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Island

Wirtschaft

Stand: März 2014

Wirtschafts- und Finanzpolitik

Island ist die kleinste Volkswirtschaft in der OECD (Organisation für Wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung) mit einem BIP von ca. 10,98 Milliarden Euro im Jahr 2013, liegt aber im BIP Pro-Kopf mit  ca. 34.242 € in einer oberen Kategorie. Sektoral tragen Dienstleistungen zwei Drittel, Industrie ein Fünftel und Fischerei ein Zehntel zum BIP bei. Das Land ist besonders reich an Meeres- und Energieressourcen.

Der Fischereisektor, historisch das Rückgrat der isländischen Wirtschaft, verliert gegenüber den Industrie- und Dienstleistungssektoren allmählich an Bedeutung. Energiewirtschaft und energieintensive Industrien, vor allem Aluminiumherstellung mit preisgünstigem Strom aus Hydro- oder Geothermiekraftwerken, wurden ausgebaut. Die Gebäudeheizung wird heute zu 90 Prozent geothermisch betrieben. Der Strom wird zu 100% aus erneuerbaren Energien erzeugt (75 Prozent Wasserkraft, 25 Prozent Geothermie). Um das Potential von Wasser- und Geothermiekraftwerken maximal ausschöpfen zu können, erforscht und evaluiert Island seit 1999 im Rahmen eines „Energy Master Plans“ geeignete Standorte und Ausbaumöglichkeiten im Energiesektor.

Weitere Industriezweige sind Maschinen- und Ausrüstungen für die Lebensmittelindustrie, IT / Software, medizinische und pharmazeutische Produkte. Einer der am schnellsten gewachsenen Wirtschaftszweige und inzwischen größter Devisenbringer Islands ist der Tourismus. Die Zahl der ausländischen Besucher war 2012 auf 672.900 gestiegen und hat sich 2013 um weitere 20% auf 781.000 erhöht.

Nach einem beispiellosen, von der Finanzwirtschaft getriebenen Boom bis 2008 stellte die Finanzkrise Island vor die größte Herausforderung in seiner jüngeren Geschichte: Wiederaufbau des Bankensystems, Begrenzung der Auslandsverschuldung und Stabilisierung der Währung, Konsolidierung der öffentlichen Haushalte, Kontrolle von Inflation und Arbeitslosigkeit, Überwindung der scharfen Rezession, Lösung der Verschuldungsprobleme von Privathaushalten und Unternehmen.

Die bis April 2013 regierende Koalition von Sozialdemokratischer Allianz und Linkgrünen setzte hierzu ein umfassendes Stabilisierungs- und Reformprogramm um. Der IWF beendete sein Programm planmäßig (August 2011) und bescheinigte Island gute Fortschritte. 2013 wuchs die isländische Wirtschaft (BIP) bereits zum dritten Mal nach der Wirtschafts- und Finanzkrise real um prognostizierte 2,5% (2012: 1,6%, 2011: 2,6%). Die Arbeitslosigkeit betrug im Januar 2014 6,8%. Im Juni 2011 kehrte Island erstmals an den internationalen Kapitalmarkt zurück (Staatsanleihe 1 Mrd. USD), im Mai 2012 folgte eine zweite Anleihe in gleicher Höhe. Island begann im Frühjahr 2012 vorzeitig mit der Rückzahlung sowohl des IWF Beistandskredites in Höhe von insgesamt 2,1 Milliarden US-Dollar als auch der Kredite der nordischen Länder.

Im Mai 2013 übernahm eine Koalition aus Fortschritts- und Unabhängigkeitspartei die Regierung. Wie der vorgelegte Haushaltsentwurf sowie vorhergehende Regierungserklärungen deutlich machen, liegt der Fokus der jetzigen Regierung auf Haushaltskonsolidierung, z.T. durch Kürzungen im Bildungs- und Gesundheitswesen, aber auch durch eine Erhöhung und Ausweitung der Bankensteuer, wobei gleichzeitig die privaten Haushalte entlastet werden sollen. Dazu erfolgten bereits Vorschläge der Regierung, die derzeit noch verhandelt werden. Lebens- und vor allem Sozialstandard sollen erhalten bzw. teilweise verbessert werden. Die isländische Krone ist weiterhin durch Kapitalverkehrskontrollen geschützt, über deren Aufhebung, ggf. unter Erhebung von Abschlägen bei den Gläubigern, diskutiert wird. Ein Zeitfenster zeichnet sich dabei nicht ab.

Außenwirtschaft

Die außenwirtschaftliche Verflechtung Islands ist hoch: Exporte von Gütern und Dienstleistungen machten 2013 rund 58 Prozent des BIP aus, Importe 51 Prozent. Bei den Exporten dominieren Industrieprodukte (hauptsächlich Aluminium, Medizin-und Pharmaprodukte), Fischereiprodukte und Dienstleistungen, bei den Importen Konsumgüter, Kapitalgüter und Dienstleistungen.

Die EU steht für Islands Außenhandel an oberster Stelle: rund vier Fünftel seiner Exporte gehen in EU-Staaten, und von dort kommen mehr als die Hälfte seiner Importe. Die Niederlande waren 2013 größter Abnehmer isländischer Exporte (30 Prozent), gefolgt von Deutschland (12 Prozent) und Großbritannien (10 Prozent). Größte Lieferanten isländischer Importe waren Norwegen (16 Prozent), gefolgt von den USA (10 Prozent), Deutschland (8 Prozent) und China (8 Prozent).

Umwelt

Island wurde 2014 beim World Economic Forum Platz 14 im Environmental Performance Index (Universitäten Yale/Columbia) unter 178 Ländern zuerkannt. Island nimmt im Rahmen des EWR (Europäischer Wirtschaftsraum) an der EU-Umweltpolitik und am EU-Emissionshandelssystem teil. In der Nutzung regenerativer Energiequellen steht es weltweit an der Spitze: War die Energiewirtschaft in den 1960er Jahren noch zu zwei Dritteln von fossilen Energiequellen abhängig, so wird heute Strom vollständig, Primärenergie zu über vier Fünfteln aus Wasserkraft und Geothermie gewonnen.

Mehr zu Wirtschaft und Finanzen (englisch) 

Programm für wirtschaftliche Erholung Islands

Isländisches Wirtschaftsministerium

Zentralbank von Island

Iceland Chamber of Commerce

OECD Economic Survey Iceland 2011

IMF: Iceland

Wirtschaftsdatenblatt



Hinweis

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden.