Hauptinhalt

Zusammenarbeit mit Afghanistan im Bereich Bildung und Kultur

Insgesamt hat die Bundesregierung seit 2002 rund 130 Millionen Euro für den afghanischen Kultur- und Bildungssektor bereitgestellt. Die Mittel werden insbesondere für die Bereiche Schulen und Hochschulen eingesetzt. Daneben werden herausragende Projekte im Bereich Kulturerhalt finanziert, die dazu beitragen, das kulturelle Erbe Afghanistans zu bewahren.

Schul-, Universitäts- und Berufsbildung

Seit nunmehr über zehn Jahren werden große Anstrengungen zum Ausbau der Bildung unternommen. 2012 wurden insgesamt etwa 100 Primar- und Sekundarschulen aus Mitteln des Stabilitätspakts des Auswärtigen Amts unterstützt.

Sichtbare Fortschritte sind besonders im Bereich Schulbildung festzustellen: Die Schülerzahl hat sich seit dem Sturz der Taliban auf ca. 7,2 Mio. (2010) verfünffacht. Heute gehen rund zwei Drittel der Jungen und die Hälfte der Mädchen in Afghanistan zur Schule.

Das Auswärtige Amt unterstützt insbesondere drei weiterführende Schulen in Kabul (Amani-Jungenoberrealschule, Durani-Mädchengymnasium und das Jamhuriat Verwaltungs- und Wirtschaftsgymnasium für Mädchen) materiell und personell mit deutschen Auslandslehrern. Diese Schulen gehören neben vier weiteren Schulen der weltweiten Initiative "Schulen - Partner der Zukunft" (PASCH) an.

Deutschunterricht an afghanischen Schulen, Hochschulen und im berufsbegleitenden Bereich hat langjährige Tradition und wird durch vielfältige Projekte des Goethe-Instituts und des DAAD-Lektorenprogramms seit 2002 maßgeblich unterstützt.

Den akademischen Wiederaufbau in Afghanistan treibt im Auftrag des Auswärtigen Amts der DAAD voran. Seit 2005 unterhält der DAAD ein Koordinierungsbüro, das im afghanischen Hochschulministerium untergebracht ist. Neben zahlreichen Stipendien für afghanische Studierende und Dozenten unterhalten einige Universitäten in Deutschland bilaterale Kooperationsabkommen mit afghanischen Universitäten. Weitere Maßnahmen sind u. a. mehrwöchige Sommer- und Winterakademien in Deutschland, Fortbildungen für Dozenten in Afghanistan und Sachspenden. Außerdem wurden Kurz- und Langzeitdozenten entsandt. An der Universität Kabul wurde mit deutscher Hilfe ein IT-Rechenzentrum aufgebaut.

2011 wurde mit dem Aufbau eines verwaltungswissen­schaftlichen Bachelorstudiengangs an der Balkh School of Public Administration und weiteren Universitäten begonnen. Ziel dieses Studiengangs ist es, die Qualität der öffentlichen Verwaltung zu verbessern und die Zufriedenheit der Bevölkerung mit der Regierung erhöhen. Zusätzlich werden umfangreiche Fortbildungsmaßnahmen für Angehörige des öffentlichen Dienstes durchgeführt.


Kultur

Das Kulturleben Afghanistans ist durch die Kriege und die Talibanherrschaft schwer in Mitleidenschaft gezogen worden. Um dem entgegen zu wirken, werden vielfältige Bemühungen unternommen.

Das 2003 in Kabul eröffnete Goethe-Institut bietet neben Sprachkursen und Fortbildung von afghanischen Deutschlehrern kulturelle Veranstaltungen und Workshops in den Bereichen Film, Kunst und Musik an. Die vom Goethe-Institut initiierten großen Festivals, das Nationale Theaterfestival, das Nationale Literaturform und das internationale Dokumentar- und Kurzfilmfestival haben „einzigartige Austauschplattformen für Kulturschaffende aus ganz Afghanistan geschaffen und sind mittlerweile fest in die afghanische Kulturszene integriert“ (Mitteilung des GI).

Am 14. Juli 2010 wurde in Kabul die pädagogische Fotoausstellung „Türme des Wissens“ zur Stärkung der nationalen Identität Afghanistans und zur Festigung der traditionellen Freundschaft zum deutschen Sprachraum eingeweiht. . Die historischen Fotos, die den Zeitraum von 1748 bis 1973 und den Wiederaufbau der vergangenen Jahre beschreiben, zirkulierten in allen 34 Provinzen.. Neben der Vermittlung von Fakten geht es auch um den Aufbau einer positiven nationalen Identität, insbesondere für die junge Generation, die ihr Land nur im Chaos kennt.

