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Honduras

Wirtschaft

Stand: Februar 2016

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das honduranische Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich 2014 auf 18,9 Milliarden US-Dollar. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 2344 US-Dollar (2014) gehört Honduras mit Nicaragua, Haiti, Belize und Guyana zu den armen Ländern Lateinamerikas.

Nach dem Human Development Index, der unter anderem Pro-Kopf-Einkommen, Schulbildung und Lebenserwartung miteinander in Verbindung setzt, hatte Honduras 2014 unter 188 Ländern und Gebieten den Rang 131 inne.

Die Volkswirtschaft ist in erster Linie eine Importökonomie, ergänzt um exportorientierte "cash crops" (Kaffee, Bananen, Ananas, Honigmelonen, Palmöl), um industriell arbeitende Farmen für Meeresfrüchte und seit drei Jahrzehnten um eine weitgehend steuerbefreite lohnveredelnde Industrie. Dieser exportorientierte Teil der Wirtschaft ist weitestgehend in der Hand von in– und ausländischen Großunternehmern.

Die Landwirtschaft, in der immer noch 36,3% der Erwerbstätigen zu finden sind, genießt praktisch keinen Außenschutz: Auch da, wo die honduranische Landwirtschaft stark ist, muss sie mit verarbeiteten Lebensmitteln aus entwickelten Ländern konkurrieren. Das neue Assoziierungsabkommen mit der EU wird den Druck auf die heimische Industrie und Landwirtschaft weiter erhöhen.

Die Landwirtschaft, die für den Binnenmarkt produziert, ist zu großen Teilen Subsistenzwirtschaft der Bauernfamilien (Mais, schwarze Bohnen).

Monopole und Oligopole finden sich zum Beispiel bei der Zementproduktion (privat) und bei den Exklusivimporteuren des Handels und unter den Lohnveredelungsbetrieben, vor allem im Textilbereich (Direktexport in die USA).

Die Reform der stark defizitären staatlichen Elektrizitätsgesellschaft ENEE hat begonnen.

Hohe, teils verdeckte Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit, starke Emigration überwiegend in die USA (circa eine Million Honduraner in den USA leisten Transferleistungen an die Daheimgebliebenen). Sehr hohe Einkommensspreizung: Trotz der Armut des Landes verfügt Honduras über die zweithöchste Zahl von Millionären in Zentralamerika. 


Aktuelle Entwicklung

2015 betrug das Wirtschaftswachstum 3,5%. Es ist damit im Vergleich zum Vorjahr um fast 30 % gestiegen.

Die Teuerung bei den Verbraucherpreisen liegt aktuell bei 2,4% und damit im angestrebten Zielkorridor der Zentralbank. Im Vergleich zum Vorjahr ist sie deutlich gesunken. Hierzu trägt maßgeblich der niedrigere Preis von Rohöl bei.

Die Devisenreserven  betrugen im Juni2015 3,543 Milliarden US-Dollar brutto und entsprachen einer Reichweite von 4,7 Monatseinfuhren des Landes.

Honduras ist ein importabhängiges Land (vor allem, was die Energieeinfuhren betrifft), das 2015 für 3 Milliarden US-Dollar mehr Waren im Ausland kaufte, als es an das Ausland verkaufte. Das Handelsbilanzdefizit hat sich vergrößert. Durch den gesunkenen Ölpreis dürfte hier aber eine Verringerung des Defizits im laufenden Jahr eintreten.

Da 50% des Handels mit den USA erfolgt und auch Öl in Dollar gehandelt wird, spielt der Wechselkurs zum US-Dollar eine wichtige Rolle. Die honduranische Währung war mehrere Jahre lang fest an den Dollar gekoppelt. Seit Juli 2011 hat Honduras den Wechselkurs zum US-Dollar aber wieder flexibilisiert. Seither (bis Ende Februar 2015) hat die kumulierte Abwertung knapp 15% betragen.

