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Brasilien

Wirtschaft

Stand: Februar 2016

Wirtschaftliche Lage

Mit einem Bruttoinlandsprodukt (BIP) von rund 2.353 Mrd. USD (2014) ist Brasilien die siebtgrößte Volkswirtschaft der Welt. Das Pro-Kopf-Einkommen beträgt ca. 11.604,5 USD. Die brasilianische Wirtschaft zeigt einen relativ hohen Grad an Diversifikation. Etwa 69% der Bruttowertschöpfung wird im Dienstleistungssektor erbracht, rund 25% in der Industrie und etwa 6% BIP-Anteil in der Landwirtschaft.

Hohe Wachstumsraten und solider Beschäftigungszuwachs erhöhten bis vor wenigen Jahren signifikant das globale wirtschaftspolitische Interesse an Brasilien. Ein erheblicher Beschäftigungszuwachs war auf dem formellen Arbeitsmarkt (umfasst 50% der Beschäftigungsverhältnisse) mit 2,2 Mio. Personen und insgesamt niedriger Arbeitslosenquote von 4,8% (2014) zu verzeichnen. Dank der Explosion der weltweiten Rohstoffpreise, steigender Löhne und eines verbesserten Zugangs zu Verbraucherkrediten konnte das BIP kräftig expandieren; zwischen 2004 und 2011 lag das Wirtschaftswachstum im Schnitt bei 4,9%.

Seit 2012 hat sich das Wachstum der brasilianischen Wirtschaft allerdings deutlich abgeschwächt. 2013 lag es bei rund 2,3%; 2014 verzeichnete Brasilien nahezu ein Null-Wachstum (+0,1%). Für 2015 und 2016 wird eine Rezession (-3% und -4%) erwartet. Auch die Lage auf dem Arbeitsmarkt verschlechtert sich. (2015 verzeichnetet mit  6,8% die höchste Arbeitslosenquote seit 2009.) Mit über 200 Mio. Einwohnern bleibt der starke Binnenmarkt mit über 80% Anteil am BIP der Haupt-Konjunkturmotor. Die Außenwirtschaft spielt mit rund 20%-Anteil am BIP eine vergleichsweise geringe Rolle. Eine besonders große Herausforderung für das Wirtschaftswachstum stellt die – auch im internationalen Vergleich – sehr niedrige und weiter sinkende Investitionsquote von unter 20% des BIP dar.

Sorgenkind ist die Industrie. Ihre Produktion sinkt seit 2014. Die niedrige Wettbewerbsfähigkeit der heimischen Industrie ist insbesondere auf strukturelle Faktoren zurückzuführen, die in Folge der internationalen Wirtschaftslage verstärkt hervortreten.

Die Handelsposition Brasiliens hat sich in den letzten Jahren verschlechtert, nahm aber 2015 an  neuem Schwung gegenüber 2014 auf, als die Handelsbilanz sogar erstmals seit über einer Dekade ein Defizit in Höhe von 4,05 Mrd. USD aufwies. 2015 hingegen hat Brasilien das beste Ergebnis seit 2011 mit einem Überschuss von 19,69 Mrd. USD verzeichnet.  Das Handelsvolumen ist jedoch zurückgegangen (im Vergleich zu 2013 um -5,7% und zu 2014 um rund -20%). Dabei sanken die Ausfuhren im Vergleich zu 2014 – trotz schwächeren Reals – um rund 14,1% (191,135 Mrd. USD), die Einfuhren um 24,3% (171,45 Mrd. USD).

Größter Exportmarkt blieb mit einem Anteil von fast 18,7% die EU, vor China mit 18% und den USA mit 12,1%. Der brasilianische Export ist weiterhin durch Rohstoffe dominiert. Zu den wichtigsten Ausfuhrerzeugnissen gehören Sojaprodukte, Fleisch, Zucker und Eisenerz. Die meisten Importe (20,4%) hat Brasilien 2014 wie im Vorjahr aus der EU bezogen, vor China, USA und Argentinien.

Brasilien konnte auch 2014 einen deutlichen Zustrom von Direktinvestitionen in Höhe von 62,5 Mrd. US-Dollar verzeichnen. Dieser Wert liegt zwar etwas unter den Werten der vergangenen zwei Jahre, zeigt aber deutlich, dass Brasilien weiterhin ein attraktiver Standort für ausländische Investitionen ist.


Wirtschaftspolitik

Durch die Erschließung der 2008 entdeckten umfangreichen Rohöl- und Erdgasvorkommen an der südöstlichen Atlantikküste könnte Brasilien zu einem der wichtigsten Erdölproduzenten weltweit aufsteigen, allerdings nur, wenn der Preis auf den Weltölmärkten wieder ansteigt. Der halbstaatliche Erdölkonzern Petrobras ist allerdings mit erheblichen Korruptionsvorwürfen konfrontiert, die seine Leistungsfähigkeit und potentielle Investitionsfähigkeit erheblich schwächen.

Vom großen Reichtum des Landes an diesen Rohstoffen und den sportlichen Großereignissen, wie der FIFA-WM 2014 und den Olympischen Spielen 2016, gingen bisher weniger Wachstumsimpulse aus als erwartet. Zum Ausbau der Infrastruktur setzt die brasilianische Regierung auf den  2015 neu verkündeten Infrastrukturplan. Danach sollen insgesamt 198,4 Mrd. BRL, umgerechnet rund 45 Mrd. Euro in die Infrastruktur investiert werden. Der Energiebereich kämpft mit ernsthaften strukturellen Problemen. Die anhaltende Dürre, verbunden mit der Abhängigkeit von Wasserkraftwerken, führt zu einer sinkenden Erzeugungsleistung und höheren Preisen.

Zum Schutz der brasilianischen Industrie greift Brasilien auch auf steuerliche Maßnahmen zurück, die Einfluss auf den Handel haben, wie das Programm 'Inovar-Auto', das brasilianische Hersteller im Kfz- und Teilebereich von bestimmten Steuern unter bestimmten Umständen ganz oder teilweise ausnimmt.

Ein besonderer Schwerpunkt der Außenwirtschaftspolitik Brasiliens bleiben der Mercosul und Südamerika insgesamt. Brasilien und Deutschland setzen sich für Fortschritte bei den Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen zwischen Mercosul und der EU ein.


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