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Haiti

Bereits vor dem Erdbeben im Januar 2010 war Haiti das ärmste Land der westlichen Hemisphäre. Das Bruttoinlandsprodukt liegt bei 646 USD pro Kopf, und etwa 80 Prozent der Bevölkerung müssen mit weniger als 2 US-Dollar pro Tag auskommen.  Die humanitäre Lage in Haiti ist daher auch unter normalen Verhältnissen bereits außerordentlich prekär. Die von der Armut geprägte baufällige Infrastruktur ist selbst geringfügigeren Naturereignissen zum Teil nicht gewachsen, bei Katastrophen wie dem Erdbeben war  Zusammenbruch der Funktionsfähigkeit aller öffentlichen Einrichtungen, die ja selbst unmittelbar betroffen waren, nahezu unvermeidbar. Ressourcen zur Selbsthilfe waren unter diesen Umständen kaum vorhanden. Eine rasche internationale Hilfe war daher unabdingbar, insbesondere um den Verlust weiterer Menschenleben, über die vom Erdbeben bereits unmittelbar Betroffenen hinaus, zu verhindern.

Auch die Bundesregierung stellte unmittelbar nach dem Erdbeben Mittel für humanitäre Hilfsmaßnahmen in Höhe von 17 Mio. Euro zur Verfügung, die den Hilfsorganisationen Sofortmaßnahmen ermöglichten.  
Angesichts der Bilder verheerender weitflächiger Zerstörungen und von über zwei-hunderttausend Toten zeigten die Deutschen eine Spendenbereitschaft wie selten zuvor. Im Verlauf des Jahres 2010 erreichten die Spenden für Haiti einen Summe von über 230 Mio Euro.

Im Oktober 2010 brach eine Choleraepidemie aus, die erneut zusätzliche internationale Hilfsmaßnahmen erforderte. Die Bundesregierung stellte kurzfristig 1 Mio. Euro für den Kampf gegen die Cholera zur Verfügung.


Hintergrund

Am 12. Januar 2010 wurde Haiti von einem der schwersten Erdbeben seit mehr als 200 Jahren erschüttert. Das Beben, das auf der Richterskala einen Wert von 7,3 erreichte, hatte sein Epizentrum 17 km südwestlich der haitianischen Hauptstadt Port au Prince und zerstörte die Mehrheit der Häuser und Infrastruktur der Region. Mehr 3 Millionen Menschen waren von der Katastrophe betroffen, die etwa 200.000 Opfer forderte, über 300.000 Verletzte zurückließ und Millionen von Menschen ihr Zuhause nahm. Auch fast 24 Monate nach der  Naturkatastrophe leben noch immer fast 600.000 Menschen in Lagern und Notunterkünften. Zusätzlich wurden durch das Erdbeben bereits existierende strukturelle Probleme, aber auch Armut, der eingeschränkte Zugang zu Bildung, Gesundheitssystemen und Sanitäranlagen verschärft.

Nachdem im Oktober 2010 die ersten Fälle von Cholera bekannt wurden, entwickelte sich daraus eine rasch um sich greifende Choleraepidemie, an der bisher über 6.400 Menschen gestorben sind. Im Verlauf des Jahres 2011 konnte die Epidemie zurückgedrängt werden, aber auch im August 2011 gab es noch über 20.000 Neunfektionen, welche aber jeweils nur zum Teil zum Ausbruch der Krankheit führen.

Humanitäre Lage

Auch zwei Jahre nach der Erdbebenkatastrophe sind die Auswirkungen noch immer spür- bzw. sichtbar. Die humanitäre Lage ist weiter ungewöhnlich prekär. Der langsame Fortschritt beim Wiederaufbau, die politische Situation und die Sicherheitslage, sowie gesteigerte Unsicherheit und Hilfsbedürftigkeit der Bevölkerung, zum Beispiel im Hinblick auf Nahrungsmittelsicherheit, lassen die Krise weiter andauern.

Noch immer sind viele Menschen zur Befriedigung ihrer Grundbedürfnisse auf externe Hilfe angewiesen. Nahrungsmittelhilfe, die Versorgung mit Trinkwasser, medizinische Basisversorgung und der Bau von Sanitäranlagen  werden weiterhin in einigen Teilen des Landes benötigt. Die Anzahl der in Camps lebenden Menschen ist aber von 1.5 Millionen im Juni 2010 auf  rund 600.000 Menschen  Mitte 2011 gesunken.

