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Honduras

Wirtschaftspolitik

Stand: Oktober 2014

Wirtschaftliche Rahmenbedingungen

Das honduranische Bruttoinlandsprodukt (BIP) belief sich 2013 auf 18,55 Mrd. USD. Mit einem Pro-Kopf-Einkommen von 2291 USD (2013) gehört Honduras mit Nicaragua, Haiti, Bolivien und Guayana zu den armen Ländern Lateinamerikas.

Nach dem Human Development Index, der u.a. Pro-Kopf-Einkommen, Schulbildung und Lebenserwartung miteinander in Verbindung setzt, hatte Honduras 2011 unter 185 Ländern und Gebieten den Rang 119 inne.

Die Volkswirtschaft ist in erster Linie eine Importökonomie, ergänzt um exportorientierte „cash crops“ (Kaffee, Bananen, Ananas, Palmöl), um industriell arbeitende Farmen für Meeresfrüchte und seit drei Jahrzehnten um eine weitgehend steuerbefreite lohnveredelnde Industrie. Dieser exportorientierte Teil der Wirtschaft ist weitestgehend in der Hand von in – und ausländischen Großunternehmern.

Die Landwirtschaft, in der immer noch 36,3 % der Erwerbstätigen zu finden sind, genießt praktisch keinen Außenschutz: Auch da, wo die honduranische Landwirtschaft stark ist, muss sie mit verarbeiteten Lebensmitteln aus entwickelten Ländern konkurrieren. Das neue Assoziierungsabkommen mit der EU wird den Druck auf die heimische Industrie und Landwirtschaft weiter erhöhen.

Die Landwirtschaft, die für den Binnenmarkt produziert, ist zu großen Teilen Subsistenzwirtschaft der Bauernfamilien (Mais, schwarze Bohnen).

Monopole und Oligopole finden sich z.B. bei der Zementproduktion (privat) und bei den Exklusivimporteuren des Handels und unter den Lohnveredelungsbetrieben, vor allem im Textilbereich (Direktexport in die USA).

Die staatliche Telekommunikationsgesellschaft Hondutel ist im Festnetz Monopolist und agiert mit wenig Erfolg auf dem Gebiet der Mobiltelefonie. Das Unternehmen ist nach betriebswirtschaftlichen Kriterien längst gescheitert, wird aber durch staatliche Alimentierung am Leben gehalten.

Die staatliche Elektrizitätsgesellschaft ENEE liegt dem Haushalt schwer auf der Tasche und muss dringend reformiert werden, eine Maßnahme, die seit Jahren ansteht und immer wieder verschoben wurde. Hierbei wird die Regierung von Weltbank, IDB und USAID beraten. Ein Gesetz zur Aufspaltung der ENEE und Teilprivatisierung wurde beschlossen und steht kurz vor der Umsetzung. Verschiedene Banken sollen das Unternehmen treuhänderisch führen, ein deutsches Unternehmen wird voraussichtlich technische Beratung leisten

Hohe, teils verdeckte Unterbeschäftigung und Arbeitslosigkeit, starke Emigration überwiegend in die USA (ca. 1 Mio. Honduraner in den USA leisten Transferleistungen an die Daheimgebliebenen). Sehr hohe Einkommensspreizung – trotz der Armut des Landes verfügt Honduras über die zweithöchste Zahl von Milionären in Zentralamerika. 


Aktuelle Entwicklung

Für 2014 wird mit einem Wachstum von 2 bis 3 % gerechnet. In den ersten vier Monaten des Jahres betrug es 2,6 % und ist damit im Vergleich zum Vorjahr um 0,4 %-Punkte gestiegen.

Die Teuerung bei den Verbraucherpreisen liegt aktuell bei 5,5 bis  5,7 % und damit im angestrebten Zielkorridor der Zentralbank.

Die Devisenreserven  betrugen im Juli 2014 3,161 Mrd. USD und entsprachen einer Reichweite von 3,2 Monatseinfuhren des Landes.

