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Ägypten

Beziehungen zu Deutschland

Stand: Oktober 2014

Politische Beziehungen

Deutschland und Ägypten unterhalten seit langer Zeit vielfältige Beziehungen. Deutschland ist weiterhin bestrebt, den Aufbau einer demokratischen Staatsordnung in Ägypten zu unterstützen, nachdem im Mai 2014 Staatspräsident Al-Sisi mit großer Mehrheit gewählt und im Juni 2014 die neue ägyptische Regierung unter Führung von Premierminister Mehleb vereidigt wurde. Dabei verfolgt die Bundesregierung die Lage in Ägypten aufmerksam und steht mit allen politischen Kräften im Dialog.

Nach der Absetzung von Präsident Mursi durch das ägyptische Militär am 3. Juli 2013 und der Vorstellung eines Übergangsfahrplans durch den damaligen Übergangspräsidenten Adli Mansur hat Deutschland alle politischen Kräfte in Ägypten aufgefordert, die Zukunft des Landes in einem inklusiven demokratischen Transformationsprozess zu gestalten, der den Wünschen des ägyptischen Volkes nach Demokratie, Menschenrechten, sozialer Gerechtigkeit und Wohlstand gerecht wird.

Transformationspartnerschaft

Seit der Revolution vom 25. Januar 2011 unterstützt die Bundesregierung das Land bei dem Übergang zur Demokratie: Im Rahmen der „Transformationspartnerschaft“ erhält Ägypten Unterstützung für den demokratischen Wandel.

Schwerpunkte der Transformationspartnerschaft mit Ägypten sind die Förderung von rechtsstaatlichen Strukturen und guter Regierungsführung, Beschäftigungsförderung und dualer Ausbildung, Zivilgesellschaft und professioneller Medien. Die Außenminister beider Länder unterzeichneten hierzu am 12. August 2011 die Berliner Erklärung über Deutschlands Unterstützung für den demokratischen Wandel.

Berliner Erklärung, 11. 8. 2011 (Englisch) (PDF, 21 KB)

Der interministerielle deutsch-ägyptische Lenkungsausschuss hat in seiner Sitzung am 29. November 2012 in Berlin unter dem Vorsitz der Außenminister die Ziele der Berliner Erklärung bekräftigt und konkretisiert.

Gemeinsame Erklärung des Deutsch-Ägyptischen Lenkungsausschusses, 29.11.2012 (Englisch) (PDF, 56 KB)

Am 31. August 2014 besuchte Außenminister Shoukry Berlin. Er führte mit Bundesaußenminister Steinmeier, Bundesentwicklungsminister Müller und Mitgliedern des Bundestages Gespräche.

Transformation in Ägypten


Wirtschaftliche und entwicklungspolitische Beziehungen

Wirtschaftsbeziehungen

Zwischen Deutschland und Ägypten bestehen intensive Wirtschaftsbeziehungen. Deutschland bleibt nach bisher verfügbaren Daten 2013 drittwichtigster weltweiter und wichtigster europäischer Handelspartner. Das Handelsvolumen bewegt sich auf einem stabilen Niveau von ca. 4 Mrd. Euro pro Jahr. Das Wirtschafts- und Investitionsklima hat sich merklich aufgehellt. Eine Zahlungsabsicherung ist grundsätzlich zu empfehlen. Ägypten bleibt sowohl als Handelspartner als auch – mit gewissen Einschränkungen hinsichtlich der Leistungsfähigkeit der öffentlichen Verwaltung – als Investitionsstandort grundsätzlich interessant.

Eine Steigerung des Waren- und Dienstleistungshandels sowie verstärkte Direktinvestitionen in Ägypten stehen unter der Voraussetzung politischer Stabilität bzw. der Verbesserung der wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen (Wettbewerbsaufsicht, Unternehmenssteuern, Investitionsschutz, Infrastrukturmaßnahmen, Stärkung der Verwaltungseffizienz).

Als ganzjähriges Reiseziel hat Ägypten seit Jahren einen festen Platz im weltweiten Tourismus. Ägypten bietet neben einzigartigen Kulturdenkmälern malerische Strände und eine gute touristische Infrastruktur. Im März 2012 war das Land offizielles Partnerland der Internationalen Tourismus-Börse Berlin und hat Marketing und Werbekampagnen genutzt, um auf sein touristisches Potential aufmerksam zu machen. Jährlich besuchen ca. eine Million deutsche Touristen das Land.

In Kairo befindet sich seit über 60 Jahren die primär für Ägypten zuständige Deutsch-Arabische Industrie- und Handelskammer mit über 2000 Mitgliedsunternehmen sowie ein Büro von Germany Trade & Invest (gtai). Deutsche Unternehmen sind in Ägypten sowohl durch Handelsvertreter als auch mit eigenen Büros und Produktionsstandorten vertreten.

www.ahkmena.com/de

Entwicklungspolitische Beziehungen

Ägypten ist ein Schwerpunktland der deutschen Entwicklungspolitik. Mit Gesamtzusagen von rund 6 Milliarden Euro seit 1963 ist es eines der größten Partnerländer der deutschen Entwicklungszusammenarbeit. Deutschland ist zusammen mit Weltbank, Afrikanischer Entwicklungsbank, USA, Frankreich, EU und Japan wichtigster Partner Ägyptens in der Entwicklungszusammenarbeit (Official Development Assistance).

Mit der ägyptischen Regierung sind folgende Schwerpunkte der entwicklungspolitischen Zusammenarbeit vereinbart:

  • Wasserwirtschaft: Trinkwasserversorgung und Abwasserentsorgung, Be- und Entwässerung der Landwirtschaft
  • Erneuerbare Energien, Energieeffizienz und Klimawandel: Wind-, Solar-, Wasserkraft, Abfallwirtschaft, industrieller Umweltschutz

Über diese vereinbarten Arbeitsfelder hinaus stellt Deutschland Mittel für den Bau von Grundschulen, Beschäftigungsförderung, die Förderung der Beteiligung von Frauen am Wirtschaftsleben, Beschäftigungsförderung insbesondere für Jugendliche sowie für Maßnahmen zur partizipativen Stadtteilentwicklung im Großraum Kairo zur Verfügung.

Unmittelbar nach den historischen Veränderungen im Frühjahr 2011 wurden Ägypten zusätzliche Mittel zugesagt, um die demokratische Entwicklung zu unterstützen. Dazu kam im Rahmen der G8/Deauville-Partnerschaft die Zusage, Ägypten eine Schuldenumwandlung i.H. von bis zu € 240 Mio. zu gewähren.

Im Jahr 2011 wurden € 124 Mio. (€ 112 Mio. Finanzielle Zusammenarbeit / € 12 Mio. Technische Zusammenarbeit) und Ende 2012 € 328,5 Mio. neu zugesagt. Auch diese Mittel fließen im Wesentlichen in Vorhaben in den vereinbarten Schwerpunkten der deutsch-ägyptischen Entwicklungszusammenarbeit.


Kulturelle und wissenschaftliche Beziehungen

Unterstützung für den demokratischen Wandel

Wichtigste Grundlage für die bilateralen Kultur- und Wissenschaftsbeziehungen ist das deutsch-ägyptische Kulturabkommen vom 16. Oktober 1960 mit seiner Zusatzvereinbarung vom 10. April 1984. In Ägypten sind alle wichtigen deutschen Kulturmittlerorganisationen prominent vertreten. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft werden auch zahlreiche Maßnahmen im Kultur-, Wissenschaft- und Medienbereich durchgeführt.

Kultur und Bildung

Vier deutsche Schulen, gegründet 1873, 1884, 1904 und 1999 führen zum deutschen Abitur. Daneben gibt es vier weitere amtlich anerkannte deutsche Schulen (Kairo, Alexandria, Hurghada), die sich noch in der Aufbauphase befinden. Die Schülerzahl beträgt insgesamt etwa 4500. Außerdem gibt es zahlreiche private und staatliche Partnerschulen, die verstärkt Deutschunterricht, teilweise auch das Deutsche Sprachdiplom, anbieten. Zum weltweiten Netzwerk von Partnerschulen (PASCH-Initiative) gehören in Ägypten inzwischen 30 Schulen. Seit 2008 unterhält auch die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen in Kairo ein Regionalbüro.

www.pasch-net.de

Die Goethe Institute in Kairo (1958) und Alexandria (1963) bieten neben einem umfangreichen Sprach- und Bibliotheksangebot zahlreiche Programmveranstaltungen an. Daneben finden Seminare und Fortbildungen im Bildungs- und Kulturbereich statt, die sich insbesondere mit dem gesellschaftlichen Umbruchsprozess im Anschluss an den arabischen Frühling beschäftigen.

Die Kairo-Abteilung des Deutschen Archäologischen Instituts (DAI) wurde 1907 gegründet. Sie führt vor allem Grabungsprojekte bei antiken pharaonischen Stätten durch und war auch mit der Restaurierung islamischer Baudenkmäler in der Altstadt von Kairo betraut. Weitere Grabungen werden von deutschen Archäologen außerhalb des DAI-Rahmens durchgeführt. Darüber hinaus werden zahlreiche Projekte durch das Kulturerhalt-Programm des Auswärtigen Amts gefördert. 

