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Minen-und Kampfmittelräumung auf dem Balkan

Große Teile von Kroatien und Bosnien und Herzegowina sind noch immer durch Landminen und Blindgänger belastet. Während der kriegerischen Auseinandersetzungen in den neunziger Jahren wurden insbesondere entlang der Frontlinien von allen Parteien Landminen eingesetzt. Der Frontverlauf änderte sich häufig und Aufzeichnungen über die Lage und Ausdehnung der Minenfelder wurden entweder nicht erstellt oder waren wegen ihrer Ungenauigkeit häufig nicht brauchbar. Dieser Umstand macht die Räumung zeit- und kostenintensiv.

Beide Länder sind dem "Ottawa-Übereinkommen" beigetreten und hätten vertragsgemäß alle Anti-Personenminen auf ihrem Territorium bis März 2009 beseitigen müssen. Wegen der Dimension des Problems war diese Frist nicht einzuhalten. Vielmehr ist nach derzeitigem Stand davon auszugehen, dass beide Staaten die Verpflichtungen des "Ottawa-Übereinkommens" nicht vor 2019 erfüllen werden können. Bosnien und Herzegowina und Kroatien sind Mitgliedstaaten des "Streumunition-Übereinkommens" und des "VN-Waffenübereinkommens".

Das Auswärtige Amt hat 2012 Projekte der norwegischen NRO "Norwegian People´s Aid" (NPA) und der deutschen NRO Deutsche Minenräumer e.V.(DEMIRA) gefördert. Zudem werden seit Jahren Projekte über den International Trust Fund Enhancing Human Security (ITF) ausgeschrieben.

In beiden Ländern sind die Opferzahlen in den vergangenen Jahren stetig zurückgegangen. Im Jahr 2011 waren in Kroatien noch sechs (2010: 7) und in Bosnien und Herzegowina 22 Opfer (2010: 14, 2009: 28) zu beklagen.

Albanien hat sich im Oktober 2009 für "minenfrei" erklärt. Die Bundesregierung hat mit der Förderung der Projekte der dänischen Nichtregierungsorganisation Danish Church Aid (DCA) maßgeblich zu diesem positiven Ergebnis beigetragen. Albanien ist Mitgliedstaat des "Ottawa- und Streumunition-Übereinkommens" und des "VN-Waffenübereinkommens".

Minenräumen auf dem Balkan

Minenräumen auf dem Balkan
© AA

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Minenräumen auf dem Balkan

Minenräumen auf dem Balkan

Minenräumen auf dem Balkan

Serbien ist als Folge des Krieges auf dem Balkan und des Kosovo-Krieges sowohl mit Minen als auch mit Blindgängermunition belastet. Die Verminung beschränkt sich größtenteils auf die Grenzregion zu Kroatien. Da diese Minenfelder in ihrer Lage und Ausdehnung bekannt sind, geht von ihnen nur eine geringe Gefährdung für die Zivilbevölkerung aus. Die Belastung mit Blindgängern konzentriert sich auf wichtige Infrastruktur, welche während der Luftangriffe der alliierten Streitkräfte hauptsächlich mit Streumunition kontaminiert wurde.

Im Jahr 2008 wurden letztmalig zwei Menschen Opfer von Landminen.

Serbien ist dem "Ottawa-Übereinkommen" am 18. September 2003 beigetreten. Wegen der nachweislich geringen Kontaminierung wird es seine daraus resultierenden völkerrechtlichen Verpflichtungen bis 2014 erfüllen können. Serbien ist Mitgliedsstaat des "VN-Waffenübereinkommens".

Im Kosovo werden immer noch Flächen identifiziert, die durch Minen und Blindgängermunition belastet sind. Bereits ab 2001 wurde durch die Vereinten Nationen eine nationale Räumkapazität ausgebildet und ausgerüstet (Kosovo Protection Corps), die sich qualifiziert dieser Gefahrenquellen annehmen kann.

2011 gab es zum siebten Mal in Folge keine Tote nach Unfällen mit Landminen zu beklagen. Zwei Jungen wurden allerdings durch Blindgängermunition verletzt.

Die ERJ Mazedonien hat sich im September 2006 "minenfrei" erklärt. Lediglich im Süden des Landes gibt es noch ein geringes Problem mit Blindgängermunition. Mazedonien ist Mitgliedsstaat des Ottawa- und Streumunition-Übereinkommens sowie des VN-Waffenübereinkommens.

Montenegro ist weder durch Landminen noch durch Blindgängermunition nennenswert belastet.

Montenegro ist Mitgliedsstaat des Ottawa- und Streumunition-Übereinkommens sowie des VN-Waffenübereinkommens.

Deutschland gehört neben Norwegen und den USA traditionell zu den größten Geldgebern in der Minen- und Kampfmittelräumung und hat sich mit seinem Engagement großes Ansehen in der Region erworben. Mit deutschen Mitteln wird nachhaltige und greifbare humanitäre Hilfe geleistet und die Zahl der Minenopfer stetig verringert. Bei einer anhaltend guten Finanzausstattung könnte es den zuständigen Behörden realistischerweise gelingen, die Opferzahlen in den nächsten fünf bis zehn Jahren auf nahezu Null zu reduzieren. Dies wäre ein enormer Erfolg, der noch vor wenigen Jahren nicht für möglich gehalten wurde.

Seit 1997 hat das Auswärtige Amt rund 42,7 Millionen Euro für Minen- und Kampfmittelräumprojekte auf dem Balkan zur Verfügung gestellt.


Stand 25.03.2013