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Honduras

Wirtschaftspolitik

Stand: März 2013

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das honduranische Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich 2012 auf 17,992Mrd. USD . Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 2090- USD (2012) gehört Honduras mit Nicaragua, Haiti, Bolivien und Guayana zu den armen Ländern Lateinamerikas.

Nach dem Human Development Index, der u.a. Pro-Kopf-Einkommen, Schulbildung und Lebenserwartung miteinander in Verbindung setzt, hatte Honduras 2011 unter 185 Ländern und Gebieten den Rang 121 inne.

Die Volkswirtschaft ist in erster Linie eine Importökonomie, ergänzt um exportorientierte „cash crops“ (Kaffee, Bananen, Ananas, Palmöl), um industriell arbeitende Farmen für Meeresfrüchte und seit drei Jahrzehnten um eine weitgehend steuerbefreite lohnveredelnde Industrie. Dieser exportorientierte Teil der Wirtschaft ist weitestgehend in der Hand von in – und ausländischen Großunternehmern.

Die Landwirtschaft, in der immer noch 36,3 % der Erwerbstätigen zu finden sind, genießt praktisch keinen Außenschutz: Auch da, wo die honduranische Landwirtschaft stark ist, muss sie mit verarbeiteten Lebensmitteln aus entwickelten Ländern konkurrieren.

Die Landwirtschaft, die für den Binnenmarkt produziert, ist zu großen Teilen Subsistenzwirtschaft der Bauernfamilien (Mais, schwarze Bohnen).

Monopole und Oligopole finden sich z.B. bei der Zementproduktion (privat) und bei den Exklusivimporteuren des Handels und unter den Lohnveredelungsbetrieben, vor allem im Textilbereich (Direktexport in die USA).

Die staatliche Telekommunikationsgesellschaft Hondutel ist im Festnetz Monopolist und agiert mit wenig Erfolg auf dem Gebiet der Mobiltelefonie. Das Unternehmen ist nach betriebswirtschaftlichen Kriterien längst gescheitert, wird aber durch staatliche Alimentierung am Leben gehalten.

Es gibt keine Erdölraffinerie in Honduras. Zwei Drittel der Stromproduktion erfolgt in Wärmekraftwerken auf der Basis von importiertem Erdöl, ca. ein Drittel durch Wasserkraftwerke. Die parastaatliche Elektrizitätsgesellschaft Empresa Nacional de Energía Eléctrica ist zwar Monopolist (einmal von der Stromeigenproduktion großer Unternehmen abgesehen), ist aber dem Oligopol privater Kraftwerksbetreiber ausgeliefert, bei denen sie Strom zukaufen muss. Ausbau der Dienstleistungskapazitäten bei Verkehr ("Canal Seco" zwischen Pazifik und Karibik), bei Banken, bei mobiler Telekommunikation und im Tourismus (Bucht von Tela, Bay Islands der honduranischen Karibik). Hohe, teils verdeckte Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit (beides zusammen >45%), starke Emigration überwiegend in die USA (ca. 1 Mio. Honduraner). Sehr hohe Einkommensspreizung (ärmstes Fünftel 3,4%, reichstes Fünftel 58,3% der Einkünfte, 3,7% der Farmer besitzen z.B. über 50% des Farmlandes). Die Agrarreform der 80er Jahre ist im letzten Jahrzehnt vielerorts rückgängig gemacht worden.

Aktuelle Entwicklung

Das BIP stieg 2012 nach vorläufiger Berechnung um 3,3 %, nachdem zwischen 2001 und 2011 im Durchschnitt 4,8 % reales Wachstum erreicht wurde. Für 2013 wird mit einem Wachstum von 3,0% bis 3,5% % gerechnet.

Die Teuerung bei den Verbraucherpreisen soll 2012 5,7 % erreicht haben.

Die Devisenreserven betrugen Ende 2012 2,55 Mrd. USD und entsprachen einer Reichweite von drei Monatseinfuhren des Landes.

Honduras ist ein importabhängiges Land (vor allem, was die Energieeinfuhren betrifft), das 2012 für 3,153 Mrd. US-Dollar mehr Waren im Ausland kaufte, als es an das Ausland verkaufte. Das Handelsbilanzdefizit belief sich auf 6,7% des BIP.

Daher spielt der Wechselkurs zum US-Dollar eine wichtige Rolle. Dieser Kurs war mehrere Jahre lang fix an den Dollar gekoppelt und eine Abwertung zur Mäßigung der Einfuhren wurde strikt abgelehnt. Seit Juli 2011 hat Honduras den Wechselkurs zum US-Dollar aber wieder flexibilisiert. Seither (bis Ende Februar 2013 machte die kumulierte Abwertung knapp 3,6% aus.

Honduras ist zugleich exportabhängig, da der hohe negative Handelsbilanzsaldo finanziert werden muss: Es ist noch nicht ausgemacht, ob die regelmäßige Abwertung des Lempira die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten verbessert. Das Erntejahr 2011/2012 ist für die Kaffeeexporteure ein Glücksjahr gewesen: Da der Kaffeepreis bis auf den Höchstwert von 301 USD pro Sack stieg, konnte Honduras im genannten Erntejahr 1,24 Mrd. USD aus Kaffeeexporten erlösen. Diese Entwicklung hat 500.000 Personen indirekt oder direkt wirtschaftlich geholfen. Allerdings ist der Kaffeepreis an den internationalen Börsen wohl aufgrund großer Erntemengen im Verlauf des Jahres 2012 um mehr als 22% gefallen, was den vorherigen Rekorderlös nicht wiederholen lässt. Des weiteren sind die Kaffeeerträge in Honduras wie auch in seinen Nachbarländern zusätzlich durch die Verbreitung des "Kaffeerosts" (einer Pilzerkrankung der Kaffeesträucher) gefährdet.

Die ausländischen Direktinvestitionen sind 201 netto um 833 Mio. USD auf einen Bestandswert von 7,320 Mrd. USD angestiegen.

Wirtschaftspolitik

Die neue Regierung Lobo Sosa hatte Anfang 2010 einen staatlichen Entwicklungsplan für die nächsten 28 Jahre vorgestellt, in dem die Reduzierung der Armut weiter als Ziel genannt wird.

Von einer Reduzierung der Armut kann jedoch gegenwärtig nicht die Rede sein. Mitte 2011 ergab die Einkommens- und Verbrauchsstichprobe des honduranischen Statistischen Amtes, dass 67,6 % aller Haushalte als arm oder extrem arm gelten (in den extrem armen Haushalten mit Ernährungsarmut, also Fehl-, Unterernährung und Hunger). Das ist ein Rückschlag auf den Armutsstand von 1995.

Honduras ist eine liberale, auf Freihandel und Investitionserleichterungen ausgerichtete Marktwirtschaft (Lohnveredelungsregime mit großzügiger Steuerbefreiung, Freihafenregelungen, Zoll- und Steuervergünstigungen für Investoren (z.B. Hoteliers oder Betreiber von Hamburgerketten), freier Gewinn- und Kapitaltransfer.

Die Steuerbefreiung der Einfuhr und Weiterverarbeitung von Waren für den Re-Export nach mexikanischem Vorbild hat in den vergangenen Jahren eine Reihe von Investoren aus der Lohnveredelungsindustrie (Textilien, Holzverarbeitung) insbesondere aus den USA, Taiwan und Korea ins Land gebracht.

Diese Industrie konzentriert sich auf San Pedro Sula in der Nähe der Karibikküste, die zweite Millionenstadt und Wirtschaftszentrum des Landes.

Der Außenhandelssaldo dieser Industrie ist positiv und erreichte 2012 1,4 Mrd. US- Dollar.

Außenhandel und Überweisungen

Honduras exportierte 2012 Güter im Wert von 7,52 Mrd. USD (einschl. industria maquiladora) und importierte Güter im Wert von 10,67 Mrd. USD (einschl. industria maquiladora).

