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Argentinien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: März 2014

Kunst und Literatur

Argentinien hat eine sehr aktive, multikulturelle und stark durch europäische Einflüsse geprägte Kulturszene. Vor allem in Buenos Aires gibt es ein vielfältiges Angebot an Veranstaltungen in den Bereichen Theater, Musik, Oper, Literatur, Film und Sport.

Das Interesse an deutscher Kultur und an der deutschen Sprache ist groß. Die sehr positive Grundhaltung wird u.a. durch die (nach Schätzungen ca. eine Million) deutschstämmigen Argentinierinnen und Argentinier befördert, sie geht jedoch weit darüber hinaus. Die Goethe-Institute in Buenos Aires und Córdoba sowie zwei Goethe-Zentren und neun Kulturgesellschaften gestalten die deutsche auswärtige Kulturpolitik vor Ort mit.

Das Teatro Colón in Buenos Aires zählt zu den angesehensten Opernhäusern der Welt. Im November 2012 fand dort die Welturaufführung der Kompaktversion des "Colón-Ring“ (gekürzte Fassung von Wagners Opernzyklus „Der Ring des Nibelungen“ an einem Spieltag) mit internationaler Starbesetzung statt. Auch zeitgenössische Musik spielt eine wichtige Rolle. In Buenos Aires treffen sich jedes Jahr auf einem vom Teatro San Martín organisierten internationalen Festival-Zyklus hochkarätige Interpreten.

Im Zweijahresrhythmus findet ein internationales Theaterfestival statt, bei dem Deutschland regelmäßig durch ein herausragendes Gastspiel vertreten ist (2011: „Hamlet“, 2013 „Ein Volksfeind“ von Henrik Ibsen, jeweils Produktionen der Berliner Schaubühne).

Argentinische Filmproduktionen nehmen häufig mit Erfolg an internationalen Festivals teil  (z.B. bei der Berlinale 2014 auch mit einer deutsch-argentinischen Koproduktion). In Argentinien gibt es neben dem Festival in Mar del Plata insbesondere das jährliche Internationale Festival des unabhängigen Films (BAFICI); auch deutsche Produktionen sind regelmäßig an diesem, mit über 400 Filmen größten Festival seiner Art auf dem Subkontinent, beteiligt. Im März 2012 war Deutschland zudem Ehrengast auf dem Filmfestival Pantalla Pinamar. Das jährlich ca. im September in Buenos Aires stattfindende Deutsche Filmfestival hat ein großes Stammpublikum; auch bei der von der EU-Delegation koordinierten Europäischen Filmreihe wird jedes Jahr eine deutsche Produktion gezeigt.

In Buenos Aires gibt es eine Vielzahl bekannter Museen,  wie z.B. das Museo de Arte Latinoamericano (MALBA), die Fundación PROA oder das Museo Nacional de Bellas Artes. Zahlreiche international bekannte argentinische Künstlerinnen und Künstler sind regelmäßig auf großen Ausstellungen und Biennalen (Kassel, Venedig, São Paulo) vertreten. Deutsche Bildende Kunst ist in Argentinien präsent; u.a. in den Jahren 2013 und 2014 durch die Beteiligung Berliner Galerien bei der Kunstmesse „ArteBA“ in Buenos Aires.

Die „Hauptstadt des Tango“ bietet außerdem vielfältige Möglichkeiten, diesen Tanz und die damit verbundene Kultur zu erleben.

Die Argentinierinnen und Argentinier sind zudem ein „Volk von Lesern“. Der argentinische Buchmarkt gehört zu den größten Südamerikas. 2011 war Buenos Aires UNESCO-Weltstadt des Buches. Argentiniens Beteiligung als Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2010 war ein großer Erfolg; bei der jährlich in Buenos Aires stattfindende Buchmesse ist regelmäßig auch deutsche Literatur vertreten (Stand der Frankfurter Buchmesse).


Bildung und Wissenschaft

In den vergangenen 10 Jahren war die Wissenschaft- und Technologieförderung ein Schwerpunkt innerhalb des Regierungsprogramms und wurde über die Parteigrenzen hinweg positiv wahrgenommen. Die Ausgaben für Bildung und Forschung wurden deutlich gesteigert und liegen momentan bei 0,65% des BIP. Der aktuelle Wissenschaftsförderplan „Argentina Innovadora 2020“ sieht zudem eine Erhöhung der diesbezüglichen Investitionen auf 1,65 % des BIP bis 2020 vor.

Die Zusammenarbeit in Wissenschaft, Forschung und akademischer Lehre ist ein von deutscher wie argentinischer Seite gesetztes, von politischen Konjunkturen in Argentinien unabhängiges Ziel der bilateralen Beziehungen. Höhepunkte sind hier:

  • 2010: Gründung des Deutsch-Argentinischen Hochschulzentrums (DAHZ) durch die beiden Regierungen und eine Wissenschaftsvereinigung der deutschen Wirtschaft in Argentinien. Das DAHZ fördert binationale Studienprogramme mit Doppelabschluss.
  • April 2012: Eröffnung des weltweit erst dritten Max-Planck-Partnerinstituts im Ausland. Es ist im neuen Wissenschaftszentrum, dem "Polo Científico Tecnológico", in Buenos Aires untergebracht. Schwerpunkt der Forschung ist Biomedizin.

