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Bulgarien

Kultur- und Bildungspolitik

Stand: August 2017

In Bulgarien haben Bildung und Kultur einen hohen Stellenwert. Das Verhältnis zu Deutschland ist traditionell gut und durch die zahlreichen bulgarischen Studenten, Künstler, Wissenschaftler und Politiker, die in Deutschland leben oder gelebt haben, sehr intensiv. Die Zusammenarbeit mit den entsprechenden deutschen Einrichtungen funktioniert gut. Auch die vielen deutschen Touristen bieten einen großen Anreiz, die deutsche Sprache zu erlernen. Konstante Herausforderung des bulgarischen Bildungssystems und der Kulturszene sind chronische finanzielle Engpässe.

Bildungssystem

Das bulgarische öffentliche Bildungssystem leidet in den letzten Jahren unter der Abwanderung vieler Lehrer auf private Schulen bzw. darunter, dass Lehrer den Bildungsbereich ganz verlassen. Der Lehrerberuf ist für viele junge Menschen unattraktiv. Grund hierfür ist in erster Linie die niedrige Bezahlung an öffentlichen Schulen. Neben "Allgemeinschulen" (1.-12./13. Klasse) besteht ein zweistufiges System aus Grundschule (1.-7. Klasse) und Oberschule (8.-12./13. Klasse) respektive weiterführenden und berufsqualifizierenden Schulen. Neben zwei Tests nach der 4. und der 7. Klasse gibt es seit 2008 ein landesweites Abitur. Allgemeine Schulpflicht besteht ab dem Alter von sechs Jahren, ein Vorschuljahr ab dem fünften Lebensjahr ist verpflichtend.

Für die Zulassung an den 51 staatlichen und privaten Universitäten und Hochschulen wird neben einer Hochschulzugangsberechtigung überwiegend auch eine Eingangsprüfung verlangt. An allen bulgarischen Hochschulen sind die neuen europäischen Abschlüsse Bachelor (in der Regel acht Semester) und Master (zwei bis vier aufbauende Semester) eingeführt. Mittlerweile verlangen auch die staatlichen Universitäten Studiengebühren. Die Hochschulen befinden sich noch in einer Reformphase und bemühen sich zunehmend darum, ausländische Studenten zu gewinnen. Vor allem in den Fachbereichen Medizin und Zahnmedizin bieten mehrere Universitäten englischsprachige Studiengänge an, die vermehrt auch von deutschen Studenten genutzt werden. Mit deutschen Hochschulen bestehen zahlreiche Kooperationsvereinbarungen; regelmäßig halten Gastprofessoren und Gastlektoren aus Deutschland Vorlesungen und Fachseminare. In Bulgarien gibt es zudem derzeit fünf deutschsprachige Studiengänge, die personell und finanziell von Deutschland gefördert werden.


Wissenschaft und Forschung

Die bulgarische Akademie der Wissenschaft unterliegt seit einigen Jahren einem Reformprozess. Dabei sollen u.a. die Zahl der über das ganze Land verteilten Forschungseinrichtungen verringert und konsolidiert, der aufgeblähte Personalbestand insbesondere in den geisteswissenschaftlichen Bereichen abgebaut und verstärkt der wissenschaftliche Nachwuchs gefördert werden. Exzellenzforschung ist kaum erkennbar.

Ende 2015 öffnete auf insgesamt 40.000 qm Fläche  der Sofia Tech Park seine Pforten, der als staatseigene Gesellschaft zum Ziel hat, die Entwicklung von Forschung, Innovation, internationaler Wissenschaftsbegegnung und technologischen Fähigkeiten Bulgariens voranzutreiben.

Abgesehen hiervon findet wissenschaftliche Forschung auch an den Universitäten (v.a. in den Naturwissenschaften) statt. Mit der Deutschen Forschungsgemeinschaft, der Alexander von Humboldt-Stiftung, den Max-Planck- und Fraunhofer-Instituten sowie weiteren Forschungseinrichtungen in Deutschland existiert eine langjährige, allerdings eher individuell denn institutionell gepflegte Zusammenarbeit. Eine beachtliche Zahl bulgarischer Wissenschaftler und Studenten ist an Einrichtungen in Deutschland tätig.


Fremdsprachenunterricht

Das Erlernen einer Fremdsprache ist ab der 2. Klasse verpflichtend. Eine zweite Fremdsprache ist fakultativ. Nach Englisch und Russisch ist Deutsch die drittwichtigste Fremdsprache an den Gymnasien. Deutsch ist auch an den Universitäten und in der Erwachsenenbildung sehr präsent. Der grundsätzliche Bedarf an Deutschlehrern ist sehr hoch. Viele Lehrer stehen kurz vor der Pensionierung, gleichzeitig kommen wegen fehlender Attraktivität des Lehrerberufes nur wenige junge Lehrer nach. Die wenigen Germanistikabsolventen werden überwiegend von der Wirtschaft abgeworben, die mit einer bei weitem attraktiveren Entlohnung lockt.


Kunst und Literatur

In den großen Städten gibt es inzwischen ein vitales und abwechslungsreiches Kulturleben. Viele Veranstaltungen sind ausverkauft, internationale Festivals finden statt, immer mehr auch mit deutscher Beteiligung. Die öffentliche Förderung für Kultur ist weiterhin sehr gering. Zeitgenössische Kunst spielt zunehmend eine Rolle, besonders in Sofia und einigen größeren Städten. Die bulgarische Filmproduktion hat sich in den letzten Jahren gut entwickelt. Bulgarische Schriftsteller, die zum Teil auf Deutsch schreiben oder ins Deutsche übersetzt wurden, erfreuen sich auch im deutschsprachigen Raum zunehmender Beliebtheit (z. B. Georgi Gospodinov, Ilia Trojanow, Dimiter Dinev, Sibylle Lewitscharoff).

Dem Goethe-Institut gelingt es, durch viele ansprechende Veranstaltungen ein differenziertes, zeitgenössisches Deutschlandbild zu zeigen. Zielgruppe ist insbesondere ein jüngeres Publikum. Die Sprachabteilung bietet gut besuchte Sprachkurse an.

Es gibt außerdem eine deutsch-bulgarische Kulturgesellschaft, die Elias-Canetti-Gesellschaft in Ruse, sowie die Art Today Association in Plovdiv, die beide vom Goethe-Institut unterstützt werden.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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