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Bolivien

Innenpolitik

Stand:  März 2014

Staatsaufbau

Bolivien ist nach der Verfassung von 2009 eine präsidiale Demokratie mit Zweikammerparlament. Den regionalen Einheiten (Departamentos) und Gemeinden bzw. Kreisen (Municipios) wurden Kompetenzen für Gesundheit, Schule, Kultur, Straßenbau und Bewässerung sowie Aufgaben auf dem Gebiet der öffentlichen Sicherheit übertragen. Seit Anfang 2006 gibt es gewählte Gouverneure in den neun Departamentos. In der neuen Verfassung werden departamentale, regionale, munizipale und indigene Autonomien festgeschrieben.

Aktuelle innenpolitische Lage

Am 18.12.2005 wurde Evo Morales mit absoluter Mehrheit als erster Indigener in der Geschichte Boliviens zum Staatspräsidenten gewählt. Am 6. Dezember 2009 wurde er wiedergewählt, erreichte 64 Prozent der Stimmen und zugleich die Zweidrittelmehrheit in beiden Kammern des Parlaments. Bei den Regional- und Kommunalwahlen am 4. April 2010 erhielt die Regierungspartei MAS (Movimiento al Socialismo) allerdings nur noch gut 50% der Stimmen. Sie gewann sechs der neun Departamentos, aber nur drei der 10 wichtigsten Städte. Sein neben der Armutsbekämpfung wichtigstes Politikziel ist die vollständige Teilhabe der indigenen Bevölkerungsmehrheit am politischen und wirtschaftlichen Leben. Sie soll durch die neue Verfassung von 2009, die allerdings in wesentlichen Teilen noch umgesetzt werden muss, entscheidend vorangetrieben werden. Fortschritte im Bereich der WSK-Rechte (wirtschaftliche, soziale und kulturelle Rechte) wurden schon erzielt, insbesondere bei Armutsreduzierung, Integration von Indigenen, Rechten von Minderheiten und der Verbesserung des Zugangs zum Bildungswesen. Im Laufe der Jahre hat die Regierung dennoch an Popularität verloren (liegt aber immer noch bei über 40%). Soziale Bewegungen, Gewerkschaften, Indigenenverbände fordern mehr staatliche Leistungen bzw. wenden sich gegen autoritäre Tendenzen. Kritische Stimmen sehen sich zunehmend unter Druck.

Präsidentschafts- und Parlamentswahlen finden im Herbst 2014 statt, der Vorwahlkampf hat begonnen. Präsident Morales gibt sich siegessicher, die als zersplittert geltende Opposition setzt offenbar vor allem auf den Gewinn von mehr Sitzen im Parlament. Sie hat sich bisher noch nicht auf einen gemeinsamen Kandidaten einigen können.

Gegen viele der gewählten Amtsträger der Opposition auf Regional- und Gemeindeebene laufen Anklageverfahren, zahlreiche oppositionelle Bürgermeister und zwei Gouverneure sind ohne richterliche Entscheidung nur aufgrund der förmlichen Anklageerhebung bereits abgesetzt worden (vom Gesetz so vorgeschrieben). Allerdings gab es in einigen Städten und in einem Departamento (Beni) Neuwahlen, die die Opposition erneut gewann. Zudem hat das Verfassungsgericht zwischenzeitlich die Klausel über die Suspendierung von gewählten Amtsträgern für verfassungswidrig erklärt. Der Justizapparat steht wegen einer Überlast an Verfahren und personellem Umbau unter größter Anspannung. Zusätzlich wird er korruptiv und sogar erpresserisch missbraucht. Trotz Anstrengungen zur Reformierung der Justiz und Verwaltung sind die dringendsten Probleme nicht gelöst, beispielsweise sind  ca. 85 % der in Bolivien Inhaftierten nicht  rechtskräftig verurteilt.

Die Kokapolitik der Regierung Morales steht unter der Leitlinie „Koka-Anbau ja – Kokainproduktion nein.“ Dabei soll die Einhaltung von Produktionsquoten nicht mehr von den Sicherheitskräften, sondern im Rahmen der sozialen Kontrolle von den Kokabauern selbst überwacht werden. Die nicht für den traditionellen Gebrauch (Kauen, Tee) bestimmten Kokablätter (geschätzt etwa 60%) fließen nach wie vor der illegalen Kokainherstellung zu. Die polizeiliche Bekämpfung leidet unter geringer Kompetenz und Korruption.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


Entwicklungs­zusammenarbeit

Bolivien ist Partnerland der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Die Entwicklungszusammenarbeit konzentriert sich auf mittel- und langfristige strukturelle Reformen und ist armutsorientiert angelegt. Schwerpunkte sind die Reform von Verwaltung und Justiz sowie die Stärkung der Zivilgesellschaft, dazu Sicherstellung der Wasserversorgung, verbessertes Abwassermanagement und die Förderung einer nachhaltigen Landwirtschaft. Näheres dazu beim Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung