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Brasilien

Wirtschaft

Stand: Februar 2015

Wirtschaftliche Lage

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rd. 2.243 Mrd. USD (2013) ist Brasilien die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ca. 11.310 USD. Die brasilianische Wirtschaft zeigt einen relativ hohen Grad an Diversifikation. Etwa  69% der Bruttowertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erbracht, rund 25% in der Industrie und ca. 6% BIP-Anteil in der Landwirtschaft.

Hohe Wachstumsraten und solider Beschäftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Ein erheblicher Beschäftigungszuwachs war auf dem formellen Arbeitsmarkt (umfasst 50% der Beschäftigungsverhältnisse) mit 2.2 Mio. Personen und insgesamt niedriger Arbeitslosenquote von 5,4% (2013) zu verzeichnen. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP kräftig expandieren; zwischen 2004 und 2011 lag das Wirtschaftswachstum im Schnitt bei 4,9%.

Seit 2012 hat sich das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft  allerdings deutlich abgeschwächt. 2013 lag es bei rund 2,3%; 2014 dürfte das BIP praktisch nicht gewachsen sein (+0,1%). Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich. Mit über 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit über 80% Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit rund 20% Anteil am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung für das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige Investitionsquote von unter 18% des BIP dar.

Sorgenkind ist die Industrie; ihre Produktion ist 2014 sogar gesunken. Die weiter rückläufige Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie ist insbesondere auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die in Folge der internationalen Wirtschaftslage verstärkt hervortreten.

Die Handelsposition Brasiliens hat sich in den letzten Jahren verschlechtert. 2014 wies die Handelsbilanz sogar erstmals seit über einer Dekade ein Defizit in Höhe von 3,9 Mrd. US-$ auf. Das Handelsvolumen ging  2014 im Vergleich zu 2013 um 5,7% zurück. Dabei sanken die Ausfuhren – trotz schwächeren Reals – um rund 7% (225 Mrd. USD); auch die Einfuhren sanken (-4,4%).

Größter Exportmarkt blieb mit einem Anteil von fast 18,7% die EU vor China mit 18% und den USA mit 21,1%. Der brasilianische Export ist weiterhin durch Rohstoffe dominiert. Zu den wichtigsten Ausfuhrerzeugnissen gehören Sojaprodukte, Fleisch, Zucker und Eisenerz. Die meisten Importe (20,4%) hat Brasilien 2014 wie im Vorjahr aus der EU bezogen, vor China, USA und Argentinien.

Das Handelsvolumen zwischen Brasilien und Deutschland ist 2013 nach Angaben des statistischen Bundesamtes mit rund 20 Mrd. Euro gegenüber dem Vorjahr leicht gesunken. Die Exporte nach Brasilien sind um 2,7% auf 11,4 Mrd. Euro gefallen, die deutschen Importe aus Brasilien gingen um fast 16% auf rund 9 Mrd. Euro zurück. Der positive Handelsbilanzsaldo für Deutschland lag bei 2,5 Mrd. Euro. Brasilien ist damit in der Rangfolge der Handelspartner Deutschlands um einen Platz auf Rang 22 zurückgefallen. Aufgrund des  sog. „Rotterdam-Effekts“ (Einfuhr für Deutschland bestimmter Güter über einen niederländischen Hafen) weichen die brasilianischen Zahlen in der Regel von den deutschen Zahlen ab. Die bilateralen Handelszahlen für 2014 liegen noch nicht vor.

Die Hauptexportprodukte Brasiliens nach Deutschland sind Eisenerz, Soja und Kaffee, Zivilflugzeuge, Kupfer und Rohöl. Zu den Hauptimportgütern aus Deutschland  zählen Autos, Autoteile und -zubehör, Chemie- und pharmazeutische Produkte sowie Maschinen.

Brasilien konnte auch 2014 einen deutlichen Zustrom von Direktinvestitionen in Höhe von 62,5 Mrd. US-$ verzeichnen. Dieser Wert liegt zwar etwas unter den Werten der vergangenen zwei Jahre,  zeigt aber deutlich, dass Brasilien weiterhin ein attraktiver Standort für ausländische Investitionen ist. Aus Deutschland flossen 2013 Netto-Direktinvestitionen in Höhe von ca. 2,2 Mrd. Euro nach Brasilien. Der akkumulierte Bestand deutscher Direktinvestitionen in Brasilien unter Einschluss von Reinvestitionen beläuft sich auf über 24 Mrd. Euro (Stand 2012).


Wirtschaftspolitik

Brasilien hat in den letzten beiden Jahrzehnten eine bemerkenswerte Entwicklung erlebt, gezeichnet von Wirtschaftswachstum, makroökonomischer Stabilität und dem Abbau von sozialen Ungleichgewichten. Allerdings hat die nun seit einigen Jahren anhaltende schwächere Entwicklung der Wirtschaftszahlen zu einem Umlenken in der Wirtschaftspolitik durch die neue Regierung Rousseff geführt. Das nachfrageorientierte BIP-Wachstum, das vor allem vom Konsum privater Haushalte sowie einem ausgabefreudigen Staat getragen wurde, stößt zunehmend an seine Grenzen.

Eines der Hauptprobleme des Landes ist die Inflation, die sich nur schwer in den Griff bekommen lässt. Mit 6,4% lag die Inflationsrate 2014 erneut deutlich über dem Zielwert der Zentralbank (4,5%). Die Teuerung trifft vor allem die ärmeren Bevölkerungsschichten. Die Zentralbank hat trotz des schwachen Wirtschaftswachstums im Oktober 2014 erneut damit begonnen, die Leitzinsen zu erhöhen; derzeit liegen sie bei 12,25%. Der Realzins liegt damit bei über 5% und gehört zu den höchsten weltweit. In den kommenden Monaten dürften die Zinsen weiter steigen.

Durch die Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste könnte Brasilien zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten weltweit aufsteigen. Der halbstaatliche Erdölkonzern Petrobras ist allerdings mit erheblichen Korruptionsvorwürfen konfrontiert, die seine Leistungsfähigkeit und potentielle Investitionsfähigkeit erheblich schwächen. Vom großen Reichtum des Landes an diesen Rohstoffen und den sportlichen Großereignissen, FIFA-WM 2014 und  Olympische Spiele 2016, gingen bisher aber weniger Wachstumsimpulse aus als erwartet. Zum Ausbau der Infrastruktur setzt die brasilianische Regierung vor allem auf das Programm zur Beschleunigung des Wirtschaftswachstums  (PAC – Programa de Aceleração do Crescimento). Das Gesamtvolumen des PAC-Programms 1 beträgt über 1,1 Bio. Reais (ca. 380 Mrd. €). Ein Großteil der Investitionen soll durch private Unternehmen erfolgen. 2010 wurde PAC 1 durch PAC 2 verlängert und noch einmal kräftig aufgestockt: Das Konjunkturprogramm für den Zeitraum 2011-2014 hat seinen Schwerpunkt in den Bereichen Energie, Infrastruktur und sozialem Wohnungsbau. Es sieht ein Ausgabevolumen von 980 Mrd. R$ (ca. 400 Mrd. €) vor, den größten Teil davon im Energiebereich (465 Mrd. R$). Die Umsetzung der Programme bleibt hinter den Erwartungen zurück. Mitte 2012 hat die brasilianische Regierung ein weiteres Konjunkturpaket für die Sanierung der Infrastruktur im Bereich Schiene und Straße auf den Weg gebracht, welches von der Privatindustrie durch Konzessionen finanziert werden soll; der Umfang der Maßnahmen liegt bei ca. 52 Mrd. Euro bis 2017. Auch hier hinkt die Umsetzung den Zielen weit hinterher. Beim geplanten Flughafenausbau sind hingegen positive Entwicklungen zu verzeichnen. Nachdem 2012 bereits drei Hauptflughäfen (São Paulo, Campinas, Brasilia) privatisiert wurden, konnte 2013 auch die zweite Privatisierungsphase (Rio de Janeiro, Belo Horizonte, São Paulo) erfolgreich abgeschlossen werden. Der Energiebereich kämpft mit ernsthaften strukturellen Problemen.

Zum Schutz der brasilianischen Industrie greift Brasilien unter Anderem auch auf steuerliche Maßnahmen zurück, die Einfluss auf den Handel haben, wie z.B. das Programm 'Inovar-Auto', das brasilianische Hersteller im Kfz- und Teilebereich von bestimmten Steuern unter bestimmten Umständen ganz oder teilweise ausnimmt. Die Europäische Kommission hat Ende 2013 im Hinblick darauf ein Konsultationsverfahren vor der WTO eingeleitet. Brasilien war 2013 das Land, das die meisten neuen Anti-Dumping-Verfahren eingeleitet hat.

Ein besonderer Schwerpunkt der Außenwirtschaftspolitik Brasiliens bleiben der Mercosul und Südamerika insgesamt. Brasilien und Deutschland setzen sich für Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Mercosul und der EU ein. Die Verhandlungen kommen aber weniger schnell voran als erhofft.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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