 Prozent der Beschäftigten, im Baugewerbe 9 Prozent. Der größte Anteil der Beschäftigung entfällt inzwischen mit ca. 60 Prozent auf den Dienstleistungsbereich, in dem im Jahr 2014 über 80 Prozent des Netto-Beschäftigungswachstums geschaffen wurden.

Nach der "BP Statistical Review of World Energy" (2014) produziert Malaysia ca. 0,7 Prozent des weltweiten Rohöls und 2,0 Prozent des Erdgases. Malaysia gehört zu den größten Palmöl- und Kautschuk-Produzenten der Welt. Während Palmöl sowohl als Bio-Kraftstoff als auch als Inhaltsstoff von Kosmetika und Lebensmitteln exportiert wird, wird ein Großteil der malaysischen Kautschukproduktion für den eigenen Markt verwendet. Hergestellt werden Reifen und vor allem Latexprodukte für den medizinischen Bereich.

Das wirtschaftliche Wachstum soll auch durch sogenannte regionale Entwicklungskorridore vorangetrieben werden, um die lokale Wirtschaft gezielter zu fördern und bestehende Ungleichgewichte zwischen den Regionen zu vermindern. Dies sind die „East Coast Economic Region“ (ECER), der „Iskandar Malaysia“, die „Northern Corridor Economic Region“ (NCER), der „Sabah Development Corridor“ (SDC), sowie der „Sarawak Corridor of Renewable Energy“ (SCORE). Die Regierung konnte die staatliche Neuverschuldung schrittweise von über 6 Prozent im Jahr im Jahr 2009 auf 3,5 Prozent im Jahr 2014 absenken. Für 2015 werden 3,2 Prozent angestrebt. Die Staatseinnahmen stammten 2014 zu rund 30 Prozent aus den Einnahmen des Öl- und Gasgeschäfts, insbesondere aus Zahlungen des staatlichen Öl-und Gaskonzerns Petronas. Die Steuerbasis wird ab April 2015 durch die Einführung der Goods and Services Tax (entspricht einer allgemeinen Mehrwertsteuer) verbreitert. Entsprechend soll die Abhängigkeit vom Öl- und Gassektor weiter reduziert

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Malaysias anhaltender wirtschaftlicher Aufschwung hat sich durch den stark gesunkenen Ölpreis verlangsamt. Zwar konnte 2014 noch ein Wachstum von 6,0% erreicht werden. Die Erwartungen für 2015 wurden jedoch von der Regierung auf 4,5 bis 5,5 Prozent nach unten korrigiert. Wachstumstreiber im vergangenen Jahr war insbesondere die private Konsum- und Investitionsnachfrage; dies wird auch für 2015 erwartet. Das traditionell positive Leistungsbilanzsaldo lag 2014 bei 4,8 Prozent des BIP. Es soll nach Einschätzung der malaysischen Zentralbank jedoch 2015 auf 2 bis 3% abschmelzen. Hintergrund sind unter anderem die gesunkenen Erwartungen im Bereich Außenhandel, der sich 2014 noch sehr positiv entwickelt hatte (Ausfuhren: + 6,4 Prozent), sowie ein Außenhandelsdefizit im Dienstleistungsbereich.

Die Arbeitslosenquote liegt mit ca. 3 Prozent nahe einer Vollbeschäftigung. Malaysia wies 2014 eine Inflationsrate von 3,2 Prozent auf, die nach Einschätzung der Zentralbank im laufenden Jahr auf 2-3 Prozent absinken soll. Unterstützt wird dies durch gesunkene Treibstoffkosten.

Malaysias Wirtschaft steht in den einschlägigen Rankings überdurchschnittlich gut da. Im Weltbankbericht "Doing Business 2014" erreichte Malaysia den 18. Platz (Deutschland Platz 14) und konnte sich damit vor Ländern wie Taiwan, Österreich oder der Schweiz platzieren. Auch im „Global Competitiveness Report 2014-2015“ des World Economic Forum schneidet Malaysia mit Platz 20 gut ab (Deutschland Platz 5).