Im Bildungswesen bemüht sich die argentinische Regierung durch gebührenfreie staatliche Schulen und Universitäten um soziale Inklusion. Die größte Universität des Landes, die staatliche Universidad de Buenos Aires (UBA), ist mit über 300.000 Studierenden die zweitgrößte Universität Lateinamerikas. Weitere wichtige staatliche Universitäten befinden sich in Córdoba, La Plata, Mendoza und Tucumán. An den 110 Hochschulen Argentiniens sind rund 1,5 Mio. Studierende eingeschrieben, darunter ca. 1,6% Ausländer.

Im Jahr 2012 wurden 350 deutsche und knapp 600 argentinische Studierende vom  Deutschen Akademischen Austauschdienst (DAAD) gefördert, das entspricht 10 Prozent der Aktivitäten des DAAD in Lateinamerika. Kofinanzierte Stipendienprogramme mit dem argentinischen Bildungsministerium und dem Ministerium für Wissenschaft, Forschung und Produktive Innovation werden – vor allem in den Ingenieurswissenschaften - ausgebaut.

Der DAAD ist zudem an der Philosophischen Fakultät der Universität von Buenos Aires mit einem Fachlektorat für Medien- und Kulturwissenschaft (Freier Lehrstuhl "Walter Benjamin") vertreten. An der privaten Universidad Torcuato Di Tella ist der Walter-Gropius-Lehrstuhl für Architekturtheorie angesiedelt. Weitere DAAD-Lektoren arbeiten an der Verbesserung der Sprachlehrer- und Übersetzerausbildung in Buenos Aires, Córdoba und Tucumán.

Im schulischen Bereich wurde im Jahr 2006 die allgemeine Schulpflicht um drei Sekundarstufenjahre (vergleichbar mit der deutschen Oberstufe) auf insgesamt zwölf Schuljahre erhöht. Großer Bedarf besteht in der Lehreraus- und -fortbildung und der räumlichen Ausstattung von Schulen. Durch zahlreiche Schüler-, Lehrer- und Dozentenstreiks für bessere Infrastruktur, Gehälter und Arbeitsbedingungen fällt an öffentlichen Schulen und Universitäten häufig Unterricht aus.

Die deutschen Auslandsschulen gehören zu den angesehensten Privatschulen im Land und werden auch von Eltern ohne Deutschlandbezug geschätzt. Deutschland unterstützt im Rahmen der Initiative „Schulen: Partner der Zukunft“ (PASCH) Schulen, an denen Deutsch einen besonders hohen Stellenwert hat. In Argentinien sind dies vier Deutsche Auslandsschulen (eine mit Abitur-Zweig, drei mit dem optionalen Abschluss „Internationales Baccalauréat“, davon eine mit integriertem Berufsbildungszentrum und dem optionalen Abschluss der deutschen Fachhochschulreife) sowie 17 weitere argentinische Schulen, die das „Deutsche Sprachdiplom“ anbieten, darüber hinaus 11 durch das Goethe-Institut betreute Schulen.


Medien

Die argentinische Medienlandschaft ist seit einigen Jahren politisch stark polarisiert. Mehrere große Tageszeitungen & TV-Sender sind sehr regierungskritisch eingestellt, andere Medien berichten ausschließlich positiv über die Politik der Regierung. Im Jahr 2009 wurde ein Mediengesetz verabschiedet, welches Besitz und Vergabe von TV- und Radiolizenzen neu regelt und seitdem im Zentrum der medienpolitischen Diskussion steht. Kritiker werfen der Regierung vor, die Pressefreiheit im Lande einschränken zu wollen. Nach mehreren Klagen des größten Medienkonzerns (Grupo Clarín, regierungskritisch) wurde das Gesetz im Oktober 2013 vom obersten Gerichtshof für verfassungskonform erklärt. Grupo Clarín hat das Urteil akzeptiert und damit begonnen, Lizenzen zu übertragen.

Zu den wichtigsten Tageszeitungen von überregionaler Bedeutung zählen Clarín (liberal) und La Nación (konservativ), Pagina 12 (linksgerichtet) und Tiempo Argentino (regierungstreu). Schwerpunktmäßig Wirtschaftsnachrichten bringen Ambito Financiero und El Cronista Comercial. Außerdem erscheinen täglich der englischsprachige Buenos Aires Herald und wöchentlich das Argentinische Tageblatt in deutscher Sprache. Das Tageblatt wurde 1889 von Schweizer Emigranten gegründet und erhielt im Jahr 2012 den Medienpreis „Dialog für Deutschland“.

Im Fernsehen gibt es insgesamt 8 Nachrichtensender mit 24 h-Programm. Der staatliche Sender Canal 7 sowie mehrere Privatsender berichten regierungsfreundlich, kritisch berichten dagegen die Kanäle der Grupo Clarín (u.a. TN, Canal 13).

In Buenos Aires sind viele Lateinamerika-Korrespondenten deutscher Medien ansässig., im Januar 2012 hat auch ein Korrespondent der Deutschen Welle seine Arbeit in Buenos Aires aufgenommen.



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.