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Die deutsch-polnische Zusammenarbeit

Der deutsch-polnische Vertrag über gute Nachbarschaft und freundschaftliche Zusammenarbeit vom 17. Juni 1991 ist Grundlage und Rahmen für den intensiven politischen Dialog und die zwischengesellschaftlichen Kontakte zwischen Deutschland und Polen, die mittlerweile eine beeindruckende Dynamik gewonnen haben.

Mit dem Beitritt Polens zur NATO 1999, zur EU 2004 und zum Schengenraum 2007 begann eine neue Phase der Beziehungen, die durch die komplette Öffnung des deutschen Arbeitsmarkts 2011 verstärkt wurde. Mittlerweile leben und arbeiten in Deutschland über 700.000 Polen und sind damit die zweitgrößte Migrantengruppe. Reger Austausch und unzählige Besuche auf höchster politischer Ebene sind Ausdruck der freundschaftlichen Partnerschaft und der guten Zusammenarbeit beider Länder. Hierzu gehören die jährlichen Regierungskonsultationen mit den Regierungschefs und Fachministern. 

Umgang mit der Vergangenheit

Gemeinsames deutsch-polnisches Geschichtsbuch

Gemeinsames deutsch-polnisches Geschichtsbuch
© Gottschalk/photothek.net

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Gemeinsames deutsch-polnisches Geschichtsbuch

Gemeinsames deutsch-polnisches Geschichtsbuch

Gemeinsames deutsch-polnisches Geschichtsbuch

Ein verantwortungsvoller Umgang mit der Vergangenheit ist Grundlage unserer Beziehung. Dazu gehört die deutsche Anerkennung der Schuld an den Leiden der polnischen Bevölkerung im Zweiten Weltkrieg. Ein Symbol hierfür war Willy Brandts Kniefall vor dem Denkmal für die Helden des Warschauer Ghettos 1970. Undenkbar wäre die Versöhnung ohne die Bereitschaft zu vergeben, wie sie 1965 durch den Hirtenbrief der polnischen Bischöfe an ihre deutschen Amtsbrüder zum Ausdruck gebracht wurde, und ohne die Bereitschaft zum Verzicht auf eigene Forderungen, wie sie etwa in der Ost-Denkschrift der Evangelischen Kirche Deutschlands im selben Jahr gezeigt wurde. 

Zur Reihe der großen Versöhnungsgesten zwischen Deutschland und Polen gehört die Teilnahme von Bundespräsident Roman Herzog an den polnischen Feierlichkeiten am 1. August 1994 in Warschau 50 Jahre nach Ausbruch des Warschauer Aufstands: "Es ist ein bewegender Moment für mich, Ihnen über die Gräber der Toten des Warschauer Aufstandes hinweg heute die Hand zu reichen. Ich verneige mich vor den Kämpfern des Warschauer Aufstands wie vor allen polnischen Opfern des Krieges: Ich bitte um Vergebung für das, was ihnen von Deutschen angetan worden ist."

Im Gedenkjahr 2014 setzten Bundespräsident Joachim Gauck und Staatspräsident Bronisław Komorowski wichtige Signale zum Umgang mit der Vergangenheit. Sie eröffneten u.a. eine Ausstellung in Berlin über den Warschauer Aufstand 1944, erinnerten in Leipzig an die friedliche Revolution in der DDR 1989 und gedachten bei einer Gedenkveranstaltung im Deutschen Bundestag sowie auf der Danziger Westerplatte des 75. Jahrestags des Ausbruchs des Zweiten Weltkriegs 1939. Am 27. Januar 2015 gedachten sie auch gemeinsam mit Holocaust-Überlebenden der Befreiung des Konzentrationslagers in Auschwitz.

Gemeinsame Zukunft - gemeinsame Verantwortung

Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Bielecki bei der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags 1991

Unterzeichnung des Nachbarschafts-vertrags 1991
© picture alliance/dpa

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Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Bielecki bei der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags 1991

Helmut Kohl und der polnische Ministerpräsident Bielecki bei der Unterzeichnung des Nachbarschaftsvertrags 1991

Unterzeichnung des Nachbarschafts-vertrags 1991

Die Bundesregierung hat den erklärten Wunsch, sich gemeinsam mit Polen in Zukunft stärker bei der Ausgestaltung der europäischen Integration und der Übernahme von Verantwortung in der europäischen Nachbarschaft und der Welt zu engagieren. Zum 25. Jubiläum des deutsch-polnischen Nachbarschaftsvertrags fanden im Jahr 2016 insgesamt mehrere tausend Veranstaltungen mit Jubiläumsbezug auf politische und gesellschaftlicher Ebene zusammen  mit den Bundesländern, den Mittlerorganisationen und den polnischen Partnern statt. Der Schwerpunkt lag dabei auf dem kulturellen und zivilgesellschaftlichen Austausch beider Länder.

Jugend und Zivilgesellschaft - Geheimnis des Zusammenwachsens

Jugendaustausch und funktionierende Städtepartnerschaften sind für das Zusammenwachsen beider Völker und die Förderung des gegenseitigen Verständnisses wegweisend. In den vergangenen Jahren hat sich hier Beachtliches bewegt. Über 700 Kommunal- und Regionalpartnerschaften sind beim Deutschen Städtetag registriert. 

Das 1991 gegründete Deutsch-Polnische Jugendwerk (DPJW) hat bislang ca. 2,5 Millionen Jugendliche bei der Durchführung bilateraler Programme unterstützt. Die Bundesregierung hat sich im Koalitionsvertrag zu einer Ausweitung der Arbeitsmöglichkeiten des Jugendwerks verpflichtet.

Mehr auf der Webseite des DPJW: www.dpjw.org

Eine weitere Schlüsselinstitution zur Förderung der deutsch-polnischen Beziehungen ist die von den Regierungen beider Länder 1991 eingesetzte Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit (SDPZ). In über 20 Jahren hat sie fast 15.000 gemeinsame Projekte finanziert und damit die Fundamente der gegenseitigen Verständigung gestärkt. 

Mehr auf der Webseite der SDPZ:  www.sdpz.org

Zum intensiven deutsch-polnische Bildungs- und Forschungsaustausch tragen zahlreiche Stiftungen und Institutionen bei wie z.B. der Deutsche Akademische Austauschdienst. Seit Ende der 50er-Jahre bis 2012 hat der DAAD im Austausch mit Polen etwa 70.000 polnische und ca. 27.000 deutsche Wissenschaftler gefördert. 

Mehr auf der Webseite des DAAD: www.daad.org

Regierungskommission: Überwindung von Grenzen

Die Deutsch-Polnische Regierungskommission bei ihrer Tagung in Potsdam am 03.06.2016

Die Deutsch-Polnische Regierungskommission bei ihrer Tagung in Potsdam am 03.06.2016
© brandenburg.de

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Die Deutsch-Polnische Regierungskommission bei ihrer Tagung in Potsdam am 03.06.2016

Die Deutsch-Polnische Regierungskommission bei ihrer Tagung in Potsdam am 03.06.2016

Die Deutsch-Polnische Regierungskommission bei ihrer Tagung in Potsdam am 03.06.2016

Die deutsch-polnische Regierungskommission für grenzüberschreitende und interregionale Zusammenarbeit ist ein wichtiger Akteur in der Ausgestaltung der Beziehungen mit Polen. Sie tagt einmal im Jahr abwechselnd in Deutschland und Polen. Den Co-Vorsitz auf deutscher Seite hat Botschafter Thomas Ossowski inne.

Die Regierungskommission trat im April 1991 erstmals in Görlitz zusammen. Die Kommission hat seither drei große Aufgaben, die unverändert fortbestehen: a) Förderung der Zusammenarbeit regionaler, kommunaler und sonstiger Institutionen, Vereinigungen und Einrichtungen; b) Ergreifen von Initiativen durch Empfehlungen; c) Informationsvermittlung.

Vier Ausschüsse unterstützen die Arbeit der Regierungskommission in folgenden Feldern: grenznahe Zusammenarbeit, Raumordnungsfragen, interregionale Zusammenarbeit sowie Bildungszusammenarbeit. 

27. Sitzung der deutsch-polnischen Regierungskommission (Pressemitteilung vom 03.06.16)

Ergebnisprotokoll der 27. Sitzung der deutsch-polnischen Regierungskommission am 03.06.16 (PDF, 263 KB)

Deutsch-Polnisches Forum: Format mit Tradition

Das "Deutsch-Polnische Forum" fand erstmals 1977 in Bonn statt und ist seither ein wichtiges, regelmäßig wiederkehrendes Format und Impulsgeber für die Vertiefung der deutsch-polnischen Beziehungen und der zwischengesellschaftlichen Kontakte außerhalb offizieller Konsultationen. Ko-Vorsitzende sind die jeweiligen Koordinatoren für deutsch-polnische Zusammenarbeit, auf deutsche Seite Ministerpräsident Dietmar Woidke. Die Mittel werden durch die Außenministerien zur Verfügung gestellt. 

Ausrichter des Forums war 2014 erstmals die Stiftung für deutsch-polnische Zusammenarbeit. Rund 200 Teilnehmerinnen und Teilnahmen berieten zum Thema "Zukunft der europäischen Ostpolitik" am 19. und 20. November in Berlin. 

Im April 2016 tagte das Forum in Warschau. Mehr dazu finden Sie hier:

Polen und Deutschland: Freundschaft mit breitem menschlichen Fundament

Deutsch-Polnischer Preis

Deutsch-polnischer Preis: Das Preiskomitee bei seiner Sitzung am 10.09.14

Deutsch-polnischer Preis: Das Preiskomitee bei seiner Sitzung am 10.09.14
© StK Brandenburg

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Deutsch-polnischer Preis: Das Preiskomitee bei seiner Sitzung am 10.09.14

Deutsch-polnischer Preis: Das Preiskomitee bei seiner Sitzung am 10.09.14

Deutsch-polnischer Preis: Das Preiskomitee bei seiner Sitzung am 10.09.14

Der deutsch-polnische Preis wird jährlich an Einzelpersonen oder Organisationen aus Deutschland und Polen vergeben, die sich um die Entwicklung der deutsch-polnischen Beziehungen besonders verdient gemacht haben. Das Preisgeld beträgt 20.000 Euro. Zu den Laureaten gehören Marion Gräfin Dönhoff, Jerzy Buzek, Willy Brandt, Tadeusz Mazowiecki, Richard von Weizsäcker, Lech Wałęsa, Hans-Dietrich Genscher, die Stiftung Kreisau, Aktion Sühnezeichen und die Internationale Jugendbegegnungsstätte Ausschwitz (IJBS).). 2015 ging der Preis posthum an den Holocaust-Überlebenden, Historiker und ehemaligen polnischen Außenminister Władysław Bartoszewski als Einzelpreisträger. 2016 wurde der Preis nicht verliehen.

Die deutschen Mitglieder des Preiskomitees sind der Polen-Koordinator der Bundesregierung, Brandenburgs Ministerpräsident Dietmar Woidke (Ko-Vorsitzender), sowie der Leiter des Polen-Instituts Prof. Dr. Dieter Bingen, der Direktor des Deutsch-Polnischen Jugendwerks Stephan Erb, MdB a.D. Hans-Ulrich Klose und Frau Dr. Geri Nasarski. Polnische Mitglieder des Preiskomitees sind derzeit nicht benannt.

Weitere Informationen:

Zusammenarbeit im Weimarer Dreieck: Impulsgeber Europas

Deutschland und Polen: bilaterale Beziehungen


Stand 30.03.2017

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Deutschland in Polen

Gemeinsame Website der deutschen diplomatischen Vertretungen in Polen

Dietmar Woidke

Der Beauftragte für die deutsch-polnische Zusammenarbeit, Ministerpräsident Dietmar Woidke

Der Polen-Koordinator Dietmar Woidke fördert gemeinsam mit seinen beiden polnischen Amtskollegen die deutsch-polnische Kooperation auf Regierungsebene, setzt sich ein für die weitere Annäherung der Zivilgesellschaften beider Länder und für die Zusammenarbeit im grenznahen Raum.

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