Neben den guten Noten für die malaysische Wirtschaft gibt es aber auch Kritikpunkte. Die mit dem „Government Transformation Programme“ angestrebte Korruptionsbekämpfung ist in der Öffentlichkeit kaum zu spüren. Im Korruptionswahrnehmungsindex 2014 von „Transparency International“ hat sich Malaysia mit einem Wert von 52 im Vergleich zum Vorjahr nur leicht verbessern können. Die schwierige Lage wichtiger staatsnaher Unternehmen wie Malaysia Airlines, des KfZ-Herstellers Proton und jüngst insbesondere des Investitionsvehikels „1Malaysia Berhad“ erschweren die Situation zusätzlich.

Offenheit gegenüber der Weltwirtschaft

Malaysia ist sehr exportorientiert und hat sich als Vollmitglied der Welthandelsorganisation sowie in ASEAN und APEC für den Abbau von Handelsschranken engagiert. Das Außenhandelsvolumen entspricht dem 1,6-fachen des Bruttosozialproduktes. Damit ist die Inlandskonjunktur auch von der Nachfrage in den Hauptabsatzmärkten abhängig. Nach Angaben von Matrade (Malaysian External Trade Development Agency) sind die wichtigsten Exportgüter elektronische Güter (33%), Öl und Ölprodukte (13,6%), LNG (8,3 %), Chemische Produkte (6,7%) und Palmöl (6,1%).

Wichtigster Handelspartner ist seit 2009 die Volksrepublik China. Die Top 10 Handelspartner liegen mit Ausnahme der USA in der Region. Der Gesamtanteil der EU-Mitgliedstaaten am Außenhandel Malaysias stieg jedoch im Jahre 2014 von 9,1 auf 9,5 Prozent. Deutschland ist der wichtigste Handelspartner in der EU. Der Außenhandel mit Deutschland stieg 2014 deutlich an und liegt nun bei rund 10,9 Mrd. EUR. Die deutschen Exporte nach Malaysia beliefen sich unverändert auf 4,8 Mrd. EUR, die Einfuhren nach Deutschland stiegen um 9 Prozent auf 6,1 Mrd. EUR.

Mit 236 Mrd. MYR genehmigten Investitionen wurde in 2014 ein neuer Höchststand erreicht. 27,4 Prozent (knapp 40 Mrd. MYR, d.h. knapp 10 Mrd. EUR) davon entfielen auf ausländische Direktinvestitionen. Deutschland gehört regelmäßig zu einem der größten Investoren in Malaysia (2014: Rang 4 mit 4,4 Mrd. MYR, d.h. über 1 Mrd. EUR, an neu genehmigten Investitionen).

Malaysia ist in ein dichtes Netz an Freihandelsabkommen (FHA) eingebunden. Bilaterale Freihandelsabkommen bestehen mit Japan (seit 2006), Pakistan (seit 2008), Neuseeland (seit 2010), Indien (seit 2011), Chile (seit 2012), Australien (seit 2013) und der Türkei (seit 2014). Mit der EU laufen seit 2010 Verhandlungen zum Abschluss eines Freihandelsabkommens sowie eines flankierenden Partnerschafts- und Kooperationsabkommens. Nach zweijähriger Pause wurden die Verhandlungen zu Letzterem 2014 wieder aufgenommen. Parallel dazu führt das Land Verhandlungen mit den Pazifikanrainer-Staaten zum Abschluss eines „Trans Pacific Partnership Agreements“ (TPPA).

Malaysia ist seit 1993 in der „ASEAN Free Trade Area” engagiert. Zum Ende des Jahres 2015 wird unter malaysischem ASEAN-Vorsitz die Schaffung einer „ASEAN Economic Community“ angestrebt, in der Zölle zwischen den beteiligten Ländern vollständig beseitigt und der grenzüberschreitende Verkehr von Dienstleistungen und Personen erleichtert werden sollen. Im ASEAN-Verbund bestehen außerdem FHAs mit Südkorea, Japan, China sowie mit Indien, Australien und Neuseeland. Anfang 2013 wurden Verhandlungen zur „Regional Comprehensive Economic Partnership (RCEP)“ aufgenommen, welche die ASEAN-Freihandelsabkommen mit den bilateralen Freihandelsabkommen der ASEAN-Mitgliedstaaten vereinheitlichen soll.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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