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Brasilien

Wirtschaft

Stand: Oktober 2014

Wirtschaftliche Lage

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rd. 2.243 Mrd. USD (2013) ist Brasilien die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ca. 11.310 USD. Die brasilianische Wirtschaft zeigt einen relativ hohen Grad an Diversifikation. Etwa  69% der Bruttowertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erbracht, rd. 25% in der Industrie und ca. 6% BIP-Anteil in der Landwirtschaft („Agrarbusiness“/Produktion und Verarbeitung von Agrarrohstoffen insgesamt 23% des BIP).

Hohe Wachstumsraten und solider Beschäftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Ein erheblicher Beschäftigungszuwachs war auf dem formellen Arbeitsmarkt (umfasst 50% der Beschäftigungsverhältnisse) mit 2.2 Mio. Personen und insgesamt niedriger Arbeitslosenquote von 5,4% (2013) zu verzeichnen. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP kräftig expandieren; zwischen 2004 und 2011 lag das Wirtschaftswachstum im Schnitt bei 4,9%.

Seit 2012 hat sich das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft  allerdings deutlich abgeschwächt. 2013 lag es bei rd. 2,3%; für 2014 ist sogar ein Nullwachstum des BIP nicht auszuschließen. Mit über 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit über 80% Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit rd. 20%-Anteil am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung für das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige Investitionsquote von unter 18% des BIP dar.

2013 ist die Landwirtschaft  um 7% gewachsen. Das Wachstum der Industrie hingegen lag lediglich bei 1,3%. Die weiter rückläufige Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie ist insbesondere auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die in Folge der internationalen Wirtschaftslage verstärkt hervortreten.

Die Handelsposition Brasiliens hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. Mit einem Handelsbilanzüberschuss von 2,5 Mrd. USD wurde 2013 das schlechteste Handelsbilanzergebnis seit 2000 erreicht. Das Handelsvolumen ist im Vergleich zu 2013 um 3,4% gestiegen; die Ausfuhren (rd. 242 Mrd. USD) blieben trotz schwächerem Reals mit einem Rückgang um 0,2% nahezu konstant; die Einfuhren (rd. 239,6 Mrd. USD) sind um 7,4% gestiegen.

Größter Exportmarkt blieb mit einem Anteil von fast 20% die EU vor China mit 19%. Nach Asien insgesamt gingen über 32% aller Exporte. Weitere wichtige Exportländer sind die USA (10,3%), Argentinien (8,1 %), sowie die Region Lateinamerika/Karibik insgesamt. Der brasilianische Export ist weiterhin durch Rohstoffe dominiert. Zu den wichtigsten Ausfuhrerzeugnissen gehören Sojaprodukte, Fleisch, Zucker und Eisenerz. Rückgängig war 2013 vor allem der Export halbfertiger Industrieprodukte. Insgesamt ist der Rohstoffanteil am Export in den letzten Jahren auf über fast 50% weiter gestiegen. 2013 hat vor allem der Sojaexport wertmäßig stark zugenommen. Die meisten Importe (über 21%-Anteil) hat Brasilien 2013 wie im Vorjahr aus der EU bezogen, vor China, USA und Argentinien. Hier dominieren industrielle Zwischengüter und Kapitalgüter.

Das Handelsvolumen zwischen Brasilien und Deutschland ist 2013 nach Angaben des statistischen Bundesamtes mit rd. 20 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahrleicht gesunken. Die Exporte nach Brasilien sind um 2,7% auf 11,4 Mrd. Euro gefallen, die deutschen Importe aus Brasilien gingen um fast. 16% auf rd. 9 Mrd. Euro zurück. Der positive Handelsbilanzsaldo für Deutschland lag bei 2,5 Mrd. Euro). Brasilien ist damit in der Reihenfolge der Handelspartner Deutschlands um einen Platz auf Rang 22 zurückgefallen. Aufgrund des  sog. „Rotterdam-Effekts“ (Einfuhr für D bestimmter Güter über einen NL-Hafen) weichen die brasilianischen Zahlen in der Regel von den deutschen Zahlen ab.

Die Hauptexportprodukte Brasiliens nach Deutschland sind Eisenerz, Soja und Kaffee, Zivilflugzeuge, Kupfer und Rohöl. Zu den Hauptimportgütern aus Deutschland  zählen Autos, Autoteile und -zubehör, Chemie- und pharmazeutische Produkte sowie Maschinen.

Brasilien konnte auch 2013 einen deutlichen Zustrom von Direktinvestitionen in Höhe von 63 Mrd. US-$ verzeichnen. Dieser Wert liegt etwas unter dem Rekordhoch aus dem vergangenen Jahr, zeigt aber deutlich dass Brasilien weiterhin ein attraktiver Standort für ausländische Investitionen ist. Aus Deutschland flossen 2013 Netto-Direktinvestitionen in Höhe von ca. 2,2 Mrd. Euro nach Brasilien. Der akkumulierte Bestand deutscher Direktinvestitionen in Brasilien unter Einschluss von Reinvestitionen beläuft sich auf über 24 Mrd. Euro (Stand 2012).


Wirtschaftspolitik

Brasilien hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt, gezeichnet von Wirtschaftswachstum, makroökonomischer Stabilität und dem Abbau von sozialen Ungleichgewichten. Allerdings legt die nun seit einigen Jahren anhaltende schwächere Entwicklung der Wirtschaftszahlen ein Umlenken in der Wirtschaftspolitik nahe. Das nachfrageorientierte BIP-Wachstum, das vor allem vom Konsum privater Haushalte sowie einem ausgabefreudigen Staat getragen wurde, stößt zunehmend an seine Grenzen.

Eines der Hauptprobleme des Landes ist die Inflation, die sich nur schwer in den Griff bekommen lässt. Mit 5,9% lag die Inflationsrate auch Ende 2013 erneut deutlich über dem Zielwert von 4,5% der Zentralbank. Dabei hatte die Zentralbank bereits im April 2013 angefangen einen restriktiveren geldpolitischen Kurs einzuschlagen. Seit dem wurde der Leitzins Selic mehrfach auf aktuell 11% angehoben. Der Realzins liegt damit bei 5% und gehört zu den höchsten weltweit. In den kommenden Monaten, ist nicht mit einer Senkung der Zinsen zu rechnen.

Durch die Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstl. Atlantikküste könnte Brasilien zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten weltweit aufsteigen. Vom großen Reichtum des Landes an diesen Rohstoffen und den sportlichen Großereignissen, die FIFA- WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016, gingen bisher aber weniger Wachstumsimpulse aus als erwartet.

Zum Ausbau der Infrastruktur setzt die brasilianische Regierung vor allem auf das Programm zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums  (PAC – Programa de Aceleração do Crescimento) dar. Das Gesamtvolumen des PAC-Programms 1 beträgt über 1,1 Bio. Reais (ca. 380 Mrd. €). Ein Großteil der Investitionen soll durch private Unternehmen erfolgen. 2010 wurde PAC 1 durch „PAC 2“ verlängert und noch einmal kräftig aufgestockt: Das Konjunkturprogramm für den Zeitraum 2011-2014 hat seinen Schwerpunkt in den Bereichen Energie, Infrastruktur und sozialem Wohnungsbau. Es sieht ein Ausgabevolumen von 980 Mrd. R$ (ca. 400 Mrd. €) vor, den größten Teil davon im Energiebereich (465 Mrd. R$). Die Umsetzung der Programme bleibt hinter den Erwartungen zurück. Mitte 2012 hat die brasilianische Regierung ein weiteres Konjunkturpaket für die Sanierung der Infrastruktur im Bereich Schiene und Straße auf den Weg gebracht, welches von der Privatindustrie durch Konzessionen finanziert werden soll; der Umfang der Maßnahmen liegt bei ca. 52 Mrd. Euro bis 2017. Auch hier hinkt die Umsetzung den Zielen weit hinterher. Beim geplanten Flughafenausbau sind hingegen positive Entwicklungen zu verzeichnen. Nachdem 2012 bereits drei Hauptflughäfen (Sao Paulo, Campinas, Brasilia) privatisiert wurden, konnte 2013 auch die zweite Privatisierungsphase (Rio de Janeiro, Belo Horizonte, Sao Paulo) erfolgreich abgeschlossen werden. Der Energiebereich kämpft mit ernsthaften strukturellen Problemen.

Zum Schutz der brasilianischen Industrie greift Brasilien u.a. auch auf steuerliche Maßnahmen zurück, die Einfluss auf den Handel haben, wie z.B. das Programm “Innovar-Auto”, das brasilianische Hersteller im Kfz- und Teilebereich von bestimmten Steuern unter bestimmten Umständen ganz oder teilweise ausnimmt. Die Europäische Kommission hat Ende 2013 im Hinblick darauf ein Konsultationsverfahren vor der WTO eingeleitet. Brasilien war 2013 das Land, das die meisten neuen Anti-Dumping-Verfahren eingeleitet hat.

Ein besonderer Schwerpunkt der Außenwirtschaftspolitik Brasiliens bleiben der Mercosul und Südamerika insgesamt. Brasilien setzt sich für Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Mercosul und der EU ein. Die Verhandlungen kommen aber weniger schnell voran als erhofft. Beim EU-Brasilien-Gipfel am 24.02.2014 einigte man sich darauf, zu gegebener Zeit Marktzugangsangebote auszutauschen.  

Die jährlichenDeutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage, das bedeutendste bilaterale Wirtschaftstreffen für Unternehmer aus beiden Ländern, fanden 2014 am 1./2. September in Hamburg statt.. Parallel dazu tagte traditionell die 41. Gemischte Wirtschaftskommission (Leitung auf Staatssekretär-Ebene, BMWi/bras. Außenministerium) statt. Die 33. Deutsch-Brasilianischen Wirtschaftstage werden am 20. - 22. September 2015 in Joinville stattfinden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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