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Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Tadschikistan ist die ärmste der fünf zentralasiatischen Republiken. Durch die Folgen des verheerenden Bürgerkrieges von 1992 bis 1997 wurde das Land zusätzlich deutlich zurückgeworfen. Auch heute noch leben etwa 36% der Bevölkerung unterhalb der Armutsgrenze. Die tadschikische Regierung versucht diesen Herausforderungen mit einem Armutsbekämpfungsprogramm zu begegnen. In einigen entscheidenden Bereichen, etwa der Korruptionsbekämpfung oder der Verbesserung der Rahmenbedingungen für die heimische Wirtschaft sowie für ausländische Direktinvestitionen, steckt die Entwicklung allerdings noch in den Anfängen. Demgegenüber ist im zentralen, von Gebern unterstützten Reformbereich der Neuausrichtung der Landwirtschaft (Umwandlung früherer Kolchosen in selbständige kleine u. mittelgroße Agrarbetriebe) seit 2009 ein gewisser Fortschritt zu konstatieren (u.a. Schaffung wichtiger Rechtsgrundlagen "Freedom to farm"-Dekret).

Aktuelle wirtschaftliche Lage

Seit dem Jahr 2010 zeigte sich nach den negativen Auswirkungen der globalen Finanzkrise 2009 eine deutliche wirtschaftliche Erholung: zunächst mit Wachstumsrate des BIP von 6,5% bei einer Inflationsrate von 9,8%, zuletzt 2013 mit 7,4% Wachstum sowie deutlich gesunkener Inflation von 4,8%. Das nominale BIP lag 2013 bei 8,5 Mrd. USD.

Die in den Wachstumsraten zum Ausdruck kommende Erholung war hauptsächlich auf den zwischenzeitlichen Anstieg von Nachfrage und Preisen bei Aluminium und Baumwolle sowie die seit 2010 in wachsendem Maße gestiegenen Rücküberweisungen der Gastarbeiter zurückzuführen, die mittlerweile über 50% zum BIP beitragen. Mit einer Abschwächung des Wachstums 2014 wird gerechnet.


Wirtschaftssektoren

Nur sieben Prozent der Fläche des Landes sind für die Landwirtschaft geeignet. Der überwiegende Teil der Bevölkerung (ca. 70%) ist dennoch hier tätig. In der tadschikischen Landwirtschaft dominiert die Baumwolle, außerdem werden Obst (Aprikosen, Weintrauben, Äpfel), Gemüse, Nüsse und Getreide angebaut. Die Nahrungsmittelproduktion deckt besonders bei Getreide nicht den Eigenbedarf der Bevölkerung. Das Land ist regelmäßiger Empfänger von Nahrungsmittelhilfe des Welternährungsprogramms der Vereinten Nationen sowie diverser bilateraler Geber.

Im industriellen Sektor sind die Aluminiumproduktion und Energiegewinnung aus Wasserkraft die dominierenden Zweige. Die Industrieproduktion nahm in den letzten Jahren trotz des u.a. durch den weltweiten Preisverfall bei Aluminium bedingten Rückgangs der Produktion der einzigen Aluminiumfabrik des Landes weiter zu. Bergbau und Baustoffindustrie haben in den letzten Jahren an Bedeutung gewonnen.

Die Stromversorgung Tadschikistans erfolgt zu 98 Prozent durch Wasserkraft. Seit Abtrennung vom zentralasiatischen Stromverbund im Dezember 2009 durch Usbekistan können die in den Wintermonaten erforderlichen Stromimporte nicht mehr erfolgen. Landesweite Stromrationierungen sind die Folge. Das Wasserkraftpotential des Landes ist derzeit bei weitem nicht ausgeschöpft, der Bau neuer Wasserkraftwerke eine Priorität der Regierung. Größtes Wasserkraftwerk ist mit einer Kapazität von 3.000 MW das am Vakhsch-Fluss gelegene Nurek, eines der größten weltweit. Mit iranischer Unterstützung wurde das erste Aggregat des Wasserkraftwerks Sangtuda II (insges. 220 MW) im Süden des Landes 2011 fertiggestellt, das zweite wurde 2014 eingeweiht. Die russische Investition Sangtuda I (670 MW) wurde 2009 fertiggestellt. Tadschikistan hält weiterhin an der Vollendung des zu Sowjetzeiten begonnenen Großkraftwerkes Rogun (3.600 MW) fest. Vor einer bislang keineswegs gesicherten Verwirklichung sind v.a. außenpolitisch aber noch hohe Hürden zu überwinden.

