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Beziehungen zu Deutschland
Stand: Februar 2013
Politische Beziehungen
Das Jahr 2012 stand im Zeichen des 150. Jahrestags der Aufnahme diplomatischer Beziehungen zwischen Thailand und Deutschland. Dieses Jubiläumsjahr wurde zu einer erneuten Intensivierung des politischen Besucheraustausches genutzt. Im April besuchte Bundesaußenminister Guido Westerwelle Thailand, im Juli besuchte Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra Berlin. Im September statteten Bundeswirtschaftsminister Philipp Rösler, im Oktober Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Bangkok offiziellen Besuche ab.
Diplomatische Beziehungen zwischen Deutschland und Thailand wurden 1862 mit der Unterzeichnung des Freundschafts-, Handels- und Schifffahrtsvertrages durch Graf Friedrich zu Eulenburg und S.M. König Mongkut begründet. Im Laufe der folgenden Jahrzehnte übten deutsche Kaufleute und Fachleute großen Einfluss im siamesischen (thailändischen) Wirtschaftsleben aus und spielten eine wichtige Rolle bei der Entwicklung einer modernen Infrastruktur des Landes (Aufbau eines Telegrafennetzes, Ausbau des Hafens und der Eisenbahn).
Die erste Europareise eines Königs von Siam im Jahre 1897 führte König Chulalongkorn auch nach Deutschland, wo er begeistert empfangen wurde. Im Zweiten Weltkrieg wurden die Beziehungen unterbrochen, 1954 wieder aufgenommen.
Heute ist Thailand für Deutschland einer der wichtigsten politischen Partner in der aufstrebenden Region Südostasiens. Im Staatenbund ASEAN nimmt Thailand eine Schlüsselstellung ein. Beide Länder sind durch enge und substanzreiche politische Beziehungen verbunden, die sich in einem regen politischen Besuchsverkehr, einer engen Zusammenarbeit bei vielen politischen Themen, in multilateralen Institutionen wie den Vereinten Nationen sowie in der Präsenz von fünf der sechs deutschen politischen Stiftungen in Thailand niederschlagen.
Wirtschaftliche Beziehungen
Mehr als 500 deutsche Firmen sind in Thailand vertreten, darunter eine Vielzahl mittelständischer Unternehmen. Deutsche Wirtschaftsinteressen liegen insbesondere in den Bereichen Verkehrsinfrastruktur, Chemie, Automobilindustrie, Umwelttechnologie und Energie.
Die vom Board of Investements geförderten deutschen Investitionen beliefen sich 2011 auf rund 60 Millionen Euro. Bis zum November betrugen die Neuinvestitionen 2012 bereits rund 70 Millionen Euro
Die thailändische Wirtschaft ist 2012 erneut robust und dynamisch um 5 Prozent gewachsen. Sie hat sich von dem schweren, flutbedingten Einbruch 2011 (nahezu Nullwachstum) erholt. Thailand verzeichnete vom Januar bis November 2012 ein Handelsbilanzdefizit in Höhe von 14,2 Milliarden Euro. Deutsche Firmen haben von Januar bis Oktober 2012 Waren im Wert von etwa 3,5 Milliarden Euro nach Thailand exportiert und im Wert von circa 3,4 Milliarden Euro importiert. Das bilaterale Handelsvolumen lag in den ersten zehn Monaten 2012 bei 6,9 Milliarden. Euro (Zuwach von 12,6 Prozent im Vergleich zum gleichen Zeitraum).
Deutschland war 2012 für Thailand der wichtigster Handelspartner in der Europäischen Union. Insgesamt belegte Deutschland 2011 in der thailändischen Exportstatistik Rang 17, in der Importstatistik Rang 13. Deutschland exportierte vor allem Investitionsgüter, chemische, elektrische und elektronische Produkte und importierte elektronische Produkte, Schmuck und Edelsteine, Maschinenteile sowie Textilien und landwirtschaftliche Produkte.
Im Oktober 2012 fand in Bangkok der Dritte Deutsch-Thailändische Gemeinsame Wirtschaftsausschuss statt. Die Sitzung des Gemeinsamen Wirtschaftsausschusses erwies sich erneut als eine geeignete Plattform, um den Dialog zwischen Politik und Wirtschaft auf höchster Ebene fortzuführen und in einem weltwirtschaftlich schwierigen Umfeld die Bedeutung der deutsch-thailändischen Wirtschaftsbeziehungen zu unterstreichen.
Deutsche Unternehmen sind regelmäßig Aussteller auf allen wichtigen Messen in Thailand. Thailändische Unternehmen besuchen ebenso regelmäßig Messen in Deutschland, insbesondere in den Bereichen Nahrungsmittel, Medizintechnik, Maschinenbau, Kommunikations- und Informationstechnologie sowie Tourismus. Im Jahr 2012 fanden 12 Messen mit deutscher Beteiligung statt.
Bereits im Oktober 2004 war der bestehende Investitionsförderungs- und -schutzvertrag in Kraft getreten. Das "Open-Skies"-Abkommen datiert von Anfang 2005.
Entwicklungszusammenarbeit
Die bilaterale technische Zusammenarbeit blickt auf 55 Jahre und ein Gesamtvolumen von über 1 Milliarde Euro zurück. Zuletzt war im Frühjahr 2002 für die kommenden acht bis zehn Jahre der Bereich "Förderung der Ökoeffizienz kleiner und mittlerer Unternehmen" als Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit festgelegt worden. Das entsprechende Abkommen wurde am 14. Juli 2005 unterzeichnet. Die zweite Phase der Entwicklungszusammenarbeit (EZ) ist inzwischen mit Mittelvolumen von 6,2 Millionen Euro vom Mai 2008 bis Dezember 2011 durchgeführt und beendet worden. Eine Fortsetzung der institutionalisierten bilateralen Entwicklungszusammenarbeit ist nicht geplant. Dementsprechend ist die offizielle Entwicklungszusammenarbeit 2012 ausgelaufen. Das Schwellenland Thailand entwickelt sich zunehmend vom Nehmer- zum Geberland staatlicher Entwicklungshilfe. Deutschland unterstützt diesen Prozess im Rahmen einer thailändisch-deutschen Trilateralen Zusammenarbeit mit Kambodscha, Laos und Vietnam. Die Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit richtet ihre Tätigkeit derzeit verstärkt auf trilaterale Kooperation und regionale Integrationsprojekte hin aus.
Klima- und Umweltpolitik
Die seit August 2011 amtierende Regierung von Ministerpräsidentin Yingluck Shinawatra arbeitet daran, angekündigte neue Akzente vor allem auch in der Klima-, Energie- und Umweltpolitik umzusetzen. Im Vordergrund neuer Gesetzesinitiativen stehen der bessere Schutz von Wäldern und Küsten sowie Landreformen zugunsten der armen Bevölkerung unter Berücksichtigung umweltpolitischer Aspekte stehen. Zu umwelt- und klimapolitischen Fragen besteht ein enger Austausch mit dem Bundesumweltministerium, das mittelfristig einen strategischen Umweltdialog mit Thailand anstrebt. Thailand hat bisher keine verbindlichen Ziele für die Reduktion von Treibhausgasemissionen im Rahmen der internationalen Klimaschutzpolitik übernommen. Das Land unternimmt– auch vor dem Hintergrund nicht weiter verfolgter Pläne zum Bau von Kernkraftwerken und der hohen Abhängigkeit von Gas für die Stromproduktion (70 Prozent) - erhebliche Anstrengungen, den steigenden Energiebedarf vermehrt auch durch die Erschließung erneuerbarer Energien zu decken (Erneuerbaren-Energien-Ziel von 22 Prozent des Energieverbrauchs bis 2022). Das Regierungsprogramm von 2011 sieht vor, 25 Prozent der fossil erzeugten Energie in nächsten zehn Jahren durch erneuerbare Energie zu ersetzen. In den nächsten zwanzig Jahren soll der Stromverbrauch in der Produktion um 25 Prozent effizienter werden.
Kultur und Bildung
Die kulturellen Beziehungen zwischen beiden Ländern sind eng und basieren auf einem Kulturabkommen von 1984. Das Goethe-Institut in Bangkok ist ein wichtiger Motor des kulturellen Austauschs insbesondere bei der Förderung der deutschen Sprache. Es besteht seit über 50 Jahren in Thailand. Das Programm umfasst neben Filmwochen und Ausstellungen auch Konzerte und den Beethoven-Wettbewerb für junge musikalische Talente aus Thailand.
Im Bildungsbereich arbeiten Deutschland und Thailand bei vielfältigen Projekten zusammen. Im Jahr 2012 richtete Thailand in Zusammenarbeit mit Experten der Universität Bielefeld die erste Kinderuniversität ein. Die Idee ist es, Kinder und Jugendliche für Naturwissenschaften zu begeistern.
Vielfältige Partnerschaften bestehen auch im akademischen Bereich: Deutsche Universitäten sind durch mehr als 130 Partnerschaften mit thailändischen Hochschulen verbunden. Der Deutsche Akademische Austauschdienst (DAAD) ist in Thailand mit einem Studienberatungszentrum und fünf Lektoren präsent. Außerdem vergibt der DAAD eine Vielzahl von Stipendien an thailändische Studenten und Wissenschaftler. Für junge Thailänder ist Deutschland einer der beliebtesten ausländischen Studienorte.
Hinweis
Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.