Der im Verlauf angepasste Hilfsaufruf der Vereinten Nationen für Haiti für das Jahr 2011 von 382 Mio. USD ist zu 57% gedeckt.. Der Schwerpunkt der Hilfsmaßnahmen liegt dabei auf der Rückführung und Reintegration der Menschen, die ihre Heimatorte aufgrund der Zerstörung verlassen mussten bzw. fortführende Unterstützung an die noch immer in Camps lebenden Menschen.

Die Bekämpfung und Eindämmung weiterer Cholera-Infektionen ist auch für das Jahr 2011 eine zentrale Aufgabe geblieben, soll aber  Zug im Zug in das reguläre Gesundheitswesens überführt werden.

Der Wiederaufbau, der humanitäre Hilfsmaßnahmen nach und nach ablösen soll, steht weiterhin vor großen Herausforderungen. Als Ursachen werden neben den schon zuvor bestehenden insitutionellen Schwächen und  geringer Wirtschaftskraft des Landes auch politische Instabilität sowie die Koordinierung zwischen den Institutionen gesehen.
Der seit Mai 2011 amtierende Präsident Michel Martelly erlangte im Oktober 2011 die notwendige parlamentarische Zustimmung zur Ernennung des neuen Premierministers, Dr. Garry Conille, einem Arzt und langjährigen Mitarbeiter von UNFPA – dem Bevökerungsfonds der Vereinten Nationen. Damit ist ein wichtiger Schritt erreicht, um die politische Stabilität des Landes als Voraussetzung für einen erfolgreichen Wiederaufbau voranzubringen. Dies unterstrich auch Außenminister Dr. Guido Westerwelle, als er im Juli 2011 als erster deutscher Außenminister überhaupt nach Haiti reiste und dort u.a. mit Staatspräsident Michel Martelly zusammentraf.

Hilfsgüterverteilung

Hilfsgüterverteilung
© Caritas

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Hilfsgüterverteilung

Hilfsgüterverteilung

Humanitäre Hilfsmaßnahmen des Auswärtigen Amtes

Erdbebenhilfe

Die Bundesregierung hat nach dem verheerenden Erdbeben im Januar 2010 humanitäre Hilfe für die Bevölkerung Haitis in Höhe von 17 Mio. Euro zur Verfügung gestellt.

Zudem beteiligte sich Deutschland mit einem Beitrag von 24 Mio. Euro, also ca. 20 % der Gesamtmittel, an der humanitären Hilfe der EU (insgesamt 120 Mio. Euro).

Die Mittel der Bundesregierung wurden deutschen Nichtregierungsorganisationen, dem THW, der GTZ und dem World Food Program (WFP) für Hilfsmaßnahmen bereit gestellt. Die Hilfsmaßnahmen für die Erdbebenopfer umfassten Nahrungsmittelhilfe, medizinische und Trinkwasserversorgung, sowie die Bereitstellung von Notunterkünften.

Die vom Auswärtigen Amt bereitgestellte Summe für deutsche Nichtregierungsorganisationen belief sich auf insgesamt 5,1 Millionen Euro.

Auch was den Wiederaufbau Haitis angeht, leistete die Bundesregierung die Zusage, Hilfe in Höhe von 39,4 Mio.Euro zu leisten. Der  Fokus liegt dabei auf  den Bereichen Soziales, Bildung, Infrastruktur, nachhaltige Wirtschaftsentwicklung, Dezentralisierung, sowie Festlegung auf Transparenz und Rechenschaftspflicht.

Weitere vier Millionen Euro Nahrungsmittelhilfe sowie acht Millionen Euro für Notunterkünfte wurden vom Bundesministerium für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung bereit gestellt.

Choleraprojekte

Nach Ausbruch der Choleraepidemie im Herbst 2010 reagierte das Auswärtige Amt mit der Bereitstellung von einer Mio. Euro Soforthilfe. Damit wurden sechs Projekte von deutschen Nichtregierungs­organisationen finanziert.

Schwerpunkt der Maßnahmen liegt im Bereich Wasser, Sanitär und Hygiene (WASH). Außerdem haben noch aus Mitteln der Erdbebenhilfe geförderte Projekte ergänzende Maßnahmen zur Cholerabehandlung ergriffen, unter anderem auch basismedizinische Versorgung. Ein anderes Vorhaben hat die Ausbildung medizinischen Personals (Gesundheitshelfer) zum Ziel.


Stand 18.10.2011