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Tunesien

Wirtschaft

Stand: Juni 2014

Grundlinien der Wirtschaft

Tunesien verfügt über eine moderne Wirtschaftsstruktur auf marktwirtschaftlicher Basis. Den größten Anteil am Bruttoinlandsprodukt erwirtschaftet der Dienstleistungssektor (2012: 61,42 Prozent), gefolgt von der Industrie (32 Prozent) und der Landwirtschaft (8-10 Prozent). Das Land hat sich durch die Förderung des privaten Sektors und die Integration in die Weltwirtschaft eine gute Position in der Region erarbeitet. Die wirtschaftliche Öffnung hat Tunesien ein solides Wachstum und hohe Direktinvestitionen aus dem Ausland beschert. Die 1995 erfolgte Assoziation mit der EU war ein wichtiger Meilenstein im Aufstieg des Landes in den Kreis der Industrieländer. Am 19. November 2012 wurde Tunesien der Status einer „Privilegierten Partnerschaft“ mit der EU gewährt. Ziel der neuen Verhandlungen ist der Abschluss eines vollständigen Freihandelsabkommens mit der EU (ALECA).

Nach dem Rückgang des Bruttoinlandsproduktes im Revolutionsjahr 2011 (-2,0%) konnte sich die tunesische Wirtschaft wieder erholen. Das Wachstum (2012: 3,6%; 2013: 2,7%) reicht aber bei weitem noch nicht aus, um die hohe Arbeitslosigkeit (16-18%) aufzufangen. Hierzu bedarf es neuer Investitionen aus dem In- und Ausland, wofür die weitere politische Stabilisierung des Landes eine wichtige Voraussetzung ist. Tunesien ist ein relativ rohstoffarmes Land, verfügt jedoch über eigene Vorkommen von Öl und Gas, die eine gewisse Eigenversorgung (gegenwärtig zu 40 Prozent, mit sinkender Tendenz) gewährleisten. Die Nutzung von erneuerbarer Energie, insbesondere Wind- und Solarenergie, spielt noch eine untergeordnete Rolle. Der Anteil von Solar- und Windenergie  an der Energieproduktion beträgt gegenwärtig erst 4%. Eine mittelfristige Energie-Strategie strebt jedoch bis 2030 einen Anteil erneuerbarer Energien von 30 Prozent an. Tunesien ist weltweit viertgrößter Produzent von Phosphaten und der drittgrößte Olivenöl-Exporteur.


Strukturpolitik

Die größten Herausforderungen liegen in der Bekämpfung der Arbeitslosigkeit und der Beschäftigungsförderung, der Verbesserung der arbeitsmarktorientierten Aus- und Fortbildung, sowie der Erhöhung des Investitionsniveaus im privaten und öffentlichen Sektor.

Die Arbeitslosigkeit wird offiziell mit 15,3% (4. Quartal 2013)angegeben, wobei junge Menschen, Frauen, Akademiker und die benachteiligten Regionen im Binnenland überproportional betroffen sind. Um regionalen Ungleichheiten zu begegnen, hat Tunesien ein ambitioniertes Programm zur Regionalentwicklung vorgelegt. Durch die Konzentration auf spezifische Sektoren und die Verbesserung der Infrastruktur und Vernetzung sollen private Investitionen in allen Regionen gefördert werden.

Das Investitionsklima in Tunesien ist grundsätzlich gut, litt 2013 jedoch an der Unsicherheit der politischen Entwicklung (leichter Rückgang der Auslandsinvestitionen gegenüber 2012). Bei einer weiteren Konsolidierung der politischen Verhältnisse nach  der Annahme der neuen Verfassung kann 2014 mit einer Besserung gerechnet werden. Ein neues Investitionsgesetz ist in Vorbereitung. Ausländische Investoren schätzen die geographische Nähe zu Europa und die relativ hohe Produktivität und gut ausgebaute Infrastruktur.


Fiskalpolitik

Die Staatsverschuldung Tunesiens liegt in einem für Schwellenländer noch nicht bedrohlichen Rahmen (knapp über 50 Prozent des BIP 2013), allerdings mit steigender Tendenz). In den drei  Jahren seit der Revolution hat sich jedoch das jährliche Haushaltsdefizit von 2,7% auf 7,0% verschlechtert, was vor allem auf den rapiden Anstieg staatlicher Subventionen für Treibstoffe und Grundnahrungsmittel zurückgeht. Hier wird die Regierung gegensteuern müssen um die Finanzstabilität wieder zu erlangen. Die Inflationsrate bleibt relativ niedrig (5,8% zu Anfang 2014).

Zum Jahreswechsel 2013/2014 war Tunesien zur Deckung eines hohen Haushaltsdefizits von ca. 3 Mrd. Euro auf Überbrückungskredite seitens der internationalen Finanzgeber angewiesen. Sowohl der IWF, als auch die Weltbank, die Afrikanische Entwicklungsbank und die EU haben für 2014 beträchtliche Leistungen zugesagt, die jedoch alle mit der Forderung nach wirtschaftlichen Strukturreformen verbunden sind. Außenwirtschaftspolitik

Die EU ist Tunesiens wichtigster Handelspartner, wobei Frankreich, Italien und Deutschland für den größten Anteil an den Im- und Exporten sowie der Direktinvestitionen stehen. Im Zuge der Globalisierung hat aber z.B. China im Importbereich stark aufgeholt und droht Deutschland vom dritten Platz der Rangliste zu verdrängen.

Tunesien ist Mitglied von IWF (Internationaler Währungsfonds), Weltbank und WTO (Welthandelsorganisation). Zwischen Deutschland und Tunesien bestehen ein Investitionsförderungs- und Schutzvertrag sowie ein Doppelbesteuerungsabkommen.

Die neue Regierung Tunesiens möchte die regionale Organisation der Union des Arabischen Maghreb wiederbeleben, unter anderem mit dem Ziel der ökonomischen Integration.


Tourismus

Tunesien ist ein beliebtes Reiseziel und die Tourismusbranche von großer Bedeutung für die tunesische Wirtschaft. Der BIP-Anteil der Branche liegt bei 6,5 Prozent. Circa 400.000 Arbeitsplätze liegen in dieser Branche. 2010 besuchten rund eine halbe Million deutsche Touristen Tunesien. Nach einem deutlichen Einbruch infolge der Revolution konnte 2013 wieder eine Zahl von 440.000 deutschen Besuchern erreicht werden.  Im Zuge der weltweiten Diversifizierung gewinnen zunehmend Besucher aus anderen Regionen (insbesondere Russland und Osteuropa, aber auch Maghrebländer) für Tunesien an Bedeutung.

Tunesien ist sich der Wichtigkeit der Diversifizierung und Modernisierung des Tourismussektors bewusst und bemüht sich, das post-revolutionäre Tunesien als Reiseland noch attraktiver zu machen (weg von reinen Strand- und hin zum Kultur- und Ökotourismus).

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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