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Brasilien

Wirtschaft

Stand: Oktober 2015

Wirtschaftliche Lage

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 2.353 Mrd. USD (2014) ist Brasilien die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ca. 11.604,5 USD. Die brasilianische Wirtschaft zeigt einen relativ hohen Grad an Diversifikation. Etwa  69% der Bruttowertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erbracht, rund 25% in der Industrie und ca. 6% BIP-Anteil in der Landwirtschaft („Agrarbusiness“/Produktion und Verarbeitung von Agrarrohstoffen insgesamt 23% des BIP).

Hohe Wachstumsraten und solider Beschäftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Ein erheblicher Beschäftigungszuwachs war auf dem formellen Arbeitsmarkt (umfasst 50% der Beschäftigungsverhältnisse) mit 2,2 Mio. Personen und insgesamt niedriger Arbeitslosenquote von 4,8% (2014) zu verzeichnen. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP kräftig expandieren; zwischen 2004 und 2011 lag das Wirtschaftswachstum im Schnitt bei 4,9%.

Seit 2012 hat sich das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft  allerdings deutlich abgeschwächt. 2013 lag es bei rund 2,3%; 2014 verzeichnete Brasilien nahezu ein Null-Wachstum (+0,1%). Für 2015 und 2016 wird eine Rezession (-3% und -1%) erwartet. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich. Mit über 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit über 80% Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit rund 20%-Anteil am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung für das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige und weiter sinkende Investitionsquote von unter 20% des BIP dar.

Sorgenkind ist die Industrie. Ihre Produktion sinkt seit 2014. Die niedrige Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie ist insbesondere auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die in Folge der internationalen Wirtschaftslage verstärkt hervortreten.

Die Handelsposition Brasiliens hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. 2014 wies die Handelsbilanz sogar erstmals seit über einer Dekade ein Defizit in Höhe von 3,9 Mrd. USD auf. Das Handelsvolumen im Vergleich zu 2013 ging 2014 um 5,7% zurück. Dabei sanken die Ausfuhren – trotz schwächeren Reals – um rund 7% (225 Mrd. USD); auch die Einfuhren sanken (-4,4%).

Größter Exportmarkt in 2014 blieb mit einem Anteil von fast 18,7% die EU vor China mit 18% und den USA mit 12,1%. Der brasilianische Export ist weiterhin durch Rohstoffe dominiert. Zu den wichtigsten Ausfuhrerzeugnissen gehören Sojaprodukte, Fleisch, Zucker und Eisenerz. Die meisten Importe (20,4%) hat Brasilien 2014 wie im Vorjahr aus der EU bezogen, vor China, USA und Argentinien.

Das Handelsvolumen zwischen Brasilien und Deutschland ist 2014 nach Angaben des statistischen Bundesamtes mit rund 20 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr fast gleich geblieben. Die Exporte nach Brasilien sind um fast 1% auf 11,8 Mrd. Euro gestiegen, die deutschen Importe aus Brasilien gingen um 7% auf rund 6,6 Mrd. Euro zurück. Der positive Handelsbilanzsaldo für Deutschland lag bei 7,2 Mrd. Euro. Brasilien ist damit in der Reihenfolge der Handelspartner Deutschlands um einen Platz auf Rang 23 zurückgefallen. Aufgrund des sogenannten 'Rotterdam-Effekts' (Einfuhr für Deutschland bestimmter Güter über einen niederländischen Hafen) weichen die brasilianischen Zahlen in der Regel von den deutschen Zahlen ab. Ende Juni 2015 hat Brasilien den neuen Exportplan vorgestellt. Der Exportplan soll den Zugang zu Exportmärkten verbessern, die Außenwirtschaftsförderung verstärken, Handelserleichterungen schaffen, die Finanzierung und Garantien für Exporte erleichtern und das Steuersystems vereinfachen.

Die Hauptexportprodukte Brasiliens nach Deutschland sind Eisenerz, Soja und Kaffee, Zivilflugzeuge, Kupfer und Rohöl. Zu den Hauptimportgütern aus Deutschland zählen Autos, Autoteile und -zubehör, Chemie- und pharmazeutische Produkte sowie Maschinen.

Brasilien konnte auch 2014 einen deutlichen Zustrom von Direktinvestitionen in Höhe von 62,5 Mrd. US-Dollar verzeichnen. Dieser Wert liegt zwar etwas unter den Werten der vergangenen zwei Jahre, zeigt aber deutlich, dass Brasilien weiterhin ein attraktiver Standort für ausländische Investitionen ist


Wirtschaftspolitik

Brasilien hat in den letzten beiden Jahrzehnten vor allem dank der anhaltenden Nachfrage aus Asien nach agrarischen, mineralischen und energetischen Rohstoffen eine positive Entwicklung genommen, die auch fiskalische Spielräume für nachfragestimulierende Programme und Sozialtransferprogramme eröffnet hat. Mit der rückläufigen Nachfrage aus Asien sind auch die fiskalischen Spielräume wieder kleiner geworden, wodurch sich die Regierung gezwungen sah, eine vorrangig auf Haushaltskonsolidierung ausgerichtete Linie einzuschlagen. Die Inflation übersteigt mit über 9% den ursprünglichen Zielkorridor inzwischen deutlich. Gleichzeitig ist das Leitzinsniveau stark angehoben worden (über 14%). Die Teuerung trifft vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten.

Durch die Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste könnte Brasilien zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten weltweit aufsteigen, allerdings nur, wenn der Preis auf den Weltölmärkten wieder ansteigt. Der halbstaatliche Erdölkonzern Petrobras ist allerdings mit erheblichen Korruptionsvorwürfen konfrontiert, die seine Leistungsfähigkeit und potentielle Investitionsfähigkeit erheblich schwächen. Jüngst wurde Petrobras sogar von S&P um zwei Stufen auf BB herabgestuft.

Vom großen Reichtum des Landes an diesen Rohstoffen und den sportlichen Großereignissen, wie der FIFA-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016, gingen bisher weniger Wachstumsimpulse aus als erwartet. Zum Ausbau der Infrastruktur setzt die brasilianische Regierung auf den im Juni 2015 neu verkündeten Infrastrukturplan. Danach sollen insgesamt 198,4 Mrd. BRL, umgerechnet rund 45 Mrd. Euro in die Infrastruktur investiert werden (69,2 Mrd. BRL sollen von 2015 bis 2018 und 129,2 Mrd. BRL ab 2018 mobilisiert werden). Der Plan umfasst Neubau, Ausbau und Betrieb von Straßen, Schienen, Häfen und Flughäfen (davon: 66,1 Mrd. BRL für Straßen, 86,4 Mrd. BRL für Schienen, 37,4 Mrd. BRL für Häfen, 8,5 Mrd. BRL für Flughäfen). Vorherige Programme der Regierung hatten über 2 Billionen BRL (ca. 455 Mrd. Euro) für  Investitionen in den Bereichen Energie, Infrastruktur und Wohnungsbau vorgesehen. Allerdings mangelt es in großem Umfang an der  Umsetzung der gesetzten Ziele.  Beim geplanten Flughafenausbau gibt es bereits  positive Entwicklungen. Nachdem 2012 bereits drei Hauptflughäfen (São Paulo, Campinas, Brasília) privatisiert wurden,  wurde 2013 auch die zweite Privatisierungsphase (Rio de Janeiro, Belo Horizonte, São Paulo) erfolgreich abgeschlossen. 2016 sollen weitere Flughäfen privatisiert werden (Porto Alegre, Salvador, Florianópolis und Fortaleza). Der Energiebereich kämpft mit ernsthaften strukturellen Problemen. Die anhaltende Dürre, verbunden mit der Abhängigkeit von Wasserkraftwerken, führt zu einer sinkenden Erzeugungsleistung und höheren Preisen.

Zum Schutz der brasilianischen Industrie greift Brasilien auch auf steuerliche Maßnahmen zurück, die Einfluss auf den Handel haben, wie z.B. das Programm 'Inovar-Auto', das brasilianische Hersteller im Kfz- und Teilebereich von bestimmten Steuern unter bestimmten Umständen ganz oder teilweise ausnimmt. Die Europäische Kommission hat Ende 2013 im Hinblick darauf ein Konsultationsverfahren vor der WTO eingeleitet.

Ein besonderer Schwerpunkt der Außenwirtschaftspolitik Brasiliens bleiben der Mercosul und Südamerika insgesamt. Brasilien und Deutschland setzen sich für Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Mercosul und der EU ein. Die Verhandlungen kommen aber weniger schnell voran als erhofft. Beim EU-Mercosul-Ministertreffen im Juni 2015 einigte man sich darauf, Ende des Jahres Marktzugangsangebote auszutauschen. 


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