Honduras ist zugleich exportabhängig, da der hohe negative Handelsbilanzsaldo finanziert werden muss: Es ist noch nicht ausgemacht, ob die regelmäßige Abwertung des Lempira die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten verbessert. Solange das Hauptexportprodukt Kaffee ausmacht, sind die Exporterlöse von Erntemenge und Preis abhängig. Zuletzt hat die Pilzerkrankung 'Kaffeerost' zu einem Ernteverlust geführt. 

Der Handel zwischen der EU und Honduras hat 2015 um 21% zugenommen. Die EU-Ausfuhren nach Honduras stiegen dabei um 35 %, die EU-Einfuhren um 14,5%. In Zentralamerika konnte Honduras damit den stärksten Zuwachs erzielen.

Die ausländischen Direktinvestitionen waren 2012 bis 2015 mit jeweils etwas über einer Milliarde US-Dollar konstant.


Wirtschaftspolitik

Die Regierung von Präsident Juan Orlando Hernández hat weiterhin die Reduzierung der Armut zum Ziel. Dabei spielt die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Industrie eine wichtige Rolle. Sie ist nur möglich mit Hilfe von ausländischen Direktinvestitionen, welche wiederum eine Verbesserung der Rahmenbedingungen wie Bildung, Sicherheit und Rechtssicherheit erfordern. 62,8% der Haushalte gelten als arm oder sehr arm.

Honduras ist eine liberale, auf Freihandel und Investitionserleichterungen ausgerichtete Marktwirtschaft: Lohnveredelungsregime mit großzügiger Steuerbefreiung, Freihafenregelungen, Zoll- und Steuervergünstigungen für Investoren (z.B. Hoteliers oder Betreiber von Hamburgerketten), freier Gewinn- und Kapitaltransfer. Durch eine neue Rahmengesetzgebung zur Schaffung von Freihandelszonen könnte sich dieser Trend verstärken.

Diese Industrie konzentriert sich auf San Pedro Sula in der Nähe der Karibikküste. San Pedro Sula ist die zweite Millionenstadt und Wirtschaftszentrum des Landes.

Honduras exportierte 2015 Güter im Wert von 8,083 Milliarden US-Dollar und importierte Güter im Wert von 10,995 Millarden US-Dollar. Das Handelsbilanzdefizit betrug 2,912 Milliarden US-Dollar.

Ein wichtiger Faktor für die honduranische Zahlungsbilanz sind die Überweisungen der etwa 1 Mio. überwiegend in den USA lebenden Honduranern (2015: etwa 3,46 Milliarden US-Dollar oder 18,3% des Bruttoinlandsprodukts; zum Vergleich: Haushalt der honduranischen Zentralregierung 2013: 4,285 Milliarden US-Dollar).

Das Haushaltsdefizit ist von 7,6% in 2013 auf 3,8% in 2015 gesunken. Die öffentliche Auslandsverschuldung von Honduras beträgt derzeit 5.935 Milliarden US-Dollar. Die öffentliche Gesamtverschuldung liegt mit 8,327 Millionen US-Dollar bei etwa 44,1% des BIP. Seit 2014 hat die Auslandsverschuldung nicht mehr signifikant zugenommen. Ein mit dem IWF Ende 2014 für 3 Jahre abgeschlossenes Beistandsabkommen wurde bisher übererfüllt.


Umweltpolitik

Honduras, im geographischen Mittelpunkt Nord- und Südamerikas liegend, weist mit dem Vorhandensein nord- und südamerikanischer Arten der Flora und Fauna eine der größten Biodiversitäten des amerikanischen Kontinents auf. Zu erwähnen sind hier insbesondere der größte zusammenhängende Regenwald in Zentralamerika im Nordosten des Landes (Biosphärenreservat Río Plátano/Mosquitia) sowie das bedeutende Korallenriff-Ökosystem um die dem honduranischen Festland vorgelagerten Karibikinseln (Bay Islands) als Teil des mesoamerikanischen Korallenriffs. Der Schutz der sensiblen Ökosysteme ist nicht ausreichend sichergestellt. Das Bevölkerungswachstum in Verbindung mit schwachen staatlichen Institutionen ergibt eine ungünstige Konstellation.