Die Parallel- und Schattenwirtschaft sowie der informelle Sektor spielen im Lande eine große Rolle. Hier erweist sich insbesondere die Nähe zu Afghanistan und die damit verbundene Verwicklung in das Drogentransitgeschäft für das Image des Landes als problematisch. Der informelle Sektor wird ebenfalls stark von den Rücküberweisungen der tadschikischen Wanderarbeiter beeinflusst.

Die endemische Korruption sowie behördliche Willkür, fehlende Rechtssicherheit und Kapitalmangel stellen neben fehlender Infrastruktur nach wie vor erhebliche Investitionshemmnisse dar, die eine umfassende Belebung des privatwirtschaftlichen Investitionsgeschehens verhindern. Dessenungeachtet haben sich in den letzten Jahren einige Länder, vor allem die VR China, mit einer Reihe von Infrastruktur-Großprojekten (Energie, Bergbau, Straßenbau) sowie industriellen Investitionen engagiert.


Außenwirtschaft

Der tadschikische Außenhandel hatte zwischen 2005 und 2008 mit Zuwachsquoten von bis zu 25% einen spürbaren Aufschwung genommen. 2009 war krisenbedingt ein Rückgang um etwa ein Viertel zu verzeichnen. Während die Importe in den Folgejahren stark anstiegen, erreichten die Exporte nur 2011 den Wert von 2008. 2012/13 lagen sie um ca. 10% darunter; folglich hat das Handelsbilanzdefizit stark zugenommen. Es erreichte 2013 fast 3 Mrd. $. Hauptgrund für das hohe Defizit war neben der Zunahme der Importe der Preisverfall bei den Hauptexportgütern (Aluminium, Baumwolle). Die wichtigsten Außenhandelspartner Tadschikistans sind Russland, die Türkei, China, Iran, Kasachstan, die Schweiz und die USA.


Außenhandel mit Deutschland

Obwohl eine Reihe bilateraler Wirtschaftsabkommen geschlossen wurden, ist der Umfang des Handelsaustauschs mit Deutschland vergleichsweise unbedeutend und unterliegt zudem starken Schwankungen. In den letzten Jahren überstiegen die Importe aus Deutschland laut tadschikischer Statistik die Marke von 50 Mio $ nicht; die deutschen Exporte waren noch geringer. Allerdings gibt es einen – aber ebenfalls nicht sehr bedeutenden – Handel über Drittländer. Tadschikistan führt aus Deutschland Maschinen, Fahrzeuge und andere technische Geräte und Anlagen sowie chemische Erzeugnisse ein.


Regionale wirtschaftliche Zusammenschlüsse

Tadschikistan ist Mitglied der ECO (Economic Cooperation Organization). Die Organisation wurde 1992 zwischen Pakistan, Iran und der Türkei gegründet und hat die Vision, eine vergleichbare Struktur wie die der EU oder ASEAN aufzubauen. Weitere Mitglieder sind die zentralasiatischen Staaten und Afghanistan.

Tadschikistan sieht sich Druck aus Russland und Kasachstan ausgesetzt, der Zollunion beider mit Weißrussland beizutreten. Eine Mitgliedschaft in der Zollunion wäre aber nur unter Inkaufnahme von finanziellen Nachteilen mit der nach zwölfjährigen Verhandlungen am 2.3.2013 erreichten Mitgliedschaft in der Welthandelsorganisation WTO (seit 02. März 2013) vereinbar.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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