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Chile

Wirtschaft

Stand: Juni 2017

Wirtschaft

Seit dem 19. Jahrhundert profitiert Chile von seinen Rohstoffen. Zunächst beherrschte der Salpeterabbau die wirtschaftlichen Aktivitäten. Doch längst sind der Abbau von Kupfer sowie weiterer Rohstoffe zur treibenden Kraft der wirtschaftlichen Entwicklung geworden. Seit Ende der 1970er Jahre ist die chilenische Wirtschaft privatwirtschaftlich und wettbewerbsorientiert organisiert und auf den Weltmarkt ausgerichtet. 2016 lag der Andenstaat mit einem Pro-Kopf-Einkommen zur Kaufkraftparität laut IWF von rund 24.1113 US-Dollar an der Spitze Lateinamerikas. Chile ist Mitglied wichtiger internationaler Wirtschaftsorganisationen wie WTO, IWF und Weltbank.

Das starke Wachstum der chilenischen Wirtschaft lässt seit 2013 nach, eine Tendenz, die sich auch 2016 fortsetzte: Das BIP-Wachstum belief sich 2015 auf 2,3%, 2016 wuchs die chilenische Wirtschaft um 1,6%. Für 2017 prognostiziert der IWF ein Wachstum um 1,7%.

Im Jahr 2016 betrug das Leistungsbilanzdefizit 1,5% des BIP und ist damit gegenüber dem Vorjahresniveau wieder etwas niedriger (2015: 1,9%).

Das Defizit des Staatshaushalts nahm 2016 zu und machte 2,2% des BIP aus (2015: 2,0%). Die Brutto-Staatsverschuldung stieg von 17,4% auf 21,2% des BIP. Dennoch wird die Haushaltslage weiterhin als relativ stabil angesehen, das Fiskaldefizit liegt immer noch unter den Raten vieler westeuropäischer Staaten.

Die Gesamtauslandsverschuldung lag 2016 bei 65,4% des BIP (2015: 70,30%; 2014:  62,10%; 2013: 51,80%). Die Devisenreserven stiegen 2016 erstmals seit 2013 wieder an: Von 38,6 Milliarden US-Dollar 2015 auf 40,5 Milliarden 2016. Die Kreditwürdigkeit der chilenischen Staatsanleihen gilt weiterhin als die beste Lateinamerikas. Von unterschiedlichen Rating-Agenturen wurde sie 2016 mit Qulifikationen Aa3 (Moody’s), AA- (Standard and Poor’s) und A+ (Fitch) bewertet. Damit befindet sich Chile in Gesellschaft mit Industriestaaten wie Japan und weitet den Abstand zu seinen lateinamerikanischen Nachbarn aus.

In Hinblick auf Lebenserwartung und Lebensstandard gehört Chile zu den am weitesten entwickelten Schwellenländern. Zwar gab Chile 2015 laut UNDP-Index der menschlichen Entwicklung (Human Development Index = HDI) den ersten Platz der Region an Argentinien ab, steht aber weltweit auf Rang 42 und damit immer noch vor europäischen Ländern wie Portugal oder Ungarn. Der Anteil der Armen sank seit 1990 um mehr als die Hälfte, derjenige der absolut Armen um 2/3. Die Einkommensunterschiede sind dennoch weiterhin markant: Der Gini-Koeffizient liegt bei 0,47 und Chile damit weltweit auf einem der hinteren Plätze (138 von 157 Plätzen). Das oberste Einkommenszehntel verdiente im Jahr 2015 im Durchschnitt 26 Mal so viel wie das unterste Einkommenszehntel. Die Arbeitslosigkeit, die 2010 noch bei durchschnittlich 8,7% lag, hält sich trotz des schwierigen wirtschaftlichen Umfelds seit 2013 auf einem Niveau von knapp über 6% und lag 2016 bei 6,5%. Dennoch gab die Binnennachfrage nach und die Zahl derer, die nicht hinreichend verdienen oder drohen, in die Armut abzurutschen, bleibt weiterhin groß.


