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Sri Lanka: Friedensförderung durch Berufstraining

Die 22-jährige Rajendran wischt sich die Hände an ihrem blauen Overall ab und lacht: "Nein, eine Baustelle ist wohl wirklich nicht der Arbeitsplatz, an dem man eine junge Frau wie mich vermuten würde." Doch als Rajendran auf einem Plakat die Werbung für ein berufsbezogenes Ausbildungsprojekt für Bauberufe sah, zögerte sie nicht lange, sich beim nächstgelegenen Trainingszentrum in der Provinzhauptstadt Batticaloa im Osten Sri Lankas anzumelden. 

Das Trainingsprojekt wird aus Mitteln des Auswärtigen Amtes gefördert und von der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit (GIZ) durchgeführt. Seit 2010 entstanden acht solcher Trainingszentren im Osten Sri Lankas und tragen somit zur Teilhabe der Bevölkerung am wirtschaftlichen Aufschwung bei.

Die Arbeitslosigkeit in der mehrheitlich von Tamilen und Muslimen bevölkerten Region ist hoch, insbesondere unter den Jugendlichen. Das liegt nicht daran, dass es an potentieller Beschäftigung mangeln würde. Seit Ende des Bürgerkriegs 2009 befindet sich Sri Lanka im Wiederaufbau. In Erwartung steigender Tourismuszahlen entstehen zahlreiche neue Hotelanlagen, Großbaustellen säumen die Strände - auch im Osten des multiethnischen Landes. 

Doch Bauaufträge werden vor allem an Großunternehmen aus anderen Landesteilen vergeben, weil die Qualifikation der lokalen Bevölkerung gering ist und es an geeigneten Ausbildungseinrichtungen und Expertise mangelt.

Neue Beschäftigungschancen

Mit mehr als zwei Millionen Euro unterstützt das Auswärtige Amt deswegen das umfassende Bildungsprojekt, welches berufliche Qualifikationen und konfliktpräventive Maßnahmen kombiniert. Ziel ist es nicht nur, den Jugendlichen und jungen Erwachsenen praktische Kenntnisse zu vermitteln und ihnen so den Zugang zum regionalen Arbeitsmarkt zu ermöglichen. Im Zentrum der Arbeit von Auswärtigem Amt und GIZ steht auch die gesellschaftliche Reintegration der vom Krieg traumatisierten jungen Menschen. Deswegen ergänzen vertrauens- und gemeinschaftsbildende Elemente die berufsbezogene Ausbildung. Ein Ansatz, der Anklang findet: Neben Rajendran haben sich bis heute mehr als 700 junge Menschen für die berufsqualifizierenden Trainings im Rahmen des Projektes angemeldet.

Rajendran bei der Arbeit

Rajendran bei der Arbeit
© AA

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Rajendran bei der Arbeit

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Die angebotenen Ausbildungsberufe umfassen mit Maurer, Schreiner, Klempner, Elektriker sowie Fachkraft für Aluminiumverarbeitung allesamt Tätigkeiten, die von Sri Lankas boomendem Baugewerbe in hohem Maße nachgefragt werden. 

Rajendran entschied sich für eine Lehre zur Maurerin. Auf ein dreimonatiges, intensives Berufstraining durch qualifizierte Ausbilder folgte ein Praktikum, durch das sie erste, wichtige Erfahrungen im lokalen Baugewerbe sammeln konnte. Dort sind die Absolventen der Berufstrainings begehrt, die Qualität der Ausbildung hat sich herumgesprochen. Mittlerweile hat auch die nationale Kommission für Höhere und Berufliche Bildung (Tertiary and Vocational Education Commission) das Ausbildungsprogramm von Auswärtigem Amt und GIZ zertifiziert, was die Nachhaltigkeit des Projektes entscheidend fördert.

Gesellschaftliche Versöhnung

Nachhaltigkeit spielt auch in gesellschaftlicher Hinsicht eine zentrale Rolle. Denn die Ausbildung beinhaltet mehr als nur das Erlernen berufsbezogener Fähigkeiten. Neben IT-Kursen und Englischunterricht stehen auch Streitschlichtung sowie Workshops zur Förderung von Toleranz und Vertrauen auf dem Stundenplan von Rajendran und ihren Klassenkameraden. 

Regelmäßig stattfindende gemeinnützige Bauprojekte sind seit Beginn des Projektes integraler Bestandteil der Ausbildung. Eines davon war der Bau neuer sanitärer Anlagen an einer hinduistischen Pilgerstätte. Bis vor Kurzem noch undenkbar, kann so eine Annäherung zwischen den verschiedenen Religionsgemeinschaften Sri Lankas gefördert werden. Das gibt den jungen Menschen nicht nur die Möglichkeit, gelernte Fertigkeiten anzuwenden, sondern auch einen aktiven Beitrag zur gesellschaftlichen Versöhnung zu leisten und so einem erneuten Aufflammen des Konfliktes vorzubeugen.

Auch der deutsche Botschafter in Colombo, Jens Plötner, zeigte sich bei seinem Besuch beeindruckt und beschrieb das Projekt als "gelungenes Beispiel deutsch-sri-lankischer Zusammenarbeit". Besonderes hob Plötner den mehrdimensionalen Ansatz des Projektes hervor: "Es ist äußerst erfreulich, dass Deutschland durch die gezielte Unterstützung und Eingliederung der lokalen Jugend einen Beitrag zur Konsolidierung des noch jungen Friedens in Sri Lanka leisten kann."

Während des 26 Jahre dauernden Bürgerkriegs, der 2009 endete, wurden nach Schätzungen 100.000 Menschen getötet. Hunderttausende mussten ihre Heimatorte verlassen.



Stand 24.02.2012

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