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"Afrika für Anfänger" - 17.02.2010 (Steve, RSA 09)
Von Gera via Berlin nach Nairobi. Im neunmonatigen Auslandspraktikum werde ich die Arbeit an der Botschaft in allen Facetten kennenlernen. Aber auch wie man als Weißer in Kenia zurechtkommt und dass es hier gar nicht verkehrt ist, sich als Nutellafan zu outen...
Am 30. November 2009 landete ich mit einem flauen Gefühl im Magen am Nairobi Airport. Meine Wohnung in Gera ist eingemottet, mein Zimmer in Berlin aufgelöst. Die wöchentliche Pendelei hat vorerst ein Ende. Was erwartet mich hier?
Im Rahmen der Ausbildung zum Regierungssekretär schickte mich das Auswärtige Amt, ausgestattet mit Diplomatenpass und den Erkenntnissen eines achtmonatigen Einführungslehrganges in der amtseigenen Akademie, für neun Monate nach Nairobi. Hier soll ich einen umfassenden Einblick in die Tätigkeit einer Deutschen Botschaft mit all ihren Aufgaben und Funktionen erhalten.
Als Anwärter bin ich in der komfortablen Lage, auch Bereiche kennen zu lernen, die nicht unbedingt im Mittelpunkt der der Ausbildung stehen: So konnte ich schon in der ersten Woche die Botschafterin zu einer Stipendienvergabe des DAAD im Nationalmuseum begleiten und kurz vor Weihnachten haben wir uns ein sehr gesellschafts- und regierungskritisches kenianisches Musical angesehen. Die VN-Referentin hat mich in meiner zweiten Woche in die komplexe Struktur der Vereinten Nationen eingeführt, sodass ich mit ihr eine VN-Sitzung besuchen konnte und ab sofort freien Zutritt auf dieses Gelände habe.
Eine der ersten Fragen meiner neuen Kollegen war natürlich, ob ich mir diesen Praktikumsposten freiwillig ausgesucht habe. Ja, hab ich! Für die ganz Eingefleischten unter ihnen ist Kenia nur das „Afrika für Anfänger“ – schließlich gibt’s hier für alle Weicheier sogar Nutella und Nivea „Made in Germany“. Gut, dann bin ich ja genau richtig, denn ich war noch nie auf dem schwarzen Kontinent und schon immer Nutellafan.
Zweifelsohne ist Kenia ein interessantes und facettenreiches Land. Fremde Menschen und ihre Lebensweisen, traumhafte Strände sowie eine einzigartige Tier- und Pflanzenwelt, eingebettet in wunderschöne Landschaften, lassen mein Herz höher schlagen und bestätigen mir, dass ich die richtige Wahl getroffen habe.
Sicherlich ist es hier gefährlicher, denn ich lebe in einem armen Land. Ein Mzungo (das Swahiliwort für Weißer) wird von Natur aus als reich angesehen und vor allem nachts kommt es immer wieder zu Überfällen. Tagsüber ist die Welt allerdings in Ordnung und so fahre ich wie die Kenianer auch mit den öffentlichen Matatus, der hiesigen Variante der Kleinbusse, die ohne Fahrplan und Verkehrsregeln auskommen, gehe zu Fuß in die Kaufhalle, was jedes Mal einem „Russisch-Roulette-Spiel“ gleichkommt, und knüpfe Kontakte zur einheimischen Bevölkerung.
Als Mzungo habe ich es da relativ leicht, schnell sind die ersten Einladungen ausgesprochen und ich sitze bei der „Mittelklasse“ zu Hause in einem fensterlosen Zehnquadratmeterraum. Zur Standardausstattung gehören Bett, Tisch, Couch, eine Kochplatte und vielleicht noch ein Fernseher. Da ich „reich“ bin, werde ich oftmals mit Erwartungen konfrontiert, die ich nicht erfüllen kann und will. Der kulturelle Unterschied kommt dabei offen zum Vorschein und so bleibt trotz interessanter Begegnungen und Gespräche über Gott und die Welt leider immer ein Hauch Unverständnis auf beiden Seiten bestehen.
Durch einen großen Zufall traf ich Anfang Januar während meines Urlaubs in Mombasa auf drei Bekannte aus meiner Heimatstadt. Die Geraer hatten sogar Proviant aus der Heimat bei sich und es hat mir viel Freude bereitet bei vielen Leberwurst- und Blutwurstbemmen mal wieder richtig in gepflegtem Gersch über „daheeme“ plaudern zu können.
Stand 18.02.2010