Struktur der Wirtschaft

Der chilenische Binnenmarkt ist mit rund 18 Millionen Einwohnern relativ klein. Klassische Industrieproduktion (Maschinenbau, Fahrzeugbau, Schiffbau, usw.) hat nachrangige Bedeutung. Auch wenn die chilenische Wirtschaft über viele kleine und mittlere Unternehmen verfügt, dominieren in vielen Bereichen Oligopole von wenigen einflussreichen Unternehmen. Wertschöpfung erfolgt vor allem im Dienstleistungssektor.

Hauptwirtschaftssektor ist der Bergbau. Er trug in der Vergangenheit erheblich zu den Staatseinnahmen bei. Aufgrund des Preisverfalls und des Nachfragerückgangs in China kann das staatliche Kupferbergbau-Unternehmen Codelco allerdings immer weniger an den Fiskus überweisen, von den fast 5 Milliarden USD im Jahr 2014 ist man nun weit entfernt. Chile verfügt über die weltweit größten Kupferreserven (circa 33%) und ist der größte Kupferproduzent der Welt. Der Kupfer-Tagebau stößt mittlerweile an seine Grenzen. Neue Vorkommen werden derzeit im Untertagebau erschlossen. Dies erfordert gewaltige Investitionen. Auch in Bezug auf andere wichtige Bodenschätze wie das an Bedeutung gewinnende Lithium, aber auch bei Jod und Rhenium liegt Chile an vorderer Stelle, auch das Molybdänvorkommen spielt eine Rolle. In der Atacamawüste lagern ferner Salzvorkommen, die für mehrere Jahrtausende reichen. Das dort abgebaute Salz ist – wie das Kupfer – ein weiteres wichtiges Exportprodukt Chiles. Der Reichtum an Bodenschätzen ist maßgeblicher Grund dafür, dass die chilenische Wirtschaft bis heute wenig diversifiziert ist und die Wertschöpfung bislang noch relativ gering ist.

Chiles Agrarexport steht auf drei Säulen: Fischerei (vor allem Aquakultur), Forstwirtschaft (hier vor allem Zellulose) und Obst- und Weinwirtschaft. Für landwirtschaftliche Exporte nach China sowie für Wein und Trockenfrüchte, aber auch für ökologische Produkte wird für die Zukunft Potential gesehen.

Etwa 46% der privaten Investitionen, die im Zeitraum 2016 bis 2019 geplant sind, beziehen sich auf die Sektoren Bergbau und Energie. Rund 80% der geplanten Bergbauprojekte starten voraussichtlich nicht vor 2020. Die Stromversorgung macht bis 2019 mit ca. 16 Milliarden US-Dollar den größten Posten aus. Anfang 2016 trat ein neues Gesetz über ausländische Direktinvestitionen in Kraft, welches das ausländische Engagement mit einer eigenen Agentur und einer Netzstruktur im Ausland aktiver fördern soll.


Außenwirtschaft

Chile ist stark außenhandelsorientiert und hat mehr Freihandelsabkommen abgeschlossen als jedes andere Land der Welt: inzwischen 26 Verträge, die über 60 Länder einbeziehen. Mit diesen Ländern wickelt Chile den überwiegenden Teil seines Handels ab. Zusammen mit Peru, Mexiko und Kolumbien bildet Chile seit 2012 die Pazifikallianz, die als wichtigstes Wirtschaftsbündnis in Lateinamerika gilt. Chile ist außerdem Signatarstaat des "Trans-Pacific Partnership" (TPP), das zwölf Pazifikanrainerstaaten, darunter die USA, Japan, Kanada und Mexiko und damit ca. 40% des globalen BIP vereinen sollte. Durch den durch US-Präsident Donald Trump erklärten Rückzug der USA aus TPP sieht auch das chilenische Außenministerium das Projekt als gescheitert an, bleibt seiner Freihandelsausrichtung, insbesondere in Richtung Pazifikanrainer, aber treu.   

Chiles Außenhandelsvolumen belief sich 2016 auf 113,8 Milliarden US-Dollar. Auf Grund sinkender Importausgaben um -6% auf 53,8 Milliarden US-Dollar (v.a. aufgrund der niedrigen Weltölpreise), trotz eines zu 2016 um 1% gesunkenen Exportwerts von 60 Milliarden US-Dollar, fiel die chilenische Handelsbilanz 2016 mit einem Überschuss von circa 6,2 Milliarden US-Dollar wieder positiv aus. Haupthandelspartner blieb 2016 China mit einem Handelsvolumen von rund 29 Milliarden US-Dollar, gefolgt von der EU mit knapp 18,4 Milliarden US-Dollar und den USA mit 18,1 Milliarden US-Dollar. Deutschland blieb 2016 mit einem Handelsvolumen von 2,9 Milliarden US-Dollar der wichtigste Handelspartner Chiles innerhalb der Europäischen Union, auch wenn die  Exporte aus Deutschland 2016 zum zweiten Mal in Folgezurückgingen (-20% auf 685 Millionen US-Dollar). Ebenfalls rückläufig waren 2016 die chilenischen Importe aus Deutschland (um -4% auf 2,2 Milliarden US-Dollar). Spitzenplätze bei den deutschen Ausfuhren nach Chile nahmen weiterhin Luftfahrzeuge, Pkw, Lkw, Geräte zur Elektrizitätserzeugung sowie Bergbau-, Bau- und Baustoffmaschinen ein. Bei den chilenischen Exportprodukten nach Deutschland dominierten weiterhin Kupfer und Kupfererze sowie Frischobst, Zellulose und Wein.


Umwelt, Energie, Klima

Chile trägt zwar nur 0,3% zum weltweiten Ausstoß von Treibhausgas-Emissionen bei, doch liegen die CO2-Emissionen pro Kopf mit 4,35 Tonnen über dem Weltdurchschnitt. Die verheerenden Waldbrände der Sommersaison 2016/17 haben der Bevölkerung eindringlich die Klimasensibilität des Landes vor Augen geführt. In der Umweltpolitik hat sich Chile daher in den letzten Jahren im regionalen Vergleich ehrgeizige Ziele gesetzt. Mit der Unterzeichnung des Klimaabkommens von Paris hat sich Chile verpflichtet, die Emissionsintensität seiner Treibhausgase bis 2030 um 30% im Vergleich zu 2007 zu reduzieren. Dieses Abkommen hat Chile im Februar 2017 ratifiziert. Unter der Bedingung, dass es internationale Unterstützung erhält, ist das Land bereit, seine Emissionsintensität um bis zu 45% zu reduzieren. Diese Klimaziele setzt Chile im Rahmen nationaler Klimapolitiken um, beispielsweise des Aktionsplans zum Klimawandel, des Nationalen Plans zur Klimaanpassung und des Aktionsplans zur Energieeffizienz. Der vom Energieministerium Ende des Jahres 2015 publizierte Fahrplan "Energía 2050" konkretisiert die mittel- und langfristigen Ziele der Energieagenda.

Seit Januar 2017 wird in Chile eine Steuer auf Emissionen von Kohlenstoffdioxid (CO2), Schwefeldioxid (SO2), Stickstoffoxide (NOx) und Feinstaub (PM) aus stationären Quellen erhoben. Diese Steuer gilt für Betriebe, die Kessel oder Turbinen benutzen und eine thermische Gesamtleistung von mindestens 50 MWh besitzen. Für die Emission von Kohlenstoffdioxid wurde ein Steuersatz von 5 USD pro Tonne CO2 festgelegt, und für die restlichen Schadstoffe (SO2, NOx, PM) wird der Steuerbetrag berechnet. Soziale Kosten der Umweltbelastung und die Größe der ausgesetzten Bevölkerung werden berücksichtigt. Zusätzlich plant das Land die Einführung eines Emissionshandelssystems. Mit dem Santiago Climate Exchange (SCX) steht bereits seit 2009 eine lokale Plattform für den Handel mit freiwilligen Reduktionen von Treibhausgasemissionen zur Verfügung. Der chilenische Energiesektor stand in den vergangenen Jahren vor großen Herausforderungen bei Versorgungssicherheit und Nachhaltigkeit. Die Energienachfrage des Landes nimmt enorm zu. Bis 2020 wird mit einer Verdopplung des Energiebedarfs (Referenzjahr 2010) gerechnet. Dabei ist Chile das lateinamerikanische Land mit den höchsten Energiekosten, teils doppelt so hoch wie in anderen Ländern der Region, was für die weiter wachsende, exportorientierte Wirtschaft, besonders den energieintensiven Bergbau einen Wettbewerbsnachteil darstellt. Allein in den vergangenen fünf Jahren sind die Energiekosten um rund 30% gestiegen. Die Energiematrix besteht derzeit noch zu circa 60% aus fossilen, meist importierten Brennstoffen (Kohle, Erdöl und Erdgas). Aus eigener Wasserkraft werden zwar 33% erzeugt, andere regenerative Energiequellen wie Wind, Biomasse und Kleinwasserkraft haben trotz riesigen Potenzials und deutlich steigender Tendenz aber bisher noch einen geringen Anteil (ca. 10%).

Bis 2025 sollen 20 Prozent des chilenischen Stroms mit erneuerbaren Energien erzeugt werden. Für die Periode 2013 bis 2017 werden die Investitionen im Energiebereich auf 29 Mrd. USD geschätzt. Besonders stark ausgebaut wird die Produktion von Strom durch Geothermie und Solarenergie.

Mit der Förderung eines Leuchtturmprojekts im Bereich Concentrated Solar Power (CSP) will Chile nicht nur die Bergbauindustrie von Sonnenenergie überzeugen, sondern auch zu einem Vorreiterland in diesem Bereich werden. Im Norden des Landes entsteht die erste kommerzielle CSP-Anlage in Lateinamerika. Neben einem Zuschuss der chilenischen Regierung in Höhe von 20 Mio. USD stehen dafür weitere internationale Gelder in Höhe von rund 300 Millionen Euro zur Verfügung. Mit Hilfe des Solarexzellenzzentrums von Fraunhofer in Chile erhofft sich die chilenische Regierung zudem, Forschung und Industrie im Solarbereich voranzutreiben. Deutsche Firmen spielen beim Ausbau der erneuerbaren Energien in Chile bisher nur eine marginale Rolle.


Aktuelle Wirtschaftsentwicklung und konjunkturelle Lage

Nach Jahren des Wachstums mit Raten von über 5% nimmt die Wirtschaftskraft derzeit immerhin noch um ca. 1,55% zu. Allerdings machen der offenen, exportorientierten und stark auf Bergbau ausgerichteten Wirtschaft (1/3 des BIP, 2/3 der Exporterlöse) der sinkende Kupferpreis und die nachlassende Nachfrage aus China erheblich zu schaffen. Der Preis des chilenischen Hauptexportprodukts Kupfer pendelte sich  nach einem historischen Tiefstand Anfang 2016 von ca. 2 USD/ Pfund auf zuletzt ca. 2,5 USD/ Pfund ein. Experten gehen nicht von einem weiteren Preisverfall aus, sondern schätzen, dass der Kupferpreis sich mittelfristig auf diesem Niveau konsolidieren wird. Die Inflationsrate lag 2016 bei 3,8%,  der Leitzins liegt aktuell bei 3,25%.

Allerdings wird für die weitere Entwicklung der konjunkturellen Lage neben dem Wachstum Chinas und den Rohstoffpreisen vor allem auch die Pflege des Vertrauens der Investoren entscheidend sein. Verschiedenen Expertenmeinungen zufolge sehen ausländische Investoren in Chile weiterhin einen der stabilsten Standorte in der Region, jedoch muss es langfristig seine Wettbewerbsfähigkeit durch entsprechende Produktivitätssteigerungen, Innovationen und wertschöpfende Prozesse gegenüber anderen rohstoffexportierenden Ländern halten bzw. steigern. Dies kann durch geringere Energiepreise und gleichzeitig Diversifizierung der Wirtschaft gelingen. Im regionalen Kontext steht die chilenische Volkswirtschaft immer noch sehr gut da.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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