Honduras hat Honduras in den letzten Jahren die wichtigsten gesetzgeberischen und planerischen Grundlagen für ökologisch nachhaltiges Wirtschaften sowie Natur- und Klimaschutz geschaffen. Der nationale Beitrag zum Klimaschutz (COP 21) ist ambitioniert (Reduzierung der Treibhausgasemissionen bis 2030 um 15 Prozent gegenüber dem Business as usual, Reduzierung des Holzkohleverbrauchs um 39%, Wiederaufforstung von einer Million Hektar Wald). Die Probleme und Herausforderungen liegen im institutionellen Bereich und in der Finanzierung. Aufgrund der Gesamtsituation des Landes stehen Umwelt- und Klimaschutz nicht ganz oben auf der Prioritätenliste; sie kommen in der Regierungsplanung aber durchaus und explizit vor. Die Mittel für das nationale Forstinstitut sind 2015 trotz bestehender Sparzwänge leicht erhöht wurden. Außerdem wurden nationale Sondermittel zur Bekämpfung von Waldbränden und Borkenkäfer zur Verfügung gestellt. Honduras wurde als Pilotland für den Climate Investment Fund (PPCR für Anpassung und FIP für Forst) ausgewählt.

Die negativen Auswirkungen des Klimawandels sind in Honduras deutlich zu spüren. Honduras ist das Land, das global gesehen am meisten von heftigen Wetterereignissen betroffen ist. In 2014 und 2015 hat es außergewöhnliche Dürreperioden gegeben, die in Verbindung mit Starkregen zu massiven Ernteverlusten geführt haben. Zudem trat 2015 der durch Klimawandel begünstigte Borkenkäfer auf den Plan und zerstörte etwa 30% aller Pinienwälder. Dadurch fallen nach den Schätzungen der Regierung 35 Millionen Tonnen abgestorbener Bäume an. Dies entspricht der 60fachen honduranischen Holzproduktion in normalen Jahren. Wenn diese gigantische Menge an totem Holz nicht aus dem Wald geschafft wird, wird die ohnehin schon hohe Waldbrandgefahr in Honduras noch einmal dramatisch gesteigert. Die Lage könnte außer Kontrolle geraten. Die Regierung hat zur Umsetzung eines Notfallplans 225 Millionen Lempira (circa 8,8 Millionen Euro) zur Verfügung gestellt, ist aber auf weitere Unterstützung angewiesen, auch im Hinblick auf die nun noch schwieriger erreichbaren Klimaziele der COP21.

Eine neue Gesetzgebung zum Bergbau könnte neuen Projekten Vorschub leisten, die sich gerade auch in schützenwerten Zonen befinden. Allerdings sind im Gesetz zahlreiche Genehmigungsverfahren und Auflagen vorgesehen.

Die Umweltsituation in den großen Städten des Landes ist besorgniserregend: Wassermangel, Erosionserscheinungen, fehlende Abwasserentsorgung, illegale Mülldeponien, unkontrollierte Bautätigkeit, Umwelt belastende Industriebetriebe, Emissionen veralteter Kfz und durch Generatoren, Verschmutzung des größten Binnensees von Honduras, Yojoa, durch die unkontrolliert ausgeweitete Fischzucht.

Bisher wurden etwa zwei Drittel der benötigten Energie in thermischen Kraftwerken auf der Basis von importiertem Bunkeröl für die Schifffahrt gewonnen. Dieses Öl ist besonders umweltbelastend. Fehlende Emissionskontrolle für Industrie und Verkehr sowie fehlende Entsorgungskonzepte für Müll und Abwasser charakterisieren die Lage. Saubere Luft und sauberes Wasser werden knapp.

Durch ein Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien sank aber der Anteil der thermischen Kraftwerke auf 56% der insgesamt verbrauchten Energie. Inzwischen werden bereits 44% der Gesamtenergie aus Wasser-, Solar und Windkraftanlagen gewonnen. Die Tendenz ist steigend; im Süden des Landes entsteht das größte Solarkraftwerk Zentralamerikas, auch die Windkraft wird ausgebaut.


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