Wissenschaft

Im November 2012 eröffnete der damalige Außenminister Westerwelle das Deutsche Wissenschaftszentrum Kairo (DWZ) (www.dwz-kairo.de) als zentrale Anlaufstelle für die Deutsch-Ägyptische Zusammenarbeit in Wissenschaft und Forschung. Das DWZ vereint neun deutsche Wissenschaftsinstitutionen und Universitäten unter einem Dach.

Hierzu zählen neben dem Konsortialführer DAAD folgende Einrichtungen: die Fraunhofer Gesellschaft, die Alexander-von-Humboldt-Stiftung, das Orient Institut Beirut, die Technischen Universitäten von Berlin und München, die Freie Universität Berlin, die Universität Marburg sowie die Zentralstelle für das Auslandsschulwesen.

Im Deutsch-Ägyptischen Jahr der Wissenschaften und Technologie 2007 schlossen Deutschland und Ägypten drei Kooperationsabkommen zur Förderung zusätzlicher Stipendien. Seit 2008 existiert der gemeinsame deutsch-ägyptische Forschungsfonds, mit dem gemeinsame Forschungsprojekte gefördert werden. Im Rahmen der Transformationspartnerschaft mit Ägypten bietet Deutschland insbesondere über den DAAD zusätzliche Stipendien- und Austauschprogramme sowie Förderprogramme zum Ausbau der bilateralen Hochschulkooperation an. Damit konnte allein im Jahr 2012 rund 1500 ägyptischen Studenten und Forschern ein kurz- oder längerfristiger Aufenthalt in Deutschland ermöglicht werden.

www.daad.de/transformation

Einen Schwerpunkt der bilateralen Zusammenarbeit bildet der Klima- und Umweltschutz. Im Rahmen der Cairo Climate Talks (www.cairoclimatetalks.net) finden seit November 2011 u.a. monatlich öffentliche Diskussionsveranstaltungen statt. Die Deutsche Botschaft arbeitet hierbei eng mit GIZ, DAAD und dem ägyptischen Umweltministerium zusammen.

Deutschland unterstützt ferner die „German University Cairo“ (GUC), eine ägyptische Privatuniversität nach dortigem Recht. Sie wird vollständig durch Mittel privater ägyptischer Investoren und Studiengebühren finanziert, erhält jedoch die Unterstützung der Bundesregierung und beteiligter deutscher Hochschulen (Ulm, Stuttgart, Tübingen) beim Lehrbetrieb der GUC im Rahmen des DAAD-Programms „Studienangebote deutscher Hochschulen im Ausland“ seit 2001 (BMBF-Mittel). Hinzu kommen Mittel des Auswärtigen Amts insbesondere für die Entsendung von deutschen Lektoren und Langzeitdozenten sowie seit 2011 für Stipendien. Die GUC zählt zu den besten Universitäten Ägyptens mit derzeit über 10.000 Studierenden. Zahlreiche ihrer insgesamt 71 Studiengänge sind von deutschen Akkreditierungsagenturen anerkannt. Im Januar 2013 hat die GUC zusätzlich einen Campus in Berlin eröffnet.

Die TU-Berlin hat im Oktober 2012 einen Campus am Roten Meer in El Gouna eröffnet, wo drei Masterstudiengänge zu Energie, Wasser und Stadtplanung angeboten werden.

http://www.campus-elgouna.tu-berlin.de

Derzeit existieren 13, zum Teil noch im Aufbau befindliche, binationale Masterstudiengänge, z.B. in den Bereichen Erneuerbare Energien und Energieeffizienz (Remena, Universitäten Kassel und Kairo), Nachhaltige Stadtentwicklung (IUSD, Universitäten Stuttgart und Ain Shams) sowie Bildungsmanagement (INEMA, PH Ludwigsburg, Helwan Universität) sowie Deutsch als Fremdsprache (Universität Leipzig und Ain Shams Universität). Neu hinzugekommen sind im Jahr 2013 u.a. der Studiengang "Kulturerbemanagement" (Partner sind Universität Helwan auf ägyptischer Seite sowie BTU Cottbus und Deutsches Archäologisches Institut (DAI) auf deutscher Seite) sowie ein Masterprogramm im Bereich der Politik- und Sozialwissenschaften zwischen der Universität Tübingen und der American University Cairo.

Hinweis:

Dieser Text stellt eine Basisinformation dar. Er wird regelmäßig aktualisiert. Eine Gewähr für die Richtigkeit und Vollständigkeit der Angaben kann nicht übernommen werden. 


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