Ein wichtiger Faktor für die honduranische Zahlungsbilanz sind die Übertragungen, d.h. Überweisungen der ca. 1 Mio. im Ausland (überwiegend USA) lebenden Honduraner (2012: 2,616 Mrd. USD oder 14,54% des Bruttoinlandsprodukts; zum Vergleich: Haushalt der honduranischen Zentralregierung 2012: 4,065 Mrd. USD). 

Die Gastarbeiterüberweisungen haben sich seit 2000 verfünffacht und bilden nach wie vor eine wesentliche Stütze für Leistungsbilanz und Konsum in Honduras.

Die öffentliche Auslandsverschuldung von Honduras betrug Ende 2012 3,315 Mrd. USD (2012: 3,134 Mrd. USD). 

Umweltpolitik

Honduras, im geographischen Mittelpunkt Nord- und Südamerikas liegend, weist mit dem Vorhandensein nord- und südamerikanischer Arten der Flora und Fauna eine der größten Biodiversitäten des amerikanischen Kontinents auf. Zu erwähnen sind hier insbesondere der noch nahezu unberührte größte zusammenhängende Regenwald in Zentralamerika im Nordosten des Landes (Mosquitia) sowie das bedeutende Korallenriff-Ökosystem um die dem honduranischen Festland vorgelagerten Karibikinseln (Bay Islands) als Teil des mesoamerikanischen Korallenriffs. 

Honduras hat ein beträchtliches Potential beim Handel mit Klimazertifikaten. In beiden Zonen besteht allerdings auch die Gefahr zunehmender Umweltgefährdung durch illegales Abholzen und Brandrodungen aufgrund des demographischen Drucks einerseits bzw. durch Überfischung, Meeresverschmutzung sowie zunehmenden Tauchertourismus andererseits. Honduras ist Folgen eines Klimawandels direkt ausgesetzt. Es liegt in der tropischen karibischen Hurrikanzone.

In der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit Deutschlands mit Honduras gehört der Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zum Schwerpunkt der Hilfe (seit Jahren realisiert von der Deutschen Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Kreditanstalt für Wiederaufbau in der von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannten "Biósfera Río Plátano"). Dieses Naturschutzgebiet bietet die Lebensgrundlage für indigene Gruppen und eine besondere Artenvielfalt an Flora und Fauna. Die honduranische Regierung hat sich den Schutz der Biosphäre ebenso zum Ziel gesetzt und zu diesem Zweck "Grünhelme" in dem Gebiet eingesetzt.

2008 ist nach Jahren der Diskussion mit den Geberländern das neue honduranische Forst- und Umweltgesetz in Kraft getreten. Inzwischen gibt es registrierbare Erfolge beim Naturwalderhalt (die Entwaldungsrate in Rand- und Kernzone von Río Plátano liegt bei weniger als der Hälfte der des ganzen Landes).

Die Umweltsituation in den großen Städten des Landes ist Besorgnis erregend (Wassermangel, Erosionserscheinungen, fehlende Abwasserentsorgung, illegale Mülldeponien, unkontrollierte Bautätigkeit, Umwelt belastende Industriebetriebe, Emissionen veralteter Kfz, Verschmutzung des größten Binnensees von Honduras, Yojoa, durch die unkontrolliert ausgeweitete Fischzucht).

Bisher werden ca. zwei Drittel der benötigten Energie in thermischen Kraftwerken auf der Basis von importiertem Bunkeröl für die Schifffahrt gewonnen. Dieses Öl ist besonders umweltbelastend.

Das letzte Drittel an Energie kommt von honduranischen Wasserkraftwerken. Der Ausbau kleinerer und mittlerer Wasserkraftwerke kommt langsam in Gang. Die Nutzung alternativer Energiequellen (Meereswellen, Erdwärme, Biomasse, äolische oder solare Energie) steht noch am Anfang.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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