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Geschichte des Politischen Archivs

Das Politische Archiv verwahrt heute Unterlagen im Umfang von über 25 Regalkilometern, darunter 30.000 völkerrechtliche Verträge, 300 Diplomaten-Nachlässe, 10.000 Fotos und 300 audiovisuelle Trägermedien. Die Zusammensetzung dieser Bestände ist das Ergebnis der ereignisreichen Geschichte des Politischen Archivs seit 1920.

Gründung und Aufbau

Im Rahmen der allgemeinen Reform des Auswärtigen Amts nach dem Ersten Weltkrieg wurden 1920 die Akten der aufgelösten Politischen Abteilung aus dem ehemaligen Zentral- und Depeschenbüro in ein „Hauptarchiv“ überführt, das 1924 den Namen „Politisches Archiv“ erhielt. Der erste Archivleiter wurde Hermann Meyer, der eine bis heute wichtige Quellenkunde des diplomatischen Schriftwesens verfasste.

Die Akten politischen Inhalts (20.000 Bände) als Grundstock des Archivs wurden im Zuge des planmäßigen Beständeaufbaus durch die Akten anderer Abteilungen und der Auslandsvertretungen ergänzt. Die Überlieferung beginnt mit den Unterlagen des preußischen Ministeriums der Auswärtigen Angelegenheiten, die bis zum 31.12.1866 noch im Gebrauch waren; die älteren Bände wurden dem Preußischen Geheimen Staatsarchiv zugeführt.

Geheimes Staatsarchiv Preußischer Kulturbesitz

Aus Platzmangel wurden 1920 Aktenbestände, die keinen primär politischen Inhalt hatten, als Depositum an das 1919 gegründete Reichsarchiv abgegeben. Dabei handelte es sich um Akten der Personal- und Verwaltungsabteilung (Abt. I B), der Konsularabteilung (Abt. I C) und der Handelspolitischen Abteilung (Abt. II) bis 1890.

Für die historisch-politische Auseinandersetzung mit der so genannten Kriegsschuldfrage, die der Versailler Vertrag aufgeworfen hatte, wurde ein „Schuldreferat“ eingerichtet, das 1937 unter der Bezeichnung „Politisches Archiv und Historisches Referat“ mit dem Politischen Archiv zusammengelegt wurde. Aus der Arbeit dieses Referats entstand die erste bedeutende Edition aus Akten des Auswärtigen Amts, "Die Große Politik der Europäischen Kabinette".

Folgen des Zweiten Weltkriegs

Ab 1943 wurden die Bestände des Politischen Archivs zum Schutz vor Luftangriffen an Bergungsorte, vor allem im Harz, ausgelagert. Durch Unglücksfälle und Kriegseinwirkungen wurden dennoch Aktenbestände zerstört, insbesondere:

  • Teile der Überlieferung der Handelspolitischen und der Kulturabteilung,
  • Geheimakten aus der Zeit der Weimarer Republik und der NS-Zeit bis 1936,
  • viele Akten, die nach einer neuerlichen Reorganisation des Auswärtigen Amts 1936 entstanden waren und nicht ausgelagert wurden, weil sie in den Referaten noch benötigt wurden.

Bei der Bombardierung Potsdams 1945 wurde auch ein Großteil der im Reichsarchiv gelagerten Unterlagen des Auswärtigen Amts vernichtet.

Der Hauptteil der ausgelagerten Bestände wurde von den Westallierten sichergestellt, 1948 nach Großbritannien überführt und dort wissenschaftlich ausgewertet. Daraus gingen die bis heute für die Überlieferung bis 1945 maßgeblichen Katalogwerke „Oxford“ und „Kent“ hervor. Außerdem wurde der Bestand zum größten Teil verfilmt; diese Filme können heute bei den National Archives in Washington D. C. bezogen werden.

Wiedereinrichtung des Archivs

Bei seiner Gründung 1951 verfügte das Auswärtige Amt der Bundesrepublik Deutschland zunächst über die bereits aus England zurückgegebenen Personal- und Haushaltsakten des „Alten Amts“. Zu ihrer Verwahrung und Nutzbarmachung wurde im selben Jahr auch das Politische Archiv wieder gegründet. Zwischen 1956 und 1958 wurden auch die übrigen Bestände aus westalliierter Hand nach Bonn überführt. Dabei wurde zwischen den vier beteiligten Ländern die gemeinsame Edition der Akten aus den Jahren 1918-1945 unter dem Titel "Akten zur deutschen auswärtigen Politik 1918-1945“ beschlossen.

Der kleinere, 1945 von der UdSSR sichergestellte Teil der ausgelagerten Bestände – insbesondere Akten der Rechtsabteilung (Abt. III) und von Auslandsvertretungen – gelangte über das Deutsche Zentralarchiv in Potsdam (später: Zentrales Staatsarchiv der DDR) nach 1990 in das 1952 gegründete Bundesarchiv.

Deutsche Wiedervereinigung und Umzug

Mit der Wiedervereinigung Deutschlands am 3.10.1990 übernahm das Politische Archiv des Auswärtigen Amts die Akten des Ministeriums für Auswärtige Angelegenheiten (MfAA) der DDR, das 1951 ein Archiv eingerichtet hatte (seit 1966 als selbstständiges Endarchiv). Ebenfalls übernommen wurden die völkerrechtlichen Verträge der DDR einschließlich der Ressortabkommen. Mit dem Umzug des Auswärtigen Amts von Bonn nach Berlin im Jahr 2000 wurden beide Archive im ehemaligen Reichsbankgebäude vereinigt. Im Herbst 2008 fand eine Beständeabgrenzung mit dem Bundesarchiv statt: Während die Akten der Rechtsabteilung bis 1918 und der Handelspolitischen Abteilung bis 1945 jetzt im Bundesarchiv zu benutzen sind, wurden die Bestände der Auslandsvertretungen, der Personal- und Verwaltungsabteilung, der Konsularabteilung und der Länderabteilungen aus den 1920er Jahren im Politischen Archiv zusammengeführt.

Bundesarchiv

Seit 1993 erscheint eine neue Edition aus Akten zur Außenpolitik der Bundesrepublik, die im Auftrag des Auswärtigen Amts vom Institut für Zeitgeschichte, München/Berlin, herausgegeben wird, unter dem Titel "Akten zur Auswärtigen Politik der Bundesrepublik Deutschland“.


Stand 06.05.2009