Die Wiedereröffnung der ersten Musikschule in Kabul am 20. Juni 2010 wurde ebenfalls mit Mitteln des AA unterstützt. Musikalische Erziehung war in Afghanistan bislang kaum ein Thema. Jetzt ist mit dem Nationalen Afghanischen Musikinstitut (ANIM) die erste qualifizierte Musikschule in Betrieb genommen worden.

Schließlich unterstützt das Auswärtige Amt Initiativen, die das Ziel haben, afghanische Kultur auch in Deutschland bekannt zu machen. Die Ausstellung "Afghanistan - Gerettete Schätze", zum Beispiel, wurde am 10. Juni 2010 durch Staatsministerin Pieper in der Bundeskunsthalle in Bonn eröffnet und zog mehr als 70.000 Besucher an.

Im Rahmen des Projektes Safar machten sich afghanische Meistermusiker auf die Reise nach und durch Deutschland, wo sie mit deutschen Musikern zusammentrafen. Entstanden ist aus dem Projekt nicht nur ein Beitrag zum Erhalt kulturellen Erbes, sondern auch ein kultureller Dialog auf Augenhöhe, bei dem beide Seiten voneinander lernen konnten und dies auch mit den Zuhörern teilten. Die dOCUMENTA 13 mit dem Titel „Zusammenbruch und Wiederaufbau“ konzentrierte sich auch auf die zeitgenössische Kunst und Kultur in Afghanistan: Werke von afghanischen Künstlern wurden Teil der dOCUMENTA13 in Kassel. Ziel des Vorhabens war es, den Austausch und die Aufnahme von Kontakten zu ermöglichen sowie die Rolle von Kunst beim Wiederaufbau einer zerstörten Gesellschaft zu verdeutlichen.


Kulturerhalt

Dem Erhalt und der Pflege afghanischer Kulturdenkmäler kommt bei der Stärkung der nationalen Identität und dem Aufbau einer Zivilgesellschaft eine wichtige Rolle zu. Mit einer Gesamtfördersumme von rund 6,7 Millionen Euro in den Jahren 2000 bis 2012 ist Afghanistan das wichtigste Partnerland für deutsche Kulturerhaltsmaßnahmen. 

Die Mittel ermöglichten die Förderung von bisher 78 Einzelmaßnahmen - von kleinen Sachspenden und Restaurierungsmaßnahmen bis zu komplexen, in einzelnen Phasen über mehrere Jahre geförderten Projekten, wie:

die Instandsetzung des Babur Gartens (Bagh-e Babur) in Kabul in Kooperation mit dem Aga Khan Trust for Culture,

  • die durch das Deutsche Archäologische Institut (DAI) bzw. das Museum für Islamische Kunst - Staatliche Museen Berlin durchgeführten Projekte in Herat zur Erforschung des historischen Stadtkerns und zur Einrichtung des Nationalmuseums und Handschriftenarchivs,,
  • die Sicherung der weltbekannten, 2001 durch die Taliban zerstörten Buddhas von Bamiyan in Zusammenarbeit mit dem Internationalen Rat für Denkmalpflege (ICOMOS) in München,,
  • die Arbeiten an dem historischen, an den Präsidentenpalast angrenzenden Gartenpavillon Kuti-e-Bagthscha mit wertvollen Wand-und Deckenmalereien,
  • die Stabilisierung und Restaurierung des Khwaja Parsa Schreins aus dem 15. Jahrhunderts. Bei dem Schrein handelt es sich um eines der wichtigsten noch existierenden Monumente in der Altstadt von Balkh in der gleichnamigen Provinz.

Im Rahmen des Kolloquiums „Kulturerhalt und Archäologie in Afghanistan“ im November 2012 in Berlin konnten die vielfältigen Projekte und Maßnahmen zusammen mit einer Ausstellung einem breiten Publikum vorgestellt werden. Die Veranstaltung wurde durch den afghanischen Vizebildungsminister Khalili im Rahmen des Projekts eröffnet.


UNESCO -Auszeichnung für Wiederaufbau der Altstadt von Herat 

Die UNESCO hat den Wiederaufbau der Altstadt von Herat mit ihrem „Award of Excellence“ ausgezeichnet. Die Bundesregierung unterstützt die Aga Khan Stiftung bei diesem wegweisenden Projekt.

UNESCO - Auszeichnung für Wiederaufbau der Altstadt von Herat, Afghanistan


Stand 25.01.2013