Honduras ist ein importabhängiges Land (vor allem, was die Energieeinfuhren betrifft), das in den ersten vier Monaten 2014 bereits für 1.551 Mrd. US-Dollar mehr Waren im Ausland kaufte, als es an das Ausland verkaufte. Das Handelsbilanzdefizit hat sich vergrößert.

Daher spielt der Wechselkurs zum US-Dollar eine wichtige Rolle. Dieser Kurs war mehrere Jahre lang fest an den Dollar gekoppelt und eine Abwertung zur Mäßigung der Einfuhren wurde strikt abgelehnt. Seit Juli 2011 hat Honduras den Wechselkurs zum US-Dollar aber wieder flexibilisiert. Seither (bis September 2014) hat die kumulierte Abwertung knapp 10 % betragen.

Honduras ist zugleich exportabhängig, da der hohe negative Handelsbilanzsaldo finanziert werden muss: Es ist noch nicht ausgemacht, ob die regelmäßige Abwertung des Lempira die Wettbewerbsfähigkeit auf den Weltmärkten verbessert. Solange das Hauptexportprodukt Kaffee ausmacht, sind die Exporterlöse von Erntemenge und Preis abhängig Zuletzt hat die Pilzerkrankung 'Kaffeerost' zu einem Ernteverlust geführt. 

Die ausländischen Direktinvestitionen waren 2012 und 2013 mit jeweils etwas über einer Milliarde USD konstant.


Wirtschaftspolitik

Die neue Regierung von Präsident Juan Orlando Hernández hat Anfang 2014 die Reduzierung der Armut weiter als Ziel genannt. Dabei spielt die Schaffung von Arbeitsplätzen durch die Industrie eine wichtige Rolle. Sie ist nur möglich mit Hilfe von ausländischen Direktinvestitionen, welche wiederum eine Verbesserung der Rahmenbedingungen wie Bildung, Sicherheit und Rechtssicherheit erfordern. Nach wie vor gelten 64,5% der Haushalte als arm oder sehr arm. Lediglich in der Bekämpfung der Unterernährung wurden Fortschritte erzielt.

Honduras ist eine liberale, auf Freihandel und Investitionserleichterungen ausgerichtete Marktwirtschaft: Lohnveredelungsregime mit großzügiger Steuerbefreiung, Freihafenregelungen, Zoll- und Steuervergünstigungen für Investoren (z.B. Hoteliers oder Betreiber von Hamburgerketten), freier Gewinn- und Kapitaltransfer. Durch eine neue Rahmengesetzgebung zur Schaffung von Freihandelszonen könnte sich dieser Trend verstärken. Im Moment befinden sich mögliche Projekte noch in einer sehr frühen Planungsphase, nachdem die ursprüngliche Gesetzgebung für verfassungswidrig erklärt wurde.

Diese Industrie konzentriert sich auf San Pedro Sula in der Nähe der Karibikküste, die zweite Millionenstadt und Wirtschaftszentrum des Landes.

Honduras exportierte 2013 Güter im Wert von 7,9 Mrd. USD (einschl. Lohnveredlungsindustrie) und importierte Güter im Wert von 11,1 Mrd. USD (einschl. Lohnveredlungsindustrie). Das Handelsbilanzdefizit betrug 3,2 Mrd. USD.

Ein wichtiger Faktor für die honduranische Zahlungsbilanz sind die Übertragungen, d.h. Überweisungen der ca. 1 Mio. überwiegend in USA lebenden Honduraner (2013:  etwa 3 Mrd. USD oder 15 % des Bruttoinlandsprodukts; zum Vergleich: Haushalt der honduranischen Zentralregierung 2012: 4,065 Mrd. USD).

Die öffentliche Auslandsverschuldung von Honduras beträgt derzeit 4.418,5 Mrd. USD (2012: 3,134 Mrd. USD). Die öffentliche Gesamtverschuldung liegt mit 7,327 Mio. USD bei etwa 40 % des BIP und hat sich seit 2007 verdoppelt. Besorgnis erregend ist der schnelle Zuwachs der Neuverschuldung. Gleichzeitig verliert Honduras an Kreditwürdigkeit, was zu rapide ansteigenden Zinsen führt. Die Tragfähigkeit der Schuldenlast ist daher nicht gegeben. Daher sind die Erwartungen an ein neues Beistandsabkommen mit dem IMF groß.


Umweltpolitik

Honduras, im geographischen Mittelpunkt Nord- und Südamerikas liegend, weist mit dem Vorhandensein nord- und südamerikanischer Arten der Flora und Fauna eine der größten Biodiversitäten des amerikanischen Kontinents auf. Zu erwähnen sind hier insbesondere der größte zusammenhängende Regenwald in Zentralamerika im Nordosten des Landes (Mosquitia) sowie das bedeutende Korallenriff-Ökosystem um die dem honduranischen Festland vorgelagerten Karibikinseln (Bay Islands) als Teil des mesoamerikanischen Korallenriffs. Der Schutz der sensiblen Ökosysteme ist nicht ausreichend sichergestellt. Das Bevölkerungswachstum in Verbindung mit schwachen staatlichen Institutionen ergeben eine ungünstige Konstellation. 

Honduras hat ein beträchtliches Potential beim Handel mit Klimazertifikaten. In beiden Zonen besteht allerdings auch die Gefahr zunehmender Umweltgefährdung durch illegales Abholzen und Brandrodungen aufgrund des demographischen Drucks einerseits bzw. durch Überfischung, Meeresverschmutzung sowie zunehmenden Tauchertourismus andererseits. Honduras ist Folgen eines Klimawandels direkt ausgesetzt. Es liegt in der tropischen karibischen Hurrikanzone.

In der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit Deutschlands mit Honduras gehört der Schutz und die nachhaltige Nutzung der natürlichen Ressourcen zum Schwerpunkt der Hilfe (seit Jahren engagiert sich die Deutsche Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit und der Kreditanstalt für Wiederaufbau z.B. in der von der UNESCO als Weltnaturerbe anerkannten "Biósfera Río Plátano"). Dieses Naturschutzgebiet bietet die Lebensgrundlage für indigene Gruppen und eine besondere Artenvielfalt an Flora und Fauna. Die honduranische Regierung hat sich den Schutz der Biosphäre ebenso zum Zielgesetzt. .

Eine neue Gesetzgebung zum Bergbau könnte neuen Projekten Vorschub leisten, die sich gerade auch in schützenwerten Zonen befinden. Allerdings sind im Gesetz zahlreiche Genehmigungsverfahren und Auflagen vorgesehen sind.

2008 ist nach Jahren der Diskussion mit den Geberländern das neue honduranische Forst- und Umweltgesetz in Kraft getreten. Inzwischen gibt es registrierbare Erfolge beim Naturwalderhalt (die Entwaldungsrate in Rand- und Kernzone von Río Plátano liegt bei weniger als der Hälfte der des ganzen Landes).

Die Umweltsituation in den großen Städten des Landes ist Besorgnis erregend (Wassermangel, Erosionserscheinungen, fehlende Abwasserentsorgung, illegale Mülldeponien, unkontrollierte Bautätigkeit, Umwelt belastende Industriebetriebe, Emissionen veralteter Kfz und durch Generatoren, Verschmutzung des größten Binnensees von Honduras, Yojoa, durch die unkontrolliert ausgeweitete Fischzucht).

Bisher wurden ca. zwei Drittel der benötigten Energie in thermischen Kraftwerken auf der Basis von importiertem Bunkeröl für die Schifffahrt gewonnen. Dieses Öl ist besonders umweltbelastend. Fehlende Emissionskontrolle für Industrie und Verkehr, sowie fehlende Entsorgungskonzepte für Müll und Abwasser charakterisieren die Lage. Saubere Luft und sauberes Wasser werden knapp.

Durch ein Gesetz zum Ausbau erneuerbarer Energien sank aber der Anteil der thermischen Kraftwerke auf 56 %. Inzwischen werden bereits 44 % der aus Wasser-, Solar und Windkraftanlagen gewonnen. Die Tendenz ist steigend und wird sich auch positiv auf die Zahlungsbilanz auswirken, wenn weniger Devisen zum Ankauf von Schweröl aufgebracht werden müssen.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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